Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Das ist ein und dasselbe, Mann, das weißt du ganz genau.« Ich hörte ein leises Klatschen wie das einer Hand gegen eine Wange. »Dein Gehorsam gilt dem Oberhaupt des Clans, und außerhalb von Leoch stelle ich nicht nur Colums Beine dar, sondern dazu seinen Kopf, seine Arme und seine Hände.«
»Und ich habe noch nie ein besseres Beispiel dafür gesehen, dass die eine Hand nicht weiß, was die andere tut«, kam die schlagfertige Antwort. Trotz der Bitterkeit lag etwas Gewitztes in Jamies Ton, das Freude an diesem Kräftemessen verriet. »Was meinst du wohl, was die Rechte dazu sagen wird, dass die Linke Gold für die Stuarts sammelt?«
Es folgte eine kurze Pause, ehe Dougal antwortete. »Die MacKenzies, MacBeolains und MacVinichs sind freie Männer. Niemand kann sie zwingen, gegen ihren Willen etwas zu geben, und es kann sie genauso wenig jemand daran hindern. Im Übrigen – wer weiß? Es ist doch möglich, dass Colum am Ende mehr für Prinz Charles Edward gibt als sie alle zusammen.«
»Möglich«, pflichtete ihm die tiefere Stimme bei. »Es könnte auch sein, dass es morgen zum Himmel regnet statt zur Erde. Das heißt aber nicht, dass ich mit meinem umgedrehten Eimer an der Treppe stehen und warten werde.«
»Ach nein? Du hättest mehr von einem Stuart auf dem Thron als ich, Junge. Und von den Engländern höchstens eine Galgenschlinge. Wenn dir nichts an deinem Hals liegt …«
»Mein Hals ist meine Sache«, unterbrach ihn Jamie heftig. »Genau wie mein Rücken.«
»Nicht solange du mit mir unterwegs bist, mein lieber Junge«, sagte die Stimme seines Onkels spöttisch. »Wenn du hören willst, was Horrocks dir mitzuteilen hat, wirst du tun, was ich anordne. Ich rate es dir dringend; mag ja sein, dass du gut mit der Nadel umgehen kannst, aber du hast trotzdem nur das eine Hemd.«
Es raschelte, als ob sich jemand erhob, und Schritte entfernten sich leise im Gras. Allerdings nur ein Paar Schritte, dachte ich. Ich setzte mich so behutsam ich konnte hin und blinzelte vorsichtig um einen der Felsen herum, die mich verbargen.
Jamie war noch da. Er saß vornübergebeugt ein paar Meter weiter auf einem Felsen, die Ellbogen auf die Knie gelegt, das Kinn auf die verschränkten Hände gestützt. Er wandte mir halb den Rücken zu. Ich begann zurückzuweichen, weil ich ihn nicht stören wollte, als er mich unvermittelt ansprach.
»Ich weiß, dass du da bist«, sagte er. »Komm heraus, wenn du möchtest.« Seinem Ton nach war es ihm so oder so völlig gleichgültig. Ich erhob mich und war schon fast im Freien, als mir einfiel, dass ich ja nur mein Hemd trug. Weil er schon genug um die Ohren hatte, ohne auch noch meinetwegen rot werden zu müssen, wickelte ich mich taktvoll in die Decke, ehe ich aus meinem Versteck trat.
Ich setzte mich mit einigem Abstand neben ihn, lehnte mich an einen Felsen und betrachtete ihn schüchtern. Abgesehen von einem kurzen Kopfnicken beachtete er mich nicht – offensichtlich ganz und gar mit Gedanken beschäftigt, die seinem finsteren Stirnrunzeln nach alles andere als erfreulich waren. Sein Fuß klopfte unruhig gegen den Felsen, auf dem er saß, und er verschränkte die Finger ineinander, um sie dann so heftig zu spreizen, dass die Knöchel hörbar knackten.
Es waren die knackenden Knöchel, die mich an Hauptmann Manson erinnerten. Der Versorgungsoffizier des Feldlazaretts, in dem ich gearbeitet hatte, nahm jeden Nachschubmangel, jede verspätete Lieferung und die ganze grenzenlose Idiotie der Armeebürokratie persönlich. Eigentlich war er ein gutmütiger, freundlicher Mensch, doch wenn die Frustration zu groß wurde, zog er sich kurz in sein Büro zurück und boxte gegen die Wand hinter der Tür, so fest er konnte. Die Besucher im Wartebereich sahen dann fasziniert zu, wie das dünne Material der Wand unter der Wucht seiner Hiebe erbebte. Kurz darauf kam Hauptmann Manson dann wieder zum Vorschein, um sich der jüngsten Krise zu widmen – zwar mit geprellten Knöcheln, doch sein Seelenfriede war wiederhergestellt. Als man ihn irgendwann zu einer anderen Einheit versetzte, war die Wand hinter der Tür mit faustgroßen Löchern übersät.
Während ich nun beobachtete, wie der junge Mann auf dem Felsen versuchte, sich die Finger zu verrenken, musste ich daran denken, wie der Hauptmann unlösbaren Nachschubproblemen entgegengetreten war.
»Du musst auf etwas einschlagen«, empfahl ich.
»Häh?« Er blickte überrascht auf. Anscheinend hatte er völlig vergessen, dass ich da war.
»Mit den Fäusten«, riet ich ihm. »Du wirst dich besser fühlen.«
Sein Mund zuckte, als wollte er etwas sagen, doch stattdessen erhob er sich von seinem Felsen, steuerte entschlossen auf einen knorrigen Kirschbaum zu und hieb mit aller Kraft darauf ein. Anscheinend empfand er dies tatsächlich als erleichternd, denn er boxte noch ein paarmal gegen den bebenden Stamm, bis ihm ein paar Blätter auf den Kopf rieselten.
Als er daraufhin von dem Baum abließ und zurückkam, saugte er an einem angekratzten Fingerknöchel.
»Danke«, sagte er mit einem ironischen Lächeln. »Vielleicht schlafe ich heute Nacht ja doch noch.«
»Hast du dir die Hand verletzt?« Ich stand auf, um es mir anzusehen, doch er schüttelte den Kopf und rieb sich die Fingerknöchel sacht mit der anderen Hand.
»Nein, es ist nichts.«
Einen Moment standen wir da und schwiegen verlegen. Ich wollte ihn nicht auf die Szene ansprechen, die ich mit angehört hatte, und auch nicht auf das, was sich zuvor im Gastraum zugetragen hatte. Schließlich brach ich das Schweigen, indem ich sagte: »Ich wusste gar nicht, dass du Linkshänder bist.«
»Aye, schon immer. Der Schulmeister hat damals versucht, mir die Hand hinter dem Rücken an den Gürtel zu binden, um mich zu zwingen, mit der anderen zu schreiben.«
»Kannst du es denn? Mit der anderen Hand schreiben, meine ich.«
Er nickte und hob die verletzte Hand erneut an seinen Mund. »Aye. Aber ich bekomme Kopfschmerzen davon.«
»Kämpfst du auch mit links?«, fragte ich, um ihn abzulenken. »Also mit einem Schwert?« Im Moment trug er keine Waffen außer seinem Dolch und dem Sgian dhu, doch tagsüber trug er Schwert und Pistolen, genau wie die meisten anderen Männer der Truppe.
»Nein, ich kann das Schwert mit beiden Händen benutzen. Mit einem Kurzschwert ist ein linkshändiger Schwertkämpfer nämlich im Nachteil, denn er wendet beim Kämpfen dem Gegner die linke Seite zu, und man hat schließlich das Herz auf der linken Seite.«
Zu nervös zum Stillsitzen, hatte er angefangen, über das Gras der Lichtung hin und her zu laufen und seine Worte mit Gesten eines imaginären Schwerts zu illustrieren. »Mit einem Breitschwert macht es kaum etwas aus«, sagte er. Er streckte beide Arme gerade von sich, legte die Hände aneinander und schwang sie in einem flachen, eleganten Bogen durch die Luft. »Da nimmt man meistens beide Hände«, erklärte er.
»Oder, wenn man nah genug ist, um nur eine zu nehmen, spielt es keine große Rolle, welche, denn man kommt von oben und spaltet dem Gegner die Schulter. Nicht den Kopf«, fügte er lehrreich hinzu, »denn da kann die Klinge leicht abrutschen. Aber wenn man ihn genau hier in der Kerbe erwischt …«, er hieb sich mit der Handkante an die Stelle, wo Hals und Schulter ineinander übergingen, »dann ist er ein toter Mann. Selbst wenn es kein Volltreffer ist, wird der Mann an diesem Tag nicht mehr zur Waffe greifen – falls überhaupt.«
Seine linke Hand sank an seinen Gürtel, und er zog mit einer fließenden Bewegung den Dolch.
»Wenn man aber mit Schwert und Dolch gleichzeitig kämpft«, sagte er, »und keine Tartsche hat, um die Dolchhand zu decken, dann nimmt man das Kurzschwert lieber in die rechte Hand und sticht mit dem Dolch von unten zu, also falls es ein Nahkampf ist. Wenn die Dolchhand gut geschützt ist, kann man von jeder beliebigen Seite kommen und sich mit dem ganzen Körper drehen und wenden, um die Klinge des Gegners abzuwehren.« Er duckte und drehte sich zur Illustration. »Dann gebraucht man den Dolch nur, wenn man das Schwert verliert oder den Schwertarm nicht mehr benutzen kann.«