Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Er ergriff die Klingelschnur über seinem Schreibtisch und zog daran mit noch leicht bebender Hand.
Der Bürodiener erschien.
»Monsieur Dubois!«, rief Fouché.
Der Bürodiener machte eine Kehrtwendung und verschwand.
Unmittelbar darauf wurde die Tür geöffnet, und Dubois trat ein.
Dubois war ein Mann mit sanften, ruhigen Zügen und mildem Lächeln, alles andere als modisch gekleidet, aber mit größter Reinlichkeit, wie die weiße Krawatte und die Manschetten bezeigten.
Er trat näher, wobei er sich leicht in den Hüften wiegte und wie ein Tanzlehrer mit den Schuhsohlen über den Teppich glitt.
»Monsieur Dubois«, sagte Fouché, der sich in seinem Sessel zurücklehnte, »heute bin ich auf all Ihre Intelligenz und all Ihre Verschwiegenheit angewiesen.«
»Ich kann dem Herrn Minister allein meine Verschwiegenheit zusichern«, sagte Dubois. »Der Wert meiner Intelligenz bemisst sich nur in Abhängigkeit von der Ihren.«
»Schon gut, schon gut, Monsieur Dubois«, sagte Fouché etwas gereizt. »Keine Komplimente. Haben Sie in Ihrer Behörde einen Mann, dem man vertrauen kann?«
»Zuerst müsste ich wissen, wofür er benötigt wird.«
»Das ist wahr. Er soll in die Bretagne fahren und dort drei Banden von Fußbrennern ins Leben rufen: Eine, die wichtigste, soll auf der Straße von Vannes nach Muzillac operieren; die zwei anderen kann er einrichten, wo er will.«
»Ich höre«, sagte Dubois, als er sah, dass Fouché innehielt.
»Die eine soll sich ›Cadoudals Bande‹ nennen und so tun, als wäre Cadoudal selbst ihr Anführer.«
»Nach dem, was Eure Exzellenz mir sagen -«
»Dieses eine Mal lasse ich es durchgehen«, rief Fouché lachend, »insbesondere Sie mich nicht mehr lange so nennen können.«
Dubois verneigte sich, und als Fouché ihn mit einer Geste dazu aufforderte, fuhr er fort: »Nach dem, was Eure Exzellenz mir sagen, wird ein Mann gebraucht, der notfalls im zerstreuten Gefecht kämpft.«
»Der notfalls alles tut.«
Monsieur Dubois überlegte und schüttelte dann den Kopf. »So jemanden habe ich nicht unter meinen Leuten«, befand er.
Als Fouché verärgert eine Handbewegung machte, sagte er: »Warten Sie, warten Sie einen Augenblick. Gestern hat sich mir ein gewisser Chevalier de Mahalin vorgestellt, ein Bursche, der bei den Compagnons de Jéhu war und den es nur nach einer Sache gelüstet, wie er behauptet, nämlich nach gefährlichen Aufträgen, die gut bezahlt sind. Ein Spieler in der ganzen Bedeutung des Wortes, bereit, sein Leben wie sein Geld auf einen Würfelwurf zu setzen. Das ist unser Mann.«
»Haben Sie seine Adresse?«
»Nein; doch er kommt heute zwischen ein und zwei Uhr in mein Büro, und jetzt ist es eins. Er ist entweder schon dort oder wird bald eintreffen.«
»Dann holen Sie ihn und bringen Sie ihn her.«
Als Monsieur Dubois gegangen war, stand Fouché auf und holte einen Karton, dem er ein Dossier entnahm, das er auf seinen Schreibtisch legte.
Es war das Dossier über Pichegru.
Er studierte es mit größter Aufmerksamkeit, bis Monsieur Dubois in Begleitung des Mannes, über den sie gesprochen hatten, zurückkam.
Es war derselbe, der Hector de Sainte-Hermine an sein feierliches Gelöbnis erinnert und ihn in Laurents Bande eingeführt hatte. Als ihm dort die Arbeit ausgegangen war, hatte sich der wackere Edelmann anderswo nach Betätigung umgesehen.
Er mochte zwischen fünfundzwanzig und dreißig Jahren zählen, war von angenehmem Äußeren, mehr schön als hässlich, mit gewinnendem Lächeln, und man hätte ihn für durch und durch einnehmend halten können, wäre in seinen Augen nicht etwas Verstörendes, Beunruhigendes gewesen, das sich dem Gemüt jener, die mit ihm zu tun hatten, sogleich mitteilte. Im Übrigen war er nach der Mode der Zeit gekleidet, nicht schlicht, sondern eher elegant.
Fouché maß ihn mit dem Blick, mit dem er einen Menschen moralisch einzuschätzen pflegte. In diesem Mann erriet er die Liebe zum Geld, Mut in der Verteidigung, weniger beim Angriff, und den unbezähmbaren Willen, in seinen Unternehmungen erfolgreich zu sein.
Das war der Mann, den er suchte.
»Monsieur«, sagte Fouché, »man hat mir hinterbracht, Sie wollten in die Dienste der Regierung eintreten. Ist das wahr?«
»Es ist mein größter Wunsch.«
»Und in welcher Funktion?«
»In jeder Funktion, in der es Schläge zu kassieren und Geld einzustecken gibt.«
»Kennen Sie die Bretagne und die Vendée?«
»In- und auswendig. Ich war dreimal zu General Cadoudal entsendet.«
»Hatten Sie mit den anderen Anführern zu tun?«
»Mit einigen, vor allem mit einem Leutnant Cadoudals, den man seiner Ähnlichkeit mit dem General wegen Georges II. nannte.«
»Ei der Teufel!«, sagte Fouché. »Der könnte uns sehr nützlich sein. Trauen Sie sich zu, drei Banden von jeweils zwanzig Mann aufzustellen?«
»In einem Land, dessen Gemüter noch vom Bürgerkrieg erhitzt sind, kann man jederzeit drei Banden von je sechzig Mann aufstellen. Geht es um einen Zweck, den man offenbaren kann, werden die braven Bürger Ihnen Ihre sechzig Mann stellen, und Sie werden nicht viel mehr dafür benötigen als schöne Worte und hochtrabendes Gerede. Wenn es um einen etwas trüberen Zweck geht, werden Sie dafür weniger reine Gewissen und käufliche Arme finden, doch die sind natürlich kostspieliger.«
Fouché bedachte Dubois mit einem Blick, der bedeutete: »Mein Lieber, da haben Sie einen prächtigen Fund getan«, und zu dem Chevalier sagte er: »Monsieur, innerhalb von zehn Tagen benötigen wir drei Banden von Fußbrennern, zwei im Morbihan, eine in der Vendée, und alle drei sollen in Cadoudals Namen tätig werden. In einer von ihnen soll ein Maskierter sich Cadoudal nennen und so tun, als wäre er der ehemalige bretonische Anführer.«
»Nicht weiter schwierig, aber teuer, wie ich bereits sagte.«
»Genügen fünfzigtausend Francs?«
»O ja, das ist mehr als genug.«
»Dann wäre das geklärt; wenn Sie Ihre drei Banden auf die Beine gestellt haben, könnten Sie dann nach England gehen?«
»Nichts leichter als das, wenn man bedenkt, dass ich englischer Herkunft bin und Englisch wie meine Muttersprache spreche.«
»Kennen Sie Pichegru?«
»Dem Namen nach.«
»Haben Sie Mittel und Wege, sich mit ihm bekannt zu machen?«
»Ja.«
»Wenn ich Sie frage, welche Mittel -«
»Würde ich es Ihnen nicht sagen; auch ich muss meine Geheimnisse haben, sonst wäre ich wertlos für Sie.«
»Sie haben recht. Sie werden nach England reisen, Sie werden Pichegru auf den Zahn fühlen und in Erfahrung bringen, ob er gegebenenfalls nach Paris zurückkehren würde; wenn er es wollte und Geld benötigen sollte, können Sie es ihm im Namen von Fauche-Borel anbieten; merken Sie sich diesen Namen.«
»Der Name des Schweizer Buchhändlers, der ihm schon im Auftrag des Prinzen von Condé Avancen gemacht hat, ich kenne ihn; und wenn er Geld benötigen und nach Paris kommen wollen sollte, an wen habe ich mich dann zu wenden?«
»An Monsieur Fouché auf seinem Landsitz in Pontcarré, merken Sie sich das gut; auf keinen Fall an den Polizeiminister.«
»Und dann?«
»Dann kehren Sie nach Paris zurück, wo Sie weitere Anweisungen erhalten werden. Monsieur Dubois, Sie zahlen dem Chevalier fünfzigtausend Francs aus. Und noch etwas, Chevalier.«
Der Chevalier drehte sich um.
»Wenn Sie Coster Saint-Victor begegnen sollten, bringen Sie ihn dazu, nach Paris zurückzukehren.«
»Droht ihm nicht die Verhaftung?«