Das Kloster der toten Seelen
- Автор: Тримейн Питер
- Серия: Schwester Fidelma ermittelt #11
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические детективы
Электронная книга - «Das Kloster der toten Seelen». Краткое содержание книги:
Aus einer kleinen religiösen Gemeinschaft sind sämtliche Mönche verschwunden, im Refektorium steht noch ihr beinahe unberührtes Mahl. Es ist, als hätte sich die Erde geöffnet und die Klosterbrüder verschlungen. Da entdeckt man sieben der Mönche ermordet auf den Klippen am Meer und unweit davon ein angelsächsisches Schiff. Trotzdem liegen die Dinge weniger klar, als sie scheinen. Und es wird entschieden gefährlich für Schwester Fidelma und Bruder Eadulf, ehe sie wissen, welche handfesten irdischen Absichten und Interessen hinter dem mystisch anmutenden Vorfall und einigen weiteren Morden in der Gegend stecken.
Aus dem Englischen von Susanne Olivia Zylla
Die Originalausgabe unter dem Titel »Smoke in the Wind« erschien 2001 bei Headline Book Publishing, London.
»Ich habe geschrieben, daß Bruder Meurig tot ist. Daß wir von unseren Ermittlungen abgehalten werden und es in dieser Gegend eine bewaffnete Räuberbande gibt, der wir nur knapp entkommen konnten. Daß wir König Gwlyddiens Vollmacht benötigen, damit Gwnda uns in unserer Arbeit nicht mehr einschränken kann.«
Zögernd fand sich Fidelma zu einem Lob bereit. »Und du meinst wirklich, daß du diesem Jungen trauen kannst?«
»Von meinem Vertrauen in ihn hängt unser beider Leben ab«, unterstrich Eadulf. »Hier lauern so viele Gefahren, daß ich es für klüger halte, dich nicht allein zu lassen.«
Fidelma drückte seinen Arm. »Treuer Eadulf«, sagte sie in einem unerwarteten Anflug von Zärtlichkeit. »Du bist dir ganz sicher wegen des Jungen?«
Eadulf nickte. »Er hat mir auch verraten, warum seine Eltern so verängstigt waren, als du Clydogs Namen erwähntest. Clydog ist vor einiger Zeit in ihrer Schmiede aufgetaucht und hat sie ziemlich grob behandelt, sie ausgeraubt und ihnen angedroht, zurückzukehren und noch Schlimmeres zu tun, wenn sie nicht den Mund halten.«
»Das erklärt ihre Angst allerdings«, meinte Fidel-ma. Sie verstummte auf einmal, und Eadulf folgte ihren Blicken.
Der Bauer Iestyn kam mit einem zweirädrigen Karren angefahren, der von einem robusten kleinen Esel gezogen wurde. Er sah mürrisch zu ihnen herüber und verzog abschätzig das Gesicht, dann konzentrierte er sich wieder auf das Lenken seines Karrens.
»Haben wir ein Glück«, sagte Fidelma. Sie hob die Hand. »Iestyn! Einen Moment bitte. Ich möchte kurz mit dir sprechen.«
Widerwillig hielt Iestyn an.
»Was willst du von mir, Schwester?« fragte er abweisend.
»Antworten«, sagte Fidelma munter. »Antworten auf ein paar Fragen.«
»Auf was für Fragen?« stieß er mißtrauisch hervor.
Eadulf war hinzugetreten. »Wenn du kurz mal von deinem Karren steigst, werden wir es dir sagen.«
»Ich habe zu tun«, erwiderte der Bauer, kletterte aber trotzdem herunter.
Er war ein ganzes Stück kleiner als Fidelma. Herausfordernd schaute er zu ihr auf.
»Nun, worum geht es? Beeil dich, ich habe nicht den ganzen Abend Zeit.«
»Mach dir keine Sorgen, Iestyn.« Fidelma überging sein bewußt unhöfliches Verhalten. »Wir verdächtigen dich nicht. Wir wollen nur etwas klären.«
»Mich verdächtigen?« entgegnete Iestyn fassungslos. »Was soll ich denn getan haben? Und überhaupt, du bist kein barnwr, sondern eine Gwyddel. Du hast nicht das Recht, mich hier aufzuhalten.«
»Doch, wir haben das Recht dazu«, versicherte ihm.
Fidelma mit einer solchen Überzeugtheit, daß selbst Eadulf überrascht war. Er stöhnte innerlich. Falls Gwnda jetzt dazukäme und ihr vor Iestyn jede Befugnis absprach, wurde es ziemlich schwierig für sie.
»Was wollt ihr?«
»Wir wollen uns mit dir über Mairs Tod unterhalten.«
»Warum? Sie war die Tochter meines Freundes Iorwerth.«
»Mit Iorwerth haben wir bereits gesprochen. Er sagt, daß du ihn an dem Morgen, als Mair auf gewaltsame Weise den Tod fand, in seiner Schmiede aufgesucht hast. Du hattest beobachtet, wie sich Mair und Idwal stritten.«
Iestyn rümpfte die Nase. »So?«
»Berichte uns davon.«
Der Bauer war mißtrauisch. »Da gibt es nichts weiter zu erzählen. Ich kam durch den Wald und ...«
»Weshalb bist du eigentlich durch den Wald gegangen?« fragte Eadulf unschuldig dazwischen.
»Mein Hof liegt am Fluß in der Nähe des Waldes. Ich wollte zu Fuß in den Ort, nachdem ich einem meiner Nachbarn Obst gebracht hatte. Ich wollte zu Iorwerth.«
»Weiter«, sagte Fidelma, als er innehielt.
»Ich hörte einen lauten Wortwechsel. Ich erkannte Mairs Stimme sofort. Dann entdeckte ich Idwal. Sie schienen beide aufgebracht zu sein, Idwal wirkte ziemlich aggressiv.«
»Aggressiv? Wie hat sich das geäußert?«
»Seine Stimme klang wütend. Sein Gesicht und sein ganzes Benehmen kamen mir bedrohlich vor.«
»Und dann?«
»Ich wußte, daß Iorwerth Mair verboten hatte, sich mit Idwal zu treffen, und umgekehrt ebenso. Ich eilte zu Iorwerths Schmiede, um ihm davon zu berichten.«
»Hast du Mair gemocht?« fragte Eadulf zu Fidelmas Verwunderung. »Ich meine, fandest du sie anziehend?«
Iestyn errötete. »Ich bin der Freund ihres Vaters und alt genug, um ihr Vater zu sein«, entgegnete er schroff.
»So ist es«, erwiderte Eadulf munter. »Aber sie war ein hübsches junges Mädchen. Gab es da nicht Liebhaber oder Männer, die gern ihre Liebhaber gewesen wären?«
»Ihr Vater hatte eine Ehe für sie ausgehandelt, damit .«
»Ich weiß. Doch hast du sie nicht auch anziehend gefunden?«
Fidelma sah, daß Iestyn immer wütender wurde, und da sie ihn nicht völlig verstören wollte, fiel sie Eadulf ins Wort.
»Wir haben uns gefragt, warum du nicht eingegriffen hast, wenn sie sich so fürchterlich stritten. Warum hast du den Streit nicht geschlichtet?«
»Dazu hatte ich kein Recht. Ich dachte ja nicht, daß der Junge Mair umbringen würde, sonst hätte ich es wohl getan.«
»Aha, das heißt - so richtig besorgniserregend war ihr Gezänk für dich doch nicht?« warf Eadulf rasch ein.
Der Bauer runzelte die Stirn, als versuchte er, den Sinn dieses Einwurfs zu ergründen.
»Es war schon ein heftiger Streit«, sagte er langsam. »Sonst wäre Mair noch am Leben.«
»Rückblickend ist man immer schlauer«, stimmte ihm Eadulf zu. »Doch in dem Moment warst du nicht der Ansicht, es könnte für das Mädchen lebensgefährlich werden, oder? Sonst wärest du doch dageblieben und hättest Mair beigestanden, nicht wahr?«
»Natürlich hätte ich das!« fauchte der Bauer zurück.
»Statt dessen bist du zu Iorwerth gerannt und hast ihm erzählt, daß du Zeuge warst, wie sich Mair und Idwal im Wald stritten?«
»Ja.«
»Hast du unterwegs noch jemand anderen gesehen? Etwa Gwnda oder sonst wen?«
Iestyn schüttelte den Kopf. »Nicht daß ich wüßte ... Aber ja, ich bin Buddog begegnet, sie hat Pilze gesammelt.«
»Eins verstehe ich nicht recht«, meinte Fidelma nun. »Du hast erzählt, daß Idwal sich trotz des Verbots mit Mair traf und daß sie sich stritten. Allerdings nicht so heftig, daß es dein Eingreifen erforderte. Und auch nicht so ernst, als daß du um ihr Leben fürchten mußtest. Doch Iorwerth reichte deine Nachricht schon aus, ein paar Männer zusammenzutrommeln, um loszuziehen und Idwal zu bestrafen. Warum habt ihr den Jungen so gehaßt?«
»Dem mußte doch Gehorsam beigebracht werden!
Respekt kannte er auch nicht! Das ist alles«, rechtfertigte sich Iestyn. »Wir sind alle Iorwerths Freunde, und wir dachten, wir sollten ihm helfen.«
»Also, was geschah weiter?« fragte Fidelma.
»Zunächst führte ich sie zu der Stelle, wo ich Mair und Idwal gesehen hatte. Da lag Mair, tot. Fast im gleichen Augenblick entdeckte ich Gwnda - und Idwal, ein bißchen weiter, lag bewußtlos am Boden. Iorwerth und die anderen ...« Er machte eine Pause, blickte sie verstockt an. »Wir wollten den Jungen am nächsten Baum aufhängen. Gwnda hielt uns davon ab, er wollte nicht gegen das Gesetz verstoßen.«
»Nebenbei bemerkt, hat Gwnda euch eigentlich gesagt, wieso er so früh am Morgen im Wald unterwegs war?« fragte Eadulf.
Iestyn schüttelte den Kopf. »Der Weg hinter der Holzfällerhütte entlang ist ziemlich begangen. Er führt nach Cilau.«
»Ich verstehe. Also habt ihr den Jungen in den Ort gebracht? Wenn ihr wußtet, daß bald ein barnwr aus der Abtei eintreffen würde, warum habt ihr dann Gwnda festgesetzt und Idwal aus dem Stall geholt, um ihn zu erhängen?«
»Viele Leute waren daran beteiligt. Es war der Wille des Volkes. Vox ... vox ... Die Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes!«
»Vox populi vox Dei«, half ihm Fidelma erheitert weiter. »Ja, diese Rechtfertigung haben wir schon einmal gehört.«