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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Seufzend ließ er sich neben mir nieder und zupfte an seinem Hemdkragen.

»Ich glaube nicht, dass ich ein einziges Mal Luft eingeatmet habe, seit wir Georgia verlassen haben«, sagte er. »Jedes Mal, wenn ich Atem hole, glaube ich, ich ertrinke.«

Ich lachte und spürte, wie mir ein Rinnsal aus Schweiß zwischen den Brüsten heruntersickerte.

»In Cross Creek ist es kühler; das sagen alle.« Ich holte tief Luft, nur um zu beweisen, dass ich es konnte. »Aber riecht es nicht wunderbar?« Die Dunkelheit gab die durchdringenden Gerüche der Bäume und Pflanzen am Wasserrand frei, die sich mit dem feuchten Uferschlamm und dem sonnenwarmen Holz des Schiffsdecks vermischten.

»Du hättest einen guten Hund abgegeben, Sassenach.« Er lehnte sich mit einem Seufzer an die Kabinenwand. »Kein Wunder, dass das Vieh dich so bewundert.«

Zehennägel klickten auf den Planken und verkündeten Rollos Ankunft. Vorsichtig näherte er sich der Reling, blieb misstrauisch einen halben Meter davor stehen und ließ sich umständlich auf Deck nieder. Er legte die Nase auf seine Pfoten und seufzte tief. Rollos Abneigung gegen Schiffe war fast genauso groß wie Jamies.

»Na, du«, sagte ich. Ich hielt ihm meine Hand zum Beschnüffeln hin, und er ließ sich höflich dazu herab, mich seine Ohren kratzen zu lassen. »Und wo ist dein Herrchen, hm?«

»In der Kabine; lässt sich neue Tricks beibringen, mit denen man beim Kartenspiel betrügen kann«, sagte Jamie ironisch. »Weiß Gott, was aus dem Jungen einmal wird; wenn er nicht erschossen wird oder in einer Wirtschaft eins über den Schädel bekommt, kommt er wahrscheinlich demnächst mit einem Emu nach Hause, den er beim Pharo gewonnen hat.«

»In den Bergen wird es doch wohl weder Emus noch Pharospiele geben, oder? Wo es keine richtigen Städte gibt, gibt es doch sicher auch keine richtigen Wirtshäuser.«

»Ich glaube es kaum«, gab er zu. »Doch wenn ein Mann vor die Hunde gehen soll, dann findet er auch einen Weg dorthin, egal, wo man ihn absetzt.«

»Ich bin mir sicher, dass Ian nicht vor die Hunde geht«, sagte ich beruhigend. »Er ist ein guter Junge.«

»Er ist ein Mann«, verbesserte Jamie. Er neigte sein Ohr zur Kabine, aus der gedämpftes Lachen und gelegentlich eine behäbige Obszönität ertönten. »Allerdings ein verdammt junger, und dickköpfig dazu.« Er sah mich an, und im Laternenschein sah ich ein reumütiges Lächeln.

»Wenn er noch ein kleiner Junge wäre, könnte ich ihn im Zaum halten. Aber so –« Er zuckte die Achseln. »Er ist alt genug, sich um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern, und er wird es mir nicht danken, wenn ich meine Nase da hineinstecke.«

»Er hört immer auf dich«, protestierte ich.

»Mmpf. Warte nur, bis ich ihm etwas sage, was er nicht hören will.« Er lehnte den Kopf an die Wand und schloss die Augen. Schweiß glänzte auf seinen hohen Wangenknochen, und ein kleines Rinnsal lief ihm den Hals hinunter.

Ich streckte einen Finger aus und schnippte den kleinen Tropfen vorsichtig weg, bevor er sein Hemd erreichte.

»Seit zwei Monaten sagst du ihm, dass er nach Schottland zurückmuss; ich glaube nicht, dass er das hören will.«

Jamie öffnete die Augen und betrachtete mich zynisch.

»Ist er in Schottland?«

»Äh …«

»Mmpf«, sagte er und schloss die Augen wieder.

Ich saß eine Weile still da und tupfte mir mit einer Rockfalte den Schweiß aus dem Gesicht. Der Fluss hatte sich hier verengt; das eine Ufer war kaum mehr als drei Meter entfernt. Ich hörte eine raschelnde Bewegung in den Büschen, und ein glänzendes Augenpaar reflektierte das Licht unserer Laterne.

Rollo hob mit einem leisen Wuff! den Kopf und stellte die Ohren wachsam auf. Jamie öffnete die Augen, blickte zum Ufer und setzte sich dann abrupt auf.

»Himmel! Das ist die größte Ratte, die ich je gesehen habe.«

Ich lachte.

»Das ist keine Ratte, das ist ein Opossum. Siehst du die Jungen auf dem Rücken?«

Jamie und Rollo bedachten das Opossum mit berechnenden Blicken und versuchten, sein Gewicht und seine Geschwindigkeit abzuschätzen. Vier kleine Opossums starrten ernst und mit zuckenden Nasen zurück. Ihre Mutter hielt das Boot offensichtlich nicht für eine Bedrohung, trank ungerührt zu Ende, drehte sich um und wackelte langsam in den Busch zurück. Die Spitze ihres nackten, rosafarbenen Schwanzes verschwand, als der Laternenschein verblasste.

Beide Jäger gaben einen Seufzer von sich und entspannten sich wieder.

»Myers hat gesagt, man kann sie gut essen«, bemerkte Jamie sehnsüchtig. Ich seufzte meinerseits leise, griff in meine Rocktasche und gab ihm einen Stoffbeutel.

»Was ist das?« Er lugte interessiert in den Beutel und schüttelte sich dann die kleinen, braunen Kügelchen in die Handfläche.

»Geröstete Erdnüsse«, sagte ich. »Sie wachsen hier, unter der Erde. Ich habe einen Bauern gesehen, der sie als Schweinefutter verkaufte, und die Wirtin hat ein paar davon für mich geröstet. Man entfernt die Schale, bevor man sie isst.« Ich grinste ihn an und genoss das völlig neue Gefühl, ausnahmsweise einmal mehr über unsere Umgebung zu wissen als er.

Er warf mir einen säuerlichen Blick zu, zerdrückte eine Nussschale zwischen Daumen und Zeigefinger und brachte drei Nüsse zum Vorschein.

»Ich bin unwissend, Sassenach«, sagte er. »Kein Dummkopf. Das ist der Unterschied, aye?« Er steckte eine Nuss in den Mund und biss zögernd zu. Seine skeptische Miene verwandelte sich in erfreute Überraschung; er kaute mit wachsender Begeisterung und schob sich die anderen Nüsse in den Mund.

»Schmeckt’s?« Ich lächelte und genoss sein Vergnügen. »Ich mach dir Erdnussbutter fürs Brot, wenn wir uns niedergelassen haben und ich meinen neuen Mörser ausgepackt habe.«

Er lächelte zurück und schluckte, bevor er die nächste Nuss knackte.

»Ich muss sagen, es ist zwar sumpfig hier, aber der Boden ist gut. Ich habe noch nie so viele Dinge so mühelos wachsen sehen.«

Er schob sich noch eine Nuss in den Mund.

»Ich habe nachgedacht, Sassenach«, sagte er und blickte auf seine Handflächen hinab. »Was hältst du davon, uns hier niederzulassen?«

Die Frage kam nicht völlig unerwartet. Ich hatte gesehen, wie er die schwarzen Felder und ihre reiche Ernte mit den glitzernden Augen des Ackerbauern sah, und mir war der sehnsüchtige Ausdruck nicht entgangen, mit dem er die Pferde des Gouverneurs bewunderte.

Wir konnten sowieso nicht sofort nach Schottland zurückkehren. Ian ja, aber Jamie und ich nicht, dank gewisser Komplikationen – von denen eine nicht unwesentliche den Namen Laoghaire MacKenzie trug.

»Ich weiß nicht«, sagte ich langsam. »Auch wenn man die Indianer und wilden Tiere einmal völlig außer Acht lässt –«

»Ooch, aber«, unterbrach er leicht verlegen. »Myers hat mir gesagt, sie machen keine Schwierigkeiten, wenn man sich von den Bergen fernhält.«

Ich unterließ es, ihn darauf hinzuweisen, dass uns das Angebot des Gouverneurs in die Nähe ebendieser Berge bringen würde.

»Ja, aber du erinnerst dich doch noch an das, was ich dir gesagt habe, oder? Über die Revolution? Jetzt haben wir 1767, und du hast die Gespräche am Tisch des Gouverneurs gehört. Noch neun Jahre, Jamie, dann bricht hier die Hölle los.« Wir hatten beide schon Kriege erlebt und nahmen diese Vorstellung nicht auf die leichte Schulter. Ich legte eine Hand auf seinen Arm und zwang ihn, mich anzusehen.

»Ich hatte schon einmal recht, das weißt du.« Ich hatte gewusst, was auf dem Feld von Culloden geschehen würde, hatte ihm das Schicksal Charles Stuarts und seiner Männer vorausgesagt. Und weder mein Wissen noch das seine hatte ausgereicht, um uns zu retten. Zwanzig schmerzhafte Jahre der Trennung und der Geist einer Tochter, die er niemals sehen würde, lagen hinter diesem Wissen.

Er nickte langsam und hob die Hand, um meine Wange zu berühren. Der sanfte Schein der kleinen Laterne über uns zog scharenweise kleine Mücken an; von seiner Bewegung gestört, wirbelten sie plötzlich auf.

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