Der stolze Orinoco
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Der stolze Orinoco». Краткое содержание книги:
Nach etwa hundert Schritten durch das Dorf führte der Commissar seine Gäste nach links hin, und zwei Minuten darauf standen sie vor der Hauptwohnung Danacos. Vergegenwärtige man sich darunter ein Doppelh aus oder vielmehr zwei aneinandergefügte, doch im Innern verbundene Wohnstätten, die sich auf ihrem Unterbau ziemlich hoch erhoben und deren Mauern Fenster und Thüren hatten. Sie waren von einem Gehege aus Flechtwerk umgeben, durch Pallisaden noch weiter geschützt, und hatten an der Front einen geräumigen Vorhof. Kräftige Bäume spendeten ihnen Schatten, und auf beiden Seiten derselben standen besondere Schuppen, worin die Ackergeräthe untergebracht wurden, oder Ställe zur Aufnahme der Hausthiere.
Der Empfang fand im ersten Raume einer der beiden Wohnhäuser statt, worin sich schon die Gattin Manuel Assomption's mit ihren zwei Söhnen aufhielt, sie eine Mestizin von einem Indianer und einer Brasilianerin, die Söhne ein Paar kräftige Erscheinungen von fünfundzwanzig und von dreißig Jahren, auch von weniger dunkelm Teint, als ihr Vater und ihre Mutter.
Jacques Helloch und seine Begleiter wurden hier ungemein herzlich aufgenommen. Da die ganze Familie spanisch verstand und geläufig sprach, kam eine Unterhaltung bald und ohne Schwierigkeiten in Gang.
»Und zunächst, wandte sich Manuel an seine Gattin, werden, da die »Gallinetta« hier achtundvierzig Stunden in Reparatur liegt, der Sergeant und sein Neffe bei uns wohnen. Mache ihnen ein Zimmer oder zwei zurecht.
- Zwei, wenn ich bitten darf, sagte eiligst der Sergeant Martial.
- Gut, recht gern zwei, antwortete der Commissar, und wenn Herr Helloch und sein Freund auch im Rancho zu übernachten wünschen.
- Nein, besten Dank für Ihre Freundlichkeit, Herr Manuel, erklärte Germain Paterne. Unsre Pirogue, die »Maripare« ist im besten Zustande, und um Ihnen nicht zu viele Mühe zu machen, werden wir heute Abend an Bord zurückkehren.
- Wie es Ihnen beliebt, meine Herren, erwiderte der Commissar. Sie würden uns nicht im mindesten belästigen, wir wollen Sie in Ihren Entschließungen aber auch nicht beschränken.«
Dann richtete er das Wort an seine beiden Söhne:
»Wir werden einige unsrer besten Leute hinschicken müssen, um den Mannschaften der Falcas zu helfen.
- O, wir betheiligen uns auch gleich selbst an der Arbeit,« antwortete der ältere der beiden Brüder.
Er äußerte diese Worte unter einer gleichzeitigen respectvollen Verbeugung vor Vater und Mutter, ein Beweis von Ehrerbietung, dem man in venezuolanischen Familien fast überall begegnet.
Nach dem Frühstück, wobei es Wild, Früchte und Gemüse in großer Menge gab, fragte Herr Manuel seine Gäste nach dem Zwecke ihrer Reise. Bisher wurde der obere Orinoco kaum von Andern besucht, als von vereinzelten Kaufleuten, die sich meist nur bis zum Cassiquiare, stromaufwärts von Danaco begaben. Noch weiter hinauf hörte auch der Handelsverkehr auf dem Strome gänzlich auf, und nur Forschungsreisenden konnte der Gedanke kommen, auch noch bis zu den Quellen vorzudringen.
Der Commissar erstaunte deshalb nicht wenig, als Jean ihm die Veranlassung zu dieser Reise mitgetheilt hatte, bei der ihn seine beiden Landsleute freiwillig begleiteten.
»Sie stehen also im Begriff, Ihren Vater zu suchen? sagte er mit sichtlicher Rührung, die seine Söhne und seine Gattin offenbar theilten.
- Ja, Herr Manuel, und wir hoffen, in Santa-Juana seine Spur wiederzufinden.
- Sie haben nicht zufällig von dem Oberst von Kermor reden hören? wandte sich Jacques Helloch jetzt an den Herrn des Hauses.
- Niemals ist ein solcher Name an mein Ohr gedrungen.
- Und Sie waren doch, fragte Germain Paterne, auch schon vor zwölf Jahren in Danaco ansässig?
- Nein, zu jener Zeit wohnten wir noch im Sitio von Guachapana; es ist aber nichts davon zu unsrer Kenntniß gekommen, daß man dort von der Ankunft eines Oberst von Kermor gesprochen hätte.
- Und doch kann man, warf der Sergeant Martial ein, der von diesem Gespräch genug verstand, um sich daran zu betheiligen, zwischen San-Fernando und Santa-Juana keinen andern Weg einschlagen, als den auf dem Orinoco?
- Das ist wenigstens der bequemste und der kürzeste, antwortete Herr Manuel. Der Reisende setzt sich dabei weniger Gefahren aus, als wenn er durch die von Indianern bewohnten
Gebiete im Innern ginge. Hat sich der Oberst von Kermor nach den Quellen des Stromes begeben, so ist er diesen ebenso hinausgefahren, wie Sie es vorhaben.«
Als er sich in dieser Weise äußerte, zeigte Manuel Assomption doch, daß die Sache auch ihm nicht ganz gewiß erschien. Es war ja zu auffallend, daß der Oberst von Kermor, als er sich nach Santa-Juana begab, bei seiner Fahrt auf dem Orinoco von San-Fernando aus gar keine Spuren hinterlassen hätte.
»Haben Sie, Herr Manuel, fragte da Jacques Helloch, die Mission jemals besucht?
- Nein; nach Osten zu bin ich nie über die Mündung des Cassiquiare hinausgekommen.
- Oder haben Sie gelegentlich von Santa-Juana reden hören?
- Ja, als von einer Niederlassung, die dank der Arbeitsfreudigkeit ihres Chefs recht gut aufblühen soll.
- Sie kennen den Pater Esperante nicht?
- O doch. ich hab ihn einmal gesehen. vor etwa drei Jahren. Er war in Angelegenheiten der Mission den Fluß heruntergekommen und hat sich damals einen Tag in Danaco aufgehalten.
- Was für ein Mann ist es, dieser Missionär?« fragte der Sergeant Martial.
Der Commissar entwarf von dem Pater Esperante ein Bild, das ganz den Aussagen des Spaniers Jorres entsprach. Es war also sicher, daß dieser, wie er damals behauptete, den Missionär in Caracas getroffen hatte.
»Und seit seinem Erscheinen in Danaco, fuhr Jean fort, haben Sie mit dem Pater Esperante in keinerlei Verbindung gestanden?
- Nein, niemals, erklärte Herr Manuel. Wiederholt hab' ich dagegen von Indianern, die aus dem Osten kamen, gehört, daß Santa-Juana sich Jahr für Jahr vergrößere. Es ist ein lobenswerthes Liebeswerk, dem sich jener Missionär zu Ehren der Menschheit widmet.
- Gewiß, Herr Commissar, ließ sich Jacques Helloch vernehmen, und es ehrt auch das Land, das solche Männer hervorbringt. Ich bin überzeugt daß wir beim Pater Esperante den besten Empfang finden werden.
- Ganz zweifellos, erwiderte Herr Manuel, er wird Sie aufnehmen, als ob Sie seine Landsleute wären. Derselbe Empfang hätte des Herrn Chaffanjon gewartet, wenn dieser je nach Santa-Juana gekommen wäre.
- Und möchte uns dort, setzte Jean hinzu, endlich Nachricht werden, die uns auf die Spuren meines Vaters führte!«
Am Nachmittage mußten die Gäste des Commissars dessen Rancho besuchen, seine gut bearbeiteten Felder und wohl unterhaltenen Anpflanzungen besichtigen und seine Wälder -worin er gegen die so schädlichen Affen einen unausgesetzten Vernichtungskrieg führte - sowie die von weidenden Herden bevölkerten Wiesengründe durchstreifen.
Eben jetzt war die Kautschukernte in vollem Gange - dieses Jahr etwas vorzeitig, denn gewöhnlich beginnt sie erst im November und dauert dann bis Ende März.
»Wenn es für Sie Interesse hat, meine Herren, sagte darüber Herr Manuel, so zeige ich Ihnen morgen, wie es bei dieser Ernte zugeht.
- Es wird uns ein großes Vergnügen bereiten, versicherte Germain Paterne, und ich hoffe, dabei zu lernen.
- Unter der Bedingung, daß Sie sehr frühzeitig aufstehen, fiel ihm der Commissar ins Wort. Meine Gomeros gehen mit Tagesanbruch an die Arbeit.
- Wir werden sie nicht warten lassen, verlassen Sie sich darauf, erklärte Germain Paterne. Dir paßt es doch, Jacques?