Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Wen die Götter lieben - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Wen die Götter lieben

Электронная книга - «Wen die Götter lieben». Краткое содержание книги:

Wir schreiben das Jahr 355 nach Christus. Das römische Reich hat längst den Höhepunkt seiner Macht überschritten. In einer Welt ehrgeiziger Beamter und machthungriger Priester ist Drusus, der immer noch an die alten Götter glaubt, in Ungnade gefallen. Gemeinsam mit seinem Freund Marcellus nimmt er den Kampf gegen den korrupten Staat auf. Ihr einziger Verbündeter ist der junge Julian - Philosoph, Statthalter in Germanien und Neffe des blutrünstigen Kaisers Constantius. Mit einem Heer treuer Verbündeter plant er die Rebellion.

Über den Autor:
Paul Waters ist in England geboren und riss mit siebzehn von zu Hause aus, um zur See zu fahren. Irgendwo auf dem Indischen Ozean fiel ihm ein Exemplar von Herodots Historien in die Hände, was seine Faszination für die Antike weckte. Später studierte er Latein und Griechisch am University College London. Danach lebte und lehrte er in Frankreich, Griechenland, Amerika und im südlichen Afrika. Er wohnt heute in Cambridge, England.

Titel der Originalausgabe: »The Philosopher Prince«
1 ... 62 63 64 65 66 67 68 69 70 ... 77
Перейти на страницу:

Ich hätte gern den Arm um ihn gelegt, aber das hätte nichts genützt. Inzwischen schreckte er vor jeder Berührung zurück.

Ich wischte mir über die Stirn. Für das Bad war es sehr früh, und wir waren allein.

Nach einer Weile sagte ich: »Die Natur lässt die Tiere gebückt gehen und fressen, doch den Menschen hat sie aufrecht erschaffen, damit er zum Himmel blicken kann und seine Seele ihre Heimat erkennt.«

Sein junges Gesicht verzog sich. »Schöne Worte, Drusus. Aber für dich sagt sich das leicht. Schau, was du hast. Jeder schätzt dich und sieht zu dir auf. Du bist wie ein Reicher, der nicht verstehen kann, warum ein Bettler über sein beschwerliches Leben klagt.«

»So ist mein Leben keineswegs«, erwiderte ich, »so ist es nie gewesen.«

Er zuckte bloß die Achseln. Aufgebracht sagte er: »Du willst über Wahrheit reden? Dann sage ich dir, was wahr ist. Wir sind nichts als Tiere, niedrige, erbärmliche Tiere. Das ist der Mensch in Wirklichkeit. Alles andere ist nur ein Traum. Schau dich doch um, Drusus! Was siehst du denn außer Grausamkeit und Selbstsucht?«

Ich sog die heiße Luft in meine Lungen. Leise antwortete ich: »Ja, Rufus, ich weiß. Da braucht man nicht lange zu suchen. Aber es gibt auch Edelmut, Liebe und Schönheit, und es gibt das Gute, das unsere Seele sehr wohl erkennt. In jedem Menschen wohnt ein Tier und ein Gott, und jeder kann sich entscheiden, welchem er folgen will.«

Er stieß ein aggressives Lachen aus. »Fromme Worte! Aber ich war da und du nicht.« Er hielt inne und blickte mich forschend an; dann schaute er weg. In anklagendem Ton sagte er: »Du hast es Marcellus erzählt, nicht wahr?«

»Ich habe es niemandem erzählt. Was damals passiert ist, bleibt unter uns.«

Er zog die Brauen zusammen und schien etwas erwidern zu wollen; stattdessen drehte er den Kopf weg und spuckte aus. Dann stemmte er sich von dem Sims hoch, stand einen Moment still da und blickte geradeaus.

»Ich gehe jetzt. Ich will nicht mehr reden«, sagte er. Seine Stimme hatte alle Kraft verloren; nur Verbitterung und ein gequälter Unterton waren geblieben. »Komm mir nicht nach, Drusus. Du hast gesehen, was ich bin, und das ist schlimm genug. Du hättest mich bei meinem Wein sitzen lassen sollen.«

Durch den wabernden Dampf schritt er davon, eine nackte, verlorene Gestalt.

Am Abend, als ich Marcellus sah, fragte er mich, wie es verlaufen sei.

Ich erzählte es ihm, aber nicht alles. Worte haben Macht, können heraufbeschwören oder zerstreuen. Es schien mir keinen Sinn zu haben, solch düsterer Betrachtung Macht zu verleihen, indem ich sie wiederholte.

Den Vormittag über war ich ernst und nachdenklich gewesen und hatte einige Überlegungen angestellt. Jetzt sagte ich: »Mir scheint, dass man das Leben eines anderen Menschen nicht für ihn gestalten kann, als hielte man Ton in den Händen. Veränderungen müssen aus ihm selbst kommen, weil er sie will, oder durch das Eingreifen eines Gottes. Ich glaube nicht, dass Rufus auf mich hört. Aber vielleicht wird er sich eines Tages erinnern.«

Doch bald schon mussten wir unsere Gedanken auf andere Dinge richten. Lucillians Legionen, die nach Gallien hatten marschieren sollen, hatten rebelliert.

Ich war bei Julian in einem der prächtigen Säle des Sommerpalasts, als der Bote angekündigt wurde. Die Legionen hatten die Festungsstadt Aquileia eingenommen und Constantius ihre Treue ausgesprochen.

Aquileia ist eine ziemlich bedeutende Stadt. Sie liegt an der Straße, die den Osten mit dem Westen verbindet, und herrscht über Norditalien. Deshalb war die Gefahr groß. Die italienischen Städte, die bis dahin noch unschlüssig gewesen waren, würden ihre Tore vor uns verschließen, wenn wir uns jetzt schwach zeigten. Und Gaudentius war noch in Afrika. Wenn Italien sich gegen uns stellte, würde er ungehindert nach Sizilien übersetzen und unsere Flanke angreifen können.

Julian rief seine Offiziere zusammen. »Wie weit ist Jovinus entfernt?«, fragte er.

»Er ist diesseits der Alpen«, sagte Nevitta. »Auf der Straße nach Sirmium. Er wird bis zum Monatsende hier sein.« Er zeigte auf eine Stelle auf der Karte.

Julian blickte kurz darauf; dann ging er unruhig auf und ab. »Jovinus muss umkehren und Aquileia belagern«, entschied er schließlich.

Daraufhin redeten alle durcheinander, Nevitta am lautesten. »Was denkst du dir dabei?«, rief er. »Aquileia wurde noch nie erobert! Die Stadt ist uneinnehmbar. Jovinus kann ein Jahr und länger da sitzen.«

Plötzlich waren alle still. Nevitta sah sich mit schnellen, scharfen Blicken nach Unterstützern um wie ein Mann, der sich ungewollt eine Blöße gegeben hat. In seiner Miene, die er in Julians Gegenwart sonst immer sorgfältig glatt hielt, malten sich Zweifel und Zorn ab.

Und ich, der ich meine eigenen Gründe hatte, auf Nevittas Stimmungen zu achten, sah noch etwas anderes auf seinem Gesicht. Nicht Furcht, wie ich zuerst glaubte, sondern Berechnung. Denn in diesem Augenblick dämmerte ihm zum ersten Mal, dass wir unterliegen könnten und was das für ihn bedeutete.

»Wir haben den Winter«, sagte Julian. »Wir werden Jovinus alles geben, was er braucht. Auch von Troja hieß es einmal, es sei uneinnehmbar, und doch wurde die Stadt erobert. Wir müssen an uns selbst glauben und auf die Götter vertrauen, wo wir nicht mehr weiterwissen.«

Nevitta runzelte die Stirn. Er wusste, was er wusste, und hatte keine Zeit für Philosophie und Gedanken an die Götter. Doch er schwieg; er spürte, dass er schon zu viel gesagt hatte.

Anschließend wurde über Einzelheiten gesprochen – was für die Belagerung vonnöten sei, was Jovinus geschickt werden könne und so weiter. Doch niemand sprach aus, was er an erster Stelle dachte – dass wir in gefährlicher Weise angreifbar waren. Was hätte das auch für einen Sinn gehabt? Wir mussten die Lage nehmen, wie sie war.

Später, als wir draußen in dem großen Hof allein waren, sagte ich zu Marcellus: »Hast du Nevittas Gesicht gesehen? Unlängst hat er noch über unsere Vorsicht gelacht und geprahlt, der Sieg sei uns in den Schoß gefallen wie eine reife Frucht.«

Marcellus zuckte die Achseln. »Ihm ist klar geworden, dass er den Mund hätte halten sollen. Er ist ratlos, deshalb schlägt er um sich. Er ist ein Großmaul. Aber vielleicht ist er diesmal eine Weile still.«

Wolken schoben sich vor die Sonne. Ich rieb mir die Arme, da mir plötzlich kalt war. Schon raschelte Herbstlaub auf dem gemusterten Marmorboden. Bald würde man Mäntel und lange Tuniken tragen müssen. In der gegenüberliegenden Kolonnade näherte sich Eutherius, der von Julians Gemächern kam; sein leuchtender Umhang bauschte sich im Wind. Wir gingen ihm entgegen.

»Wie geht es Julian?«, fragte ich.

»Er ist besorgt, aber entschlossen«, sagte er. »Er ist mit Oribasius gegangen, um Hermes zu opfern. Ich dagegen werde den Gott des Frühstücks ehren, der mir immer gute Dienste geleistet hat. Wollt ihr euch anschließen?«

So begleiteten wir ihn in seine neuen Räume – eine angenehme Zimmerflucht mit einem eigenen geschützten Garten, wo an einer Mauer ein Feigenbaum stand. Wir speisten auf Gitterstühlen auf der Terrasse, wärmten uns in der Sonne und sprachen über die Neuigkeiten aus Aquileia.

Ich fragte, was Constantius nun wohl tun würde.

»Er eilt bereits nach Konstantinopel«, sagte Eutherius, »wo seine übrigen Streitkräfte zusammengezogen werden. Er wird über unser Pech zweifellos erfreut sein. Die Schmeichler und Intriganten werden seine Eitelkeit nähren und ihn erinnern, dass er der Herr der Welt und unbesiegbar ist.«

1 ... 62 63 64 65 66 67 68 69 70 ... 77
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)