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Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
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Der Alkohol und die Meeresluft verhalfen Rob zu einem tiefen, traumlosen Schlaf. Am nächsten Morgen genoß er noch einmal den Luxus der Augustinischen Bäder, kaufte auf der Straße ein Frühstück aus Fladen und frischen Pflaumen und ging dann zum jüdischen Basar. Auf dem Markt wählte er sorgfältig, denn er hatte sich jedes Stück genau überlegt. Er hatte in Tryavna ein paar leinene Gebetsschals gesehen, aber die Männer, die er dort am meisten geachtet hatte, hatten Wolle getragen; also kaufte er jetzt für sich einen viereckigen Wollschal, der wie die Unterwäsche, die er am vorhergehenden Tag gefunden hatte, mit Fransen versehen war.

Er kam sich komisch vor, als er einen Satz der ledernen Gebetsriemen kaufte, die die Juden während ihres Morgengebetes auf der Stirn befestigten und um den Arm wickelten.

Er hatte jeden Einkauf bei einem anderen Händler getätigt. Einer verfügte über eine besonders große Auswahl an Kaftanen. Der Mann konnte nicht Persisch, aber mit Gebärden verständigten sie sich dennoch. Zwar war kein Kaftan groß genug, aber der Verkäufer bedeutete Rob, dass er warten solle, und dann lief er zu der Bude des alten Mannes, der Rob den tsitsit verkauft hatte. Der hatte größere Kaftane, und bald darauf hatte Rob zwei erstanden.

Er packte seine Habseligkeiten in einen Kleidersack, verließ den Basar auf einer Straße, die er noch nicht kannte, und erblickte bald eine so herrliche Kirche, dass es nur die Kathedrale der heiligen Sophia sein konnte. Er trat durch das riesige Bronzeportal ein und befand sich in einem gewaltigen Raum von hinreißenden Proportionen, in dem Pfeiler in Bogen, Bogen in Gewölbe und Gewölbe in eine so hohe Kuppel übergingen, dass Rob sich ganz klein vorkam. Der schier endlose Raum des Mittelschiffs wurde von lausenden Dochten beleuchtet, die sanft und hell in Ölschalen brannten und sich glitzernd viel stärker widerspiegelten, als Rob es in einer Kirche gewohnt war.

Er erkannte, dass dies an den goldgerahmten Ikonen und Wänden aus kostbarem Marmor lag, auch wenn das Gold und der Prunk für seinen englischen Geschmack zuviel waren.

Der größte Teil des Schiffs war leer, und er setzte sich hinten in eine leere, geschnitzte Bank unter die gekrümmte Gestalt, die am Kreuz hing. Er hatte das Gefühl, dass ihm die starren Augen in die Seele blickten und dass sie den Inhalt des Kleidersacks kannten. Er war nicht fromm erzogen worden, doch trotz des Unterfangens, das er plante, überkamen ihn seltsamerweise religiöse Gefühle. Er wusste, dass er die Kathedrale nicht umsonst betreten hatte. So stand er auf und blieb eine Zeitlang schweigend stehen, um sich der Herausforderung dieser Augen zu stellen. Schließlich sagte er laut: »Es muss getan werden. Aber ich verlasse dich nicht.«

Kurze Zeit später, nachdem er den Hügel mit den steinernen Stufen emporgestiegen war und sich wieder in seinem Zimmer befand, war er weniger sicher.

Er stellte den kleinen Stahlwürfel auf den Tisch, in dessen polierten Stahlflächen er sich für gewöhnlich beim Rasieren spiegelte, und schnitt mit einem Messer die Haare, die ihm jetzt lang und wirr über die Ohren fielen. Er hörte erst auf, als nur noch die rituellen Ohrlok-ken übrig waren, die die Juden peot nannten. Dann entkleidete er sich und legte befangen den tsitsit an, denn er erwartete beinahe, dass er heimgesucht werde. Die Fransen schienen über sein Fleisch zu kriechen.

Sein Bart war unleugbar noch spärlich. Er ordnete die Ohrlocken so, dass sie lose unter dem glockenförmigen Judenhut hingen. Der Lederhut erwies sich als ein besonders günstiges Geschenk, weil er so offensichtlich alt und gebraucht war.

Dennoch fürchtete er, als er das Zimmer wieder verließ und auf die Straße ging, dass dieser Wahnsinn nicht klappen würde; er wartete darauf, dass jeder, der ihn sah, vor Lachen brüllte. Ich werde einen Namen brauchen, dachte er. Es wäre falsch gewesen, sich Mär Reuven zu nennen wie in Tryavna. Um sich erfolgreich zu verwandeln, brauchte er mehr als diese schwache hebräische Version seiner gojischen Identität. Jesse... Das war ein Name, an den er sich von der Bibel her erinnerte.

Ein starker Name, mit dem man leben konnte, der Name von König Davids Vater. Als Familiennamen wählte er Benjamin zu Ehren von Benjamin Merlin, der ihm, wenn auch widerwillig, gezeigt hatte, was ein Medicus sein konnte.

Er würde behaupten, aus Leeds zu stammen, denn er erinnerte sich an die Häuser, die dort den Juden gehörten, und er konnte, wenn es nötig sein sollte, auf Einzelheiten des Ortes eingehen.

Er widerstand dem Impuls, umzukehren und zu fliehen, als ihm drei Priester entgegenkamen und er voll Panik erkennen musste, dass einer von ihnen Vater Tamas war, sein Tischgefährte vom Vorabend. Die drei schlenderten gemächlich dahin und schienen in ein Gespräch vertieft. Er zwang sich, auf sie zuzugehen. »Friede sei mit Euch«, sagte er, als sie sich auf gleicher Höhe mit ihm befanden. Der griechische Priester ließ den Blick verächtlich über den Juden gleiten, dann wandte er sich, ohne zu antworten oder zu grüßen, wieder seinen Gefährten zu.

Als sie an ihm vorbei waren, lächelte Jesse ben Benjamin aus Leeds. Er setzte seinen Weg jetzt ruhig und mit mehr Selbstvertrauen fort und drückte die Handfläche an die rechte Wange, wie es der rabbenu von Tryavna getan hatte, wenn er tief in Gedanken versunken war.

Dritter Teil.

Isfahan 

Die letzte Etappe

Trotz seines veränderten Aussehens fühlte er sich immer noch wie Rob Jeremy Cole, als er zu Mittag die Karawanserei aufsuchte. Ein großer Troß nach Jerusalem wurde gerade zusammengestellt, und der weite, offene Platz war ein verwirrender Mahlstrom von Treibern, die bela-dene Kamele und Esel führten, Männer, die ihre Wagen in die Reihe zurückfahren wollten, Reitern, die einander bedenklich nahe kamen, während die Tiere protestierend brüllten und überanstrengte Menschen Tiere und Mitreisende beschimpften. Ein Trupp normannischer Ritter hatte den einzigen Schatten an der Nordseite der Lagerhäuser mit Beschlag belegt. Dort lümmelten sie betrunken auf dem Boden und riefen den Vorübergehenden Schimpfworte zu. Rob wusste nicht, ob sie die Männer waren, die Mistress Buffington getötet hatten, doch es war durchaus möglich, und er ging ihnen angeekelt aus dem Weg. Er setzte sich auf einen Ballen Gebetsteppiche und beobachtete den Leiter der Karawanen. Der kervanbashi war ein stämmiger türkischer Jude, der auf den graumelierten Haaren, die noch Spuren der ursprünglichen roten Farbe aufwiesen, einen schwarzen Turban trug. Meier hatte ihm gesagt, dass dieser Mann, der Zevi hieß, sehr nützlich sei, wenn es darum ging, eine sichere Reise zu planen. Natürlich zitterten alle vor ihm.

»Verdammt nochmal!« brüllte Zevi einen unglückseligen Viehtreiber an. »Verschwinde, du Dummkopf! Führe deine Tiere weg, sie sollten doch den Tieren der Kaufleute vom Schwarzen Meer folgen! Habe ich dir das nicht schon zweimal gesagt? Kannst du dir denn nie deinen Platz in der Marschlinie merken, du Mißgeburt?« Rob hatte den Eindruck, dass Zevi überall zugleich war, Streitigkeiten zwischen Kaufherren und Fuhrleuten schlichtete, mit dem Anführerder Karawane über die Route beriet und die Frachtunterlagen überprüfte. Während Rob zusah, machte sich ein Perser an ihn heran, ein kleiner Mann, der so mager war, dass er hohle Wangen hatte.

Er hatte einen

kümmerlichen Bart und trug einen schmutzigen, orangefarbenen Turban, der für seinen Kopf zu klein war.

»Wohin reist Ihr, Hebräer?«

»Ich hoffe, dass ich bald nach Isfahan aufbrechen kann.« »Ah, Persien! Braucht Ihr einen Führer, Effendi? Denn ich bin in Qum geboren, in der Gegend von Isfahan, und kenne jeden Stein und Busch auf dem Weg.« Rob zögerte.

»Jeder andere wird Euch den langen, schwierigen Weg an der Küste entlang führen und dann durch die persischen Berge, weil sie alle die kürzeste Route durch die Große Salzwüste vermeiden, vor der sie Angst haben. Ich aber kann Euch geradewegs durch die Wüste bis zum Wasser führen und dabei allen Räubern aus weichen.« Rob war in Versuchung, den Mann anzuheuern und sofort aufzubrechen, denn er erinnerte sich daran, wie gut Charbonneau ihm gedient hatte. Aber der Mann hatte etwas Hinterhältiges an sich, und schließlich schüttelte Rob den Kopf.

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