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Электронная книга - «Der stolze Orinoco». Краткое содержание книги:

Durch ein Unglück wurde eine Familie zerrissen, und nun sucht die Tochter als Erwachsene ihren vermißten Vater, der sie wiederum für tot hält -mitten im Quellgebiet des unerforschten Orinoco findet man die ersten Spuren. Ein mächtiger Indianderstamm lebt unter der Herrschaft eines weißen Häuptlings, und eine Bande Verbrecher bedroht diesen Stamm, als die Expedition gerade eintriftt. Es kommt zum Kampf, und die Verbrecher werden glücklich besiegt.
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Ihnen gegenüber, auf dem andern Ufer, ragte die dunkle Masse eines hohen Pics empor. Das konnte kein andrer als der Pic Maunoir sein - so getauft von dem französischen Reisenden zu Ehren des Generalsecretärs der Geographischen Gesellschaft von Paris.

Vielleicht wurde, in Folge der Uebermüdung, diese Nacht nicht so scharf Wache gehalten.

Nach dem Abendessen hatte wenigstens keiner einen andern Gedanken als den, die Ruhe zu suchen, die jeder so nöthig brauchte. Passagiere und Mannschaften versanken denn auch bald in tiefen Schlummer.

Im Laufe der Nacht erfolgte kein Angriff - kein Ueberfall, weder durch die Bravos-Indianer, noch durch die Alfaniz'schen Quivas.

Beim Erwachen am frühen Morgen stießen die beiden Schiffer einen Schrei des Unmuths aus.

Das Wasser war seit gestern um fünfzig Centimeter gefallen, und die Piroguen saßen fest. Kaum einzelne gelbliche Wasserfäden rannen noch im Bett des Orinoco hin.

Die Schifffahrt war damit also für die ganze Dauer der trocknen Jahreszeit unterbrochen.

Als die Mannschaften dann nach dem Vordertheile der Piroguen zusammengerufen wurden, zeigte es sich, daß einer der Leute beim Appell fehlte.

Jorres war wieder verschwunden, und diesmal sollte er auch nicht zurückkehren.

Siebentes Capitel

Das Lager beim Pic Maunoir

Der Pic Maunoir überragt die Savanne um volle fünfzehnhundert Meter. Die Bergkette, die sich an die gewaltige Masse anschließt und deren unerschütterliches Bollwerk er zu bilden scheint, verzweigt sich über Sehweite hinaus nach Südosten.

Etwa vierundzwanzig Kilometer davon erhebt sich der Ferdinand von Lesseps-Pic - so hat ihn wenigstens Chaffanjon auf seiner Karte bezeichnet.

Hier beginnt die bergige Gegend, wo das orographische System Venezuelas die größten Erhebungen zeigt. Hier wölben sich breite, gewaltige Rücken und kreuzen sich diese verbindende Kämme in allen Richtungen. Der Anblick, den die Gebirge bieten, wirkt überraschend großartig. Hier steigt die Sierra Parima, die Nährmutter des Orinoco, auf, dort von Wolken umhüllt, der »Rothe Berg«, von dem zahllose, bei den Indianern in besonderem Rufe stehende Bäche herabrieseln -jener Roraima, ein riesiger Meilenstein im Mittelpunkt der Grenzen der drei Staaten.

Wenn es möglich gewesen wäre, wären Jacques Helloch und seine Gefährten auf dem Strom bis zur Sierra Parima, aus der dessen erste Quellen hervorsprudeln, hinausgefahren. Darauf mußten sie jetzt leider verzichten, wenn es auch zur Noth möglich gewesen wäre, die Reise mittelst der Curiares ihrer Piroguen noch fortzusetzen. Diese Boote hätten aber nur ein bis zwei Personen aufnehmen können. Wie wäre es aber möglich gewesen, ohne Mithilfe der Mannschaften weiter zu kommen, und was wäre aus dem gesammten Gepäck dabei geworden? Am Morgen dieses Tages traten Jacques Helloch, Germain Paterne, Jean, dessen Kräfte zusehends zunahmen, und der Sergeant Martial, denen sich die Schiffer Valdez und Parchal angeschlossen hatten, zu einer Berathung - einem von den Indianern Nordamerikas sogenannten Palaver - zusammen.

Ob Palaver oder Berathung - jedenfalls sollten dabei wichtige Beschlüsse gefaßt werden, von denen die Fortsetzung und vielleicht auch der ganze Erfolg der Reise abhingen.

Die genannten sechs Personen hatten am Saume des Waldes an einer Stelle Platz genommen, die den Namen des »Lagers am Pic Maunoir« erhielt, obgleich der Pic auf dem jenseitigen Ufer lag. Darunter dehnte sich das mit Sand und Steinen bedeckte Flußbett aus, in dem die Falcas an der Mündung eines Rio, des Rio Torrida, auf dem Trocknen saßen.

Das Wetter war schön, der Wind frisch und regelmäßig. Zur Linken, auf dem entgegengesetzten Ufer, erglänzte der von den Sonnenstrahlen gebadete Gipfel des Pics und auf seiner bewaldeten östlichen Seite leuchtete eine breite, helle Fläche.

Die Mannschaften waren beschäftigt, auf dem Vordertheil der Pirogue, das von leichtem, nach Süden wegziehendem Rauche halb verhüllt war, die erste Mahlzeit herzurichten.

Uebrigens zeigte sich jetzt kein Indianer, ebenso wenig auf dem Flusse oder an dessen Ufer, noch unter den ersten Bäumen des Waldes. Von bewohnten oder verlassenen Strohhütten war keine Spur zu sehen, obwohl sonst zu dieser Zeit die Ufer hier mehrfach von den Eingebornen aufgesucht wurden. Die in diesen Landestheilen zerstreuten Indianer nehmen aber nirgends feste Wohnsitze ein. Selbstverständlich dringen Händler von San-Fernando niemals soweit den Fluß hinauf, da sie zu leicht von Wassermangel überrascht würden. Mit welchem Flecken, welchem Rancho sollten sie auch hier in

Geschäftsverbindung treten? Jenseits von dem jetzt auch verödeten la Esmeralda trifft man Wohnstätten nicht einmal in genügender Anzahl beisammen, um ein Dorf zu bilden, und im Ganzen ist es selten, daß Piroguen über die Mündung des Cassiquiare hinausgehen.

Unter den Versammelten nahm Jacques Helloch sofort das Wort.

»Sie sind noch niemals auf dem obern Orinoco weiter hinauf gekommen, Valdez? fragte er.

- Niemals, antwortete der Schiffer der »Gallinetta«.

- Sie auch nicht, Parchal?

- Auch ich nicht, erklärte der Schiffer der »Moriche«.

- Keiner Ihrer Leute kennt den Flußlauf oberhalb des Pic Maunoir?

- Keiner, versicherten Parchal und Valdez.

- Keiner. außer vielleicht Jorres, ließ sich Germain Paterne vernehmen, doch der hat sich von uns getrennt. Ich habe ihn in Verdacht, daß er nicht zum erstenmale diese Gebiete durchstreift, obgleich er das Gegentheil hartnäckig behauptete.

- Wohin mag er denn gegangen sein? fragte der Sergeant Martial.

- Dahin, wo er ohne Zweifel erwartet worden ist, antwortete Jacques Helloch.

- Erwartet?.

- Jawohl, Sergeant; seit einiger Zeit ist mir das Verhalten des Mannes überhaupt verdächtig vorgekommen.

- Und mir nicht weniger, setzte Valdez hinzu. Als ich ihn nach seiner nächtlichen Abwesenheit am Rio Mavaca fragte, warum er eigentlich weggeblieben wäre, gab er mir eine recht nichtssagende Antwort.

- Doch als er in San-Fernando an Bord kam, fiel Jean jetzt ein, war es doch seine Absicht, sich nach der Mission Santa-Juana zu begeben.

- Es ist auch nicht zu bezweifeln, daß er den Pater Esperante gekannt hat, setzte Germain Paterne hinzu.

- Das ist wahr, sagte der Sergeant Martial, es giebt aber keine Erklärung dafür, warum er gerade jetzt verschwunden ist, wo wir nur noch einige Tagreisen von der Mission entfernt sind.«

Schon in den letzten Tagen hatte sich der Gedanke, daß Jorres den schlimmsten Verdacht rechtfertigen könne, bei Jacques Helloch mehr und mehr befestigt. Wenn er davon gegen niemand gesprochen hatte, kam das daher, daß er seine Gefährten nicht beunruhigen wollte. Von Allen war er jetzt auch der, den das Verschwinden des Spaniers am wenigsten überraschte, wenn er sich auch kein Hehl daraus machte, daß das recht ernste Folgen haben könnte.

Wenn er darüber nachdachte, fragte er sich wohl auch schon, ob Jorres nicht einer der aus Cayenne entwichenen Sträflinge sei, die jetzt an der Spitze der von Alfaniz angeführten Quivas standen. Alfaniz war ja ebenso Spanier wie er. Wenn das der Fall war, was machte er dann zur Zeit, als man ihn traf, in San-Fernando?. Warum verweilte er überhaupt in jenem Orte? Gewiß war nur, daß er sich daselbst befand und daß er, nachdem ihm bekannt geworden war, daß die Passagiere der Piroguen nach Santa-Juana gehen wollten, dem Schiffer der »Gallinetta« seine Dienste anbot.

Jetzt, wo Jacques Helloch's Verdacht in Folge der Flucht des Spaniers festere Gestalt angenommen hatte, erfüllten ihn folgende Gedanken:

Wenn Jorres nicht der Alfaniz'schen Bande angehört und er keine schlechten Absichten hat, wenn es wirklich seine Absicht war, nach der Mission zu gelangen, warum verläßt er uns so nahe am Ziel der Reise?

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