Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Der junge Mann streckte seine elegant behandschuhte Hand aus und steckte das Geld ein, ohne nachzuzählen. »Muss ich Ihnen jetzt die zwei Louisdor des Limousiner Bauernlümmels zurückgeben?«, fragte der junge Stutzer.
»Wie! Die zwei Louisdor des Limousiner Bauernlümmels?«, wiederholte Fouché.
»Die Sie mir vorhin gegeben haben.«
»Sie waren das vorhin?«
»Gewiss, und der Beweis: Hier sind sie.«
»Gut«, sagte Fouché, »dann gehört Ihnen auch der dritte Stapel, aber als Belohnung. Gehen Sie jetzt, verlieren Sie keine Zeit; heute Abend will ich von Ihnen hören.«
»Das werden Sie.«
Der Spitzel ging, ebenso zufrieden mit Fouché wie dieser mit ihm.
Am Abend erhielt Fouché folgendes erstes Bulletin:
Ich habe im Hotel L’Unité in der Rue de la Loi ein Zimmer neben dem des Citoyen Sol de Grisolles genommen. Vom Balkon vor unseren vier Fenstern konnte ich sein Zimmer einsehen: Es enthält ein Kanapee, das, nützlich für Gespräche, an der Trennwand zu meinem Zimmer steht; ich habe ein Loch in die Wand gebohrt, das mir ermöglicht, alles zu sehen und zu hören, ohne mich aufzudrängen. Citoyen Sol de Grisolles hat den Mann, den er sehen wollte, im Hotel Mont-Blanc nicht angetroffen, er wird im Hotel L’Unité bis um zwei Uhr morgens auf ihn warten und hat dort mitgeteilt, er erwarte den späten Besuch eines Freundes.
Ich werde als unbekannter Dritter bei diesem Besuch anwesend sein.
DER LIMOUSINER
P.S. Morgen in aller Frühe ein zweites Bulletin.
Am nächsten Tag wurde Fouché bei Tagesanbruch mit einem zweiten Bulletin geweckt, das lautete wie folgt:
Der Freund, den Citoyen Sol de Grisolles erwartete, war der berüchtigte Bandit Laurent, genannt »der schöne Laurent«, der Anführer der Compagnons de Jéhu. Der Befehl, den Cadoudals Aide de Camp für Laurent hatte, war der, alle Mitstreiter an ihr Gelübde zu erinnern. Am kommenden Samstag sollen sie ihre Überfälle wiederaufnehmen und die Schnellpost von Rouen nach Paris im Wald von Vernon überfallen. Wer sich nicht einfindet, wird mit dem Tode bestraft.
Citoyen Sol de Grisolles reist um zehn Uhr vormittags nach Deutschland ab, und ich reise mit ihm; über Straßburg werden wir uns, soweit ich weiß, nach Ettenheim begeben, wo sich der Herzog von Enghien aufhält.
DER LIMOUSINER
Diese zwei Bulletins fielen als doppelter Sonnenstrahl auf Fouchés Schachbrett, denn ihr Licht erlaubte dem Polizeiminister in partibus, Cadoudals Schachbrett zu überschauen. Cadoudal hatte keine leere Drohung ausgestoßen, als er Bonaparte die Vendetta erklärte. Während seines Aufenthalts in Paris hatte er die Compagnons de Jéhu wiedererweckt, die er nur bis auf weiteres beurlaubt hatte, und seinen Adjutanten hatte er bis zum Wohnsitz des Herzogs von Enghien vorgeschickt. Überdrüssig der Ausflüchte des Sohns des Grafen von Artois und des Grafen von Artois – die einzigen Personen königlichen Geblüts, mit denen er zu tun gehabt hatte und die ihm stets nicht nur Geld und Männer versprochen hatten, sondern auch den Schutz ihrer königlichen Persönlichkeit, und die keines ihrer Versprechen gehalten hatten -, wandte er sich nun an den letzten Erben der kriegerischen Rasse der Condés, um zu erfahren, ob dieser ihm mehr zu bieten haben würde als fromme Wünsche und Ermunterungen.
Fouché, der seine Schlingen ausgelegt hatte, wartete ruhig wie eine Spinne in ihrem Netz.
Doch die Gendarmerie von Andelys und Vernon wurde beauftragt, Tag und Nacht gesattelte Pferde bereitzuhalten.
25
Der Herzog von Enghien (1)
Der Herzog von Enghien wohnte wie gesagt in dem Schlösschen von Ettenheim im Großherzogtum Baden am rechten Rheinufer, zwanzig Kilometer von Straßburg entfernt. Er war der Enkel des Prinzen von Condé, der wiederum Sohn ebenjenes Prinzen von Condé war, genannt »der Einäugige«, der Frankreich unter der Regentschaft des Herzogs von Orléans so teuer zu stehen gekommen war. Ein einziger Condé, der jung starb, trennt diesen Condé von dem sogenannten großen Condé, der seinen Beinamen seinem Sieg bei Rocroi verdankt, der den Tod Ludwigs XIII. erhellt, der Einnahme von Thionville und der Schlacht von Nördlingen, und der hinsichtlich seines Geizes, seiner verderbten Sitten und seiner kaltblütigen Grausamkeiten der wahre Sohn seines Vaters Heinrich II. von Bourbon war. Seine Gier nach dem Thron stachelte ihn dazu an, als Erster zu enthüllen, dass die zwei Söhne Annas von Österreich, Ludwig XIV. und der Herzog von Orléans, nicht von Ludwig XIII. gezeugt seien, was alles in allem durchaus wahr sein konnte.
Heinrich II. von Bourbon, dessen Name soeben fiel, ist derjenige, mit dessen Eintritt in die Geschichte das berühmte Haus Condé einen Charakterwandel durchmacht, vom Verschwender zum Geizhals wird und melancholisch statt fröhlich.
Denn obwohl die Geschichte ihn zum Sohn Heinrichs I. von Bourbon und Prinzen von Condé erklärt, erkennt die Chronik jener Zeit diese Herkunft nicht an, sondern schreibt ihm einen anderen Vater zu. Seine Frau Charlotte de la Trémouille lebte in ehebrecherischem Verhältnis mit einem gascognischen Pagen, als nach viermonatiger Abwesenheit ihr Ehemann unerwartet und unangemeldet zurückkam. Schnell hatte die Herzogin ihren Entschluss gefasst. Die Ehebrecherin ist bereits auf halbem Weg zur Mörderin: Sie bereitete ihrem Ehemann einen königlichen Empfang. Obwohl es Winter war, besorgte sie sich prachtvolle Früchte und teilte mit ihm die schönste Birne aus dem Korb, doch sie zerteilte sie mit einem Messer, dessen Schneide auf der einen Seite vergiftet war, und reichte ihm, wie man sich denken kann, die vergiftete Hälfte.
Der Prinz starb noch in derselben Nacht.
Charles de Bourbon, der sich in dem Glauben wähnte, Heinrich IV. davon zu unterrichten, sagte zu ihm: »Das ist die Folge der Exkommunikation durch den Papst Sixtus V.«
Heinrich IV., der sich kein Bonmot verkneifen konnte, erwiderte: »Ja, die Exkommunikation hat sicherlich nicht geschadet, aber es wurde nachgeholfen.«
Eine Untersuchung wurde durchgeführt, und die belastendsten Anschuldigungen wurden gegen Charlotte de la Trémouille gesammelt, bis Heinrich IV. sich die Prozessunterlagen geben ließ und sie allesamt ins Feuer warf; als man ihn nach dem Grund für dieses befremdliche Vorgehen fragte, sagte er: »Lieber soll ein Bastard den Namen Condé erben, als dass ein so großer Name ausgelöscht wird.«
Und ein Bastard erbte den Namen Condé und führte in die von ihm begründete parasitäre Linie verschiedene Laster ein, die es in der ursprünglichen Linie nicht gegeben hatte, darunter als eines der harmloseren die Liebe zur Revolte.
Als Romancier befindet man sich in einer schwierigen Situation: Übergeht man Einzelheiten wie diese, kann der Vorwurf erhoben werden, wir verstünden von der Geschichte nicht mehr als manche Historiker; enthüllen wir sie aber, beschuldigt man uns, die königlichen Häuser in Verruf bringen zu wollen.
Doch beeilen wir uns zu sagen, dass der junge Prinz Louis-Antoine-Henri de Bourbon keines der Laster Heinrichs II. von Bourbon besaß, den nur eine dreijährige Kerkerhaft seiner Frau annähern konnte, obwohl diese das schönste Geschöpf ihrer Zeit war, keines der Laster des großen Condé, dessen Liebschaft mit seiner Schwester Madame de Longueville Paris während der Fronde erheiterte, und keines der Laster des Louis de Condé, der als Regent die Gelder Frankreichs in seine Taschen und die der Madame de Prie umleitete.
Stattdessen war er ein schöner junger Mann von dreiunddreißig Jahren, der mit seinem Vater und dem Grafen von Artois emigriert war, der 1792 in das Korps der Emigranten am Rheinufer eingetreten war, der zweifellos acht Jahre lang gegen Frankreich gekämpft hatte, aber aus Voreingenommenheit, für die seine fürstliche Erziehung und seine königlichen Vorurteile verantwortlich waren. Als die Armee Condés aufgelöst wurde, anders gesagt nach dem Frieden von Lunéville, hätte der Herzog von Enghien nach England gehen können wie sein Vater, sein Großvater, die anderen Fürsten und das Gros der Emigranten, doch eine seinerzeit geheime und erst im Nachhinein bekannt gewordene Herzensangelegenheit hatte ihn dazu bewegt, sich in Ettenheim niederzulassen.