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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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Eine der Töchter öffnete die Tür, sah ihn entkräftet dort lehnen, kaum des Sprechens fähig.

»Oh, Mama«, rief sie, »es ist unser armer Nachbar, der den ganzen Tag so gejammert hat!«

Die Mutter kam hinzu, half ihm auf die Beine, nahm ihn mit in die Wohnung und setzte ihn auf einen Stuhl; dann fragte sie, wie sie und ihre Töchter ihm trotz ihrer Armut helfen könnten.

»Ich sterbe Hungers«, erwiderte der Limousiner, »ich habe seit drei Tagen nichts gegessen. Ich wage mich nicht auf die Straße, wo es von Polizeispitzeln wimmelt, denn ich bin mir sicher, dass sie nach mir suchen.«

Carbons Schwester flößte ihm ein Glas Wein ein und reichte ihm dann ein Stück Brot, das er verschlang, als hätte er tatsächlich drei Tage lang nichts zu sich genommen. Und da die Frauen befürchteten, die Polizeispitzel seien ihretwegen unterwegs, der Schwester und der Nichten Carbons wegen, fragten sie ihren Nachbarn, was er getan habe.

Indem er sich stellte, als gäbe er ihren Fragen nach, gestand er oder gab er vor zu gestehen, dass er von Cadoudal nach Paris geschickt worden war, um sich Saint-Régeant und Limoëlan anzuschließen. Doch als er am Tag nach dem Attentat in Paris angekommen war, hatte er sich über keinen der beiden kundig machen können. Dies war umso unerfreulicher, als er um ein unfehlbares Mittel wusste, sie nach England zu bringen. An diesem ersten Tag ihrer Bekanntschaft vertrauten die alte Dame und ihre Töchter sich dem Fremden noch nicht an; sie gaben ihm jedoch Brot und eine Flasche Wein und versprachen ihm, für ihn zu sorgen, solange er auf ihrer Etage wohnte, wenn er für seine Lebensmittel bezahlte, denn sie lebten zwar nicht im Elend, doch in größter Armut.

Am zweiten Tag ihrer Bekanntschaft erfuhr er, dass Carbon der Bruder der alten Dame war und sich bis zum 7. Nivôse bei ihr aufgehalten hatte. Dann hatte eine Demoiselle de Cicé ihn im Auftrag von Limoëlans Beichtvater abgeholt und zu einem kleinen Nonnenorden von Sacré-Cœur gebracht, unter dem Vorwand, er sei ein Priester, der den Eid auf die Verfassung verweigert hatte und deshalb noch nicht nach Frankreich zurückkehren dürfe; da er nicht länger warten wolle, sei er nach Frankreich zurückgekommen, denn er rechne täglich damit, von der Liste der Emigranten gestrichen zu werden. Im Übrigen war er bei den Nonnen sicher aufgehoben, und seine Beschützerinnen, die dem Ersten Konsul für sein Einlenken ihrer Religionsausübung gegenüber dankbar waren, feierten jeden Tag eine Messe für den Erhalt seiner kostbaren Existenz, an welcher teilzunehmen Carbon niemals versäumte.

Über die Verschwörung der Attentäter mit der Höllenmaschine war die alte Dame vorzüglich unterrichtet, denn sie hatte sich unter ihren Augen abgespielt; sie zeigte dem Limousiner das letzte der zwölf Pulverfässer, mit denen das große Fass gefüllt worden war.

Das letzte Faß enthielt noch an die zwölf Pfund Pulver; der Limousiner erkannte, dass es sich um englisches Schießpulver allererster Güte handelte; die anderen Fässer waren zu Feuerholz zersägt worden, und Limoëlan hatte sogar gesagt: »Gehen Sie sorgsam damit um, meine Damen, das ist teuer erkauftes Holz!«

Sie zeigte ihm auch die Kittel, mit denen sich Limoëlan und Carbon verkleidet hatten; was aus dem Kittel Saint-Régeants geworden war, wusste sie nicht.

Nun galt es nur noch herauszufinden, in welchem Nonnenkloster Carbon sich aufhielt. Die drei Damen wussten es auch nicht, doch der vorgebliche Chouan behauptete so beharrlich, er müsse seine Flucht mit Carbon abstimmen, dass dessen Schwester zuletzt versprach, ihm Carbons Adresse am nächsten Tag zu bringen.

Da sie wusste, wo sie Mademoiselle de Cicé antreffen konnte, suchte sie diese auf und erhielt von ihr die gewünschte Auskunft.

Die Messen für das Seelenheil des Ersten Konsuls waren öffentlich, und so konnte der Limousiner mit zwei Polizisten in die Kirche eindringen. In einer Ecke des Chors sah er einen Mann, der so andächtig betete, dass es sich um niemand anderen als Carbon handeln konnte.

Der Spitzel wartete, bis fast alle gegangen waren; dann näherte er sich Carbon und nahm ihn ohne jede Gegenwehr fest, so überrascht war sein Opfer.

Carbon gab sofort alles zu. Das Geständnis war die einzige Hoffnung, die ihm blieb. Er verriet auch Saint-Régeants Versteck. Es befand sich in der Rue du Bac.

Als Saint-Régeant festgenommen wurde und erfuhr, dass sein Komplize alles gestanden hatte, machte er keinerlei Ausflüchte, sondern legte folgendes Geständnis ab, das wir dem von ihm unterzeichneten Protokoll entnehmen:  

»Alles, was der Polizist Victor über den Kauf des Pferdes, das Unterstellen des Karrens bei einem Getreidehändler und den Kauf eines Fasses gesagt hat, ist wahr.

Wir mussten einen Tag bestimmen und wählten den Abend, an dem der Erste Konsul in der Oper das Oratorium Die Schöpfung besuchen sollte.

Wir wussten, dass er durch die Rue Saint-Nicaise kommen würde, eine der engsten Straßen in der Nähe der Tuilerien, und dort wollten wir unsere Bombe aufstellen. Der Wagen des Ersten Konsuls sollte um Viertel nach acht vorbeikommen. Punkt acht Uhr war ich mit dem Karren zur Stelle, während sich Limoëlan und Carbon an zwei Portalen des Louvre versteckt hielten, um mich gegebenenfalls zu benachrichtigen. Wie ich als Kärrner verkleidet, hatten sie mir geholfen, den Karren dort abzustellen, wo die Rue de Malte in die Rue Saint-Nicaise einmündet; daraufhin hatten sie ihren Posten bezogen. Fünf Minuten verstrichen. Da ich kein Zeichen erhalten hatte, verließ ich den Karren und vertraute die Zügel des Pferdes einem Bauernmädchen an, dem ich dafür vierundzwanzig Sous gab, und ging die Straße bis zu den Tuilerien entlang.

Plötzlich hörte ich Limoëlan rufen: ›Da kommt er!‹, und im gleichen Moment vernahm ich das Geräusch eines näher kommenden Wagens und einer Eskorte. Ich lief zu dem Karren zurück und dachte mir dabei: Gott im Himmel, wenn Bonaparte für Frankreichs Frieden notwendig ist, dann wende den Anschlag von seinem Haupt ab und leite ihn auf mich! Dann habe ich dem Mädchen zugerufen: ›Lauf weg!‹ und habe den Zunder entzündet, der das Pulver auf dem Karren in Brand gesetzt hat.

Wagen und Eskorte hatten mich schon eingeholt. Das Pferd eines Grenadiers hat mich an eine Häusermauer gedrückt; ich bin gestürzt, habe mich aufgerappelt und bin zum Louvre gelaufen, aber nach wenigen Schritten ohnmächtig geworden. Als Letztes sah ich den Feuerschein des Zunders funkeln und dann die Silhouette des Mädchens neben dem Karren; dann habe ich nichts mehr gesehen, gehört oder gespürt!

Als ich wieder zu mir kam, lag ich unter dem Portal des Louvre. Wie lange ich dort ohnmächtig gelegen hatte, wüsste ich nicht zu sagen. Der kühle Lufthauch hat mich zur Besinnung gebracht; ich wusste wieder, wer ich war, und erinnerte mich an alles, doch zwei Dinge verwunderten mich: dass ich noch am Leben war und dass ich mich in Freiheit befand. Blut floss mir aus Nase und Mund. Zweifellos hatte man mich für einen der vielen harmlosen Passanten gehalten, die von der teuflischen Maschine verwundet worden waren. So schnell ich konnte, lief ich zur Brücke, verknotete meinen Kittel und warf ihn in den Fluss. Ich wusste nicht, wohin; ich hatte erwartet, bei der Explosion zerfetzt zu werden, und mich nicht um einen Unterschlupf für den Fall meines Überlebens gekümmert. Ich fand Limoëlan zu Hause vor, wo wir zusammen wohnten. Als er meinen Zustand sah, holte er einen Beichtvater und einen Arzt. Der Beichtvater war sein Onkel, Monsieur Picot de Colsrivière, der Arzt ein junger Mann aus seinem Freundeskreis. Von ihnen haben wir dann erfahren, dass das Attentat gescheitert war.

›Ich war von Anfang an gegen den Zunder‹, sagte Limoëlan. ›Hättest du auf mich gehört und mit mir den Platz getauscht, dann hätte ich die Sprengladung mit einem glühenden Holzscheit entzündet. Ich wäre in Stücke gerissen worden, gewiss, aber ich hätte Bonaparte ins Jenseits befördert. ‹«  

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