Ambulanzschiff
- Автор: Уайт Джеймс
- Серия: orbit hospital #4
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Verlag GmbH & Co. KG
- Переводчик: Wilhelm Heyne
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Ambulanzschiff». Краткое содержание книги:
Der Apothekenteil war mit den bekannten — wegen des Raummangels natürlich nur in geringen Mengen vorhandenen — Heilmitteln gegen häufiger auftretende ET-Krankheiten und abnorme Zustände gefüllt. Darüber hinaus standen in der Apotheke auch noch grundlegende Analysegeräte, wie man sie in jedem Pathologielabor antraf. Da blieb natürlich für zwei Menschen nur sehr wenig Platz zum Arbeiten übrig. Aber schließlich hatte sich Conway noch nie über die enge Zusammenarbeit mit Murchison beschwert, und auch von Seiten der Pathologin gab es keine Klagen.
Kaum waren sie mit der Überprüfung der ET-Instrumente fertig, erklang erneut Fletchers Stimme, und noch vor dem Ende seiner Ausführungen gesellten sich Prilicla und Naydrad zu ihnen.
„Hier Kontrollraum. Wir haben das verunglückte Schiff optisch erfaßt, und das Teleskop ist mit voller Vergrößerung darauf eingestellt. Sie können also dasselbe sehen wie wir. Wir setzen die Geschwindigkeit herab und werden in zwölf Minuten ungefähr fünfzig Meter vor dem Schiff zum Stillstand kommen. In den letzten Minuten unseres Anflugs beabsichtige ich den Einsatz der auf geringe Stärke eingestellten Traktorstrahlen, um die Drehung des havarierten Schiffs abzubremsen. Was meinen Sie dazu, Doktor?“
Die auf dem Bildschirm sichtbare Schiffssilhouette schien vor dem hellen Hintergrund des nahen Sternhaufens zunächst nur ein kreisrunder, verschwommener Fleck zu sein. Erst nach einer eingehenderen Überprüfung des Bilds wurde klar, daß es sich bei dem verschwommenen Kreis in Wirklichkeit um eine dicke, metallicgraue Scheibe handelte, die sich wie eine ausrollende Münze drehte. Mit Ausnahme von drei leicht vorspringenden Ausbuchtungen, die sich in gleichen Abständen am äußeren Rand befanden, wies die Scheibe keine augenfälligen Besonderheiten auf.
Während Conway, Murchison, Naydrad und Prilicla auf den Bildschirm starrten, wurde das rotierende Schiff immer größer und wuchs über den Bildschirmrand hinaus, bis man die Vergrößerung verringerte, und die Betrachter das Schiff wieder als Ganzes sehen konnten.
Conway räusperte sich und sagte: „Ich wäre beim Abbremsen der Drehung vorsichtig, Captain. Uns ist nämlich zumindest eine Spezies bekannt, in deren Raumschiffen und anderen Fahrzeugen das Lebenserhaltungssystem ständig rotieren muß, um zu funktionieren…“
„Ich bin mit der Technik der rollenden Wesen vom Drambo vertraut, Doktor. Das ist eine Spezies, die zur Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Körperfunktionen ständig rollen muß — entweder auf natürliche Weise durch die Fortbewegung über die Oberfläche ihres Planeten oder künstlich beim Bedienen von ansonsten feststehenden Maschinen. Diese Lebewesen besitzen kein Herz im eigentlichen Sinn, sondern halten die Blutzirkulation unter Ausnutzung der Gravitation in Gang. Ein Stillstand von nur wenigen Sekunden bedeutet für sie deshalb den sicheren Tod.
Aber dieses Schiff hier dreht sich nicht um die Quer-, Seiten- oder Längsachse. Meiner Meinung nach trudelt es vollkommen unkontrolliert, und die Drehung sollte dringend abgebremst werden. Wenn wir uns einen schnellen Zugang zum Schiff und den möglicherweise vorhandenen Überlebenden verschaffen wollen, muß man die Drehung sogar stoppen.
Aber schließlich sind Sie der Arzt, Doktor.“
Prilicla zuliebe bemühte sich Conway mit aller Kraft, seine Wut zu zähmen. „Na gut“, antwortete er gefaßt. „Bremsen Sie die Drehung ab, Captain — aber vorsichtig! Sie wollen doch bestimmt nicht die Schiffskonstruktion, die sowieso schon beschädigt und instabil geworden ist, zusätzlicher und unnötiger Belastung aussetzen oder mögliche Überlebende durch Trümmerstücke verschütten. Genausowenig werden Sie das Platzen einer Schweißnaht riskieren wollen, da es so zu einem lebensbedrohlichen Druckabfall in der Schiffsatmosphäre kommen kann.“
„Kontrollraum Ende.“
„Weißt du, wenn ihr beiden endlich mal mit dem Versuch aufhören würdet, euch gegenseitig mit euren immensen Kenntnissen über die Arbeit des anderen zu beeindrucken, dann müßte Doktor Prilicla auch nicht dauernd dieses Geschüttel durchmachen“, ermahnte ihn Murchison mit ernster Stimme.
Die Vergrößerung des Bilds auf dem Schirm wurde erneut verringert, da das Ambulanzschiff dem verunglückten Schiff immer näher kam, während es dessen Drehung durch den Kontakt mit Traktorstrahlen verlangsamte, bis sich die fünfzig Meter voneinander entfernten Schiffe im Verhältnis zueinander nicht mehr bewegten. Durch die günstige Lage des Alienschiffs hatte man dessen Ober- und Unterseite schon mit den Augen und mit Kameras ausführlich inspizieren können. Unter den vielen festgestellten Tatsachen sprang eine jedoch besonders ins Auge. Aber bevor Conway diesen Punkt ansprechen konnte, meldete sich schon der Kontrollraum.
#„Die Konstruktion des Schiffsrumpfs scheint noch in Ordnung zu sein, Doktor. Es gibt keinerlei Anzeichen für äußere Schäden oder Defekte und keine Spur von abgerissenen oder abrasierten Außenaufbauten und Antennensystemen. Die vorläufige Sensorenanalyse der Rumpfoberfläche ergibt recht starke Temperaturunterschiede, und die höchsten Werte sind im Umkreis der Ausbuchtungen an der Schiffskante zu finden. Von diesen drei Stellen geht auch Reststrahlung aus, wie sie beim Erzeugen eines Hyperantriebsfelds entstehen. Außerdem gibt es Anhaltspunkte für eine größere Energiekonzentration um den Mittelpunkt des Schiffs herum sowie mehrere kleinere Ansammlungen, die allesamt über ein noch aktives Leitungsnetz miteinander verbunden sind. Die Einzelheiten können Sie der schematischen Darstellung entnehmen…“
Das Bild vom Alienschiff wurde durch eine schematische Darstellung ersetzt, auf der die Positionen und Intensitäten der Energiekonzentrationen in verschiedenen Rottönen und die Verbindungsleitungen als gelbe, gepunktete Linien eingetragen waren. Dann erschien wieder das ursprüngliche Bild.
„… es gibt keine Hinweise auf ein Leck, aus dem gasförmige oder flüssige Bestandteile der Schiffsatmosphäre entweichen. Bis jetzt konnte ich auch noch keine Einstiegsmöglichkeit ins Schiff entdecken. Es gibt keine Luftschleusen, weder zum Verladen von Gütern noch für die Besatzung, auch keine Markierungen, die meistens in Verbindung mit Ein- und Ausstiegsöffnungen, Inspektions- und Wartungsklappen oder Luken zum Auffüllen der Verbrauchsartikel stehen. Es sind überhaupt keine Markierungen, Kennzeichen, Hinweis- oder Warnsymbole zu erkennen.
Soweit wir feststellen konnten, hat das Schiff eine Oberfläche aus blankem, poliertem Metall, dessen Farbe nur deshalb nicht einheitlich ist, weil an gewissen Stellen verschiedene Legierungen verwendet wurden.“
„Keine Farben oder Kennzeichen“, sagte Naydrad und schob sich näher an den Bildschirm heran. „Sollten wir nach all den Jahren tatsächlich eine Spezies entdeckt haben, die nicht eitel ist?“
„Das ist wahrscheinlich eine Frage der Sehorgane dieser Spezies“, fügte Prilicla hinzu. „Vielleicht sind diese Wesen ganz einfach farbenblind.“
„Das hat wohl eher einen aerodynamischen als einen physiologischen Grund“, warf Fletcher ein.
„Wenn die Besatzung eines anscheinend völlig unbeschädigten Schiffs eine Notsignalbake aussetzt, wird der Grund dafür aller Wahrscheinlichkeit nach im medizinischen Bereich liegen“, gab Conway zu bedenken. „Und egal, wie dieser Grund im einzelnen aussehen mag, der Zustand der Schiffsinsassen ist bestimmt bedenklich. Wir müssen sofort auf dieses Schiff, Captain.“
„Der Meinung bin ich auch“, entgegnete Fletcher. „Lieutenant Dodds bleibt im Kontrollraum. Haslam und Chen begleiten mich zum Schiff.
Wegen der größeren Luftreserven schlage ich vor, die schweren Anzüge anzuziehen. Unser primäres Ziel ist es, einen Weg ins Schiffsinnere ausfindig zu machen, und das könnte einige Zeit dauern. Wie sind Ihre Pläne, Doktor?“
„Pathologin Murchison bleibt hier“, antwortete Conway. „Naydrad wird Ihrem Vorschlag gemäß einen schweren Anzug tragen und sich draußen vor der Luftschleuse mit der Drucktrage bereithalten. Prilicla und ich selbst begleiten Sie zum Schiff. Aber ich sollte besser einen leichten Anzug mit zusätzlichen Sauerstoffflaschen anziehen. Der hat nämlich dünnere Handschuhe — vielleicht muß ich ja Verletzte behandeln.“