Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]
- Автор: Мартынов Георгий Сергеевич
- Год: 1964
- Язык: немецкий
- Год: Verlag Kultur und Fortschritt
- Переводчик: Traute Stein
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]». Краткое содержание книги:
Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse.
Deshalb startet die SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten.
Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden?
Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
„Laß mich an Stelle Andrejews fahren“, bat er. „Ich mache mir Sorgen um Konstantin Jewgenjewitsch.“ „Das geht nicht“, antwortete Melnikow und setzte nach kurzem Besinnen mit gesenkter Stimme hinzu: „Es kann alles mögliche geschehen. Ich darf nicht zulassen, daß außer dem Kommandanten auch noch der einzige Astronom von Bord geht.
Leonid Nikolajewitsch ist ja nicht mehr da.“ Daß der verunglückte Orlow in diesem Augenblick erwähnt — wurde, ließ Paitschadse zusammenzucken. Forschend blickte er den Freund an.
„Meinst du wirklich?“ Melnikow wandte sich ab. „Stepan Arkadjewitsch ist Arzt und du nicht. Die beiden könnten verletzt sein.“ Bald darauf meldete Saizew, daß die Räume im Achterschiff, in denen die Treibstoffvorräte lagerten, sowie die Triebwerke und Düsen völlig unbeschädigt seien. Toporkow schwieg noch.
Nachdem Melnikow noch einige Minuten gewartet hatte, schaltete er den internen Bildschirm ein und verband sich mit der Funkkabine.
Toporkow saß, die Ellbogen aufgestützt und den Kopf in die Hände gelegt, vor dem Sender. Seine ganze Haltung drückte Niedergeschlagenheit aus. Als er das Anrufsignal vernahm, drehte er sich zum Bildschirm um und sagte: „Entschuldigen Sie, Boris Nikolajewitsch! Ich habe ganz vergessen, Ihnen zu melden. Die Funkgeräte sind in Ordnung.
Demoliert ist nur die Lokationsvorrichtung. Aber das wissen Sie wohl schon.“ „Ja“, antwortete Melnikow. „Haben Sie Verbindung?“ „Vorläufig nichts zu machen. Die Ionisation der Luft ist noch zu stark. Die Funkwellen dringen nicht durch.“ „Lassen Sie nicht locker. Sobald sich die Möglichkeit ergibt, funken Sie! Und machen Sie sich keine unnötigen Sorgen!“ setzte Melnikow hinzu. „Ich nehme an, daß das Gewitter im tiefen Wald, wo der Geländewagen steht, ungefährlich ist.“ „Meinst du wirklich?“ fragte Paitschadse, nachdem der Bildschirm abgeschaltet war.
Melnikow wich einer Antwort auf diese direkte Frage aus.
„Was für eine Analogie der Ereignisse!“ sagte er. „Nicht wahr, Arsen? Auf dem Mars verloren Belopolski und ich die Verbindung zu dir und Sergej Alexandrowitsch, und danach wußten wir drei nicht, was aus Kamow geworden war. Auf dem Mond riß zunächst die Verbindung mit mir ab, als ich in den Spalt gefallen war, und dann auch mit Toporkow. Hier auf der Venus habt ihr eine Zeitlang nicht gewußt, was aus Wtorow und mir geworden war. Und nun Belopolski und Balandin …“ „Es kann nicht anders sein“, antwortete Paitschadse, „und wird immer wieder vorkommen …“ „Beiß dir auf die Zunge!“ Melnikow lächelte gequält.
Außer Toporkow fanden sich nach und nach alle Besatzungsmitglieder in der Zentrale ein. Knjasew meldete, der Geländewagen zwei stünde einsatzbereit an der Luftschleuse.
„Welchen habt ihr genommen?“ „Den mittleren, den Fünfsitzer.“ „Recht so. Konstantin Jewgenjewitschs Wagen kann beschädigt sein.“ Aller Augen verfolgten unablässig den Zeiger des Elektrobarometers. Entgegen aller Erfahrung brauchte er diesmal lange, bis er den Nullpunkt erreichte.
Es wurde immer offensichtlicher, daß das abgezogene Gewitter sich von den bisherigen unterschied.
„Vielleicht sollten wir lieber den Spuren des anderen Wagens folgen und nicht auf die Funkverbindung warten?“ schlug Andrejew vor.
„Auf keinen Fall“, antwortete Melnikow kurz.
Endlich hatte sich die Luft wieder gereinigt. Die Männer in der Zentrale hörten, wie Toporkow zu funken begann.
„Geländewagen! Geländewagen! Antwortet!“ So vergingen lange, lange Minuten. Schließlich konnte Melnikow sich nicht länger zur Geduld zwingen.
„Fahren Sie los, Stepan Arkadjewitsch!“ sagte er.
Erfreut stürmten Andrejew, Knjasew und Wtorow hinaus.
Melnikow seufzte.
„Wenn den beiden nichts zugestoßen ist, wird Konstantin jewgenjewitsch meine Entscheidung als voreilig mißbilligen.
Aber ich bringe es einfach nicht fertig, länger zu warten.“ „Wir haben genug gewartet“, beruhigte ihn Paitschadse. „Du handelst richtig.“ Alexander Knjasew fuhr mit höchster Geschwindigkeit zu den Stromschnellen. Die drei Mann in dem großen Kettenfahrzeug wußten, daß ihre Genossen in der Nähe der Holzstapel in den Wald abgebogen waren. Dem jungen Mechaniker war nicht bange, daß er den Weg verfehlen konnte. Er fürchtete nur, der Weg würde für ihren Wagen, der bedeutend größer als der andere war, nicht breit genug sein. Auf der Erde hätte ihm das Leine Sorgen bereitet. Wie ein mächtiger Panzer hätte sich der Geländewagen durch jeden Wald einen Weg gebahnt. Aber auf der Venus mit ihren gigantischen Bäumen konnte sich das als unmöglich erweisen.
Gleich beim ersten Stapel bog Knjasew, ohne einen Augenblick zu zögern, zum Wald ab.
Weder er noch seine Kameraden beachteten die rätselhaften Balkenhaufen oder den Fluß mit den zahllosen Baumstämmen, die sich an der kaum weniger rätselhaften Felssperre stauten.
Was sie vorher so sehr interessiert hatte, schien nun für sie gar nicht zu existieren. All ihre Gedanken waren darauf gerichtet, so bald wie möglich die Genossen zu finden und sich zu überzeugen, daß sie das schreckliche Gewitter überlebt hatten.
Andrejews Blicke streiften immer wieder die Instrumententasche. Er überlegte, ob er alles mitgenommen habe, was er in diesem oder jenem Fall brauchen würde.
Vieles war möglich. Das Fahrzeug konnte beschädigt und die Insassen durch Formaldehyd und Kohlensäuregas vergiftet sein.
Durch Blitzschlag konnten beide sich Brandwunden zugezogen haben. Der Geländewagen konnte umgestürzt sein, wobei Balandin und Belopolski Quetschungen oder sogar Knochenbrüche erlitten.
Wtorow hielt ständig Verbindung mit dem Raumschiff. Belopolski aber antwortete immer noch nicht. Nach Toporkows Meinung war das Funkgerät des Geländewagens unbrauchbar geworden.
„Ich fürchte, sie haben vergessen, die Antenne einzuziehen, als das Gewitter sie überraschte“, sagte Igor Dmitrijewitsch, „und der Blitz ist in die Antenne eingeschlagen.“ Wenn es so war, kommt die Hilfe zu spät! dachte Andrejew.
Kaum hatte der Geländewagen den Waldrand erreicht, entdeckten die Insassen auch schon eine Schneise. Ohne zu zögern, bog Knjasew unerschrocken ein. Die Breite des Weges war mehr als ausreichend. Doch zur Vorsicht drosselte Knjasew die Geschwindigkeit bis auf zehn Stundenkilometer.
Im dichten Ufergras hatten sie keine Spuren bemerkt. Das wunderte sie nicht — der Regen hatte sie wahrscheinlich getilgt.
Aber auch im Wald waren keine Spuren zu erkennen.
Die Schneise zog sich fast schnurgerade ins Innere des Waldes. Weit voraus erhellte der Scheinwerfer den Weg. Der dunkelbraune Boden, dem jede Grasdecke fehlte, wies keine Feuchtigkeit auf, was äußerst befremdlich wirkte, weil der Platzregen erst vor kurzem aufgehört hatte. Der Boden war völlig trocken.
Als sie zurückblickten, sahen sie, daß die Raupenketten ihres Wagens eine tiefe Spur hinterließen. Warum war die Spur des anderen Wagens nicht zu sehen?
„Ob wir nicht auf dem falschen Weg sind?“ fragte Andrejew.
„Vielleicht haben die beiden einen anderen benützt?“ „Konstantin Jewgenjewitsch hat mitgeteilt, daß die Schneise genau gegenüber dem einen Stapel anfängt“, erwiderte Knjasew. „Es ist kaum anzunehmen, daß hier zwei Wege fast nebeneinander her fuhren.“ „Aber warum sehen wir dann keine Spuren?“ „Die hat der Regen weggespult.“ Stepan Arkadjewitsch wiegte zweifelnd den Kopf. Er entsann sich der Belopolskischen Meldung, die Schneise sei schmal und gewunden. Diese aber war breit und gerade.
Was tun? Umkehren und den anderen Weg suchen? Aber wenn sich der Zeitverlust als verhängnisvoll erwies? Wenn nun die Spuren tatsächlich ausgewaschen waren und der Boden das Regenwasser völlig aufgesogen hatte? Wer wußte, was für Eigenschaften der Boden der Venus besaß? Belopolski konnte sich geirrt haben, als er kurz die gefundene Schneise beschrieb.
Außerdem war Stepan Arkadjewitsch nicht ganz sicher, daß er sich im fraglichen Sinne geäußert hatte.