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Napoleons letzte Schlacht

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Napoleons letzte Schlacht
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„Nein, sondern ich will dem Vater zu seinem Kind noch einen Sohn geben, mich.“

„Ich mag dich nicht. Du bist die Schande der Beni Hassan.“

„Deine Beleidigung ist tödlich. Mein Messer hätte längst dein Herz gefunden, wenn ich nicht des Wortes gedächte, welches ich Liama gegeben habe.“

„Dein Messer? Ah, du getraust dir nicht, dich zu rächen; du bist ein Feigling.“

Saadis Wangen wurden bleich. Er mußte die ganze Macht seiner Liebe zu Hilfe nehmen, um ruhig zu bleiben.

„Was habe ich dir getan, daß du solche Worte sagst?“ fragte er. „Ich liebe deine Tochter und schenke dir meine Ehrerbietung; dafür dankst du mir mit Beleidigungen, welche ein jeder andere mit dem Leben bezahlen würde. Soll ich den Stamm seines Scheiks und Liama ihres Vaters berauben? Soll ich die Blutrache in die Zelte deiner und meiner Verwandten tragen, nur um einer Liebe willen, welcher ich nicht widerstehen kann, weil Allah selbst sie in mein Herz gelegt hat?“

Der Scheik schüttelte verächtlich mit dem Kopf.

„Du wirst an keiner Blutrache schuld sein, denn du bist ein Feigling“, sagte er. „Ich habe bei dir die Waffen der Giaurs gesehen. Sie sind nicht gefährlich, denn du verstehst nicht, sie zu gebrauchen.“

„Du irrst. Ich habe mit ihnen den Löwen erlegt und den Panther des Gebirges.“

„Lüge nicht. Du wirst mit dabei gewesen sein, als Hunderte von Giaurs sich aufmachten, eine armselige Katze zu jagen, welche du in deiner Feigheit für einen Panther gehalten hast. Die Giaurs brüllen vor Angst, wenn sie eine Katze sehen, und das hast du von ihnen gelernt.“

„Hat dir nicht der Inglis, welcher in deinem Zelt wohnte und den ich dann begleitete, gesagt, daß er ganz allein ausgeht, um den Löwen zu schießen?“

„Er hat gelogen, und ich glaubte es ihm nicht. Um einen Löwen zu töten, sind mehr als fünfzig tapfere Jäger erforderlich.“

„Er hat nicht gelogen, denn ich selbst bin dabei gewesen, als er den Löwen tötete, und ich erschoß das Weib des Löwen.“

„Du lügst noch mehr als dieser Inglis. Wenn der Sohn eines Stammes auf die Rache des Blutes auszieht, so ist dies eine Pflicht und eine Ehre; aber wenn der Nachkomme eines Vaters das Dorf verläßt, nur um die Städte der Ungläubigen zu besuchen, so erntet er Schande.“

„Ich habe den Stamm für kurze Zeit verlassen, weil ich arm war.“

„O Allah! Du wolltest dir Geld verdienen?“

„Ja.“

„Du, ein freier Araber?“

„Ja.“

„Du gingst in den Dienst eines Ungläubigen? Schande über dich!“

„Ich war nicht sein Diener, sondern sein Beschützer. Ich zeigte ihm die Wege der Wüste und der Steppe und machte ihn bekannt mit den Stämmen unserer Freunde. Ist dies eine Schande?“

„Ja, denn er gab dir Lohn dafür.“

„Er gab mir keinen Lohn. Ich verlangte nichts von ihm; ich ging nur deshalb mit ihm, weil ich ein Geschenk von ihm erwartete und andere Gegenden kennen lernen wollte. Ist es eine Schande, ein Geschenk anzunehmen?“

Darauf konnte oder mochte der Scheik nicht antworten. Er fragte höhnisch:

„Ist sein Geschenk reich ausgefallen?“

„Ich bin zufrieden“, sagte Saadi zurückhaltend.

„Was hat er dir gegeben?“

„Er hat mir Gold gegeben. Dieser Inglis war sehr reich, und er hatte mich lieb, ich kann mir ein Zelt erbauen.“

„So erbaue es und führe als Weib hinein, welche du willst, nur meine Tochter nicht. Wenn ich dich noch einmal bei ihr sehe, so werde ich dich durchpeitschen lassen, gerade so, wie die Beherrscher von Algier ihre Sklaven schlagen ließen.“

„Ich wiederhole dir, daß ich dich töten würde, sobald du es wagtest, die Hand an mich zu legen.“

„Oh, du tust dies nicht; du bist ja ein Feigling.“

„Deine Worte sind nicht die Worte eines weisen Mannes. Lerne von mir, dem Jüngeren, wie es sich schickt, seine Leidenschaften zu beherrschen. Allah ist gnädig und allgütig, aber auch seine Geduld kann ein Ende haben, warum also nicht diejenige eines Sterblichen. Darum gehe ich und lasse dich stehen, denn ich denke an Liama, welche deine Tochter ist.“

Er wandte sich um und ging.

„Feigling!“ rief ihm Menalek laut nach.

Saadi war im tiefsten Herzen empört. Sein Inneres wallte und kochte. Er mußte dieses schöne Mädchen unendlich lieb haben, da er die Kraft gefunden hatte, ihretwegen so schwere Beleidigungen ungeahndet über sich ergehen zu lassen.

Wie hatte sich seine Seele nach der Heimat gesehnt! Und nun er sich bei den Zelten seines Duars befand, erntete er Haß anstatt Liebe und grimmige Verachtung anstatt Wohlwollen. Das Gebüsch, durch welches er schritt, bestand aus wilden, dornigen Akazien und stacheligen Mimosen. Er bemerkte gar nicht, daß diese Dornen und Stacheln ihn verwundeten. Er strich durch die Sträucher hin, nur daran denkend, seine Seele zu beruhigen.

Die Schlucht wurde immer breiter und höher, da sich ihre Sohle immer tiefer senkte. Der bisher sandige Boden wurde steinig, und hier und da lagen Steintrümmer, von Felsen herrührend, welche von den Wäldern der Schlucht herabgestürzt waren.

An einem solchen Stein blieb das Auge Saadis plötzlich haften.

Der Stein zeigte Eindrücke, als ob man mit einer scharfen, mehrzinkigen Harke über denselben hinweggefahren sei. Saadi bückte sich nieder und blickte, da es in der Tiefe dieser Schlucht bereits zu dunkeln begann, genauer hin.

„O Allah! Der Herdenwürger“, sagte er.

Herdenwürger wird der Löwe genannt. Der König der Tiere war in jenen Gegenden ganz und gar nicht selten.

Saadi untersuchte die Eindrücke auf dem Stein und murmelte:

„Sie sind ganz neu. Der Löwe ist bereits des Morgens hier gewesen. Er hat Hunger, denn er hat seine Krallen an diesem Stein geschärft. Er wird heute Nacht nach dem Dorf kommen, um sich Fleisch zu holen.“

Er betrachtete den Boden genau und fand die Fährte des Tieres, welcher er eine Zeitlang folgte. Sie führte hin und her. Das Tier war ungewiß gewesen, wohin es sich wenden solle.

„Er hat noch kein bestimmtes Lager gehabt, sondern es sich erst gesucht“, meinte Saadi. „Er ist also erst am Morgen hier angekommen, um eine neue Wohnung zu finden. Er hat die Wanderung während der Nacht gemacht. Er ist allein; er hat also sein Weib und seine Kinder zurückgelassen. Er wird sie nachholen, sobald er findet, daß es hier gute Beute gibt.“

Diese Kalkulation zeigte, daß Saadi wirklich nicht unerfahren sei. Der Engländer, welchem er sich angeschlossen hatte, war jedenfalls kein sogenannter Aas- oder Sonntagsjäger gewesen.

„Soll ich diese Spuren weiter verfolgen?“ fragte sich Saadi. „Nein. Ich habe mein Gewehr nicht bei mir, und es wird die Nacht gleich hereinbrechen. Der Würger der Herden versteckt sich am Tag, aber des Nachts kommt er heraus. Wenn er mich fände, würde er mich töten und fressen. Ich muß zurückkehren, um die Männer des Dorfes vor ihm zu warnen, damit sie auf ihrer Hut sind, wenn er kommen wird, um die Herden zu besuchen.“

Er stieg an der Seite der Schlucht empor. Das Dorf lag in weiter Ferne, er konnte es kaum erkennen, denn die in jenen Gegenden so kurze Dämmerung war hereingebrochen und ging sehr schnell in das Dunkel des Abends über.

Noch ehe er die Zelte erreichte, sah er die kleinen Feuer des Lagers glimmen, an denen die Frauen das Abendmahl bereiteten. Dort angekommen, schritt er gerade auf das Zelt des Scheiks zu; er hielt es für seine Pflicht, gerade diesem letzteren seine Meldung zu machen, denn er selbst hatte nicht das Recht, die Versammlung zusammenzurufen.

Auch vor diesem Zelt brannte ein Feuer. Menalek saß bei demselben und sah zu, wie sein Weib und seine Tochter das Kuskus bereiteten. Als er den Nahenden erblickte, griff er mit der Hand nach seinem Messer. Er glaubte, dieser komme, um sich an ihm zu rächen.

„Was willst du?“ fragte er drohend. „Pack dich fort von hier!“

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