Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Gleich ist es besser«, sagte ich, und meine Stimme war ganz ruhig – wie sie es immer in solchen Situationen war, wie man es mir beigebracht hatte. »Der Schmerz lässt gleich nach.«
»Aye. Es ist schon … besser. Ich kann mein Bein nicht mehr spüren … und meine Hände … Dougal … bist du da? Bist du hier, Mann?« Die tauben Hände schlugen blindlings vor dem Gesicht des Mannes um sich. Dougal nahm sie fest in die seinen und beugte sich dicht über den Mann, um ihm ins Ohr zu murmeln.
Geordies Rücken bäumte sich plötzlich auf, und seine Fersen bohrten sich tief in den schlammigen Boden, als ob sein Körper protestierte gegen das, was sein Kopf schon zu akzeptieren begonnen hatte. Hin und wieder keuchte er krampfhaft auf, denn ein Mensch, der verblutet, schnappt nach Luft, weil es ihn nach dem Sauerstoff verlangt, der seinem Körper fehlt.
Der Wald war völlig still. Kein Vogel sang im Nebel, und die Männer, die geduldig im Schatten der Bäume warteten, schwiegen wie die Bäume selbst. Dougal und ich beugten uns dicht nebeneinander über den Körper, der um sein Leben kämpfte, murmelten und trösteten und teilten uns die grausige, herzzerreißende, unvermeidliche Aufgabe, einem Mann beim Sterben zu helfen.
Der Rückweg zur Burg verlief lautlos. Ich ging an der Seite des Toten, der auf einer improvisierten Bahre aus Kiefernzweigen getragen wurde. Hinter uns folgte der Körper seines Todfeindes auf genau dieselbe Weise. Dougal ging allein voran.
Als wir durch das Tor traten, das auf den großen Innenhof führte, erblickte ich Vater Bains kleine, rundliche Gestalt. Der Dorfpriester eilte seinem gefallenen Gemeindemitglied mit Verspätung zu Hilfe.
Dougal blieb stehen und streckte die Hand aus, um mich aufzuhalten, als ich mich in die Richtung meines Sprechzimmers wandte. Die Träger der Bahre mit Geordies in einen Plaid gehüllten Leichnam setzten ihren Weg zur Kapelle fort, und wir blieben allein auf dem verlassenen Hof zurück. Dougal hielt mich am Handgelenk fest und betrachtete mich gebannt.
»Ihr habt schon öfter Menschen sterben gesehen«, sagte er unverblümt. »Durch Gewalt.« Keine Frage, beinahe eine Beschuldigung.
»Und zwar viele«, sagte ich ebenso unverblümt. Dann entzog ich ihm meinen Arm und ließ ihn stehen, um mich um meinen lebenden Patienten zu kümmern.
So grauenvoll Geordies Tod auch gewesen war, den Festivitäten versetzte er nur einen vorübergehenden Dämpfer. Am selben Nachmittag wurde in der Kapelle der Burg eine prunkvolle Begräbnismesse für ihn gelesen. Und am nächsten Morgen begannen die Wettspiele.
Ich bekam nicht viel davon zu sehen, weil ich damit beschäftigt war, die Teilnehmer zusammenzuflicken. Alles, was ich mit Gewissheit über authentische Highlandwettspiele sagen konnte, war, dass sie ohne Netz und doppelten Boden ausgetragen wurden. Ich verband einen Tollpatsch, der es fertiggebracht hatte, sich aufzuschlitzen, während er einen Schwertertanz versuchte; ich schiente das gebrochene Bein eines arglosen Opfers, das einem achtlos geworfenen Hammer in die Quere gekommen war, und ich verteilte Rizinusöl und Brunnenkressesaft an Scharen von Kindern, die zu viel Süßes gegessen hatten. Am späten Nachmittag war ich der Erschöpfung nah.
Ich stieg auf den Sprechzimmertisch, um den Kopf aus dem winzigen Fenster zu stecken und etwas frische Luft zu schnappen. Die Rufe, das Gelächter und die Musik auf dem Wettkampffeld waren verstummt. Gut. Also keine neuen Patienten mehr, zumindest nicht bis morgen. Was hatte Rupert gesagt, was als Nächstes kam? Bogenschießen? Hmm. Ich warf einen Blick auf meinen Vorrat an Verbandsmaterial und schloss erschöpft die Sprechzimmertür hinter mir.
Ich verließ die Burg und schlenderte bergab auf die Stallungen zu. Ein bisschen nette, nicht menschliche, nicht sprechende, nicht blutende Gesellschaft würde mir guttun. Vielleicht fand ich ja außerdem Jamie, wie auch immer sein Nachname war, und konnte noch einmal versuchen, mich dafür zu entschuldigen, dass ich ihn in die Eidzeremonie verwickelt hatte. Natürlich hatte er sich tapfer geschlagen, doch er wäre ja nie von sich aus dort gewesen. Und was die Gerüchte betraf, die Rupert jetzt vermutlich über unsere angebliche Liebelei verbreitete … daran dachte ich lieber erst gar nicht.
Was meine eigene Lage betraf, so dachte ich daran lieber auch nicht, doch früher oder später würde ich es tun müssen. Nachdem es mir so spektakulär misslungen war, zu Beginn der Clanzusammenkunft zu fliehen, fragte ich mich, ob meine Chancen an ihrem Ende vielleicht besser standen. Zwar würden die meisten Pferde gemeinsam mit den Besuchern verschwinden. Doch die Pferde aus der Burg blieben schließlich da. Und mit etwas Glück würde man es für einen Zufallsdiebstahl halten, wenn eines davon verschwand; es hielten sich wahrhaftig genug zwielichtige Gestalten in der Nähe der Burg auf. Und im Wirrwarr des allgemeinen Aufbruchs würde es bestimmt einige Zeit dauern, bis jemand merkte, dass ich fort war.
Ich schlenderte am Koppelzaun entlang und dachte über mögliche Fluchtwege nach. Das Problem war, dass ich nur eine sehr vage Vorstellung davon hatte, wo ich war und wohin ich von hier aus wollte. Und da mich dank der Tatsache, dass ich sie bei den Wettspielen verarztet hatte, jetzt praktisch alle MacKenzies zwischen Leoch und der Territorialgrenze kannten, würde ich nicht nach dem Weg fragen können.
Plötzlich fragte ich mich, ob Jamie Colum oder Dougal von meinem gescheiterten Fluchtversuch am Abend der Eidzeremonie erzählt hatte. Keiner der beiden hatte mich darauf angesprochen; vermutlich also nicht.
Es standen keine Pferde auf der Koppel. Also wandte ich mich dem Stall zu und schob die Tür auf – woraufhin mir fast das Herz stehenblieb, weil ich Jamie und Dougal Seite an Seite auf einem Heuballen sitzen sah. Sie sahen fast genauso verblüfft über mein Auftauchen aus, wie ich es über ihre Gegenwart war. Doch sie erhoben sich höflich und luden mich ein, mich zu ihnen zu setzen.
»Schon gut«, sagte ich und wich zur Tür zurück. »Ich wollte Euer Gespräch nicht unterbrechen.«
»Nicht doch«, wehrte Dougal ab, »was ich gerade zu Jamie gesagt habe, betrifft Euch ebenfalls.«
Ich warf Jamie einen raschen Blick zu, den er mit der Spur eines Kopfschüttelns beantwortete. Also hatte er Dougal nichts von meinem Fluchtversuch erzählt.
Ich setzte mich, behielt Dougal jedoch argwöhnisch im Auge. Ich hatte die kleine Szene im Korridor am Abend der Eidzeremonie nicht vergessen, auch wenn er sie nicht mehr erwähnt hatte.
»Ich breche in zwei Tagen von hier auf«, sagte er abrupt. »Und euch beide nehme ich mit.«
»Wohin denn?«, fragte ich verblüfft. Mein Herz begann schneller zu schlagen.
»Über das Land der MacKenzies. Colum reist ja nicht, also ist es an mir, die Pächter und Gefolgsleute zu besuchen, die nicht zum Gathering kommen können. Und mich hier und dort um geschäftliche Dinge zu kümmern …« Er tat diese Dinge mit einer Handbewegung als unbedeutend ab.
»Aber wieso ich? Wieso wir, meine ich?«, wollte ich wissen.
Er überlegte einen Moment, ehe er antwortete. »Oh, Jamie kann gut mit Pferden umgehen. Und was Euch betrifft, Mistress, so hält es Colum für klug, wenn ich Euch nach Fort William mitnehme. Der dortige Kommandeur kann Euch vielleicht … behilflich sein, Eure Familie in Frankreich zu finden.« Oder Euch behilflich sein, dachte ich, herauszufinden, wer ich wirklich bin. Und was verschweigt Ihr mir sonst noch? Dougal blickte auf mich hinunter. Er fragte sich wohl, wie ich diese Neuigkeit aufnehmen würde.
»Also schön«, sagte ich gelassen. »Das hört sich doch gut an.« Äußerlich gelassen – doch innerlich war ich von Jubel erfüllt. Was für ein Glück! Jetzt brauchte ich gar nicht zu versuchen, aus der Burg zu fliehen. Dougal würde mich den größten Teil des Weges mitnehmen. Und von Fort William aus würde ich den Weg problemlos selbst finden. Zum Craigh na Dun. Zu dem Steinkreis. Und mit etwas Glück zurück nach Hause.