Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Das war alles, was aus Saint-Régeant herauszubekommen war, aber mehr benötigte man nicht.
Limoëlan, der sich schämte, bei seinem Unternehmen gescheitert zu sein, und der davon überzeugt war, dass ein politischer Attentäter entweder zu triumphieren oder umzukommen habe, kehrte nicht zu Georges Cadoudal zurück und setzte keinen Fuß mehr nach England. Da er ebenso fromm wie stolz war, sah er in seinem Handeln Gottes Willen, war nicht bereit, sich der Justiz der Menschen zu unterwerfen, und schiffte sich in Saint-Malo als einfacher Matrose ein.
Man erfuhr nur, dass er in die Fremde gegangen sei und sich von der Welt zurückgezogen habe; selbst seine engsten Verbündeten wussten nichts von seinem Schicksal. Fouché aber ließ ihn nicht aus den Augen und beobachtete noch lange das entlegene Kloster, in dem er die Priesterweihe empfangen hatte. Er stand nur mit seiner Schwester in Briefwechsel, und am Kopf eines seiner Briefe las Desmarets, der Chef der Geheimpolizei, folgende bemerkenswerte Beschwörung, die Limoëlan offenbar verfasst hatte, weil er fürchtete, englische Kreuzer könnten seine Briefe abfangen:
»O Engländer! Lasst diesen Brief seinen Bestimmungsort erreichen... er stammt von einem, der für Eure Sache viel getan und viel darum gelitten hat.«
Noch zwei weitere Royalisten waren in die Verschwörung verwickelt, doch tauchen sie nur schemenhaft im Hintergrund auf. Sie hießen Joyaut und Lahaye Saint-Hilaire.
Beide konnten wie Limoëlan die Gunst der Stunde und das Kesseltreiben gegen die Jakobiner zur Flucht nutzen; sie gingen nach England und berichteten Cadoudal vom Scheitern des letzten Attentats.
Saint-Régeant und Carbon wurden zum Tode verurteilt. Trotz seiner Aussagen und seiner Beihilfe zum Auffinden und Verhaften seines Komplizen wurde Carbon keine Strafmilderung gewährt.
Als Bonaparte auf das Gerichtsverfahren angesprochen wurde, schien er es völlig vergessen zu haben; er sagte nur: »Wenn das Urteil gefällt ist, soll es vollstreckt werden. Mich geht das nichts an.«
Am 21. April starben Carbon und Saint-Régeant auf dem Schafott, das noch von dem Blut Arénas und seiner drei Komplizen gerötet war.
Vergeblich haben wir nach Berichten über den Tod der zwei Verurteilten gesucht. Offenbar wünschte die Regierung, dass dem Sterben dieser zwei Unglückseligen keinerlei weiter gehende Bedeutung zugemessen wurde. Der Bericht ihres Todes in Le Moniteur ist nur eine Zeile lang und besagt:
»Am Tag X und zur Stunde X sind Carbon und Saint-Régeant hingerichtet worden.«
Am Tag nach ihrer Hinrichtung reiste der Limousiner mit geheimen Befehlen nach London ab.
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König Ludwig von Parma
Wenn die Existenz eines Menschen für die Interessen, die Ehre und das Schicksal einer großen Nation von überragendem Gewicht ist, wenn aller Gedanken dem Erfolg oder Misserfolg dieses Menschen und seines Geschicks gelten und alle sich in Spekulationen ergehen, welche Folgen Erfolg oder Misserfolg, Aufstieg oder Fall zeitigen könnten, stehen Freund und Feind einander gegenüber und erwägen, was Hass oder Hingabe, entgegengebracht dem Mann, der sich erhebt, aber jeden Augenblick fallen kann, ihnen einbringen mögen. Das ist die Stunde der Wahrsager, der Vorahnungen, der Voraussagen. Selbst die Träume üben ihren geheimen Einfluss aus, und jeder lässt sich nur zu gerne in das unbekannte Land der Zukunft entführen von einem jener leichten und flüchtigen Führer, die dem Reich der Nacht durch die hörnerne oder elfenbeinerne Pforte entweichen. Die einen sehen – von Natur aus ängstlich oder aus gewohnheitsmäßiger Schwarzseherei – bei jedem Anlass die schrecklichsten Dinge voraus und liegen aller Welt mit absurden Warnungen vor eingebildeten Gefahren in den Ohren, die anderen wiederum sehen alles im rosigsten Licht, reden sich die Dinge und die Zukunft schön und bestärken Cäsar oder Bonaparte unbekümmert in deren Blindheit für alles außer dem angestrebten Ziel, während eine dritte Partei – die Partei der Verlierer, auf die sich der große Mann, dem Zufall und Vorsehung in die Hände spielen, stützt, indem er sie zertritt – ihrem ohnmächtigen Zorn mit finsteren Verwünschungen und Plakaten voller Drohungen und blutrünstigen Ankündigungen Luft macht.
Und inmitten der geistigen Strömungen solch unseliger Zeiten, ja sogar aus diesen Strömungen heraus keimen bisweilen verbrecherische Gedanken, an denen sich schwache oder düstere Geister berauschen – heillose Zustände, denen derjenige, der sie geschaffen hat, nur durch den Tod entkommen zu können scheint.
Solche Zustände herrschten unter Cäsar, der sich zum König krönen wollte, unter Heinrich IV., der Maria von Medici und Concino Concini den Prozess machen wollte, und nach dem 18. Brumaire unter Bonaparte, der zwischen der Rolle eines Augustus und der eines Washington zauderte.
Unter diesen Umständen kann es leicht geschehen, dass ein Preis auf den Kopf ausgesetzt wird, der die Zukunft zu bergen scheint, dass er der allgemeinen Ruhe geopfert werden soll, und die Frage ist dann nur, wer als Erster zum Dolch eines Brutus oder zum Messer eines Ravaillac greift, um das Hindernis zu beseitigen, das seinen Wünschen, Grundsätzen oder Hoffnungen im Weg steht.
Wahrhaftig war das ganze erste Jahr des Konsulats von einer schier endlosen Kette der Verschwörungen gegen den Ersten Konsul begleitet gewesen. Feinde, die er sich mit dem 13. Vendémiaire geschaffen hatte, mit dem 18. Fructidor, mit dem 18. Brumaire, Royalisten, Republikaner, Compagnons de Jéhu, Vendée-Aufständische und Chouans konspirierten bei Nacht und im Wald, auf den Landstraßen, in den Cafés, ja sogar im Theater.
Ergrimmt ob des Handstreichs von Saint-Cloud, Bonapartes letztem politischen Handstreich, besorgt ob der möglichen Folgen, besorgt auch durch Bonapartes beharrliches Schweigen auf die Briefe Ludwigs XVIII., versetzten sich Royalisten und Republikaner, die beiden einzigen politischen Parteien im damaligen Frankreich, kurz: die Weißen und die Blauen, in Rage, indem sie laut Rache und Tod forderten.
»Wie soll ich nicht konspirieren?«, hatte Aréna zu seinen Richtern gesagt. »Alle Welt konspiriert heutzutage. Auf den Straßen, in den Salons, auf den Kreuzungen und öffentlichen Plätzen, überall wird konspiriert.«
»Die Luft ist voller Dolche«, wird sogar Fouché sagen, um das Denken dieser Verschwörer zu schildern und um Bonaparte aus seiner Untätigkeit zu wecken.
In allen Einzelheiten kennen wir den schrecklichen Krieg der Vendée und der Bretagne, die Verschwörung der Wälder gegen die Stadt, untrennbar verbunden mit den Namen La Rochejacquelein, Bonchamps, d’Elbée, Charette und Lescure. In allen Einzelheiten kennen wir die Verschwörung der Compagnons de Jéhu zum Straßenraub, die vor unseren Augen Valensolles, Jahiat, Ribier und Sainte-Hermine mit dem Leben bezahlt haben, doch mit keiner Silbe erwähnten wir bisher die Verschwörung der Straße eines Metge, eines Veycer und eines Chevalier, die von Standgerichten abgeurteilt und füsiliert wurden.
In wenigen Zeilen berichteten wir von der Verschwörung zum Mord im Theater, an der Topino-Lebrun, Demerville, Ceracchi und d’Aréna beteiligt waren. Dann sahen wir die Verschwörung Limoëlans, Carbons und Saint-Régeants zum Attentat an der Straßenkreuzung heraufziehen und verfolgten die Attentäter von der Rue Saint-Nicaise bis zur Place de Grève. Und bald werden wir die Verschwörung Pichegrus, Cadoudals und Moreaus heraufziehen sehen.
Doch sobald es den Anschein hatte, als beruhige sich die Lage, als auf den Frieden von Lunéville mit Österreich der Frieden von Amiens mit England folgte, als Franz I., diese Verkörperung der politischen Reaktion in Europa, zuließ, dass sich vor seiner Tür in Italien Republiken bildeten, als Georg II. von England bereit war, von dem Wappen Heinrichs IV. die drei Bourbonenlilien zu tilgen, als Ferdinand von Neapel den Engländern seine Häfen versperrte, als Bonaparte sich unmissverständlich im Tuilerienpalast eingerichtet hatte und seine Frau mit einer Etikette umgab, die zwar noch weit entfernt von kaiserlicher Etikette war, aber fürstliche Etikette bereits bei Weitem überstieg, als Joséphine zum Ausgehen die Begleitung von vier Ehrendamen und vier Offizieren benötigte, als sie in ihren Gemächern Empfänge gab und in den Gemächern des Erdgeschosses mit Blick auf den Garten Minister empfing, Diplomaten, vornehme Ausländer, als sich, angeführt vom Außenminister, die Gesandten aller europäischen Mächte einfanden, durch den Frieden nach Paris gelockt, als die Tür zu den Gemächern des Ersten Konsuls sich unversehens öffnete und er mit dem Hut auf dem Kopf all diese Gesandten begrüßte, die sich vor ihm verbeugten, als am zweiten Jahrestag des 18. Brumaire das Fest des Friedens gefeiert wurde, als man miterlebte, wie derjenige, den zwei Kammern seinerzeit kurzzeitig für vogelfrei erklärt hatten, mit dem Papst, dem Gesandten Gottes, so umsprang, wie er es mit den Gesandten irdischer Könige getan hatte, als die Kirchen wieder geöffnet waren und Kardinal Caprara in Notre-Dame das Tedeum singen ließ, als Chateaubriand, der den aus Frankreich verjagten Gott im Schatten der Urwälder Amerikas und in den Wasserfällen des Niagara gefunden hatte, seinen Geist des Christentums in jener Stadt veröffentlichte, in der man fünf Jahre zuvor mit Robespierre den Kult des Höchsten Wesens gefeiert und der Göttin Vernunft gehuldigt hatte, zu deren Tempel man Philippe-Augustes alte Basilika umgewandelt hatte, als Rom sich mit der Revolution versöhnt hatte und der Papst dem Mann die Hand reichte, der das Abkommen unterzeichnet hatte, das ihn seiner Länder beraubte, als zu guter Letzt der Sieger von Montebello, von Rivoli, der Pyramiden und von Marengo den beiden gesetzgebenden Versammlungen den Frieden zu Lande durch den Vertrag von Lunéville und den Frieden zu Meere durch den Vertrag von Amiens brachte sowie den Frieden mit dem Himmel durch das Konkordat, die Amnestie für alle Verfolgten und ein unerreichtes Gesetzbuch, als er zum Lohn für seine Dienste das Konsulat auf Lebenszeit erhielt, ja fast die Krone, als schließlich klar wurde, dass nichts von dem eingetreten war, was sich England in seiner erbitterten Feindschaft ersehnt hatte, als für einen Augenblick die Hoffnung erlaubt schien, dass dieser Diktator künftig so weise sein würde, wie er in der Vergangenheit groß gewesen war, im Besitz jener Widersprüche, die Gott in keinem anderen Menschen je vereinte: Kraft und Instinkt des großen Heerführers sowie Glück und Ruhm des Begründers eines Reiches, als man hoffen wollte, dass dieser Mann Frankreich der Freiheit entgegenführen werde, nachdem er es so groß gemacht hatte, mit Ruhm überhäuft, an die Spitze der Nationen gestellt hatte – da erschrak England und redete sich ein, es habe die Pflicht, unter Hintanstellung von Recht und Moral diesem neuen Washington, kaum minder machtvoll als jener in seiner gesetzgeberischen Eigenschaft, doch weitaus beeindruckender als Feldherr, in den Arm zu fallen.