Ambulanzschiff
- Автор: Уайт Джеймс
- Серия: orbit hospital #4
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Verlag GmbH & Co. KG
- Переводчик: Wilhelm Heyne
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Ambulanzschiff». Краткое содержание книги:
„Aha“, antwortete Conway.
Also ein blinder, grabender Wurm, der es irgendwie geschafft hat, nach den Sternen zu greifen, dachte er. Doch die folgenden Ausführungen von Murchison erinnerten ihn daran, daß die blinden Aliens nicht nur große und ruhmreiche, sondern auch scheinbar unbedeutende und grausame Taten vollbringen konnten.
„Und was die Überlebenden betrifft“, fuhr sie fort, „Sollte sich das FSOJ-Versuchstier, oder was es auch immer ist, zu nah beim überlebenden Besatzungsmitglied befinden, so daß wir ohne Gefahr für uns selbst oder den blinden Alien nicht beide retten können, dann würde eine starke Reduzierung des atmosphärischen Drucks den FSOJ außer Gefecht setzen oder, noch wahrscheinlicher, sogar töten. Der Druck muß dann allerdings langsam und gleichmäßig reduziert werden, um Dekompressionsschäden am Zellgewebe des blinden Aliens zu vermeiden.“
„Das wäre das letzte, was wir versuchen würden“, entgegnete Conway fest. Für Erstkontaktsituationen wie diese gab es äußerst strenge Regeln.
Schließlich konnte man sich nie absolut sicher sein, ob ein scheinbar unvernünftiges und wildes Tier auch wirklich ein zu keiner Empfindung fähiges Geschöpf war.
„Ich weiß, ich weiß“, erwiderte Murchison. „Es interessiert dich bestimmt auch, daß sich der FSOJ in einem fortgeschrittenen Schwangerschaftsstadium befunden hat. Und das ist eine Zeit, in der die meisten Lebensformen, ganz unabhängig von ihrem Intelligenzgrad, schon bei der Annahme, ihr Ungeborenes könnte bedroht sein, übermäßig besorgt, emotional und aggressiv reagieren. Das ist vielleicht auch der Grund für den Ausbruch des FSOJs aus dem Käfig. Außerdem hätte ihn der blinde Alien gar nicht mit dem Horn töten können, wenn die Unterseite des FSOJ-Körpers nicht schon zur Vorbereitung auf die kurz bevorstehende Geburt stellenweise geschwächt gewesen wäre…“
„Wenn man an den Zustand der weiblichen FSOJ denkt“, unterbrach Conway sie, „und an die ganzen Schläge und Stöße, die sie in…“
„Ich hab nichts von einem Weibchen gesagt, obwohl das gut sein könnte“, unterbrach ihn Murchison. „Diese Lebensform ist in vieler Hinsicht viel interessanter als die blinden Aliens.“
„Spar dir deine geistige Energie lieber für die mit Sicherheit intelligenten Wesen auf“, raunzte Conway sie an. Einen Augenblick lang herrschte ein nur vom Hintergrundrauschen des Anzugfunks unterbrochenes Schweigen, dann bat er entschuldigend: „Beachte mich bitte einfach gar nicht, ich hab furchtbare Kopfschmerzen.“
„Ich auch“, sagte der auf dem Boden liegende Captain. „Meiner Vermutung nach kommt das vom Lärm und den Auswirkungen der Unterschallvibrationen von diesen ganzen laufenden Mechanismen hier.
Wenn er nur halb so schlimme Kopfschmerzen hat wie ich, dann können Sie ihm getrost verzeihen, Murchison. Und falls Sie für unsere Rückkehr zum Schiff irgendein wirksames Medikament bereithalten könnten, wäre ich Ihnen sehr…“
„Dann sind wir schon drei“, erwiderte Murchison. „Mein Kopf tut mir nämlich schon seit meiner Rückkehr weh, und ich war dem Lärm und den Vibrationen nur ein paar Minuten lang ausgesetzt. Außerdem hab ich eine schlechte Nachricht — gegen diese Kopfschmerzen hilft kein Medikament.“
Als sie den Funkkontakt unterbrach, sagte Fletcher beunruhigt: „Ist das nicht merkwürdig, daß drei Leute, die alle die Luft in diesem Schiff eingeatmet haben, an Kopfschmerzen…“
„Im Orbit Hospital gibt es die Redensart, daß psychosomatische Schmerzen ansteckend und unheilbar sind“, unterbrach ihn Conway.
„Murchison hat schließlich mit dem Analysator die Schiffsatmosphäre auf giftige Substanzen überprüft. Und alle darin enthaltenen Alienbazillen sind an uns überhaupt nicht interessiert. Diese Kopfschmerzen könnten das Ergebnis von Besorgnis, Anspannung oder einem Zusammenspiel verschiedener psychologischer Faktoren sein. Aber da wir sie alle drei gleichzeitig bekommen und uns alle eine gewisse Zeit auf diesem Schiff aufgehalten haben, sind die Kopfschmerzen wahrscheinlich durch äußere Einflüsse verursacht worden, höchstwahrscheinlich durch den Lärm und die Vibrationen aus dem Korridor. Dann hatten sie vorhin natürlich recht. Tut mir leid, daß ich das alles überhaupt erwähnt hab.“
„Wenn Sie das nicht getan hätten, dann ganz bestimmt ich“, antwortete Fletcher. „Diese Kopfschmerzen sind ziemlich unangenehm und beeinträchtigen meine Konzentrationsfähigkeit auf diese…“
Diesmal kam die Unterbrechung außen vom Rumpf.
„Hier Haslam, Sir. Chen und ich haben die Erfassung der Ausdehnung der Geräusche und Vibrationen abgeschlossen. Dabei handelt es sich um einen schmalen, vielleicht zwei Meter breiten Streifen, der sich mit dem von Ihnen sogenannten Käfiggang deckt. Dieser Gang bildet einen offenen Kreis mit konstantem Radius, der von dem Bogen mit den Steuerpulten geschlossen wird. Aber das ist noch nicht alles, Sir. Der Gang führt nämlich auch zum Aufenthaltsort der beiden Überlebenden.“
Fletcher blickte Conway an und sagte mit bewegter Stimme: „Wenn ich doch bloß diese mechanische Folterkammer — oder was das sonst auch immer sein mag — wieder abschalten könnte, dann wären wir vielleicht in der Lage, uns durch den Gang zu den Überlebenden zu zwängen… ach, nein. Wenn diese Kolben und Stangen wieder losgehen, während sich jemand im Gang befindet, dann würde der ja zu Tode gestampft werden.“
Zu Haslam sagte er: „Na schön. Haben Sie sonst noch etwas zu berichten?“
„Na ja, Sir“, antwortete Haslam zögernd. „Wahrscheinlich hat das nichts zu besagen, aber wir haben ebenfalls Kopfschmerzen.“
Während Fletcher und Conway über die Kopfschmerzen der beiden Offiziere der Rhabwar nachdachten, herrschte ein langes Schweigen. Chen und Haslam waren die ganze Zeit über außerhalb des Schiffs geblieben, hatten die Außenhaut nur selten berührt und auch dann bloß mit den magnetischen Stiefeln und Handschuhen. Und die besaßen ein dickes, weiches und isolierendes Futter, das mechanische Schwingungen absorbierte. Außerdem pflanzt sich in einem Vakuum kein Schall fort.
Conway fiel keine einzige Erklärung für die Kopfschmerzen der beiden Männer ein, aber der Captain war erfolgreicher.
„Dodds“, wandte sich Fletcher plötzlich an den auf der Rhabwar zurückgelassenen Offizier. „Führen Sie noch einmal eine Sensorüberprüfung der vom Schiff ausgehenden Strahlung durch. Vielleicht existiert sie erst, seitdem ich die Knöpfe gedrückt hab. Suchen Sie auch nach möglicherweise schädlicher Strahlung vom nahen Sternhaufen.“
Conway nickte anerkennend, was Fletcher allerdings nicht bemerkte.
Selbst flach auf dem Rücken liegend, mit hämmernden Kopfschmerzen, die das Denken fast unmöglich machten, und mit einem Arm, der unsichtbar in einem völlig unbekannten Steuerpult steckte und durch eine unbedachte Berührung alles vom Ausschalten des Lichts bis zu einem außerplanmäßigen Sprung in den Hyperraum auslösen konnte, leistete der Captain ausgezeichnete Arbeit. Aber laut Dodds zeigten die Meßwerte der Sensoren keine Spur von schädlicher Strahlung, weder von dem Alienschiff noch von dem Sternhaufen ausgehend. Conway und Fletcher dachten immer noch über diese Tatsache nach, als das Schweigen durch die schüchterne Stimme Priliclas unterbrochen wurde.
„Freund Conway“, meldete sich der Empath, „ich hab mit dieser Mitteilung gewartet, bis ich mir meiner Empfindungen absolut sicher war, aber jetzt kann es keinen Zweifel mehr geben. Der Zustand beider Überlebender verbessert sich zusehends.“
„Danke, Prilicla“, erwiderte Conway. „Das verschafft uns mehr Zeit, über eine Rettungsmöglichkeit nachzudenken.“ An Fletcher gewandt fügte er hinzu: „Aber warum diese plötzliche Besserung?“