Napoleons letzte Schlacht
- Автор: Май Карл
- Серия: Liebe des Ulanen #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Napoleons letzte Schlacht». Краткое содержание книги:
Während des Ritts nun hatten sie Zeit, die vorhin unterbrochene Unterhaltung wieder aufzunehmen.
„Glaubst du, daß wir die Beni Hassan dazu bringen werden, den Deutschen zu überfallen?“ fragte der Junge.
„Ganz gewiß“, antwortete der Alte. „Wir müssen nur sagen, daß er ein Franzose sei; sie sind ja den Franzosen feindlich gesinnt. Und übrigens wird er von den Leuten des Stammes Ibn Batta begleitet, mit denen sie sich in Blutrache befinden. Es bedarf also nur eines Wortes.“
„Aber werden sie uns die Schätze lassen?“
„Ich hoffe es. Es kommt darauf an, es klug anzufangen. Gehen sie nicht mit darauf ein, so zwingen wir sie.“
„Zwingen? Wie wäre das möglich?“
„Siehe, jetzt bin ich dir überlegen“, lachte der Alte. „Ich würde sie ganz einfach durch die Franzosen zwingen.“
„Wieso?“
„Ich hole die Franzosen und überfalle sie. Die Schätze reklamiere ich dann als mein Eigentum.“
„Werden die Franzosen auf diesen Überfall eingehen?“
„Unbedingt. Ich habe bereits heute dem General die Mitteilung gemacht, daß die Beni Hassan im Begriff stehen, sich aufzulehnen.“
„Das ist gut. Aber –“
„Was aber? Was hast du einzuwenden?“
„Was wird dann aus Liama?“
„Mensch, ich begreife dich nicht. Dieses Mädchen hat dich wirklich um deinen ganzen Verstand gebracht.“
„Ist es ein Wunder? Sie ist schön wie ein Engel.“
„Pah! Es ist zwar wahr, daß sie sehr schön ist; aber in Frankreich kommt zu der Schönheit noch die Bildung.“
„Welche schöne und gebildete Französin würde einen Spion heiraten?“
„Du gebrauchst da ein nicht sehr schönes Wort. Weiß es übrigens die Französin, daß du hier Spion warst?“
„Sie kann es erfahren.“
„Wir bringen Reichtümer mit. Das gleicht alles aus.“
„Dieses Mädchen ist mir lieber als aller Reichtum.“
Der Alte zog den Schnurrbart in die Höhe.
„Du bist unverbesserlich! Liebt sie dich denn wieder?“
„Ich weiß es nicht.“
„Du hast noch nicht mit ihr gesprochen?“
„Nein.“
„Ah, du bist ein guter Rechner. Du rechnest mit Seifenblasen.“
„Warum sollte eine Araberin nicht einen Franzosen lieben?“
„Richtig!“ lachte der Alte. „Du brauchst ja nur zu kommen und die Hand auszustrecken. Und der Scheik? Was wird er dazu sagen?“
„Er wird ja sagen, sobald er sieht, daß sie mich liebt.“
„Aber ein Fremder erhält die Tochter des Scheiks nie anders, als daß er Mitglied des Stammes wird.“
„Gut, so werde ich Beduine.“
„Mensch, ich fange wirklich an zu glauben, daß diese sogenannte Liebe auch ein sonst verständiges Individuum von Sinnen bringen kann.“
„So hast du nie geliebt?“
„Oh, doch.“
„Ah! Du sprachst doch nie davon.“
„Das war auch nicht notwendig. Ich habe geliebt und liebe noch.“
„Wen?“
„Mich. Jetzt weißt du es. Dies ist die einzige und vernünftige Liebe, welche ich kenne. Übrigens würde ich dir deine Überspanntheit strengstens untersagen, wenn ich nicht dächte, auch meine Rechnung dazu zu finden.“
„Das glaube ich dir. Ein Egoist, wie du, tut nichts, wobei er nicht irgend einen Vorteil im Auge hat. Welche Rechnung meinst du da?“
„Du weißt, daß ich bei den Beni Hassan für deinen Vater gelte. Wenn mein Sohn der Eidam des Scheiks wird, gewinne ich bedeutend an Einfluß. Der Stamm stellt, wenn er alle Abteilungen zusammenzieht, über dreitausend Männer ins Feld. Du siehst ein, daß man damit einen bedeutenden Druck ausüben kann.“
„Ich gebe dir recht. Übrigens denke ich dabei auch an diesen Königsau.“
„Inwiefern?“
„Wenn der Scheik mein Schwiegervater ist, so wird er nichts dagegen haben, daß wir die Schätze, welche dieser Deutsche mit sich führt, unter uns zweien teilen.“
„Teilen? Hm!“ brummte der Alte. „Unserem bisherigen Abkommen gemäß erhalte ich stets zwei Drittel.“
„Das ist hier eine ganz andere Sache. Es war bisher nur von dem die Rede, was wir uns durch unsere Kundschafterei verdienten.“
„Und du denkst, daß du von des Königsau Sachen die Hälfte erhältst?“
„Ich denke es nicht bloß, sondern ich verlange es.“
„Gut! So ist aber die Kriegskasse da drüben in den Ardennen auch eine andere Sache. Ich werde sie selbst heben, ohne dich zu brauchen.“
„Du weißt nicht, wo sie liegt.“
„Ich werde den Ort finden.“
„Du wirst dich wohl kaum wieder nach Frankreich begeben.“
„Warum nicht? Sobald ich als reicher Mann auftreten kann, gehe ich hinüber.“ –
Zwischen den zwei Karawanenwegen, welche westlich von Uinasch nach El Baadsch und östlich von Tahir Raffe nach Um el Thiur gehen, erstreckt sich eine Ebene lang von Norden nach Süden. Ihr nördlicher Teil wird vom Wadi Dscheddi und ihr südlicher vom Wadi Itel durchzogen, ein sicherer Beweis, daß es diesem Teil der Wüste nicht ganz an Wasser und Feuchtigkeit fehlt.
Um el Thiur heißt zu deutsch Mutter der Vögel, wo es aber Vögel gibt, da muß es auch Bäume und Sträucher geben, und in der Tat ist diese Gegend auch mehr Weideland als Wüste.
Hier hatte sich der Teil der Beni Hassan, welcher unter dem bereits genannten Scheik Menalek stand, für einige Zeit niedergelassen, um seine Herden weiden zu lassen.
Die Ebene war zwar nicht mit reichem, aber doch zulänglichem Grün bedeckt, von welchem die weißen Zelte der Beduinen angenehm abstachen. Pferde sprangen hin und her; Rinder grasten, indem sie sich in ruhigem Schritt vorwärts bewegten, und Kamele und Schafe lagen, mit Wiederkäuen beschäftigt, an der Erde. Dabei standen die Hirten, um aufzupassen, daß keiner dieser Tiere sich in die Weite verlaufe.
In der Nähe der Zelte jagten Beduinen hin und her, um ihren jungen Pferden die berühmte arabische Schule beizubringen. Andere lagen, ihre Pfeife rauchend, in oder vor und zwischen den Zelten, um dem geschäftigen Treiben ihrer Frauen und Töchter zuzusehen, welche unverschleiert ab- und zugingen. Der Beduine zwingt das weibliche Geschlecht nicht, wie der Städtebewohner, das Gesicht, den edelsten Teil des menschlichen Körpers, unter der neidischen Hülle zu verbergen.
Im Westen, vom Wadi Fahama her, welches sich bei el Baadsch mit dem Wadi Itel vereinigt, kam ein Reiter geritten.
Sein Pferd mußte einen weiten Weg zurückgelegt haben, denn es zeigte sich so ermüdet, daß es schwer fiel, ihm einen kurzen Trab abzugewinnen. Er war ein noch junger Mann von wenig über zwanzig Jahren, und nur ein kurzer, weicher Flaum bedeckte seine Oberlippe. Er trug den weißen Burnus der Beduinen, und sein Kopf war gegen die Strahlen der Sonne durch ein buntes Tuch geschützt, welches er malerisch um denselben geschlungen hatte. Auch das Sattel- und Riemenzeug war arabisch, aber seine Waffen schienen nicht die hier gewöhnlichen zu sein.
Er hatte nämlich eine doppelläufige Büchse quer vor sich liegen, und aus den Satteltaschen guckten die Kolben von zwei Pistolen hervor. Dennoch war dieser junge Mann kein Europäer, sondern ein Beduine. Das sah man schon dem freudeglänzenden Blick an, welchen er auf die sich vor ihm entfaltende Szenerie warf. Es war der Blick eines Menschen, welcher, heimkehrend nach langer Zeit, den schmerzlich entbehrten Anblick genießt, welchen er seit frühester Kindheit gewohnt war.
Die Hirten hatten ihn schon von weitem beobachtet. Jetzt zwang er sein Pferd, die letzten Kräfte an einen Galopp zu setzen; dann parierte er es vor dem Hirten, welcher am entferntesten von dem Duar oder Zeltdorfe stand.
„Mubarak – Dein Tag sei gesegnet!“ sagte er.
„Neharak saaide – Dein Tag sei beglückt!“ antwortete der Hirte.