Der stolze Orinoco
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Der stolze Orinoco». Краткое содержание книги:
Er ist aber verschwunden, wo man erst recht hätte voraussetzen sollen, daß er bei der übrigen Gesellschaft bliebe. Und wer weiß, ob er nicht, auf eine geheim erhaltene Nachricht hin, daß die Quivas und ihr Führer in den benachbarten Savannen umherschwärmten, die Nacht benutzt hat, um das Raubgesindel aufzusuchen.
Wenn das der Fall war, jetzt, wo die Piroguen festsaßen und die kleine Gesellschaft gezwungen war, ziemlich weit durch den dichten Urwald zu marschieren, um nach Santa-Juana zu gelangen, dann drohte dieser auch die Gefahr eines Ueberfalles, den sie bei ihrer Minderzahl gewiß kaum abzuschlagen vermochte.
Von solchen recht ernsten Befürchtungen wurde Jacques Helloch jetzt beschlichen.
Davon hatte er aber gegen niemand gesprochen. kaum mit wenigen Worten gegen Valdez, der seinen Verdacht bezüglich des Spaniers theilte.
Nach der vom Sergeant Martial so bestimmt aufgeworfenen Frage nach dem unerklärlichen Verschwinden jenes Jorres, bemühte er sich denn auch, dem Gespräch eine andre und bei der Lage der Dinge mehr Nutzen versprechende Wendung zu geben.
»Lassen wir Jorres, wo er ist, sagte er. Vielleicht kommt er doch noch wieder zurück, vielleicht nicht. Wir haben uns mehr mit unsrer gegenwärtigen Lage zu beschäftigen und die Mittel zur Erreichung des letzten Zieles zu erwägen. Auf dem Orinoco können wir die Reise nicht weiter fortsetzen, das ist, ich erkenne es an, ein unglücklicher Umstand.
- Der aber doch, fiel Jean ein, nach wenigen Tagen so wie so eingetreten wäre. Selbst angenommen, wir hätten die Quellen mit unsern Piroguen erreichen können, so hätten wir sie doch am Fuße der Sierra Parima verlassen müssen. Wir haben es ja nicht anders gewußt, als daß wir die Strecke von da bis zur Mission Santa-Juana, die ja mit dem Orinoco nicht in unmittelbarer Verbindung steht, zu Fuß zurücklegen müßten.
- Sie haben Recht, lieber Jean, antwortete Jacques Helloch, früher oder später, morgen, wenn es nicht schon heute nöthig geworden wäre, hätten wir die Falcas verlassen müssen. Wäre es möglich gewesen, noch etwa vierzig Kilometer weiter nach Osten vorzudringen - und eine solche Fahrt wäre in der Regenzeit leicht auszuführen gewesen - so hätte uns das manche Anstrengungen erspart, die ich vor Allem für Sie fürchte.
- O, ich habe meine Kräfte wieder, Herr Helloch, versicherte Jean; ich wäre bereit, schon heute aufzubrechen, und würde gewiß nicht zurückbleiben.
- Ah, vortrefflich! rief Germain Paterne. Man braucht Sie nur zu hören, um ganz frisch und munter zu werden! Doch wir wollen Alles recht nüchtern überlegen, ehe ein Entschluß gefaßt wird. Kannst Du, Jacques, wohl sagen, wie weit wir jetzt sowohl von den Quellen, als auch von der Mission noch entfernt sind?
- Das hab' ich mir nach der Karte berechnet, antwortete Jacques Helloch. Von der Sierra Parima dürften wir demnach höchstens fünfzig Kilometer entfernt sein. Ich glaube aber nicht, daß es der richtige Weg wäre, bis nach den Quellen hinauf zu gehen.
- Und warum nicht? fragte der Sergeant Martial.
- Weil die Mission, wie wir bereits in San-Fernando gehört und von Herrn Manuel bestätigt bekommen haben, am Rio Torrido, im Nordwesten von unserm Lager am Pic Maunoir, liegt. Da erscheint es doch gerathener, den geraden Weg dahin einzuschlagen und nicht über die Sierra Parima einen Umweg zu wählen.
- Ganz recht, stimmte Jean ihm zu. Ich halte es für nutzlos, uns unnöthige Anstrengungen zuzumuthen, und es ist gewiß besser, in gerader Linie nach der Mission von Santa-Juana zu ziehen.
- Ja, wie denn? fragte der Sergeant Martial.
- Wie wir es gethan hätten. hätten thun müssen, wenn wir bis nach der Sierra Parima gekommen wären.
- Zu Fuß?
- Natürlich zu Fuß, erklärte Jacques Helloch. In diesem menschenverlornen Landstriche giebt es keinen Sitio, keinen Rancho, wo wir uns Pferde verschaffen könnten.
- Und unser Gepäck, fragte Germain Paterne. das müßten wir also an Bord der Piroguen zurücklassen?
- Ja freilich, antwortete Jacques Helloch, das kann ja ohne Bedenken geschehen. Warum sollten wir uns mit umfänglichen Gepäckstücken belasten?
- Hm! machte Germain Paterne, der mehr an seine Naturaliensammlungen als an seine Hemden und Strümpfe dachte.
- Wer weiß übrigens, warf Jean ein, ob unsre Nachsuchungen uns nicht noch über Santa-Juana hinausführen.
- In diesem Falle, erwiderte Jacques Helloch, und wenn wir in der Mission nicht Alles, was wir brauchen, finden, würden wir unser Gepäck nachkommen lassen müssen. Hier an dieser Stelle werden die Piroguen unsre Rückkehr abzuwarten haben. Parchal und Valdez, oder wenigstens einer von Beiden, werden sie mit der Schiffsmannschaft bewachen. Die Mission liegt nicht so weit von hier, daß ein Mann zu Pferde die Strecke nicht in vierundzwanzig Stunden zurücklegen könnte, und jedenfalls wird der Verkehr mit Santa-Juana nicht allzu schwierig sein.
- Ihre Ansicht, Herr Helloch, fuhr Jean fort, geht also dahin, nur das Unentbehrlichste für eine drei- bis viertägige Wanderung mitzunehmen.
- Ganz recht, lieber Jean, das ist das Einzige, was wir thun können, und ich würde sogar vorschlagen, sofort aufzubrechen, wenn wir nicht erst noch das Lager an der Mündung des Rio
Torrida einzurichten hätten. Vergessen wir nicht, daß wir hier unsre Piroguen wiederfinden müssen, wenn wir nach San-Fernando zurückkehren wollen.
- Mit meinem Oberst! rief der Sergeant Martial.
- Mit meinem Vater!« flüsterte Jean.
Ueber Jacques Helloch's Stirn war eine leichte Wolke des Zweifels gezogen. Er ahnte manche Schwierigkeiten und fürchtete manche Hindernisse, ehe das Ziel wirklich erreicht werden würde. Und würde man dann in Santa-Juana wohl zuverlässige Mittheilungen erhalten, die es erlaubten, die Spuren des Oberst von Kermor weiter zu verfolgen?
Jedenfalls hütete er sich, seine Gefährten irgendwie zu entmuthigen. Die Umstände hatten es ihm auferlegt, zuzustimmen, daß er die Reise bis zum Ende mit ausführte, und er gedachte vor keiner Gefahr zurückzuweichen. Gleichsam zum Führer des kleinen Zuges geworden, dessen Erfolg noch in so unbestimmter Ferne lag, fühlte er sich auch verpflichtet, dessen Leitung zu übernehmen, und er wollte nichts versäumen, diese Pflicht zu erfüllen.
Die Abfahrt wurde bis zum nächsten Tage verschoben und man ging daran, die Gegenstände auszuwählen, die bei einer drei bis vier Tagemärsche langen Wanderung durch die Urwälder der Sierra unentbehrlich erschienen.
Auf seinen eignen Vorschlag hin wurden Valdez und zwei seiner Leute bestimmt, die Reisenden bis zur Mission zu begleiten. Parchal und die übrige, sechzehn Köpfe zählende Mannschaft sollten am Lagerplatze bleiben und die Piroguen überwachen. Wer konnte aber wissen, ob es nicht mehrere Monate dauern würde, ehe deren Passagiere zurückkehren konnten! Dann neigte sich die trockne Jahreszeit ihrem Ende zu und die Schifffahrt wurde wieder möglich. Doch das kam ja erst in Betracht, wenn es sich wirklich um die Rückreise handelte.
Gewiß konnte man schmerzlich bedauern, daß diese Gegend am obern Orinoco so völlig menschenleer war. Wie vortheilhaft wäre es gewesen, bei Indianerfamilien etwa nöthige Erkundigungen einziehen zu können. Sie hätten jedenfalls über den einzuhaltenden Weg, über die Mission von Santa-Juana und deren genaue Lage im Nordosten des Flusses werthvolle Auskunft gegeben.
Jacques Helloch hätte dabei wohl auch erfahren, ob Alfaniz mit seiner Quivasbande in der Umgebung des rechten Ufers aufgetaucht wäre, denn wenn Jorres sich ihr hatte anschließen können, hauste sie unzweifelhaft in dem benachbarten Gebiete.
Ueberdies hätte man gewiß einen jener Indianer als Führer durch den dichten Wald anwerben können, der nur unbestimmte Pfade, die von vorübertrabenden Raubthieren oder von Indianern herrühren mochten, erkennen ließ.