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Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]

Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]». Краткое содержание книги:

Menschlicher Forschergeist sind keine Grenzen gesetzt. Kurz vor dem Jahre 2000 sind Mond und Mars bereits bezwungen.
Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse.
Deshalb startet die SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten.
Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden?
Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
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Andrejew bat Toporkow, Melnikow ans Mikrofon zu holen, er wolle sich mit ihm beraten. Boris Nikolajewitsch hatte gerade die Funkkabine verlassen. Als er wieder zurückkam, hatte das Kettenfahrzeug schon eine beträchtliche Strecke zurückgelegt.

„Nehmen Sie mit Bestimmtheit an, daß der Weg zu dem See führt?“ fragte Melnikow, nachdem er sich Andrejews Zweifel angehört hatte.

„Höchstwahrscheinlich fuhrt er zum See. Wir haben am Wegland Stämme liegen sehen, deren Zweige ebenso abgebrochen waren wie bei den Stämmen am Fluß. Diese Stämme liegen am Rand der Schneise in annähernd gleichem Abstand voneinander und sind offenbar mit Absicht so hingelegt worden.“ „Wie tief sind Sie in den Wald eingedrungen?“ „Ungefähr fünfhundert Meter.“ „Dann hat es keinen Sinn, umzukehren. Erst wenn Sie den anderen Wagen am See nicht vorfinden, suchen Sie die zweite Schneise.“ „Gut.“ Wachsende Besorgnis ließ Knjasew schneller fahren. Der Weg war erstaunlich glatt. Wie eine Parkallee auf der Erde.

Nur zweimal stießen sie auf sanfte Kurven.

Das majestätische Bild des unberührten Waldes — gigantische Bäume, deren Stämme wie riesige Säulen emporstiegen, die undurchdringliche Kuppel der Zweige und Blätter, das dichte Unterholz, wunderlich verflochten mit dem fahlen Gras — all das nahmen die Männer kaum wahr. Sogar Wtorow griff kein einziges Mal nach der Kamera, er hatte sie völlig vergessen.

Angestrengt blickten sie nach vorn und versuchten, wenigstens die Andeutung einer Spur zu finden, eine Kleinigkeit, die bewiese, daß vor ihnen ein Kettenfahrzeug den gleichen Weg gefahren wäre. Aber sie entdeckten nichts.

Allmählich wurden sich alle darüber einig, daß sie den falschen Weg gewählt hatten. Und hätte Melnikow ihnen nicht einen bestimmten Rat erteilt, den alle drei als Befehl auffaßten, wären sie wahrscheinlich umgekehrt.

Dabei wären sie überzeugt gewesen, richtig und vernünftig zu handeln, obwohl gerade die Umkehr sie und ihre Genossen vom Raumschiff dazu verurteilt hätte, nie etwas über das Schicksal der beiden Vermißten zu erfahren, die sie doch retten wollten.

Der Zufall hatte sie auf eine gerade und breite Schneise geführt, auf der ihr Geländewagen schnell vorwärts kam, und er verschaffte ihnen auch die Möglichkeit, sehr bald die schreckliche Wahrheit zu erfahren.

Doch das wußten sie noch nicht und konnten es auch noch nicht wissen.

Wäre jemand von der Besatzung der „SSSR-KS 3“ während des Gewitters über den Wald geflogen, hätte sich ihm ein seltsames und für einen Erdenbürger völlig unerklärliches Bild geboten.

Bei einem ersten flüchtigen Blick aus der Vogelperspektive konnte man meinen, der Wald des fremden Planeten unterscheide sich nicht von dem der Erde. Abgesehen natürlich von seiner Farbe und gigantischen Höhe. Dem aufmerksamen Beobachter jedoch konnten mehrere wesentliche Besonderheiten nicht entgehen. Vor allem fiel auf, daß die Bäume des Waldes einander völlig glichen, etwas, was auf der Erde nie vorkommt, weiter reichten alle Baumkronen bis zu ein und derselben Höhe, als wären sie mit der Schere eines Riesengärtners beschnitten, und Zweige und Blätter wurden nicht, wie auf der Erde, von oben nach unten dichter und kräftiger, sondern von unten nach oben. Das Laub war besonders auffällig. Jedes Blatt erreichte, zu einem Rohr zusammengerollt, eine Länge von mehreren Metern. Der heftige Wind konnte den Blättern fast gar nichts anhaben, sie bewegten sich kaum. Bei näherem Hinsehen konnte man auch die Ursache dafür erkennen. Jedes Blatt war nicht nur durch einen, sondern durch zwei Stiele, die an seinen gegenüberliegenden Enden saßen, mit dem Zweig verbunden, was ihnen mehr Halt gab. Auch waren Stiele und Blätter oft mehrere Zentimeter dick.

In dem dichten Dach des Waldmassivs gab es kein einziges „Fenster“, durch das der Blick hätte ins Innere fallen können.

Das undurchdringliche Astgewölbe entzog alles den neugierigen Augen.

Wie ein riesiger gepflasterter Platz von orangeroter Farbe, fast regungslos und gleichsam in ewiger Ruhe erstarrt, sah der Wald der Venus von oben aus.

Sobald aber ein düsteres Gewitter aufzog, änderte sich das Bild. Je näher es kam, desto lebhafter wurde es. Die aufgerollten Blätter entfalteten sich, zuerst langsam, dann immer schneller, um den nahenden Regen abzufangen. Man konnte glauben, sie kämpften miteinander und versuchten, sich gegenseitig möglichst viel freien Raum zu nehmen. Jedes Blatt schien sich über seine Nachbarn legen zu wollen, die wiederum den gleichen Wunsch hegten.

Rasch veränderte sich so das Aussehen des Waldes. In nichts erinnerte er noch an den Wald der Erde. Eine glatte, glänzende Fläche breitete sich nach allen Seiten und glich von oben einem bunten Parkettfußboden.

Das farbenprächtige Feuerwerk aber, das Balandin und Belopolski vor kurzem im Wald beobachtet hatten, war aus der Vogelperspektive gar nicht zu sehen. Die Blätter, die sich in ihrer ganzen Breite entrollt hatten, verbargen es unter sich.

Wälzte sich nun eine mächtige Regenwand auf den Wald zu, neschah etwas geradezu Unfaßbares.

Die „SSSR-KS 3“ hatte nur mit knapper Not dem Ansturm der Wassermassen standgehalten, auch die Tragflächen von Melnikows Flugzeug waren seinerzeit unter dem Wasserdruck wie Pappflügel abgebrochen. Aber die Blätter der Venusbäume, ein weicher, pflanzlicher Stoff also, widerstanden mühelos dem schrecklichen Angriff. Binnen Sekunden entschwand das orangerote „Parkett“ den Blicken. An seiner Statt tobte ein brodelndes Meer, das sich über schäumende Kaskaden zu den Ufern des Flusses und des Waldsees ergoß.

Die Wassermassen prallten also an der Waldkuppel ab, sie durchschlugen sie nicht und konnten die Wurzeln der Bäume nicht netzen; diese nährten sich entweder von der Feuchtigkeit, die die Blätter aufnahmen, oder vom Grundwasser.

So erklärte sich auch der Umstand, daß der Boden in den Waldschneisen trocken blieb.

Als erster kam Belopolski wieder zu sich.

Er schlug die Augen auf, sah aber nichts. Ringsum herrschte Düsternis. Minutenlang blieb er liegen, ohne sich zu rühren.

Krampfhaft versuchte er sich zu erinnern, wo er sich befand und was ihm widerfahren war. Da kam ihm zum Bewußtsein, daß ein anderer auf ihm lag, und er nahm scharfen Ozonduft und Brandgeruch wahr.

Seinen rechten Arm konnte er bewegen; fast mechanisch langte er nach dem vertrauten Hebel des Luftschlauches und legte ihn herum.

Der Sauerstoffstrahl brachte sogleich Klarheit in seine Gedanken. Tief atmete er das belebende Gas ein und schloß den Hahn wieder.

Behutsam kroch er unter Balandin hervor, der offenbar immer noch ohnmächtig war: Er wurde nun hellwach. Deutlich stand ihm wieder vor Augen, wie das Gewitter angefangen, die Feuersäule sich aufgerichtet und auf ihren Wagen gestürzt hatte. Besorgt befühlte er im Dunkeln die Instrumententafel.

Er drehte den Hauptschalter — welch eine Freude! Die Lampen, die Akkumulatoren und das Leitungsnetz waren nicht beschädigt! Helles Licht erstrahlte in der Kabine.

Ein Blick auf das Funkgerät genügte, um zu wissen, was mit ihm geschehen war. Empfänger und Sender, die in ein und demselben Gehäuse steckten, hatten sich in eine formlose Masse ausgeglühten und teilweise geschmolzenen Metalls verwandelt.

Kein Zweifel — in die Antenne, die sie einzuziehen vergaßen, hatte der Blitz eingeschlagen.

Eine unverzeihliche Fahrlässigkeit! dachte Belopolski. — Ein Wunder, daß wir überhaupt noch leben!

Im selben Augenblick wurde ihm klar, daß er das vorläufig nur von sich sagen konnte; sein Begleiter lag regungslos am Boden und gab kein Lebenszeichen von sich.

Balandin hatte näher am Funkgerät gesessen und war deswegen vielleicht stärker getroffen worden. Rasch, aber vorsichtig drehte Belopolski den Professor auf den Rücken.

Das Gesicht totenbleich, die Augen eingefallen, die Lippen blau angelaufen — war er etwa tot? …

Funken konnte Belopolski nicht mehr. Er hatte keine Möglichkeit, mit dem Raumschiff zu sprechen und den Rat des Arztes zu erbitten. Ein Sprechfunkgerät hatte er nicht mitgenommen.

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