Congo. Romanvorlage zum Film.
- Автор: Крайтон Майкл
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Congo. Romanvorlage zum Film.». Краткое содержание книги:
Das Nebeneinander von technischen Superwundern und ungebändigter Natur erzeugt eine grandiose Wirkung. Dieses Buch ist Seite für Seite eine Klasse für sich... New York Times
Über den Autor
Michael Crichton wurde 1942 in Chicago geboren und studierte in Harvard Medizin. Alle seine Romane Andromeda, Der große Eisenbahnraub, Jurassic Park, Enthüllung, Die Wiege der Sonne und viele mehr wurden auch als Filme weltweite Erfolge. Crichton ist Autor der weltweit erfolgreichen Fernsehserie ER Emergency Room.
»Haben Sie etwas gesehen?« fragte Munro. »Haben Sie gesehen, was es war?«
Sie schüttelten den Kopf. Niemand hatte etwas gesehen. Elliot hörte sein Band ab: außer dem scharfen Bellen eines Gewehrs war nichts darauf zu hören. Keine Atemgeräusche.
Der Rest der Nacht verging ohne besondere Vorkommnisse.
10. Tag
Zinj
22. Juni 1979
1. Rückkehr
Der Morgen des 22. Juni war neblig und trüb. Als Peter Elliot um sechs Uhr aufwachte, herrschte im Lager bereits geschäftiges Treiben. Munro schritt den Umkreis des Lagers ab. Seine von den nassen Blättern durchnäßte Kleidung klebte ihm am Leib. Er begrüßte Elliot mit einem triumphierenden Blick und zeigte auf den Boden.
Dort waren frische Fußabdrücke zu sehen, kurz, tief, fast dreiek-kig, und zwischen dem großen Zeh und den anderen vier Zehen war eine Lücke, etwa so groß wie der Abstand zwischen Daumen und Fingern der menschlichen Hand.
»Das waren mit Sicherheit keine Menschen«, sagte Elliot und beugte sich vor, um die Fährte genauer in Augenschein zu nehmen.
Munro sagte nichts. »Herrentiere, Primaten.« Munro schwieg weiter.
»Aber ein Gorilla kann es nicht sein«, schloß Elliot und richtete sich auf. Seine Unterhaltung über den Bildschirm am Vorabend hatte ihn in der Ansicht bestärkt, daß Gorillas mit dieser Sache nichts zu tun hatten. Gorillas töteten einander nicht, so wie Amys Mutter getötet worden war. »Es kann kein Gorilla sein«, wiederholte er.
»Aber es ist einer«, sagte Munro. »Sehen Sie sich das an.« Er deutete auf eine andere Stelle im weichen Boden. Dort befanden sich vier Eindrücke nebeneinander. »Das sind typische Knöchel ab drücke, hier ist er auf den Händen gelaufen.« »Aber«, sagte Elliot, »Gorillas sind scheu, sie schlafen nachts und gehen dem Menschen aus dem Wege.«
»Erzählen Sie das doch dem, der diesen Abdruck hinterlassen hat.«
»Für einen Gorilla ist er klein«, sagte Elliot. Er untersuchte den Zaun in der Nähe - da wo in der Nacht der Stromkreis kurzgeschlossen worden war. Es hingen einzelne graue Haare daran. »Und Gorillas haben keine grauen Haare.« »Doch, Silberrückenmänner«, sagte Munro. »Ja, aber bei ihnen spielt die Farbe mehr ins Weiße. Diese hier sind eindeutig grau.« Er zögerte. »Vielleicht ist es ein kakunda-kari.«
Munro sah in verächtlich an.
Das kakundakari war ein angeblich am KongoBecken heimischer Primat, dessen Existenz so umstritten war wie die des Yeti. Zwar war es angeblich schon oft gesichtet worden, aber niemand hatte je eines gefangen. Die Eingeborenen kannten zahllose Geschichten, in denen von einem ein Meter achtzig großen, behaarten Affen die Rede war, der aufrecht ging und auch sonst in seinem Verhalten sehr menschenähnlich war.
Viele angesehene Wissenschaftler glaubten an die Existenz des kakundakari; vielleicht dachten sie an die Autoritäten, die früher einmal den Gorilla ins Reich der Fabel verwiesen hatten. 1774 hatte Lord Monboddo über den Gorilla geschrieben: »Dieses wunderbare und zugleich erschreckende Geschöpf der Natur geht aufrecht wie ein Mensch, ist zwischen zwei Meter zehn und zwei Meter siebzig groß ... und von verblüffender Kraft. Es ist am ganzen Körper schwarz behaart, am Kopf sind die Haare länger, das Gesicht ähnelt dem des Menschen mehr als das des Schimpansen, nur daß es schwarz ist. Das Tier hat keinen Schwanz.« Vierzig Jahre darauf beschrieb Bowditch einen afrikanischen Affen, der »im allgemeinen ein Meter fünfzig groß ist, mit einer Schulterbreite von etwa ein Meter zwanzig. Es heißt, noch weniger als die Breite seiner Schultern entspreche seine Hand den übrigen Proportionen, und ein Schlag mit ihr soll tödlich sein.« Doch erst 1847 veröffentlichten John Savage, ein in Afrika tätiger Missionar, und Jeffries Wyman, ein Anatom aus Boston, einen Aufsatz, in dem sie »eine zweite von den Naturwissenschaftlern bisher nicht anerkannte Spezies in Afrika« beschrieben, die sie Troglodytes gorilla zu nennen vorschlugen. Ihre Mitteilung verursachte in der wissenschaftlichen Welt ungeheures Aufsehen und in London, Paris und Boston traf man alle Anstalten, um möglichst rasch Skelette dieses Tiers zu beschaffen. 1855 bestand kein Zweifel mehr - es gab in Afrika einen zweiten, sehr großen Menschenaffen.
Noch im 20. Jahrhundert wurden im Regenwald neue Tierarten entdeckt: 1944 das Blauschwein und 1961 das rotbrüstige Waldhuhn. Also konnten in den Tiefen des Dschungels durchaus noch andere seltene und sich scheu zurückhaltende Tiere leben. Doch einen wirklichen Nachweis für die Existenz des kakundakari gab es nicht.
»Dieser Abdruck stammt von einem Gorilla«, beharrte Munro hartnäckig. »Oder vielmehr von einem ganzen Trupp. Abdrücke finden sich überall um den Zaun herum. Sie haben unser Lager ausgespäht.«
»Unser Lager ausgespäht«, wiederholte Elliot und schüttelte ungläubig den Kopf.
»Genauso ist es«, sagte Munro. »Sehen Sie sich nur die verdammten Abdrücke an.«
Elliot merkte, wie seine Geduld zu Ende ging. Er sagte etwas über Lagerfeuererzählungen von Großwildjägern, was Munro mit wenig schmeichelhaften Äußerungen über Leute quittierte, die ihr gesamtes Wissen aus Büchern bezogen. Und dann begannen die Stummelaffen in den Bäumen plötzlich zu kreischen und die Äste zu schütteln.
Sie fanden Malawi unmittelbar außerhalb des Lagers. Der Träger war auf dem Weg zum Bach getötet worden, wo er Wasser holen wollte. Die zusammenfaltbaren Eimer lagen in der Nähe auf dem Waldboden. Seine Schädelknochen waren zerschmettert worden.
Das Gesicht war purpurfarben, aufgequollen und verzerrt, der Mund stand offen.
Die Mitglieder der Expedition waren entsetzt. Karen Ross wandte sich ab, es war zuviel für sie. Die Träger hockten mit Kahega zusammen, der sie zu beruhigen versuchte, während Munro sich über den Leichnam beugte, um die Verletzungen zu untersuchen. »Sehen Sie diese Stellen, als wäre der Schädel zwischen etwas zerquetscht... «
Munro fragte nach den Steinplatten, die Elliot am Vortag in der Stadt gefunden hatte. Er warf einen Blick auf Kahega, der hoch aufgerichtet vor ihm stand und sagte: »Wir müssen nach Hause zurück, bwana.« »Das geht nicht«, sagte Munro.
»Wir kehren um. Wir müssen. Einer unserer Brüder ist tot, wir müssen eine Feier für seine Frau und seine Kinder machen, bwana.« »Kahega...«
»Bwana, wir müssen jetzt zurück.«
»Kahega, darüber wollen wir reden.« Munro richtete sich auf, legte den Arm um Kahegas Schulter und führte ihn beiseite, auf die gegenüberliegende Seite der Lichtung: Dort sprachen sie mehrere Minuten lang leise miteinander. »Es ist grauenhaft«, sagte Karen Ross. Sie schien ehrlich betroffen und von Mitgefühl überwältigt. Elliot wollte sie schon trösten, als sie fortfuhr: »Nun bricht die Expedition zusammen. Es ist grauenhaft. Wir müssen irgendwie weitermachen, sonst finden wir die Diamanten nie« »Sonst haben Sie keine Sorgen?« »Nun, immerhin sind sie ja versichert...« »Wenn das alles ist«, sagte Elliot.
»Sie sind doch bloß wütend, weil Ihr verdammter Affe abgehauen ist«, sagte Karen Ross. »Reißen Sie sich zusammen, sie beobachten uns.«
Tatsächlich sahen die Kikuyu aufmerksam zu Karen Ross und Elliot herüber. Offenbar versuchten sie herauszubekommen, wie die Dinge standen. Allerdings wußten sie alle, daß die entscheidenden Verhandlungen zwischen Munro und Kahega geführt wurden. Einige Minuten später kehrte Kahega zurück und wischte sich die Augen. Er sagte rasch etwas zu seinen Brüdern. Sie nickten. Dann wandte er sich wieder Munro zu. »Wir bleiben, bwana.«
»Gut, sagte Munro und nahm sogleich seinen gewohnten, gebieterischen Ton wieder auf: »Holt die Steinplatten.« Nachdem sie gebracht worden waren, legte Munro sie zu beiden Seiten an Malawis Schädel. Sie paßten genau in die halbkreisförmigen Vertiefungen am Kopf.