Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Hector starrte Fouché mit einem Gesichtsausdruck der Verblüffung an, der an Schwachsinn grenzte.
Sein Blick wanderte durch den Raum und fiel auf einen Stichel auf dem Schreibtisch des Ministers, so spitz wie eine Nadel. Er wollte danach greifen, doch Fouché fiel ihm in den Arm.
»Sehen Sie sich vor, Monsieur«, sagte er, »oder wollen Sie Ihr Wort brechen, was eines Edelmanns unwürdig wäre?«
»Was wollen Sie damit sagen?«, rief der junge Graf, der sich aus Fouchés Griff zu befreien versuchte.
»Selbstmord ist Flucht.«
Sainte-Hermine ließ den Stichel los und stürzte auf den Teppich, wo er sich wie in einem Anfall zu wälzen begann.
Fouché betrachtete ihn; als er sah, dass der Schmerz seinen Höhepunkt erreichte, sagte er: »Hören Sie mir zu, ich weiß jemanden, der Ihnen verschaffen kann, was Sie verlangen.«
Sainte-Hermine stützte ein Knie auf und erhob sich halb. »Wer ist das?«, fragte er.
»Der Erste Konsul.«
»Oh!«, rief der junge Mann. »Erbitten Sie für mich von ihm, dass er mir die Gnade erweist, mich hinter einer Mauer füsilieren zu lassen, ohne dass es zu einem Gerichtsverfahren kommt, ohne dass mein Name genannt wird, ohne dass jene, die mich füsilieren, jemals erfahren, wer ich bin.«
»Geben Sie mir Ihr Wort, dass Sie hier auf mich warten und nicht zu fliehen versuchen?«
»Sie haben mein Wort! Sie haben mein Wort, Monsieur! Aber bringen Sie mir um Himmels willen den Tod.«
»Ich werde tun, was ich kann«, sagte Fouché lachend. »Ihr Wort...«
»Bei meiner Ehre!«, rief Sainte-Hermine und streckte ihm die Hand hin.
Der Staatsanwalt hatte im Nebenzimmer gewartet. »Und jetzt?«, fragte er, als Fouché eintrat.
»Sie können nach Vernon zurückfahren«, sagte Fouché. »Hier werden Sie nicht mehr benötigt.«
»Aber mein Gefangener?«
»Den behalte ich.«
Und ohne dem Beamten weitere Erklärungen zu geben, stieg Fouché eilig die Treppe hinunter und sprang mit den Worten: »Zum Ersten Konsul!« in den Wagen.
27
Die Höllenmaschine
Die Pferde, die bei diesem Befehl wieherten, galoppierten los.
Vor dem Tuilerienpalast blieben sie von allein stehen; er war ihnen als Halt wohlbekannt.
Bonaparte weilte bei Joséphine; Fouché wollte nicht dort erscheinen, weil er keine Frau in die wichtige politische Frage verwickeln wollte, die sich anbahnte, und ließ seine Ankunft durch Bourrienne ausrichten.
Sogleich kam der Erste Konsul in seine Gemächer herauf.
»Nun, Citoyen Fouché, worum geht es?«
»Citoyen Erster Konsul, es geht darum, dass ich so vieles mit Ihnen zu besprechen habe, dass ich keine Rücksicht darauf nehmen konnte, ob ich Sie störe oder nicht.«
»Sie haben recht daran getan. Gut, sagen Sie alles.«
»Vor Monsieur de Bourrienne?«, fragte Fouché sehr leise.
»Monsieur de Bourrienne ist taub, Monsieur de Bourrienne ist stumm, Monsieur de Bourrienne ist blind«, erwiderte der Erste Konsul. »Sprechen Sie.«
»Ich habe Cadoudals Mann von einem meiner fähigsten Spitzel verfolgen lassen«, sagte Fouché. »Noch am selben Abend hat er sich mit dem schönen Laurent getroffen, dem Anführer der Compagnons de Jéhu, der seine Leute umgehend zusammengerufen hat.«
»Und dann?«
»Ist er nach Straßburg abgereist, hat bei Kehl den Rhein überquert und in Ettenheim den Herzog von Enghien aufgesucht.«
»Fouché, Sie schenken diesem jungen Mann nicht genug Beachtung; er ist der Einzige aus seiner Familie, der den Mut besaß zu kämpfen, und das recht tapfer; mir wurde sogar versichert, er sei mehrere Male nach Straßburg gekommen. Man muss ihn unbedingt überwachen.«
»Seien Sie unbesorgt, Citoyen Erster Konsul, wir lassen ihn nicht aus den Augen.«
»Und weiß man, was sie getan, was sie geredet haben?«
»Was sie getan haben? Sie haben zu Abend gespeist. Was sie geredet haben, ist schwieriger zu sagen, da sie unter vier Augen blieben.«
»Und wann haben sie sich getrennt?«
»Gegen elf Uhr abends ist Citoyen Sol de Grisolles nach London aufgebrochen. Um Mitternacht hat mein Spitzel sich auf den Weg gemacht.«
»Ist das alles?«
»Nein. Das Wichtigste kommt noch.«
»Ich höre.«
»Die Compagnons de Jéhu sind wieder unterwegs.«
»Seit wann?«
»Seit gestern. Sie haben heute Nacht eine Eilpost überfallen.«
»Und sie ausgeraubt?«
»Nein. Ich wusste Bescheid und hatte die Kutsche mit Gendarmen gespickt, und bei der ersten Aufforderung anzuhalten, wurde nicht gehorcht, sondern gefeuert. Ein Compagnon de Jéhu wurde getötet, ein zweiter gefangen genommen.«
»Ein elender Strauchritter?«
»Nein«, sagte Fouché kopfschüttelnd, »ganz im Gegenteil.«
»Ein Aristokrat?«
»Aus bestem Hause.«
»Hat er geplaudert?«
»Nein.«
»Wird er plaudern?«
»Ich glaube nicht.«
»Muss man seinen Namen kennen?«
»Ich kenne ihn.«
»Er heißt?«
»Hector de Sainte-Hermine.«
»Was! Der junge Mann, dessen Ehevertrag ich unterschrieben habe und der nicht aufzufinden war, als er unterschreiben sollte?«
Fouché nickte bejahend.
»Lassen Sie ihm den Prozess machen«, rief Bonaparte.
»Frankreichs beste Namen werden kompromittiert sein.«
»Dann lassen Sie ihn hinter einer Mauer füsilieren, an einer Hecke, in einem Graben.«
»Darum soll ich Sie in seinem Namen bitten.«
»Wohlan! Seine Bitte sei ihm gewährt.«
»Erlauben Sie mir, ihm diese gute Nachricht zu überbringen.«
»Wo ist er?«
»Bei mir.«
»Wie das, bei Ihnen?«
»Oh, ich habe sein Wort, dass er nicht zu fliehen versuchen wird.«
»Er ist also ein Mann von Herz?«
»Ja.«
»Sollte ich ihn sehen?«
»Ganz wie Sie wollen, Citoyen Erster Konsul.«
»Zum Teufel, nein, ich ließe mich erweichen und würde ihn begnadigen.«
»Was unter den gegebenen Umständen das allerfalscheste Signal wäre.«
»Sie haben recht. Auf, bis morgen soll die Sache beendet sein.«
»Das ist Ihr letztes Wort?«
»Ja. Adieu.«
Fouché verneigte sich und ging.
Fünf Minuten später befand er sich in seinem Stadtpalais.
»Nun?«, fragte Hector mit gefalteten Händen.
»Gewährt«, erwiderte Fouché.
»Ohne Prozeß, ohne Aufsehen?«
»Ihr Name wird nicht genannt werden; von jetzt an existieren Sie für niemanden mehr.«
»Und wann wird man mich füsilieren, denn ich werde doch hoffentlich füsiliert?«