Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich wollte Jamie nicht ansehen. Ich drehte mich um und kroch langsam zu Ian herüber. Rollo beobachtete mich argwöhnisch, beanstandete meine Gegenwart aber nicht.
»Wie geht es ihm?«, sagte ich ziemlich heiser. Ich spürte den Ring als unangenehmes Hindernis in meiner Kehle und schluckte mehrmals krampfhaft.
Ian blickte sofort auf; sein Gesicht war bleich und entschlossen, doch sein Blick war wachsam.
»Ich glaube, ihm geht es gut«, sagte er leise. »Tante Claire, was ist mit dir? Du bist doch nicht verletzt, oder?«
»Nein«, sagte ich und versuchte, beruhigend zu lächeln. »Mir fehlt nichts.« An meinem Hinterkopf befand sich eine schmerzende Stelle, und mir klangen die Ohren immer noch ein bisschen, der gelbe Ring aus Licht, der die Laterne umgab, schien zu oszillieren und sich im Rhythmus meines Herzschlages auszudehnen und zusammenzuziehen, ich hatte einen Kratzer auf der Wange, einen angeschlagenen Ellbogen und einen großen Splitter in der Hand, doch im Großen und Ganzen schien ich keinen körperlichen Schaden genommen zu haben. Was den Rest anging, hatte ich meine Zweifel.
Ich drehte mich nicht zu Jamie um, der zwei Meter hinter mir stand, doch ich spürte seine Gegenwart, unheilvoll wie eine Gewitterwolke. Ian, der ihn über meine Schulter hinweg deutlich sehen konnte, machte ein besorgtes Gesicht.
Das Deck ächzte leise, und Ians Gesichtsausdruck entspannte sich. Jamies Stimme drang aus der Kabine, äußerlich ruhig, als er Fergus eine Frage stellte. Dann wurde sie von dem allgemeinen Gerumpel übertönt, als die Männer Möbelstücke zurechtrückten und verstreute Gegenstände einsammelten. Ich atmete langsam aus.
»Keine Sorge, Tante Claire«, sagte Ian und versuchte, mich zu trösten. »Ich glaube nicht, dass Onkel Jamie Hand an dich legen würde.«
Ich war mir da nicht so sicher, wenn ich die Vibrationen aus Jamies Richtung bedachte, doch ich hoffte, dass er recht hatte.
»Meinst du, dass er sehr wütend ist?«, fragte ich mit leiser Stimme.
Ian zuckte beklommen mit den Achseln.
»Tja, letztes Mal, als er mich so angesehen hat, hat er mich hinters Haus gebracht und mich verprügelt. Das würde er mit dir aber nicht tun, da bin ich mir sicher«, fügte er hastig hinzu.
»Wohl nicht«, sagte ich etwas trostlos. Ich war mir nicht sicher, ob ich es nicht vielleicht sogar vorgezogen hätte.
»Es ist allerdings auch nicht besonders angenehm, wenn Onkel Jamie einem die Meinung sagt«, sagte Ian und schüttelte mitfühlend den Kopf. »Da wäre mir eine Tracht Prügel lieber.«
Ich brachte Ian mit einem Blick zum Schweigen und beugte mich über den Hund.
»Ein jeglicher Tag hat seine eigene Plage. Hat er aufgehört zu bluten?«
Das hatte er; abgesehen von dem blutverklebten Fell hielt sich der Schaden überraschend in Grenzen; kaum mehr als eine tiefe Kerbe in der Haut und den Muskeln neben der Schulter. Rollo legte die Ohren an und entblößte die Zähne, als ich ihn untersuchte, legte aber keinen hörbaren Protest ein.
»Braver Hund«, murmelte ich. Hätte ich ein Betäubungsmittel gehabt, hätte ich die Wunde genäht, doch wir mussten ohne solche Annehmlichkeiten auskommen. »Wir sollten hier etwas Salbe auftragen, um die Fliegen fernzuhalten.«
»Ich hole sie, Tante Claire, ich weiß, wo deine Kiste ist.« Ian schob Rollos Nase sanft von seinem Knie und stand auf. »Ist es das grüne Zeug, das du auf Fergus’ Zeh geschmiert hast?« Auf mein Nicken verschwand er in der Kabine, und ich konnte mich meinem rumorenden Magen, meinem brummenden Kopf und meiner blockierten Kehle widmen. Ich schluckte mehrmals, doch ohne nennenswerten Erfolg. Ich berührte zögernd meinen Hals, während ich mich fragte, welcher meiner Ringe mir geblieben war.
Eutroclus bog um die Kabinenecke. Er trug einen langen, dicken Staken aus hellem Holz, der an einem Ende dunkel gefleckt war und so von häufigem Gebrauch zeugte. Er stieß den Staken jenseits der Bordwand in den Boden, stemmte sich mit seinem ganzen Gewicht dagegen und wuchtete ihn mit einer ausgedehnten Kraftanstrengung wieder hoch.
Ich fuhr zusammen, als Jamie mit einem weiteren Staken aus dem Schatten trat. Inmitten all der Geräusche und Rufe hatte ich ihn nicht gehört. Er sah mich nicht an, sondern zog sich das Hemd aus und stieß auf ein Zeichen des Matrosen ebenfalls mit seinem Staken zu.
Beim vierten Versuch spürte ich, wie die Bordwand vibrierte, ein leichtes Zittern, als sich etwas verlagerte. Dadurch ermutigt, drückten Jamie und der Matrose fester zu, und ganz plötzlich kam das Schiff mit einem dumpfen Knarren frei, worauf Rollo mit einem aufgeschreckten Wuff! den Kopf hob.
Eutroclus, der unter seiner glänzenden Schweißschicht strahlte, nickte Jamie zu und nahm seinen Staken entgegen. Jamie nickte lächelnd zurück, hob sein Hemd auf und wandte sich mir zu.
Ich erstarrte, und Rollos Ohren zuckten wachsam, doch Jamie schien nicht vorzuhaben, mich auszuschimpfen oder über Bord zu werfen. Stattdessen bückte er sich und sah mich stirnrunzelnd im Licht der schwankenden Laterne an.
»Wie fühlst du dich, Sassenach? Ich kann nicht sagen, ob du wirklich grün bist oder ob es nur das Licht ist.«
»Mir geht’s gut. Ein bisschen wacklig vielleicht.« Mehr als nur ein bisschen – meine Hände waren immer noch klamm, und ich wusste, dass meine zitternden Knie mich nicht tragen würden, falls ich versuchte aufzustehen. Ich schluckte fest, hustete und schlug mir auf die Brust.
»Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber es fühlt sich so an, als wäre mir der Ring im Hals stecken geblieben.«
Er blinzelte mich nachdenklich an und wandte sich dann an Fergus, der aus der Kabine aufgetaucht war und abwartend neben uns stand.
»Frag den Kapitän, ob er mir kurz seine Pfeife leiht, Fergus.« Er wandte sich ab, zog sich das Hemd über den Kopf und verschwand seinerseits nach achtern. Einen Augenblick später kehrte er mit einem Becher Wasser zurück.
Ich griff dankbar danach, doch er hielt ihn außer Reichweite.
»Jetzt noch nicht, Sassenach«, sagte er. »Hast du sie? Aye, danke, Fergus. Jetzt hol einen leeren Eimer, ja?« Er nahm dem verblüfften Fergus die verdreckte Pfeife ab, fuhr mit dem Daumen in den Kopf und begann, die verbrannten, klebrigen Rückstände abzukratzen.
Er drehte die Pfeife um und klopfte sie über dem Wasserbecher aus. Braune Flocken und feuchte Krümel halb verbrannten Tabaks rieselten herab, und er rührte sie mit seinem geschwärzten Daumen ins Wasser. Als er mit seinen Vorbereitungen fertig war, warf er mir über den Becherrand hinweg einen ausgesprochen unheilschwangeren Blick zu.
»Nein«, sagte ich. »O nein.«
»O doch«, sagte er. »Komm schon, Sassenach, danach geht’s dir besser.«
»Ich … warte lieber«, sagte ich. Ich verschränkte die Arme vor der Brust. »Trotzdem danke.«
Fergus war inzwischen mit dem Eimer zurückgekehrt und zog die Augenbrauen hoch. Jamie nahm ihm den Eimer ab und stellte ihn geräuschvoll auf den Boden.
»So habe ich es auch schon gemacht, Sassenach«, informierte er mich, »und es ist eine größere Schweinerei, als du denkst. Es ist außerdem nicht besonders angenehm auf dem Schiff, so dicht, wie wir hier aufeinanderhocken, aye?« Er legte mir eine Hand auf den Hinterkopf und hielt mir den Becher an die Lippen. »Das hier geht schnell. Komm schon, ein kleiner Schluck genügt.«
Ich presste die Lippen fest zusammen; der Gestank aus dem Becher reichte schon aus, dass sich mir der Magen umdrehte, denn ich verband den Geruch des billigen Tabaks und den Anblick der widerlichen Flüssigkeit, in der die Krümel schwammen, mit dem Gedanken an Kapitän Freemans braune Speicheltropfen auf den Planken.
Jamie verlor keine Zeit mit Diskussionen oder Überredungsversuchen. Er ließ einfach meinen Kopf los, kniff mir die Nase zu, und als ich den Mund zum Atmen öffnete, schüttete er den übelriechenden Inhalt des Bechers hinein.
»Mmmfff!«
»Schlucken«, sagte er, hielt mir fest die Hand vor den Mund und ignorierte sowohl die Tatsache, dass ich mich verzweifelt wand, als auch meine erstickten Protestlaute. Er war viel stärker als ich, und er hatte nicht die Absicht, mich loszulassen. Ich hatte die Wahl zwischen schlucken oder ersticken.