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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Aye, das stimmt«, sagte er leise. »Aber damals – dachten wir, wir müssten die Dinge ändern. Oder es zumindest versuchen. Aber hier –« Er drehte sich um und ließ den Arm über das weite Land schweifen, das unsichtbar hinter den Bäumen lag. »Ich würde es nicht für meine Sache halten«, sagte er schlicht. »Weder dabei helfen noch es verhindern wollen.«

Ich verscheuchte die Mücken aus meinem Gesicht.

»Es könnte unsere Sache werden, wenn wir hier leben würden.«

Er rieb sich mit dem Finger unter der Unterlippe entlang und überlegte. Sein Bart begann zu sprießen, ein Schimmer roter Stoppeln mit Silberfunken im Schein der Laterne. Er war ein hochgewachsener Mann, gutaussehend und kräftig, in den besten Jahren, doch nicht länger jung, wie ich mit plötzlicher Dankbarkeit begriff.

Highlandmänner wurden zum Kampf erzogen: Highlandjungen wurden zu Männern, wenn sie ihre Schwerter erheben und in den Krieg ziehen konnten. Jamie war nie leichtsinnig gewesen, doch er hatte fast sein ganzes Leben als Krieger und Soldat verbracht. Als junger Mann in den Zwanzigern hätte ihn nichts von einem Kampf fernhalten können, ob es ihn etwas anging oder nicht. Jetzt, in den Vierzigern, bremste der Verstand die Leidenschaft – so hoffte ich zumindest.

Und es stimmte: Außer seiner Tante, die er nicht kannte, hatte er keine Verwandten mehr, keine Verbindungen, die ihn zur Einmischung zwingen konnten. Ob uns das Wissen um das, was auf uns zukam, helfen konnte, uns aus dem Schlimmsten herauszuhalten?

»Hier ist so viel Platz, Sassenach.« Er blickte über den Bug des Schiffes hinaus auf das weite Land, verborgen in der Dunkelheit. »Allein seit wir Georgia verlassen haben, haben wir eine größere Strecke zurückgelegt, als England und Schottland lang sind.«

»Das stimmt«, gab ich zu. Selbst in den entlegensten Bergen der Highlands hatte man in Schottland den Kriegswirren nicht entkommen können. Hier war das anders; wenn wir unseren Platz mit Bedacht aussuchten, konnten wir dem suchenden Auge des Mars vielleicht entkommen.

Er legte den Kopf schief und sah zu mir hoch.

»Dich kann ich mir gut als Herrin einer Plantage vorstellen, Sassenach. Wenn der Gouverneur einen Käufer für die anderen Steine findet, habe ich wohl genug, um Laoghaire die Summe zu schicken, die ich ihr versprochen habe, und uns trotzdem noch ein gutes Grundstück zu kaufen – auf dem wir es zu Wohlstand bringen können.«

Er nahm meine rechte Hand in die seine, und sein Daumen strich sanft über meinen silbernen Ehering.

»Vielleicht werde ich dich eines Tages in Spitze und Juwelen kleiden«, sagte er leise. »Das Einzige, was ich dir je habe geben können, waren ein kleiner Silberring und die Perlen meiner Mutter.«

»Du hast mir viel mehr als das gegeben«, sagte ich. Ich legte meine Finger um seinen Daumen und drückte ihn. »Brianna zum Beispiel.«

Er lächelte leise und sah auf das Deck.

»Aye, das ist wahr. Sie ist vielleicht der wahre Grund – warum wir bleiben sollten, denke ich.«

Ich zog ihn an mich, und er lehnte den Kopf an mein Knie.

»Das hier ist ihre Heimat, nicht wahr?«, sagte er leise. Er hob die Hand und deutete auf den Fluss, die Bäume und den Himmel. »Sie wird hier geboren werden, hier leben.«

»Das stimmt«, sagte ich leise. Ich strich ihm über das Haar und glättete die dichten Strähnen, die Briannas so sehr ähnelten. »Das hier wird ihr Land.« Ihres auf eine Art, wie es niemals das meine oder das seine sein würde, egal, wie lange wir hier leben mochten.

Er nickte, und sein Bart kratzte sanft über meinen Rock.

»Ich will nicht kämpfen oder dich irgendwie in Gefahr bringen, Sassenach, aber wenn ich etwas tun kann … um daran mitzubauen, vielleicht, es sicher zu machen, ein gutes Land für sie …« Er zuckte mit den Achseln. »Es würde mir Freude machen«, beendete er leise seinen Satz.

Wir saßen eine Weile still da, nah beieinander, betrachteten den stumpfen Glanz des Wassers und sahen zu, wie der versunkene Schein der Laterne langsam dahinzog.

»Ich habe ihr die Perlen dagelassen«, sagte ich schließlich. »Es erschien mir richtig so, sie waren schließlich ein Erbstück.« Ich zog meine beringte Hand über seine Lippen. »Und der Ring ist alles, was ich brauche.«

Da nahm er meine Hände in die seinen und küsste sie – die linke, die immer noch den goldenen Ring von meiner Ehe mit Frank trug, dann die rechte mit Jamies Silberring.

»Da mi basia mille«, flüsterte er lächelnd. Gib der Küsse mir tausend. Es war die Gravur in meinem Ring, ein kurzes Zitat aus einem Liebesgedicht von Catull. Ich bückte mich und küsste ihn wider.

»Dein mille altera«, sagte ich. Und noch tausend mehr.

Es war beinahe Mitternacht, als wir am Rand eines dichten Wäldchens zur Rast anlegten. Das Wetter hatte sich geändert; es war immer noch heiß und schwül, doch es lag ein Donnergrollen in der Luft, und es raschelte leise im Unterholz – zufällige Luftströme oder das Getrappel der kleinen Nachtlebewesen, die vor dem Sturm nach Hause hasteten.

Wir waren fast am Ende der Gezeitenwelle angelangt; ab hier mussten wir segeln und staken, und Kapitän Freeman hoffte, dass ihm die Schwingen des Sturms eine gute Brise brachten. Es würde klug sein zu rasten, solange das noch möglich war. Ich kuschelte mich in unser Nest am Heck, konnte aber nicht sofort einschlafen, obwohl es spät war.

Nach Schätzung des Kapitäns würden wir Cross Creek am nächsten Abend erreichen – mit Sicherheit am Tag danach. Ich war überrascht festzustellen, wie ungeduldig ich unserer Ankunft entgegensah; die zwei Monate, die wir unterwegs von der Hand in den Mund gelebt hatten, hatten mich mit tiefer Sehnsucht nach einem Zufluchtsort erfüllt, egal wie vorübergehend.

Da ich wusste, was man in den Highlands unter Gastfreundschaft und Verwandtschaft verstand, hatte ich keine Befürchtungen, was unsere Aufnahme betraf. Offensichtlich hielt Jamie die Tatsache, dass er besagte Tante seit über vierzig Jahren nicht gesehen hatte, nicht für einen Hinderungsgrund für unseren herzlichen Empfang, und ich war mir völlig sicher, dass er recht hatte. Gleichzeitig war ich überaus neugierig auf Jocasta Cameron.

Die Geschwister MacKenzie waren zu fünft gewesen, die Kinder des roten Jacob, der Castle Leoch erbaut hatte. Jamies Mutter Ellen war die Älteste gewesen, Jocasta die Jüngste. Janet, die dritte Schwester, und Ellen waren gestorben, lange bevor ich Jamie kennenlernte, doch dafür hatte ich ihre beiden Brüder, Colum und Dougal, sehr gut gekannt, und nach dem, was ich von ihnen wusste, musste ich mich einfach fragen, was für ein Mensch wohl die letzte MacKenzie-Schwester von Leoch war.

Hochgewachsen, dachte ich mit einem Seitenblick auf Jamie, der friedlich zusammengerollt neben mir auf Deck lag. Hochgewachsen und vielleicht rothaarig. Sie waren alle groß – selbst Colum, der das Opfer einer verkrüppelnden degenerativen Erkrankung war, war anfangs hochgewachsen gewesen –, hellhäutige Wikinger allesamt mit einer rötlichen Glut im Haar, die von Jamies feurigem Rot bis hin zum tiefen Kastanienbraun seines Onkels Dougal ging. Nur Colum war wirklich dunkel gewesen.

Bei dem Gedanken an Colum und Dougal regte sich ein plötzliches Gefühl der Beklommenheit. Colum war vor Culloden an seiner Krankheit gestorben. Dougal war am Vorabend der Schlacht gestorben – von Jamie umgebracht. Es war Notwehr gewesen – Jamie hatte mich beschützt – und nur einer von vielen Toden in jenem blutigen April. Dennoch fragte ich mich, ob Jamie sich schon überlegt hatte, was er sagen würde, wenn wir die Begrüßung in River Run hinter uns hatten und man beim Familienklatsch zu den Fragen überging: »Oh, und wann hast du soundso zuletzt gesehen?«

Jamie seufzte und reckte sich im Schlaf. Er konnte problemlos auf jeder Oberfläche schlafen, denn er war daran gewöhnt, unter Bedingungen zu schlafen, die von feuchter Heide über muffige Höhlen bis zu kalten Steinböden von Gefängniszellen reichten. Das Holzdeck unter uns musste ihm im Vergleich dazu durch und durch komfortabel erscheinen.

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