Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
»Und warum?«
»Nun, schließlich bin ich nicht mehr Ihr Polizeiminister.«
»Oh, Sie wissen sehr wohl, dass Sie es nach wie vor sind.«
»In partibus, von mir aus.«
»Keine Scherze. Jawohl, in partibus sind Sie es. Ich werde Sie als solchen behandeln; Sie führen dieselben Spitzel, und Sie sind mir für alles verantwortlich, als wären Sie noch nominell Minister. Ich habe Sie gefragt, wo Cadoudal ist.«
»Um diese Zeit müsste er auf dem Rückweg nach London sein.«
»Er hatte England also verlassen?«
»Ja.«
»Und zu welchem Zweck?«
»Um einen Bandenchef zu erschießen, der sich erdreistet hat, seinen Namen zu benutzen.«
»Und hat er ihn erschossen?«
»Mitten unter seinen zwanzig Gefolgsleuten auf dem Landgut Plescop; aber Monsieur«, und er deutete auf Sol de Grisolles, »kann Ihnen mehr darüber sagen als ich, denn er war fast Zeuge der Ereignisse. Plescop liegt, wenn ich mich nicht täusche, nur zweieinhalb Meilen von Auray entfernt.«
»Wie! Das wussten Sie alles, und Sie haben mich nicht gewarnt?«
»Monsieur Régnier ist Polizeipräfekt, und Sie zu warnen ist seine Aufgabe; ich bin nur ein Privatier, ein Senator.«
»Es ist also wahr«, rief Bonaparte ungehalten, »dass ehrbare Leute in diesem Gewerbe einfach nicht zu gebrauchen sind!«
»Danke, General«, sagte Fouché.
»Ha! Die Grille fehlte Ihnen noch, sich als ehrbaren Mann ausgeben zu wollen. An Ihrer Stelle würde ich meinen Ehrgeiz auf andere Ziele richten, weiß Gott. Monsieur de Grisolles, danke für Ihren Besuch. Als Mann und Korse nehme ich die Vendetta an, die Cadoudal mir erklärt hat. Er sei auf der Hut, wie ich auf der Hut sein werde; doch wenn er gefasst wird, dann kenne ich keine Gnade.«
»So sieht er es auch«, sagte der Bretone mit einer tiefen Verbeugung. Dann verließ er das Kabinett des Ersten Konsuls und ließ diesen mit Fouché zurück.
»Sie haben es gehört, Monsieur Fouché: Die Vendetta ist erklärt, jetzt ist es an Ihnen, mich zu beschützen.«
»Machen Sie mich wieder zum Polizeiminister, und ich werde es tun.«
»Sie sind ein rechter Einfaltspinsel, Monsieur Fouché, mögen Sie sich für noch so geistreich halten. Je weniger Sie Polizeiminister sein werden – wenigstens in den Augen der Öffentlichkeit -, desto leichter werden Sie mich beschützen können, da man sich vor Ihnen nicht in Acht nehmen wird. Außerdem kann ich das Polizeiministerium nicht ohne stichhaltige Gründe wieder einrichten, nachdem ich es vor kaum zwei Monaten aufgelöst habe. Retten Sie mich aus einer großen Gefahr, und ich gebe es Ihnen zurück. Bis dahin gewähre ich Ihnen einen Kredit von fünfhunderttausend Francs auf Geheimgelder. Tun Sie sich keinen Zwang an, und wenn der Kredit ausgeschöpft ist, sagen Sie es mir. Aber vor allem will ich, dass Cadoudal kein Haar gekrümmt wird und man ihn lebend ergreift!«
»Man wird sich bemühen, aber dafür muss er zuerst nach Frankreich zurückkehren.«
»Oh, seien Sie unbesorgt, das wird er tun! Ich erwarte, von Ihnen zu hören.«
Fouché verneigte sich vor dem Ersten Konsul, eilte zu seinem Wagen zurück, sprang hinein und rief dem Kutscher zu: »Schnell nach Hause!«
Als er ausstieg, befahl er: »Man hole sofort Monsieur Dubois und wenn möglich Victor, einen seiner fähigsten Spitzel.«
Eine halbe Stunde später befanden sich die verlangten zwei Personen in Fouchés Kabinett.
Obwohl Monsieur Dubois nunmehr dem neuen Polizeipräfekten unterstand, hatte er Fouché die Treue gewahrt, und das nicht aus Prinzipientreue, sondern aus Eigennutz: Er wusste, dass Fouché sich nie länger als vorübergehend in Ungnade befinden würde und dass er selbst gut beraten wäre, ihn nicht als Menschen, sondern als Füllhorn der Fortuna zu betrachten, dem man keinesfalls die Treue aufkündigen durfte. Folglich war er zusammen mit drei oder vier anderen der schlauesten Spitzel weiterhin Fouché ergeben geblieben, und als Fouché ihn rufen ließ, kam er unverzüglich.
Auf dem Kaminsims waren Goldstücke in zwei Säulen angeordnet, als Dubois und der Polizeispitzel Victor das Kabinett des eigentlichen Polizeiministers betraten.
Der Spitzel Victor war als Mann aus dem Volk gekleidet, denn zum Umziehen war nicht genug Zeit geblieben.
»Wir wollten keine Sekunde verlieren«, sagte Dubois, »und ich habe Ihnen einen meiner zuverlässigsten Männer in der Kostümierung mitgebracht, die er trug, als ich Ihre Nachricht erhielt.«
Ohne zu antworten, trat Fouché zu dem Spitzel und sah ihn mit seinem scheelen Blick an. »Verwünscht aber auch, Dubois!«, sagte er, »das ist der falsche Mann.«
»Was für einen Mann hätten Sie gebraucht, Citoyen Fouché?«
»Ich muss einen bretonischen Rädelsführer verfolgen lassen, vielleicht in Deutschland, mit Sicherheit in England. Ich brauche einen Mann von Stand, der ihm unauffällig in Cafés folgen kann, in Clubs, notfalls in Salons. Ich brauche einen Gentleman, und Sie bringen mir einen Limousiner Bauernlümmel!«
»Oh, da haben Sie recht«, sagte der Agent, »Cafés, Clubs und Salons sind nicht mein Wirkungsgebiet, aber wenn Sie mich in eine Kneipe schicken, auf einen volkstümlichen Ball oder in ein Musiklokal, dann würden Sie sehen, dass ich mich dort wacker schlage.«
Dubois starrte ihn mit unverhohlenem Erstaunen an, doch der Agent machte ihm ein Zeichen, und Dubois begriff.
»Sie werden mir also«, sagte Fouché, »auf der Stelle jemanden besorgen, der sich auf einem Abendempfang bei dem englischen Prinzregenten sehen lassen kann. Ich werde ihm seine Instruktionen geben.« Dann nahm er zwei Louisdors von einem dritten Stapel Münzen und sagte zu dem Polizeispitzel Victor: »Nehmen Sie das, mein Freund, als Entschädigung dafür, dass Sie bemüht wurden; sollte ich Sie für Beobachtungen im volkstümlichen Milieu benötigen, werde ich Sie benachrichtigen lassen. Aber schweigen Sie über unser Gespräch.«
»Ich schweige«, sagte der Spitzel mit seinem Limousiner Akzent, »mit Vergnügen. Sie lassen mich rufen, Sie sagen mir nichts, und Sie geben mir zwei Louis, damit ich den Mund halte. Nichts leichter als das.«
»Schon gut, schon gut, junger Mann«, sagte Fouché, »verschwinde!«
Die Besucher stiegen in ihren Wagen, und Fouché bezeigte leichte Ungeduld, doch da er nicht genau genug erklärt hatte, was für einen Polizeispitzel er benötigte, wusste er, dass die Verzögerung seine Schuld war, und schwieg.
Lange musste er nicht warten. Nach einer Viertelstunde meldete man ihm denjenigen, den er erwartete.
»Ich sagte, man solle ihn einlassen!«, rief er ungeduldig. »Herein mit ihm!«
»Bin schon da, bin schon da, Citoyen«, sagte ein junger Mann von fünf- oder sechsundzwanzig Jahren mit schwarzem Haar und Augen, die vor Geist sprühten, untadelig gekleidet, der lebhaft, aber vollendet weltmännisch den Raum betrat. »Ich habe keinen Augenblick gesäumt, und hier bin ich!«
Fouché beäugte ihn durch sein Lorgnon. »Sehr gut!«, sagte er. »Das ist mein Mann!«
Und nach kurzem Schweigen, währenddessen er seine Musterung fortsetzte: »Sie wissen, worum es geht?«
»Gewiss doch, es geht darum, einen verdächtigen Citoyen zu beschatten, mit ihm nach Deutschland zu gehen, unter Umständen nach England; nichts leichter als das, ich spreche Deutsch wie ein Deutscher, Englisch wie ein Engländer; ich werde ihn beschatten und nicht aus den Augen lassen. Sie müssen ihn mir nur zeigen oder mir sagen, wo er sich aufhält; ich muss ihn einmal gesehen haben.«
»Er heißt Sol de Grisolles und ist Cadoudals Aide de Camp; er wohnt im Hotel L’Unité in der Rue de la Loi. Möglicherweise ist er schon abgereist; in diesem Fall müssten Sie in Erfahrung bringen, welchen Weg er eingeschlagen hat, und sich ihm an die Fersen heften. Ich muss über jeden seiner Schritte Bescheid wissen. Und das ist für Sie«, fügte Fouché hinzu und nahm die zwei Stapel Goldmünzen vom Kaminsims, »um Ihnen zu erleichtern, an Auskünfte zu kommen.«