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Электронная книга - «Die Klinik». Краткое содержание книги:

Boston, Suffolk General Hospital: Hier praktizieren Adam Silverstone, der vielversprechende Operateur und Wissenschaftler, Rafael Meomartino, ein kubanischer Aristokrat und ehemaliger Playboy, und der Farbige Spurgeon Robinson. Sie alle unterliegen der unerbittlichen Aufsicht von Dr. Longwood. Eines Tages pflanzt Meomartino einem jungen Mädchen eine Niere ein und gibt sie in die Obhut von Silverstone. Alles verläuft gut, aber dann stirbt das Mädchen über Nacht. Dr. Longwood wittert einen Kunstfehler und sucht einen Schuldigen ...
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Das hat als Krönung des Tages noch gefehlt, sagte er sich.

Er dachte kurz daran, ins Tierlabor zu gehen und zu arbeiten, konnte sich jedoch nicht dazu aufraffen. Für den Augenblick hatte er genug von Hunden und Frauen und Chirurgie. Er ging hinauf, um sich schlafen zu legen, als sei das eine Medizin, und genoß mit Behagen die Aussicht auf Bewußtlosigkeit.

8

SPURGEON ROBINSON

Spurgeon verbrachte viel Zeit damit, sich Sorgen zu machen.

Wenn schon einer deiner Fälle der Exituskonferenz vorgelegt werden muß, überlegte er, so sollte es dann sein, wenn sonst alles in Ordnung war. Jetzt aber, mit einer Nierenübertragung, die eine zunehmende Zahl von Abstoßungserscheinungen zeigte und der Alte wie der Teufel dreinsah, würden die Stabsangehörigen bei der Konferenz in der Stimmung sein, jemanden zu zerfleischen.

Er fragte sich, was er anfangen würde, falls sie ihn hinauswarfen.

Statt zu schlafen, dachte er an die Rätsel der Mrs. Donnelly. Eines Nachts träumte er wieder von dem Vorfall in der Unfallstation, nur statt die Frau aus dem Krankenhaus zu entlassen und sie in den Tod zu schicken, erlaubte ihm diesmal seine große ärztliche Kunst, sofort zu erkennen, daß ein Bruch des Zahnfortsatzes vorlag. Am Morgen erwachte er mit einem Glücksgefühl in jeder Faser seines Körpers, und als er sich fragte, warum, erinnerte er sich, daß er Mrs. Donnelly gerettet hatte. Schließlich aber wußte er wieder, daß es ein Traum gewesen war und sich nichts an den Tatsachen geändert hatte. Er hatte sie umgebracht. Todunglücklich lag er da, unfähig, aus dem Bett zu steigen.

Er war Doktor der Medizin. Das konnten sie ihm nicht nehmen.

Aber sonst - falls man ihn aus der Spitalspraxis entfernte, blieb ihm einzig eine Stellung mit Gehalt, irgendwo. Onkel Calvin würde ihm liebend gern einen medizinischen Posten bei der American Eagle Life geben, Aufstieg garantiert. Und manche große pharmazeutische Firmen stellten Negerärzte an. Aber er wußte, wenn sie ihn aus dem Krankenhausstab feuerten und er die Medizin nicht so ausüben konnte, wie er wollte, dann würde er dorthin zurückkehren, wo er vor ein paar Jahren gewesen war, und versuchen, seine Vorstellungen von Musik zu verwirklichen.

Er begann Vorwände zu erfinden, um in Peggy Welds Zimmer gehen und die Sängerin in Gespräche über Musik verwickeln zu können.

Zuerst hielt sie ihn nur für einen jungen Burschen, der ein bißchen spielte und sich einbildete, Musiker zu sein, dann aber entdeckten sie einen Namen, den sie beide kannten.

»Sie wollen sagen, daß Sie bei Dino in der 52. Straße spielten? In Manhattan?«

»Meine kleine Band. Drei andere Burschen, ich am Klavier.«

»Wer ist der Manager?« forderte sie ihn heraus.

»Vin Scarlotti.«

»Das stimmt. Ich habe selbst ein paarmal dort gesungen. Sie müssen gut sein. Vin ist schwer zufriedenzustellen.«

Aber mit der Zeit gingen ihm die Ausreden aus, über Musik mit ihr zu reden, und sie hatte ihre Schwester im Kopf. Er hörte auf, sie zu belästigen.

Wenn er nach sechsunddreißig Stunden dienstfrei war und sich nach Schlaf sehnte, saß er auf seinem Bett und spielte Gitarre und zwang sich zu üben, wie er es einige Jahre nicht mehr getan hatte.

Er brauchte dringend ein Klavier.

An einem Nachmittag nahm er nach einem kurzen Schlaf die Hochbahn nach Roxbury, stieg an der Haltestelle Dudley Street aus, wo viele Farbige ausstiegen, und ging die Washington Street hinunter, bis er das Lokal fand, das er suchte, eine schäbige Gettokneipe mit rotschwarz bemalten Fenstern, deren noch dunkles Neonschild eine Pokerhand und den Namen des Klubs in weißen Glasröhren zeigte, »Ace High«. Nachtklub wäre ein zu großartiges Wort dafür gewesen, es war eine billige Kaschemme für Farbige, aber in einer Ecke stand ein Pia-nino.

Er bestellte einen Scotch mit Milch, den er nicht wollte, und trug ihn zum Klavier. Der zerkratzte Baldwin war verstimmt, aber als er zu spielen begann, war es Musik wie Balsam. Er vergaß alles, was Onkel Calvin sagen würde, wenn sich sein Junge heimschleppen und ihm mitteilen würde, daß er doch nicht so fähig war wie die Weißen. Er vergaß sogar die tote Irin und ihre Rätsel.

Der Barmann kam herüber. »Kann ich Ihnen sonst etwas bringen, Freund?« fragte er und warf einen Blick auf den Drink auf dem Klavier, den Spurgeon kaum berührt hatte.

»Tja, ich trinke noch einen.«

»Sie spielen wirklich gut, aber wir haben schon einen Pianisten. Einen Burschen namens Speed Nightingale.«

»Ich spiele nicht zur Probe.«

Der Kellner brachte den zweiten Drink, und Spur bezahlte einen Dollar achtzig. Danach ließ ihn der Barmann in Ruhe. Am späten Nachmittag verließ Spur das Klavier, setzte sich auf einen Barhocker und bestellte noch einen Drink. Die Augen des Barmanns huschten zu den zwei noch immer auf dem Klavier stehenden Gläsern, von denen nur eines leer war.

»Sie brauchen nichts zu bestellen, nur um mit mir zu reden. Wollen Sie mich etwas fragen?«

»Ich bin Arzt drüben im Distriktkrankenhaus. Ich kann mir kein Klavier in mein Zimmer stellen. Ich möchte herkommen und an einigen Nachmittagen der Woche spielen, so wie heute.«

Der Barmann zuckte die Achseln. »Mir tut es nicht weh, ist mir doch völlig egal.«

Aber es stellte sich heraus, daß es ihm doch nicht egal war. Er liebte Debussy, den er mit Scotch-and-Milk statt Applaus belohnte. Spurgeon versuchte den Drink zu bezahlen, gab es jedoch mit Anstand auf; ein Professioneller beleidigt einen Musikliebhaber nie.

Als er einige Tage später wieder in den Klub kam, stand ein magerer brauner Mann mit Zulu-Haaren und einer dünnen Schnurrbartlinie an der Bar und sprach mit dem Barmann. Spurgeon nickte und ging sofort zum Klavier. Den ganzen Weg herüber hatte Musik in seinem Kopf geklungen, und jetzt setzte er sich nieder und spielte sie. Bach. Das Wohltemperierte Klavier, und dann das eine und andere aus den Französischen Suiten und der Chromatischen Phantasie und Fuge.

Nach einer Weile kam der magere Braune mit zwei Scotch-and-Milk herüber.

»Große Klasse, wie Sie klassische Klaviermusik spielen.« Er hielt ihm ein Glas hin.

Spurgeon nahm es entgegen und lächelte. »Danke.«

»Können Sie auch etwas weniger Anstrengendes?«

Spur nahm einen kleinen Schluck, stellte dann das Glas hin und spielte etwas von Shearing.

Der Mann zog einen Stuhl heran, seine Linke übernahm den Baß und seine Rechte schlich sich in die Harmonie ein, Spur rückte nach rechts und begann auf den hohen Tasten zu improvisieren, immer wilder, als ihn der Baß in ein schnelleres Tempo drängte. Der Barmann vergaß die Gläser zu polieren, und hörte einfach zu. Abwechselnd übernahmen sie die Führung, kämpften es untereinander aus, bis Schweiß auf ihren Gesichtern glänzte, und als sie in gegenseitigem Einverständnis Schluß machten, hatte Spur das Gefühl, als sei er eine lange Strecke durch strömenden Regen gerannt.

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