Napoleons letzte Schlacht
- Автор: Май Карл
- Серия: Liebe des Ulanen #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Napoleons letzte Schlacht». Краткое содержание книги:
„Das ist sehr lange. Ich glaube nicht, Sie so lange entbehren zu können.“
„So haben Sie noch weitere Aufträge für mich?“
„Allerdings. Sie sprachen ja davon, daß die Beni Hassan im Begriff stehen, sich gegen uns zu erheben. Haben Sie sichere Anzeichen beobachtet?“
„Ja. Ich habe mit einigen Scheiks darüber gesprochen.“
„Sie sind Freund mit ihnen?“
„Noch mehr als Freund; ich bin Gast bei ihnen.“
„Als was kennt man Sie dort?“
„Ich bin aus einer östlichen Oase und durchsuche die westliche Sahara nach einem Mann, gegen den ich eine Blutrache habe. Anders konnte ich meine unstete Lebensweise bei diesen Leuten nicht erklären.“
„Und man glaubt es Ihnen?“
„Ja. Nichts legitimiert bei diesen Leuten mehr, als eine Blutrache.“
„Das ist gut. Darum wäre es mir eigentlich lieb, wenn Sie jetzt bei diesem gefährlichen Stamm bleiben könnten. Ich wäre dann sicher, durch Ihre Beobachtungen immer auf dem laufenden erhalten zu bleiben.“
„Keine Sorge, mein General! Zur Erhebung eines Stammes gehört Zeit. Die Vorbereitungen, die Verhandlungen und Beratungen nehmen da Monate in Anspruch. Ich bin überzeugt, daß ich vom Marabut zurück sein werde, ehe ein fester Entschluß gefaßt worden ist.“
„Das heißt, daß innerhalb zweier Wochen nichts geschehen wird?“
„Innerhalb eines Monats sogar.“
„Das beruhigt mich. So treten Sie denn Ihre Reise an, und lassen Sie sich möglichst bald in Constantine sehen! Haben Sie mir sonst noch etwas zu sagen?“
„Nein.“
„Nun, so bin ich es, der noch einen Punkt mit Ihnen besprechen möchte.“
„Ich bin bereit dazu.“
„Zu jeder Auskunft?“
„Zu jeder.“
Der General sah ihn scharf und forschend an und fragte im Ton des Nachdrucks:
„Wirklich zu jeder?“
Die Miene des Spions wurde weniger zuversichtlich. Er antwortete:
„Zu jeder, welche sich mit meinen Verhältnissen verträgt, natürlich.“
„So machen Sie also doch eine Bedingung! Welche Verhältnisse meinen Sie?“
„Meine persönlichen.“
„Und auf diese bezog ich mich ebenfalls. Seit wann haben Sie Frankreich hier in Algerien gedient?“
„Seit dem Jahre achtzehnhundertdreißig.“
„Stets in Ihrer gegenwärtigen Eigenschaft?“
„Meist.“
„Hat keiner Ihrer Vorgesetzten oder Auftraggeber gewußt, wer Sie eigentlich sind?“
„Keiner.“
„Warum beobachten Sie eine so strenge Verschwiegenheit?“
„Weil es teils in meinem Charakter, teils auch in meinem Interesse liegt.“
„Würden Sie sich nicht entschließen, Vertrauen zu mir zu haben?“
„Ich vertraue Ihnen, mein General, sonst würde ich Ihnen nicht dienen; aber in diesem Punkt zwingt mich eine Pflicht, welche ich unmöglich verletzen darf, zur Verschwiegenheit.“
„So werde ich diese Pflicht gelten lassen müssen, obgleich es mir natürlich lieb und erwünscht sein muß, nur mit Männern zu tun zu haben, deren Verhältnisse offen vor mir liegen. Doch wenigstens fragen darf ich wohl, ob Sie ein geborener Franzose sind?“
„Das bin ich allerdings.“
„Welches war Ihr früherer Stand?“
„Ich bitte um die Erlaubnis, diese Frage übergehen zu dürfen.“
Die Miene des Generals verfinsterte sich.
„Ich glaube, daß Sie mit Ihrer Schweigsamkeit zu weit gehen“, sagte er. „Es scheint, Sie waren gezwungen, Frankreich zu verlassen?“
„Nein. Ich ging freiwillig von zu Hause fort.“
„Ihr Ton ist der Ton der Wahrheit; ich will Ihnen glauben. Ich möchte gern, daß ich etwas für Sie tun könnte. Haben Sie Verwandte in der Heimat?“
„Nein, wenigstens keine näheren.“
„Und soll es auch fernerhin verborgen bleiben, daß der Fruchthändler Malek Omar derjenige ist, welchen man das ‚Auge der Franzosen‘ nennt?“
„Ja. Es liegt ganz in Ihrem eigenen Interesse. Erführe man die Wahrheit, so könnte ich unmöglich weiter für Sie tätig sein.“
„Nun gut! Sie hüllen sich in ein undurchdringliches Geheimnis und zwingen mich, es zu achten. Darum dürfen Sie aber nicht erwarten, daß ich mich Ihnen unbedingt anvertraue. Sie spielen gegen die Beduinen geradeso den geheimnisvollen Freund wie gegen mich und uns überhaupt. Gegen wen sind Sie nun wahr und ehrlich?“
„Natürlich gegen Sie und meine Landsleute, General!“
Diese Worte waren im Ton der aufrichtigsten Beteuerung gesprochen; aber die Spur von Mißtrauen, welche in den Worten des Generals lag, machte doch, daß sich der graue Schnurrbart in die Höhe zog, so daß die Zähne sich fletschend sehen ließen. Cavaignac bemerkte dies und sagte:
„Ich hoffe das um Ihretwillen. Das Gegenteil würde ja nur zu Ihrem eigenen Verderben führen. Nehmen Sie sich dies zu Herzen.“
Die sonnenverbrannten Wangen des früheren Gardekapitäns röteten sich. Aus seinem Auge schoß ein Blitz auf Cavaignac. Er fragte:
„Wie kommen Sie zu diesem plötzlichen Mißtrauen, mein General? Haben Sie mich vielleicht einmal unzuverlässig gefunden?“
„Oh, dazu sind Sie zu vorsichtig. Aber ich will gegen Sie aufrichtiger sein, als Sie gegen mich, und Ihnen sagen, daß es mir bisweilen geschienen hat, als wenn Sie nur unter einer gewissen Reserve Frankreich Ihre Dienste zur Verfügung stellten. Auch der klügste, der geriebenste Mensch exponiert sich einmal, wenn er es nicht durch und durch ehrlich meint. Es will mir scheinen, als ob Sie dem Herrn dienten, von dem Sie den größten Lohn erwarteten. Frankreich ist reicher als so ein Beduinenscheik. Wäre es umgekehrt der Fall, was würden Sie tun?“
„Ich würde dennoch Frankreich dienen!“ antwortete Richemonte mit Emphase.
„Ah! Wirklich?“
„Ich bin sogar bereit, für Frankreich zu sterben!“
„Nun, warten Sie damit noch einige Zeit. Es ist zwar sehr rühmlich, für sein Vaterland zu sterben, vorteilhafter aber ist es doch, für sein Vaterland zu leben. Ich will hoffen, daß ich mich in jeder Beziehung auf Sie verlassen kann! Aber noch eins: Wie nennt sich Ihr Gefährte?“
„Ben Ali.“
„Also der Sohn Alis. Er ist demnach nicht Ihr Sohn?“
„Nein.“
„Ein Verwandter von Ihnen?“
„Ein Cousin von mir.“
„Also auch ein Franzose?“
„Ja.“
„Hat er über seine Verhältnisse dasselbe Stillschweigen zu beobachten wie Sie?“
„Ganz dasselbe.“
„Eigentümlich! Nun, ich will nicht in Sie dringen. Dienen Sie mir gut, so finden Sie Ihren Vorteil dabei. Ertappe ich Sie aber bei einer Untreue, so hoffe ich, daß Ihnen meine Strenge und Gerechtigkeit bekannt sind. Ich erwarte Sie baldigst in Constantine. Adieu.“
Richemonte machte eine sehr devote Verbeugung und ging. Cavaignac blickte ihm nach, bis er hinter der Tür verschwunden war. Dann fuhr er sich mit der Hand über das Gesicht und murmelte:
„Und dennoch habe ich dieses Gesicht gesehen! Es sind keine guten, ehrlichen, Vertrauen erweckende Züge. Als ich noch als Knabe in Paris lebte, wohnte den Eltern gegenüber in der Rue d'ange ein Offizier, an welchem ich dasselbe Zähnefletschen bemerkte, wenn er zuweilen aus dem Fenster sah. Er bewohnte die Hälfte der ersten Etage, während seine Mutter mit der Schwester die andere Hälfte inne hatte. Leider kann ich mich nicht mehr auf den Namen besinnen. Ich weiß nur noch, daß einst ein preußischer Husarenlieutenant diese Etage vor der Plünderung rettete. Ich traue diesem Spion nicht ganz und werde vorsichtig sein.“
Seine Erinnerung hatte ihn ganz richtig geleitet.
Richemonte verließ das Lokal in keineswegs guter Stimmung. Er suchte sein Gesicht zu beherrschen; aber als er zu seinem Gefährten zurückkehrte und hinter den Datteln neben ihm Platz nahm, machte er seiner Stimmung Luft.