Der stolze Orinoco
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Der stolze Orinoco». Краткое содержание книги:
- O, sprechen wir nicht von Dankbarkeit, geehrtes Fräulein, antwortete Jaques Helloch. Unter Landsleuten sind solche kleine Dienste nur eine Pflicht, und diese Pflicht bis zum Ende zu erfüllen, wird mich nichts abhalten können!
- Vielleicht gehen wir aber neuen und sehr ernsten Gefahren entgegen, Herr Jacques!
- Nein, das fürchte ich nicht. Uebrigens wäre das für mich nur ein weiterer Grund, Fräulein von Kermor nicht zu verlassen. Ich. Sie verlassen. denn - setzte er mit einem Blick auf das junge Mädchen, das die Augen niederschlug, hinzu - das. das haben Sie mir doch zu verstehen geben wollen.
- Herr Helloch. ja. ich wollte. ich mußte es. Ich kann Ihren Edelmuth nicht mißbrauchen. Allein hatte ich mich auf diese weite Reise begeben. Gott hat Sie mir in den Weg gesendet, und ich danke ihm dafür aus Herzensgrund. doch.
- Doch Ihre Pirogue erwartet Sie, mein Fräulein, wie mich die meinige, und beide werden zusammen dem Ziele zustreben. Ich habe diesen Beschluß mit gutem Bewußtsein gefaßt, und was ich einmal zu thun beschlossen habe, das führ' ich auch aus! Wenn Sie dafür, daß ich Sie diese Fahrt allein fortsetzen ließe, keine andern Gründe haben, als die Gefahren, die Sie andeuten.
- Herr Jacques, fiel Fräulein von Kermor lebhaft ein, welch andre Gründe könnt' ich dazu haben?.
- Nun also, Jean, mein lieber Jean - ich muß Sie ja noch so nennen - sprechen wir nicht mehr von einer Trennung, und nun muthig vorwärts!«
Das Herz klopfte ihm mächtig, diesem »lieben Jean«, während er nach der »Gallinetta« zurückkehrte. Und als Jacques Helloch wieder zu seinem heimlich lächelnden Freunde kam, empfing ihn dieser mit den Worten:
»Ich möchte gleich darauf wetten, daß Fräulein von Kermor Dir gedankt hat für das, was Du für Sie gethan hast, und daß sie Dich gleichzeitig bat es damit genug sein zu lassen.
- Ich hab' ihr das aber abgeschlagen, rief Jacques Helloch. Ich werde sie nie und nimmer verlassen!
- Sapperment, das ist viel gesagt!« erwiderte einfach Germain Paterne, der den Freund leicht auf die Schulter klopfte.
Daß der letzte Theil der Reise den Insassen der Piroguen noch schwere Unannehmlichkeiten vorbehalten könnte, war nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich. Vorläufig hatten sie sich aber nicht zu beklagen. Der Wind hielt sich sehr stetig aus Westen, und die Falcas kamen mit ihren Segeln recht gut gegen die nicht unbedeutende Strömung auf.
An diesem Tage gelangte man, nach dem Vorüberkommen an mehreren Inseln, auf denen der Wind die Kronen der hohen Bäume beugte, gegen Abend nach der nahe einer Biegung des Orinoco gelegenen Insel Bayanon. Bei dem Ueberflusse an Proviant, den man der Freigebigkeit des Herrn Manuel Assomption und seiner Söhne verdankte, war es nicht nöthig, jagen zu gehen. Da ferner die Nacht besonders klar und vom Mond hell erleuchtet war, schlugen Parchal und Valdez vor, erst am nächsten Morgen Halt zu machen.
»Wenn der Strom frei von Klippen und Felsen ist, meinte Jacques Helloch dazu, und wenn Sie nicht fürchten, gegen einen Kiesel anzustoßen.
- Nein, nein, versicherte der Schiffer Valdez, wir müssen aber die schöne Witterung benutzen, um ein Stück stromaufwärts zu kommen. Es ist selten, daß man sich in dieser Jahreszeit so begünstigt sieht.«
Der Vorschlag war gut, er wurde angenommen, und die Piroguen sandten ihre Haltetaue nicht ans Land.
Die Nacht verstrich ohne Unfall, obgleich der ohnehin nur dreihundertfünfzig Meter breite Strom zuweilen durch eine Kette von Inselchen - vorzüglich bei der Mündung des Rio Guanami, eines Zuflusses am rechten Ufer - noch weiter eingeengt wurde.
Am Morgen befanden sich die »Gallinetta« und die »Moriche« in der Höhe der Insel Tremblador, wo Chaffanjon mit einem intelligenten und dienstwilligen Neger namens Ricardo in Beziehung getreten war. Dieser Neger aber, der damals den Titel eines Commissars des Cunucunuma und des Cassiquiare führte, hatte inzwischen seinen Wohnsitz gewechselt. Nach Aussage des französichen Reisenden war es ein sehr strebsamer, streng nüchterner und energischer Mann gewesen, dessen Unternehmungen gewiß gediehen waren und der nun jedenfalls einen andern Rancho im nördlicheren Theile der Savanne eingerichtet hatte.
»Ich bedaure, daß dieser Ricardo nicht mehr hier ist, bemerkte Jacques Helloch. Vielleicht hätten wir von ihm erfahren, ob Alfaniz in der Nachbarschaft des Stromes aufgetaucht sei.«
Dann wendete er sich an den Spanier.
»Haben Sie, Jorres, bei Ihrem Aufenthalte in San-Fernando wohl von den Flüchtlingen von Cayenne reden hören, und von der Indianerbande, die sich ihnen angeschlossen hat?
- Gewiß, Herr Helloch, antwortete der Spanier.
- Hat man ihr Auftreten in den Provinzen des obern Orinoco gemeldet?
- Daß ich nicht wüßte. Man sprach nur von einer Rotte Quivas-Indianer.
- Ganz recht, Jorres, und Alfaniz, ein Sträfling ist es, der sich an ihre Spitze gestellt hat.
- Das ist das erste Mal, daß mir dieser Name zu Ohren kommt, erklärte der Spanier. Auf keinen Fall hätten wir aber ein Zusammentreffen mit jenen Quivas zu fürchten, denn wie man allgemein behauptete, suchten sie wieder nach Columbia, woraus man sie vertrieben hatte, zu gelangen, und wenn das zutrifft, können sie nicht auf dieser Seite des Orinoco sein.«
Es war ja möglich, daß Jorres recht unterrichtet war, als er sagte, daß die Quivas sich mehr nördlich nach den Ilanos Columbias zu zurückgezogen hätten. Trotzdem vergaßen die Reisenden aber die Empfehlungen des Herrn Manuel Assomption keine Minute und hielten sich immer auf ihrer Hut.
Der Tag ging hin, ohne daß sich ein besondrer Zwischenfall ereignete. Die Piroguen kamen ziemlich schnell vorwärts und gingen von Insel zu Insel, von denen immer die eine gleich auf die andre folgte.
Am Abend legten sie sich an der Spitze der Insel Caricha fest.
Da Windstille eingetreten war erschien es rathsamer. Halt zu machen, als in der Dunkelheit zu den Palancas zu greifen.
Bei einem kurzen Ausflug, den Jacques Helloch und der Sergeant über das Uferland der Insel unternommen hatten, erlegten sie eines jener Faulthiere, die gern zwischen den Aesten einer Cecropia hocken, deren Blätter ihnen als gewöhnliche Nahrung dienen. Darauf nach der Mündung des Rio Caricha zurückgekehrt, wo ein Paar jener, zur Familie der Chironecten gehörigen, Sarignen auf eigene Rechnung fischten gelang den Jägern noch ein Doppelschuß, der ebenso geschickt als glücklich zu nennen war. Da sich jene Sarignen nur von Fischen nähren, ist ihr Fleisch aber zähe und so thranig, daß selbst die Indianer nichts davon wissen wollen. Sie können also keineswegs die Affen ersetzen, die, selbst für europäische Gaumen, ein wirklich vortreffliches Gericht abgeben.
Dagegen fanden die Chironecten einen freundlichen Empfang bei Germain Paterne, der mit Unterstützung Parchal's sofort daran ging, sie auszunehmen und zu präparieren, um ihr Fell haltbar zu machen.
Das sich ausschließlich von Früchten nährende Faulthier wurde geröstet, indem man es in ein mit glühend heißen Steinen ausgelegtes Loch steckte, worin es die Nacht über bleiben sollte. Die Passagiere freuten sich darauf, es zu verspeisen, wenn es am nächsten Tage beim Frühstücke erschien, und wenn sein Fleisch dann ja etwas zu stark nach Rauch schmeckte, so fanden sich unter den Leuten der Piroguen dafür gewiß immer noch Liebhaber genug. Diese
Indianer waren ja überhaupt nicht wählerischer Natur, und als einer von ihnen am nämlichen Abende einige Dutzend großer, fast einen Fuß langer Regenwürmer mitgebracht hatte, sotten sie diese mit Kräutern ab und verzehrten sie mit behaglichem Schmunzeln.
Natürlich wollte Germain Paterne, getreu seinem Grundsatze, Alles womöglich selbst zu prüfen, zuerst auch davon kosten. Der Widerwille siegte hier aber doch über den Wissenstrieb, wenigstens brachte er die »Speise« nur bis an den Rand der Lippen.
»Ich glaubte, Du wärest Deiner Wissenschaft inniger ergeben! scherzte Jacques Helloch über den Widerwillen des Freundes, der mit seinem Naturforscherinstinct ja eigentlich unvereinbar war.