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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Im Lauf der nächsten Tage wiederholte sich diese Szene in unterschiedlichen Variationen. Hin und wieder wurde ich in eine Kate eingeladen, einen Becher Cidre oder Milch zu trinken, und innen drängten sich dann die Frauen um mich, um zu plaudern. Manchmal waren die Ansiedlungen groß genug für ein Wirtshaus, welches dann Dougals Hauptquartier für den jeweiligen Tag wurde.

Ab und zu wurde die Pacht in Form eines Pferdes, eines Schafs oder eines anderen Tiers bezahlt. Im Allgemeinen wurden die Tiere in der Nachbarschaft gegen etwas eingetauscht, was sich leichter transportieren ließ. Pferde nahmen wir mit, wenn Jamie sie für gut genug erklärte.

Jamies Anwesenheit war mir ein Rätsel. Natürlich kannte sich der junge Mann gut mit Pferden aus, doch das traf auch auf die meisten anderen Männer des Trupps oder auf Dougal zu. Angesichts der Tatsache, dass die Bezahlung nur sehr selten aus Pferden bestand und diese meistens nichts Besonderes waren, fragte ich mich, warum es nötig gewesen war, einen Experten dafür mitzunehmen. Eine Woche nach unserem Aufbruch fand ich in einem Dorf mit einem unaussprechlichen Namen den wahren Grund heraus, warum Dougal Jamie dabeihaben wollte.

Das Dorf war zwar klein, doch es gab ein Wirtshaus mit zwei oder drei Tischen und mehreren wackeligen Hockern. Hier hörte Dougal die Menschen an und kassierte seine Pacht. Nach einer ziemlich ungenießbaren Mahlzeit aus Pökelfleisch mit Rübchen hielt er Hof, spendierte den Pächtern Bier und hielt obendrein großzügig die Dorfbewohner aus, die sich am Feierabend neugierig zu uns gesellten.

Ich saß still auf der Kaminbank in der Ecke, trank ein saures Ale und erholte mich von dem langen Ritt. Ich achtete kaum auf das, was Dougal sagte, teils auf Gälisch, teils auf Englisch, von Neuigkeiten und Bauerntratsch bis hin zu Dingen, die sich wie vulgäre Witze und weitschweifige Geschichten anhörten.

Geistesabwesend fragte ich mich, wie lange wir in diesem Tempo wohl brauchen würden, um Fort William zu erreichen. Und wie ich mich, wenn wir erst dort waren, am besten von den Schotten absetzte, ohne gleich der englischen Garnison in die Fänge zu geraten. In meine Gedanken versunken hatte ich nicht mitbekommen, dass schon seit einer Weile nur noch Dougal sprach, als hielte er eine Rede. Seine Zuhörer folgten ihm gebannt; nur hin und wieder erscholl ein Zwischenruf. Allmählich wurde mir meine Umgebung wieder bewusst, und ich begriff, dass er sein Publikum nach allen Regeln der Kunst zu irgendetwas anstachelte.

Ich sah mich um. Der fette Rupert und Ned Gowan, der schmächtige Anwalt, saßen hinter Dougal an der Wand, und ihre Bierkrüge standen vergessen neben ihnen auf der Bank, während sie Dougal konzentriert zuhörten. Jamie hielt den Blick stirnrunzelnd auf sein Bier gerichtet und beugte sich vor, die Ellbogen auf dem Tisch. Was auch immer Dougal sagte, schien ihn nicht zu begeistern.

Ohne Vorwarnung stand Dougal auf, packte Jamies Kragen und zerrte daran. Das Hemd, das alt und nicht besonders gut verarbeitet war, riss entlang der Nähte auf. Jamie erstarrte völlig überrascht. Er kniff die Augen zusammen, und ich merkte, dass er sich auf die Zähne biss. Doch er regte sich nicht, als Dougal die Fetzen des Hemdes zur Seite schob und den Zuschauern damit seinen nackten Rücken präsentierte.

Alles schnappte nach Luft beim Anblick des von Narben gezeichneten Rückens, gefolgt von empörter Erregung. Ich öffnete den Mund, dann fing ich das Wort »Sassenach« auf, das alles andere als freundlich klang, und ich schloss ihn wieder.

Mit versteinerter Miene stand Jamie auf und trat von den Leuten zurück, die sich um ihn gesammelt hatten. Vorsichtig zog er sich die Überreste des Hemdes aus und ballte sie zusammen. Eine ältere kleine Frau, die ihm gerade bis zum Ellbogen reichte, tätschelte ihm kopfschüttelnd vorsichtig den Rücken und sagte etwas auf Gälisch, was vermutlich tröstend gemeint war. Falls ja, zeigte es eindeutig nicht die erhoffte Wirkung.

Wortkarg beantwortete er ein paar Fragen der umstehenden Männer. Die zwei oder drei jungen Mädchen, die in das Wirtshaus gekommen waren, um Bier für das Abendessen zu holen, drängten sich an die gegenüberliegende Wand und blickten mit großen Augen quer durch den Schankraum.

Mit einem Blick, bei dem Dougal eigentlich zu Stein hätte erstarren müssen, schleuderte Jamie das zerfetzte Hemd in eine Ecke am Kamin und war mit drei großen Schritten im Freien, ohne das mitfühlende Gemurmel der Anwesenden zu beachten.

Da es jetzt nichts mehr zu gaffen gab, richteten sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf Dougal. Die meisten Kommentare verstand ich zwar nicht, doch das bisschen, was ich aufschnappte, schien hochgradig anti-englischer Natur zu sein. Ich war hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, Jamie ins Freie zu folgen, und dem Impuls, unauffällig zu bleiben, wo ich war. Da ich bezweifelte, dass ihm nach Gesellschaft zumute war, verkroch ich mich tief in meiner Ecke, zog den Kopf ein und betrachtete mein verschwommenes, blasses Spiegelbild auf der Oberfläche meines Bierkrugs.

Metallisches Klimpern ließ mich aufblicken. Einer der Männer, ein kräftig aussehender Bauer, der eine Lederhose trug, hatte ein paar Münzen vor Dougal auf den Tisch geworfen und hielt jetzt seinerseits eine kurze Rede. Dann trat er zurück, die Daumen in den Gürtel gehakt, als wollte er den Rest beschwören, ebenfalls etwas zu tun. Nach einer langen Pause der Ungewissheit folgten ein oder zwei wagemutige Seelen seinem Beispiel, und dann gruben noch mehr ihre Kupfermünzen und Pennys aus Geldbörse und Sporran. Dougal dankte ihnen herzlich und winkte dem Wirt, noch eine Runde Ale auszuschenken. Ich bemerkte, dass Ned Gowan diese jüngsten Zahlungen in einem anderen Beutel verstaute als dem, der für Colums Pacht bestimmt war, und ich begriff, welchem Zweck Dougals kleine Vorstellung dienen musste.

Genau wie die meisten anderen Geschäftsvorhaben benötigen auch Rebellionen Kapital. Man braucht Gold, um eine Armee aufzustellen und zu unterhalten, zur Entlohnung ihrer Anführer. Und dem wenigen nach, was ich von Bonnie Prince Charlie, dem jungen Thronprätendenten, in Erinnerung hatte, war zwar ein Teil seiner Mittel aus Frankreich gekommen, ein Teil der Finanzen für seinen erfolglosen Aufstand war jedoch aus den zerschlissenen Taschen der Menschen gekommen, die er regieren wollte. Also waren Colum oder Dougal oder beide Jakobiten; sie unterstützten den jungen Prätendenten gegen George II., den rechtmäßigen Inhaber des britischen Throns.

Schließlich zogen sich auch die letzten Bauern und Pächter zum Essen zurück, und Dougal erhob sich und räkelte sich mit einigermaßen zufriedener Miene wie eine Katze, die zumindest Milch bekommen hat, wenn schon keine Sahne. Er wiegte den kleineren Beutel und warf ihn dann Ned Gowan zur Aufbewahrung zu.

»Aye, nicht schlecht«, sagte er. »In so einem kleinen Ort kann man ja nicht viel erwarten. Aber wenn wir das ein paarmal wiederholen können, wird es ein respektables Sümmchen werden.«

»›Respektabel‹ ist wohl nicht das Wort, das ich benutzen würde«, sagte ich und erhob mich steif von meinem Beobachtungsposten.

Dougal drehte sich um, als ob er mich erst jetzt bemerkte.

»Nicht?«, fragte er und verzog belustigt den Mund. »Und warum nicht? Habt Ihr etwas dagegen, wenn treue Untertanen ihr Scherflein zur Unterstützung ihres Herrschers beitragen?«

»Nein«, sagte ich und erwiderte seinen Blick. »Ganz gleich, um welchen Herrscher es sich handelt. Es sind Eure Überredungsmethoden, die mir nicht gefallen.«

Dougal betrachtete mich, als könnten ihm meine Gesichtszüge etwas verraten. »Ganz gleich, um welchen Herrscher es sich handelt?«, wiederholte er leise. »Ich dachte, Ihr versteht kein Gälisch.«

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