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Электронная книга - «Der stolze Orinoco». Краткое содержание книги:

Durch ein Unglück wurde eine Familie zerrissen, und nun sucht die Tochter als Erwachsene ihren vermißten Vater, der sie wiederum für tot hält -mitten im Quellgebiet des unerforschten Orinoco findet man die ersten Spuren. Ein mächtiger Indianderstamm lebt unter der Herrschaft eines weißen Häuptlings, und eine Bande Verbrecher bedroht diesen Stamm, als die Expedition gerade eintriftt. Es kommt zum Kampf, und die Verbrecher werden glücklich besiegt.
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- Ich werde zur richtigen Zeit bereit sein, versprach Jacques Helloch. Und Sie, lieber Jean?

- Ich werde diese Gelegenheit nicht verfehlen, antwortete Jean, und wenn mein Onkel etwa noch schliefe.

- So wirst Du mich wecken, lieber Neffe, ja ich erwarte bestimmt, daß Du mich dann weckst! fiel der Sergeant Martial ein. Da wir einmal ins Land des Kautschuks gekommen sind, ist es nur recht und billig, auch kennen zu lernen.

- Wie man das Gummi elasticum gewinnt, Sergeant, das Gummi elasticum!« rief Germain Paterne.

Damit ging es endlich nach der Wohnung zurück, nach einem Spaziergange, der den ganzen Nachmittag gedauert hatte.

Das Abendessen versammelte die Gäste des Commissars wieder an der Tafel. Das Gespräch dabei drehte sich in der Hauptsache um die Reise und deren Zwischenfälle seit der Abfahrt von Caicara, um die Massenwanderung der Schildkröten und das Auftreten des Chubasco, wodurch die Piroguen und das Leben der Passagiere so ernstlich gefährdet worden waren.

»Diese Chubascos sind in der That entsetzlich, sagte Herr Manuel, und auch der obere Orinoco bleibt davon nicht verschont. Was die Einfälle von Schildkröten angeht, so haben wir solche in unserm Landestheile nicht zu befürchten, denn hier finden sich keine geeigneten Strandflächen zum Ablegen der Eier, und jene Thiere trifft man nur vereinzelt an.

- O, sagen Sie ihnen nichts Schlechtes nach! meldete sich Germain Paterne. Ein richtig zubereiteter Sancocho von Schildkröten ist etwas Ausgezeichnetes. Nur durch diese Thiere und - wer möchte es glauben? - durch die Affen ist einem bei der Fahrt auf Ihrem Strome eine leckere Mahlzeit ermöglicht.

- Das ist ja richtig, stimmte der Commissar zu. Doch um auf die Chubascos zurückzukommen, so hüten Sie sich davor, meine Herren. Sie treten ebenso plötzlich und ebenso heftig oberhalb wie unterhalb San-Fernandos auf, und Herrn Helloch, lieber Herr Jean, sollte besser nicht zum zweitenmale die Gelegenheit, Sie zu retten, geboten werden.

- Ganz recht. ganz recht! rief der Sergeant Martial, der diesen Gesprächsgegenstand nicht sonderlich liebte. Wir werden auf die Chubascos achten, Herr Commissar, wir werden sie schon überwachen!«

Da schlug Germain Paterne ein andres Thema an und sagte:

»Haben wir denn unsre Reisegefährten schon so gänzlich vergessen, daß wir Herrn Manuel gegenüber gar nicht von ihnen reden?

- Wahrhaftig, antwortete Jean, den ehrenwerthen Herrn Miguel. und die Herren Felipe und Varinas.

- Wer sind die Herren, die Sie eben nannten? erkundigte sich der Commissar.

- Drei Venezuolaner, mit denen wir die Fahrt von Ciudad-Bolivar nach San-Fernando zusammen gemacht haben.

- Einfache Reisende? fragte Herr Manuel.

- Und auch Gelehrte, erklärte Germain Paterne.

- Und was wissen sie, die gelehrten Herren?

- Sie würden besser thun, zu fragen, was sie nicht wissen, bemerkte Jacques Helloch.

- Nun, was wissen sie denn nicht?

- Sie wissen nicht, ob der Strom, woran Ihr Rancho liegt, der Orinoco ist.

- Alle Wetter, rief Herr Manuel, sie erkühnten sich, das zu bezweifeln?

- Der eine, Herr Felipe, behauptet, daß der eigentliche Orinoco dessen Nebenfluß, der Atabapo, sei, und der andre, Herr Varinas, hält den Guaviare für den richtigen Hauptstrom.

- Das ist ja die reine Frechheit! polterte der Commissar hervor. Sapperment, der Orinoco sollte nicht der Orinoco sein!«

Er war wirklich wüthend, der würdige Herr Manuel Assomption, und seine Gattin wie seine beiden Söhne theilten seinen Ingrimm. Ihre Eigenliebe war tief verletzt in dem, was ihrem Herzen am nächsten lag, in ihrem Orinoco, d. h. dem »Großen Wasser« oder - in der Tamanaquensprache - dem »Könige der Ströme«.

Jetzt mußte nun näher erklärt werden, was Herr Miguel und seine beiden Collegen in San-Fernando vorhatten und welchen Untersuchungen - die gewiß von stürmischen Auseinandersetzungen begleitet wurden - sie sich in der nächsten Zeit widmen wollten.

»Welche Ansicht vertritt denn jener Herr Miguel? fragte der Commissar.

- Er ist der Meinung, antwortete Germain Paterne, daß der Fluß, auf dem wir von San-Fernando nach Danaco gekommen sind, der wirkliche Orinoco sei.

- Der aus dem Gebirgsstock der Parima hervorbricht! setzte der Commissar mit laut schallender Stimme hinzu. Nun, Herr Miguel möge nur zu uns kommen, er wird mit aller Herzlichkeit empfangen werden. Die beiden Andern mögen sich's aber nicht einfallen lassen, im Rancho Rast machen zu wollen; wir würden sie in den Strom werfen, und von dessen Wasser könnten sie genug verschlucken, sich zu überzeugen, daß es das des Orinoco ist!«

Es war gar lustig, Herrn Manuel mit solcher Lebhaftigkeit reden und so furchtbare Drohungen ausstoßen zu hören. Doch von jeder Uebertreibung abgesehen: der Besitzer des Rancho hielt auf seinen Strom und hätte ihn wohl bis aufs äußerste vertheidigt.

Gegen zehn Uhr abends verabschiedeten sich Jacques Helloch und sein Begleiter von der Familie Assomption, sagten dem Sergeanten Martial und Jean Gute Nacht und begaben sich nach ihrer Pirogue zurück.

Unwillkürlich oder in Folge einer Art Vorgefühls richteten sich die Gedanken Jacques Helloch's auf Jorres. Es unterlag keinem Zweifel, daß dieser Spanier den Pater Esperante gekannt hatte und ihm in Caracas oder sonstwo begegnet war, da er ihn ganz so, wie eben jetzt Herr Manuel, geschildert hatte. Man konnte den Mann also nicht wohl beschuldigen, ein Zusammentreffen mit dem Missionär nur erfunden zu haben, um sich den Fahrgästen der Piroguen, die nach Santa-Juana wollten, aufzudrängen.

Dem entgegen stand freilich die Aussage des Bare-Indianers, der ja behauptete, daß Jorres bereits den Orinoco, mindestens bis zum Rancho von Carida, hinausgekommen sei, und er blieb dabei, auch trotz der Verneinungen des Spaniers. Fremdlinge, die durch die Gebiete des mittleren Orinoco kommen, sind nun nicht so zahlreich, daß man so leicht eine Verwechslung der Personen begehen könnte, wenn das auch einem Eingebornen gegenüber vielleicht am ehesten anzunehmen wäre. War es wirklich der Fall, hier, wo es sich um diesen Spanier mit dem so leicht wiedererkennbaren Gesicht handelte?.

Wenn Jorres aber schon nach Carida und folglich auch nach den Dörfern und Sitios unterhalb desselben gekommen war, warum leugnete er das? Welche Gründe hatte er, es zu verheimlichen? Was konnte es ihm bei denen schaden, die er nach der Mission Santa-Juana begleitete?

Vielleicht täuschte sich der Bare aber doch. Wenn einer sagt: »Ich hab' Euch hier gesehen!« und ein andrer sagt: »Ihr könnt mich hier nicht gesehen haben, da ich niemals hierher gekommen bin!«, kann der Irrthum nicht wohl bei dem zweiten liegen.

Und dennoch wollte die Sache Jacques Helloch nicht aus dem Kopfe. Zwar flößte sie ihm keine Besorgniß um seiner selbst willen ein, doch Alles, was die Reise der Tochter des Oberst von Kermor betraf, was sie verzögern oder ihren Erfolg gefährden konnte, beschäftigte, beunruhigte und erregte ihn mehr, als er sich selbst zugestehen wollte.

Diese Nacht schlief er erst spät ein, und am nächsten Morgen mußte Germain Paterne ihn noch mit einem freundschaftlichen Rippenstoß wecken, als die Sonne schon etwas über den Horizont aufgestiegen war.

Viertes Capitel

Die letzten Rathschläge des Herrn Manuel Assomption

Kaum dürfte es nöthig sein, hier bei den Empfindungen Jacques Helloch's seit jenem Tage zu verweilen, wo Jeanne an Stelle Jeans getreten war, seit dem Tage, wo die Tochter des Oberst von Kermor, nachdem sie vom Tode gerettet worden war, sich nicht mehr unter der Maske eines Neffen des Sergeanten Martial verstecken konnte.

Es ist wohl erklärlich, daß die Natur dieser Gefühle Jeanne von Kermor nicht entgehen konnte, zählte sie doch bereits zweiundzwanzig Jahre, wenn sie auch die Verkleidung als junger Mann erst als siebzehn Sommer alt erscheinen ließ.

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