Ambulanzschiff
- Автор: Уайт Джеймс
- Серия: orbit hospital #4
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Verlag GmbH & Co. KG
- Переводчик: Wilhelm Heyne
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Ambulanzschiff». Краткое содержание книги:
Nehmen wir einmal an, am anderen Ende dieses Käfiggangs oder sogar außerhalb davon befindet sich zusammen mit einem weiteren großen ET ein schwer verletzter Alien, der mit dem Töten des Tiers nicht so erfolgreich war wie sein Besatzungskollege…“
Er brach ab, als Naydrad über Kopfhörer ihre Ankunft mit der Drucktragbahre vor dem Schiff meldete. Murchison schob den ersten Alien zur Schleuse und sagte: „Wenn Sie noch ein paar Minuten warten, Naydrad, können Sie alle drei Wesen in die Bahre legen.“
Fletcher hatte Conway, während der seine Vermutungen angestellt hatte, die ganze Zeit angestarrt. Dem Captain war die Abneigung gegen den Gedanken an einen weiteren großen FSOJ auf dem Schiff ganz deutlich anzusehen. Er deutete auf den Leichnam des zweiten blinden Aliens und sagte in besorgtem Ton: „Dieser hier wäre beinahe entkommen, nachdem er den FSOJ mit seinem Horn getötet hatte. Wenn wir wüßten, wohin er zu fliehen versuchte, müßten wir auch den Aufenthaltsort seines entkommenen Besatzungskollegen kennen.“
„Also lassen Sie uns danach suchen“, schlug Conway vor.
Die Zeit für die Überlebenden, egal, welcher Spezies sie auch angehörten, lief allmählich ab.
Auf Bodenhöhe befand sich eine flache, rechteckige Öffnung, die breit und hoch genug war, um einem blinden Alien das Passieren zu ermöglichen.
In dieser Öffnung steckte fast ein Drittel des flachen, runden Körpers des zweiten Aliens. Beim Versuch, ihn herauszuholen, stießen Fletcher und Conway auf Widerstand und mußten deshalb vorsichtig am Körper ziehen, um ihn freizubekommen. Dann schoben sie den Leichnam zu Murchison, die bereits darauf wartete, ihn zusammen mit den beiden anderen Leichen in die Luftschleuse zu bringen. Plötzlich wurden sie durch eine Meldung über den Anzugfunk in ihrer Tätigkeit unterbrochen.
„Sir! Auf der oberen Schiffsseite geht gerade eine Luke auf. Das sieht ganz aus, als ob… da fährt eine Antenne aus!“
„Prilicla, die Überlebenden!“ rief Conway schnell. „Ist davon einer bei Bewußtsein?“
„Nein, mein Freund“, antwortete der Empath. „Die beiden liegen immer noch in tiefer Bewußtlosigkeit.“
Fletcher starrte Conway einen Moment lang an. „Wenn die Überlebenden die Antenne nicht ausgefahren haben, dann haben wir das getan“, sagte er nachdenklich, „vielleicht beim Herausziehen des blinden Aliens aus der Öffnung.“ Auf einmal beugte er sich nach vorn und setzte die Hände auf den Boden. Dann schob er die Füße auf den Magneten nach hinten, bis er flach auf dem Boden des Gangs lag. Er drückte den Kopf dicht an die Öffnung, durch die der blinde Alien zu fliehen versucht hatte, und richtete den Lichtkegel des Helmscheinwerfers hinein. „Jetzt sehen Sie sich das mal an, Doktor!“ sagte er triumphierend. „Ich glaube, wir haben die Kommandozentrale gefunden.“
Sie blickten in einen breiten, niedrigen Tunnel, dessen Abmessungen nur wenig größer als die der Alienkörper waren. Auch hier war die Sichtweite eingeschränkt, weil der Tunnel genauso wie der hinter ihnen liegende Gang der Krümmung des Schiffs folgte. Der Tunnelboden war von der Öffnung aus ungefähr vierzig Zentimeter weit vollkommen glatt, an der Decke hingegen befanden sich genau die gleichen, mit Blindenschrift gekennzeichneten Schalter wie in der Luftschleuse. Kontrollampen oder optische Displays fehlten natürlich völlig. Kurz hinter diesem Bereich verschwand die Tunneldecke, und dort konnte man deutlich das erste Steuerpult sehen.
Von der Form her ähnelte es einem runden, elliptisch unterteilten Sandwich. Die dadurch um den Rand herum entstehende Öffnung ermöglichte der blinden Besatzung den Zugang. Conway und Fletcher konnten an den Innenseiten des Sandwiches Hunderte von Schaltern und auf den Außenflächen Kabelstränge und Leitungen sehen, die die Schalter mit den von ihnen gesteuerten Mechanismen verbanden. Der Großteil dieser Kabelstränge führte zur Schiffsmitte, während sich die restlichen zur Ober- und Unterseite des Rumpfs schlängelten. Ein paar wenige verliefen zum Schiffsrand. Eine farbliche Kennzeichnung der Kabel war nicht auszumachen, aber in die Kabelmäntel waren verschiedene Muster eingeprägt und eingestanzt, die für blinde, auf den Tastsinn angewiesene Techniker dieselbe Funktion wie Farbcodierungen erfüllten. Hinter dem ersten Steuerpult war noch ein zweites zu sehen.
„Ich kann zwar nur zwei Steuerpulte deutlich erkennen, aber wie wir wissen, besteht die Besatzung aus mindestens drei Mitgliedern“, sagte Fletcher. „Der Überlebende befindet sich wahrscheinlich hinter dieser Kurve und ist deshalb nicht zu sehen. Wenn wir uns bloß durch den Tunnel quetschen könnten…“
„Das ist physikalisch unmöglich“, warf Conway ein.
„… ohne bei jedem Schritt an Schalter zu kommen und sämtliche Schiffssysteme anzuschalten“, fuhr Fletcher unbeirrt fort. „Ich frage mich, warum diese trotz ihrer Blindheit anscheinend nicht dummen Wesen so dicht am Käfig eines gefährlichen, gefangenen Tiers ein Steuerpult aufgestellt haben. Damit sind die doch ein großes Risiko eingegangen.“
„Wenn die Aliens das Tier schon nicht im Auge behalten konnten, dann mußten sie wenigstens nahe mit ihm in Verbindung bleiben“, entgegnete Conway trocken.
„Sollte das etwa ein Witz sein?“ entgegnete Fletcher mißbilligend, während er einen der Handschuhe auszog und den Arm in die Öffnung steckte. Ein paar Sekunden später berichtete er: „Ich glaube, ich kann den Schalter fühlen, den wir beim Herausziehen des blinden Aliens ausgelöst haben. Ich drücke jetzt mal drauf.“
Sofort meldete Chens Stimme auf der Anzugfrequenz: „Dicht neben der ersten fährt jetzt eine zweite Antenne aus, Sir.“
„Oh, Entschuldigung“, antwortete Fletcher. Während er mit den Fingern über die extraterrestrischen Schalter und Knöpfe tastete, nahm sein Gesicht einen Moment lang einen äußerst konzentrierten Ausdruck an, und kurz darauf meldete Chen das Verschwinden beider Antennen. Der Captain lächelte und fuhr fort: „Angenommen, die Bedienungselemente sind zweckmäßig in Gruppen angeordnet, und die Schalter für Energie, die Lagesteuerung, das Lebenserhaltungssystem, die Kommunikation und so weiter liegen an ihren eigenen, ganz bestimmten Stellen des Steuerpults, dann würde ich sagen, der blinde Alien hat im Sterben die Kommunikationsschalttafel berührt. Er hat es noch geschafft, die Notsignalbake auszusetzen, und das war wahrscheinlich auch das letzte, was er in seinem Leben noch tun konnte.
Ach, Doktor, könnten Sie mir wohl mal bitte die Hand reichen?“ fragte er Conway.
Conway streckte dem Captain die Hand hin, um ihm Halt zu geben und wieder auf die Beine zu helfen, während Fletcher die andere Hand vorsichtig aus der Öffnung zog. Plötzlich rutschte einer seiner Fußmagneten über den Boden. Instinktiv warf er zur Vermeidung eines Sturzes den freien Arm nach hinten — obwohl er in der Schwerelosigkeit gar nicht fallen konnte — und stieß dabei die Hand in den Bereich der Schalter zurück.
„Ich hab irgendwas berührt“, meldete er besorgt.
„Das kann man wohl sagen“, bestätigte Conway und deutete auf den vergitterten Gangabschnitt.
„Sir!“ rief Haslam über Funk. „Wir registrieren starke, periodisch auftretende Vibrationen in der gesamten Schiffskonstruktion, auch metallische Geräusche!“
Murchison kam von der Luftschleuse durch den Gang herbeigeeilt und bremste sich geschickt an der Wand ab. „Was ist denn los?“ fragte sie.
Dann sah auch sie in den Käfiggang und fragte noch maclass="underline" „Was passiert denn da?“
Bis in den letzten noch einsehbaren Winkel hatte in dem gekrümmten Gang eine heftige und lautstarke mechanische Tätigkeit eingesetzt. Die aus den Wandschlitzen ragenden Metallstangen schlugen bis an die Grenzen ihrer Bewegungsfreiheit vor und zurück oder auf und nieder, während die Stäbe mit den spitzen oder morgensternartigen Enden von der Decke wie Kolben hoch- und herunterstießen. Mehrere der Stangen und Kolben waren stark verbogen und schlugen gegeneinander, und das war auch der Grund für den Höllenlärm. Während sie noch diesem Spektakel zusahen, öffnete sich ein paar Meter hinter dem Gitter in der Innenbordwand des Gangs eine kleine Klappe, aus der eine dickem Porridge ähnelnde Masse herausgepreßt wurde, die wie ein mißgebildeter Fußball der nächsten, wild hin- und herschwingenden Stange in den Weg rollte.