Nie sollst Du vergessen
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #11
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
»Katja Wolff.«
»Glauben sie denn, sie könnte deine Mutter überfahren haben?«
»Keine Ahnung.«
»Weshalb sollte sie? Weit einleuchtender wäre doch, dass deine Mutter den Wunsch hatte, sie totzufahren.«
»Normalerweise, ja«, sagte Gideon, »aber in meinem Leben ist nichts normal, folglich gibt es keinen Grund, weshalb der Tod meiner Mutter normal sein sollte.«
»Deine Mutter hat damals sicher gegen sie ausgesagt«, meinte Libby. »Vielleicht hat sie die ganze Zeit im Knast nur darüber nachgedacht, wie sie es allen heimzahlt, die sie da reingerissen haben. Aber wenn das stimmt, wie hat sie deine Mutter überhaupt gefunden, Gideon? Ich meine, nicht mal du hast gewusst, wo sie ist. Wie soll da diese Wolff sie ausfindig gemacht haben? Und selbst wenn sie das geschafft und sie umgebracht hat, warum dann ausgerechnet in der Straße, wo dieser Typ wohnt?« Libby dachte über ihre Fragen nach und gab die Antwort selbst. »Um Pitchford zu warnen?«
»Oder jemand anderen.«
Barbara Havers hörte am Telefon, was Lynley von Richard Davies erfahren hatte, auch den Namen, den sie brauchte, um ins Kloster der Unbefleckten Empfängnis reingelassen zu werden. Dort, sagte er, solle sie versuchen, jemanden ausfindig zu machen, der ihr etwas über den Verbleib einer Schwester Cecilia Mahoney sagen könne.
Das Kloster stand auf einem Grundstück, das wahrscheinlich ein königliches Vermögen wert war, umgeben von Gebäuden aus der letzten Dekade des 17. Jahrhunderts, die alle unter Denkmalschutz standen. Hier hatten zu der Zeit, als William und Mary ihr bescheidenes kleines Nest in den Kensington Gardens gebaut hatten, die Händler und Unternehmer ihre Landhäuser errichtet. Jetzt war der Platz im Besitz einiger Firmen, die sich in den historischen Gebäuden breit gemacht hatten, und der Insassen eines zweiten Klosters - woher, zum Teufel, hatten die Nonnen die Kohle, um sich hier häuslich niederzulassen, fragte sich Barbara - und der Bewohner einer Anzahl von Häusern, die vermutlich seit mehr als dreihundert Jahren im Besitz der dort ansässigen Familien waren. Im Gegensatz zu einigen anderen alten Plätzen in der Stadt, die durch Bomben oder die Geldgier aufeinander folgender konservativer Regierungen mit nichts als Bigbusiness, Riesengewinnen und Privatisierungsplänen verwüstet worden waren, zeigte sich der Kensington Square größtenteils unverändert: ein Geviert aus schönen alten Gebäuden mit Blick auf einen kleinen Park in der Mitte, wo unter jedem Baum rostbraunes Herbstlaub auf grünem Rasen leuchtete.
Ein Parkplatz war nicht zu finden. Barbara stellte ihren Mini auf dem Bürgersteig auf der Nordseite des Platzes ab, wo ein strategisch platzierter Poller verhinderte, dass die Autofahrer die Route über den Platz als Schleichweg benutzten und die Ruhe des Viertels störten. Zur Sicherheit legte sie ihren Polizeiausweis auf das Armaturenbrett des Wagens, bevor sie ausstieg.
Wenig später hatte sie Schwester Cecilia Mahoney gefunden, die immer noch im Kloster der Unbefleckten Empfängnis lebte und, als Barbara vorsprach, gerade in der Kapelle arbeitete. Wie eine Nonne, fand Barbara, sah sie nicht aus. Dem Klischee zufolge waren Nonnen alte Frauen, die man an ihrer schweren schwarzen Tracht, klirrenden Rosenkränzen und mittelalterlichen Flügelhauben erkannte.
Cecilia Mahoney entsprach nicht dem Klischee. Ja, als Barbara die Frau im Schottenrock mit der Marmorpolitur in der Hand auf der kleinen Trittleiter erblickte, hielt sie sie zuerst für eine Putzfrau, zumal sie gerade damit beschäftigt war, einen Altar zu reinigen, dessen Hauptattraktion eine Jesusfigur mit goldenem, anatomisch nicht ganz korrekt sitzendem Herzen war. Ob sie einen Moment stören dürfe, fragte Barbara, sie suche Schwester Cecilia Mahoney; woraufhin die Frau sich lächelnd umdrehte und sagte:
»Dann suchen Sie mich«, und das in so ausgeprägtem irischem Dialekt, als wäre sie eben erst aus Killarney angekommen.
Barbara stellte sich vor, und Schwester Cecilia kletterte vorsichtig von der kleinen Leiter herab.
»So, so, Sie sind also von der Polizei. Das sieht man Ihnen gar nicht an. Gibt es denn irgendwelche Schwierigkeiten, Constable?«
Die Beleuchtung in der Kapelle war düster, aber von der Leiter herabgestiegen, stellte sich Schwester Cecilia in den Schein einer Votivkerze, die auf dem Altar brannte. Das milde Licht glättete die Falten in dem Gesicht der vielleicht Fünfzigjährigen und setzte Glanzlichter auf das rabenschwarze Haar, das zwar kurz geschnitten, aber trotzdem nicht einmal von einigen Spangen zu bändigen war. Ihre veilchenblauen Augen mit den dunklen Wimpern waren freundlich auf Barbara gerichtet.
»Können wir uns irgendwo ungestört unterhalten?«, fragte Barbara.
»So traurig es ist - hier werden wir ganz sicher nicht gestört werden, Constable«, antwortete Schwester Cecilia. »Früher war das anders. Aber heutzutage… sogar die Schülerinnen, die bei uns im Wohnheim leben, kommen nur in die Kapelle, wenn sie vor einer Prüfung stehen und Gottes Hilfe erhoffen. Kommen Sie, gehen wir hier hinauf, dann können Sie mir sagen, was Sie von mir wissen wollen.« Wieder lächelte sie, mit ebenmäßigen weißen Zähnen, und fügte dann wie zur Erklärung ihres Lächelns hinzu:
»Oder wollen Sie zu uns ins Kloster kommen, Constable?«
»Was die Kleidung betrifft, war's wahrscheinlich eine Verbesserung«, meinte Barbara.
Schwester Cecilia lachte. »Kommen Sie, beim Hauptaltar ist es etwas wärmer. Da habe ich immer einen Heizlüfter stehen für unseren Monsignore, wenn er morgens die Messe liest. Er leidet ziemlich heftig unter Arthritis, der arme Mann.«
Sie nahm ihre Putzutensilien und führte Barbara unter einer tiefblauen Decke durch den Mittelgang nach vorn. Es war, wie Barbara sah, eine Kapelle der Frauen: Alle Kunstwerke außer der Jesusstatue und einem Glasfenster, das den heiligen Michael zeigte, stellten Frauen dar: die heilige Theresa von Lisieux, die heilige Klara, die heilige Katharina und die heilige Margarete. Und auch die Schmucksäulen, die die Fenster flankierten, waren von steinernen Frauenfiguren gekrönt.
»So, da sind wir schon.« Schwester Cecilia trat neben den Altar und schaltete einen großen Radiator ein. Während er warm wurde, sagte sie, dass sie ihre Arbeit gern hier fortsetzen würde, wenn Constable Havers nichts dagegen habe. Auch der Hauptaltar müsse in Ordnung gehalten werden; die Kerzenleuchter und der Marmor poliert, das Retabel abgestaubt, die Altardecke ausgetauscht werden. »Aber Sie sollten sich an das Öfchen setzen, Kind, die Kälte dringt hier durch alle Ritzen.«
Als die Nonne wieder zum Poliertuch griff, sagte Barbara, dass sie mit einer Nachricht gekommen sei, die Schwester Cecilia wahrscheinlich traurig machen werde. Man habe ihren Namen in mehreren Lebensbeschreibungen katholischer Heiliger gefunden .
»Nun, das ist doch angesichts meiner Berufung hoffentlich keine Überraschung«, meinte Schwester Cecilia, während sie die Kerzenleuchter aus Messing vom Altartisch nahm und vorsichtig neben Barbara auf den Boden stellte. Sie faltete die Altartücher, hängte sie über die reich verzierte Chorschranke und holte Putzlappen und Politur aus ihrem Eimer.
Barbara berichtete ihr, dass man die erwähnten Bücher im Besitz einer Frau gefunden hatte, die am vergangenen Abend ums Leben gekommen war. Und in einem der Bücher hatte sich ein Brief befunden, der von Schwester Cecilia geschrieben war.
»Die Frau hieß Eugenie Davies«, erklärte Barbara.
Schwester Cecilia hielt in ihrer Arbeit inne. »Eugenie?«, sagte sie. »Oh, das tut mir Leid. Ich habe allerdings seit Jahren nichts mehr von ihr gehört, der armen Seele. Ist sie plötzlich gestorben?«
»Sie ist ermordet worden«, sagte Barbara. »In West Hampstead. Auf dem Weg zu einem Mann namens J. W. Pitchley, der früher James Pitchford hieß.«
Langsam wie eine Taucherin in einer starken, kalten Strömung bewegte sich Schwester Cecilia zum Altar. Sie verrieb mit kleinen Kreisbewegungen etwas Politur auf dem Marmor, wobei sie lautlos betete oder monologisierte.