Die Klinik
- Автор: Гордон Ной
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Die Klinik». Краткое содержание книги:
»Peg?« sagte Melanie Bergstrom schläfrig.
Peggy Weld stützte sich auf einen Ellbogen und sah zu ihrer Schwester hinüber.
»Ich wollte, sie hätten uns eine Probe gegönnt.«
»Das hier können wir aus dem Stegreif.«
»Peg?«
»Mmm?«
»Ich habe dir die ganze Zeit noch nicht danke gesagt.«
»Fang nicht jetzt damit an, ich könnte es nicht aushalten«, sagte Peggy Weld trocken. Sie grinste. »Erinnerst du dich, daß ich dich, als wir noch Kinder waren, immer in die Damentoilette führte? In gewisser Weise nehme ich dich noch immer in die Damentoilette mit.«
Berauscht von Pentothal bekamen sie einen Kicheranfall, der in Schweigen verrann.
»Wenn mir irgend etwas zustößt, kümmere dich um Ted und die Mädchen«, sagte Melanie Bergstrom.
Ihre Schwester antwortete nicht.
»Versprichst du's, Peggy?« fragte Melanie.
»Oh, halt den Mund, du dumme Gans.«
Die Türen des OP 3 flogen auf und zwei Pfleger kamen heraus, die den fahrbaren Kippeimer mit den Füßen vor sich her stießen. »Gehört ganz Ihnen, Doc«, sagte der eine.
Adam nickte, und sie schoben Mrs. Bergstrom in den OP.
»Peg?« sagte sie wieder.
»Ich liebe dich, Mellie«, sagte Peggy Weld.
Sie weinte, als Adam ihren Wagen in den OP 4 schob. Ohne daß man es ihm sagen mußte, gab ihr der Dicke eine weitere Injektion in den Arm, bevor man sie auf den Operationstisch hob.
Adam ging sich die Hände schrubben. Als er zurückkam, saß der Anästhesist bereits auf seinem Hocker neben ihrem Kopf und hantierte an seinen Ziffernscheiben herum. Rafe Meomartino, der dem anderen OP zugeteilt war, stand über Peggy Weld und wischte ihr mit einem sterilen Mullstück sanft streichelnd die Nässe vom Gesicht.
Es ging reibungslos. Peggy Weld hatte sehr gesunde Nieren. Adam assistierte, während Lew Chin eine von ihnen entfernte, dann spülte er die Niere durch und sah im anderen OP zu, während Meomartino Kender bei der Übertragung half.
Danach verlief der Tag ohne Höhenpunkte und rückte nur langsam vor, und Adam war sehr glücklich, Gaby zu sehen, als sie abends vorfuhr um ihn abzuholen.
Auf der Straße sprachen sie sehr wenig. Die Landschaft war auf eine strenge herbstliche Weise sehr hübsch, aber bald wurde es finster, und außerhalb des Wagens war nichts zu sehen als sich bewegende Schatten; drinnen war Gaby im spärlichen Licht des Armaturenbretts eine liebliche Silhouette, die sich nur hie und da veränderte, etwa wenn sie einen langsamer fahrenden Wagen überholte oder bremste, um nicht durch ein Lastauto hindurchzusausen. Sie fuhr zu schnell; sie raste dahin, als jagten sie den Teufel oder Lyndon Johnson.
Sie merkte, daß er sie betrachtete, und lächelte.
»Paß lieber auf die Straße auf«, sagte er.
Als sie ins Vorgebirge kamen, sank die Temperatur. Er kurbelte das Fenster herunter und zog den scharfen Herbstgeruch ein, der in der Luft lag, die von den pflaumenblauen Bergen auf sie herunterströmte, bis Gaby ihn bat, das Fenster zu schließen, weil sie Angst hatte, sich zu erkälten.
Das Kurhotel ihres Vaters hieß Pender's North Wind. Es war ein großes, unregelmäßig angelegtes Landhaus, das in friedlicheren Zeiten große Tage erlebt hatte. Gaby bog von der Straße ab, fuhr zwischen zwei steinernen Wasserspeiern durch, einen langen, knirschenden Kiesweg entlang auf ein viktorianisches Herrenhaus zu, das unglaublich hoch aufragte, weil nur im Mittelteil des Erdgeschosses Lichter brannten.
Als sie aus dem Wagen stiegen, stieß irgend etwas in der Nähe, ein Tier oder ein Vogel, einen schrillen, hohen, klagenden Schrei aus, der immer wieder in einer rastlosen, kummervollen Litanei wiederholt wurde.
»Gott«, sagte er, »was ist das?«
»Ich weiß nicht.«
Ihr Vater kam zu ihrer Begrüßung heraus, als Adam die Reisetaschen aus dem Wagen holte. Pender war ein großer Mann, mager und in guter Form, in Arbeitshosen und einem blauen Baumwollhemd. Sein Haar war grau, aber dicht und gewellt. Er sah sehr gut aus mit einem klaren Profil, das besonders eindrucksvoll gewesen sein mußte, als er noch jünger war.
Er scheute sich, seine Tochter zu küssen, merkte Adam. »Na«, sagte er. »Also hast du's geschafft, mit einem Freund. Freue mich, daß du diesmal jemanden mitgebracht hast.«
Sie machte die beiden Männer miteinander bekannt, und sie reiten einander die Hand. Mr. Penders Augen waren hell und hart. »Nennen Sie mich Bruce«, befahl er. »Lassen Sie die Taschen. Wir werden dafür sorgen, daß man sich um sie kümmert.« Er führte sie einen Seitenpfad hinunter, an einem Golfplatz vorbei, wo die letzten Nachtfalter um die Lichtträger flitzten, und blieb vor einer stummen, schimmernden Wasserfläche stehen. »Das hast du noch nicht gesehen, nicht wahr?«
»Nein«, sagte sie.
»Olympische Ausmaße. Darin könnte eine ganze verdammte Armee schwimmen, Wettschwimmen darin abhalten. Dennoch hättest du sehen sollen, wie es in diesem Sommer an schönen heißen Wochenenden mit Fleisch vollgepackt war. Hat mich einen Haufen Geld gekostet, war es aber wert.«
»Sehr hübsch«, sagte sie mit einer seltsam förmlichen Stimme.
Er führte sie durch eine Seitentür eine Innentreppe hinunter, durch einen Tunnel, und bald befanden sie sich in einer Kellerbar. Der Raum war für etwa zweihundert Menschen gebaut. Vor dem großen Kamin, in dem die Flammen über den Leichen dreier Scheiter tanzten und knisterten, saßen eine Frau und zwei kleine Mädchen und warteten, die gleichen schlanken bloßen Beine gegen das Feuer gestreckt, das sich schimmernd in dreißig gelackten Zehennägeln wie in kleinen blutroten Muscheln spiegelte.
»Sie hat einen Freund mitgebracht«, sagte Gabys Vater. Pauline, Gabys Stiefmutter, war eine sorgfältig gepflegte Rothaarige; ihr üppiger Körper war noch immer jung, aber nicht so jung, wie nach ihrem Haar zu schließen gewesen wäre. Die Mädchen, Susan und Buntie, waren ihre Töchter aus einer früheren Ehe, elf und neun Jahre alt und noch im Kicherstadium. Ihre vorsichtige Mutter redete wenig; wenn sie etwas sagte, schien jedes Wort vorausgeplant zu sein.
Bruce Pender warf noch ein Scheit ins Feuer, das für Adams Geschmack ohnehin schon zu heiß war. »Habt ihr gegessen?« Sie hatten schon vor langer Zeit gegessen, und Adam war jetzt hungrig, aber beide nickten. Mr. Pender schenkte mit schwerer Hand Drinks ein.
»Was hörst du von deiner Mutter?« fragte er Gaby.
»Es geht ihr gut.«