Das Kloster der toten Seelen
- Автор: Тримейн Питер
- Серия: Schwester Fidelma ermittelt #11
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические детективы
Электронная книга - «Das Kloster der toten Seelen». Краткое содержание книги:
Aus einer kleinen religiösen Gemeinschaft sind sämtliche Mönche verschwunden, im Refektorium steht noch ihr beinahe unberührtes Mahl. Es ist, als hätte sich die Erde geöffnet und die Klosterbrüder verschlungen. Da entdeckt man sieben der Mönche ermordet auf den Klippen am Meer und unweit davon ein angelsächsisches Schiff. Trotzdem liegen die Dinge weniger klar, als sie scheinen. Und es wird entschieden gefährlich für Schwester Fidelma und Bruder Eadulf, ehe sie wissen, welche handfesten irdischen Absichten und Interessen hinter dem mystisch anmutenden Vorfall und einigen weiteren Morden in der Gegend stecken.
Aus dem Englischen von Susanne Olivia Zylla
Die Originalausgabe unter dem Titel »Smoke in the Wind« erschien 2001 bei Headline Book Publishing, London.
Iorwerth kniff die Augen zusammen, sein Ärger hielt an.
Der Junge nahm das Pergament und las es rasch durch. »Das hast du auch meinem Vater gezeigt. Es ist eine Vollmacht von König Gwlyddien.«
»In der was steht?« drängte ihn Fidelma.
»Daß du mit seiner Befugnis handelst und jedem geraten wird, mit dir zusammenzuarbeiten .«
Rasch langte Fidelma nach dem Pergament. »Begreifst du das, Iorwerth?« fragte sie.
Eadulf mußte ein Lächeln unterdrücken. Sie hatte dem Jungen das Pergament schnell entzogen, so daß er nicht hatte weiterlesen können, daß sich diese Zusammenarbeit ausschließlich auf die Ermittlungen im Fall von Llanpadern bezog.
Der Schmied schob trotzig den Unterkiefer vor.
»So steht es hier geschrieben, Iorwerth, und ich habe das königliche Siegel schon häufig in der Abtei Dewi Sant gesehen, wenn ich die Schmiedearbeiten meines Vater hinbrachte«, rechtfertigte sich Dewi.
Iorwerth zögerte immer noch, dann gab er sich geschlagen. »Wenn das da so geschrieben ist, werde ich dir Rede und Antwort stehen.«
»Sobald du deine Geschäfte mit Dewi erledigt hast«, erklärte ihm Fidelma, »werden wir uns in deinem Haus miteinander unterhalten.«
Der Junge nahm die Satteltasche von der Schulter und reichte sie Iorwerth. »Wir sind gleich fertig, Schwester«, verkündete er. »Ich will nur das Rohgold übergeben, das mein Vater Iorwerth versprochen hat.«
Iorwerth nahm die Tasche entgegen und schüttete Metallstücke aus, die eher wie Steinklumpen als wie kostbares Gold aussahen.
»Ausgezeichnet«, bemerkte Iorwerth, als er sie begutachtete. »Alles wie vereinbart. Übermittle deinem Vater herzliche Grüße, Dewi.«
Der Bursche verabschiedete sich höflich und wandte sich zu seinem Pferd um, während Iorwerth zu Fidelmasagte: »Ihr könnt nun eintreten und sagen, was ihr von mir wollt.«
Gerade als Fidelma der Aufforderung Folge leisten wollte, sagte Eadulf: »Ich komme gleich nach. Ich muß noch mal mit Dewi reden.«
Neugierig zog Fidelma eine Augenbraue hoch. Eadulf hatte ihren Blick bemerkt und deutete mit dem Kopf auf eine Ecke von Iorwerths Schmiede. Fidelma konnte ihre Überraschung eben noch verbergen. Dort stand eine Strohpuppe, die genau der glich, die sie zuvor in der Kapelle von Llanpadern entdeckt hatten.
»Nun, Schwester?« fragte Iorwerth und führte sie in seine kleine Behausung. Darin war es unangenehm eng und dunkel. Fidelma mußte sich ein wenig bük-ken, denn sie war eine hochgewachsene Frau. Ihr Kopf stieß fast an die niedrigen Balken. Das Feuer verbreitete eine stickige Wärme. Fidelma wartete nicht erst darauf, daß Iorwerth ihr einen Platz anbot, sie wußte, daß sie da vergeblich warten würde.
»Was willst du also?« fragte er schroff.
»Wir wollen mit dir über Idwal reden.«
»Aber Gwnda hat doch gesagt .«
Fidelma sah ihn mit eisigem Blick an.
»Ja? Was hat Gwnda gesagt?«
Iorwerth zuckte ein wenig mit der Schulter. »Der Mordfall an meiner Tochter ist geklärt.«
»Das stimmt nicht. Du hast gehört, daß ich eine Vollmacht von König Gwlyddien habe, oder? Die Sache ist erst erledigt, wenn ich es ausdrücklich sage.«
»Idwal hat meine Tochter ermordet, und er hat Bruder Meurig ermordet .«
»Und du hast ihn ermordet?« beendete Fidelma seinen Satz. In diesem Moment trat Eadulf herein und stellte sich hinter sie.
»Ich habe nichts damit zu tun«, widersprach Ior-werth, »nicht so, wie du es meinst. Die Leute haben ihn getötet.«
»Ach.« Fidelma lächelte. »Die Leute . Sag mir doch, wie das vor sich ging.«
»Als Gwnda uns mitteilte, daß Bruder Meurig erschlagen in der Waldhütte liegt, wußten wir alle sofort, daß es Idwal gewesen ist. Schließlich hat er meine Tochter vergewaltigt und umgebracht. Hättet ihr und Bruder Meurig nicht eingegriffen, so hätte die Gerechtigkeit schon vorher ihren Lauf genommen.«
Fidelma beschloß, jetzt nicht weiter darauf einzugehen. »Du hast mir immer noch nicht erklärt, wie es dazu kam.«
»Ich ahnte, daß sich der Junge bei der alten Eiche nicht weit von der Hütte im Wald verbarg.«
»Woher wußtest du von dieser Stelle?« fragte Fidelmagespannt.
»Der Junge hatte feste Gewohnheiten. Als Kind hatte er dort gespielt. Mit Mair und Elen und den anderen Kindern.«
»Weiter.«
»Also gingen wir dorthin, ein Dutzend Männer aus dem Ort hier. Idwal war tatsächlich dort. Als er uns sah, versuchte er zu entkommen. Ich bin mir nicht sicher, wer es tat, doch er hing kurz darauf an der Eiche.« Der Schmied sah sie rechtfertigend an. »Vox populi vox Dei.«
»Was hast du eben gesagt, Iorwerth?« fragte Eadulf überrascht.
»Voxpopuli vox Dei«, wiederholte der Schmied. So, wie er die Wörter betonte, schienen sie ihm nicht unbedingt geläufig zu sein.
»Das ist ein bemerkenswerter Ausspruch. Du weißt, was er bedeutet?«
»Das entlastet uns von jeder Schuld«, erwiderte der Schmied.
»Die Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes«, übersetzte Fidelma versonnen. »Die Wünsche des Volkes stehen über allem, oder? Das entbindet euch von eurer Schuld, Mörder zu sein?«
Iorwerth schwieg.
»War Gwnda dabei, als ihr euch von eurer Wut habt treiben lassen?«
»Das solltest du ihn selbst fragen.«
»Ich vermute, er hat dir diesen lateinischen Ausspruch beigebracht, damit du ihn wie ein Zauberamulett zu deiner Verteidigung einsetzen kannst, oder?«
Iorwerth antwortete nichts darauf.
»War dir bekannt, daß deine Tochter keine Jungfrau mehr war?« Fidelma stellte diese Frage ganz unvorbereitet. »Du hast eine falsche Aussage gemacht, damit du noch Geld dafür bekommst, nicht wahr?«
Iorwerths Gesicht lief dunkelrot an. Er trat ein paar Schritte vor, doch Eadulf hatte sich schon schützend vor Fidelma gestellt. Der Schmied hielt seine Riesenfäuste geballt, als wolle er zuschlagen.
»Du wagst es, meiner Tochter übel nachzureden?« stieß er schließlich aufgebracht hervor.
»Du behauptest also, daß du davon nichts wußtest? Und du hattest auch keine Ahnung, wer der ältere Liebhaber war?«
Iorwerth starrte Fidelma zornentbrannt an, aber dann hatte er sich im Griff. »Hat dir das dieser Einfaltspinsel erzählt? Hat Idwal diese Lügen verbreitet?« fauchte er sie an.
»Warum bist du dir so sicher, daß es Lügen sind?«
»Weil Idwal sich vor seinen Anklägern verteidigen wollte. Er hat dich zum Narren gehalten, Gwyddel. Er hat dich zum Narren gehalten!«
»Und wenn ein anderer Zeuge das gesagt hat und nicht Idwal? Was dann?«
Iorwerth schaute sie mißtrauisch an. »Welcher Zeuge? Das ist eine Lüge. Meine Tochter hatte vor mir keine Geheimnisse.«
»Selbst unter normalen Umständen würde eine Tochter ihrem Vater nicht anvertrauen, wann und wie sie ihre Jungfräulichkeit verloren hat.«
Jetzt betrachtete ihn Fidelma genau. Ihr ging der Ausspruch vultus est index animi durch den Sinn. Der Gesichtsausdruck eines Menschen verrät viel über seine Seele. Iorwerth hatte Angst.
»Erzähle mir von Mair«, forderte ihn Fidelma auf. »Wie war sie als Tochter?«
Der kräftige Schmied setzte sich plötzlich hin und vergrub sein Gesicht in den Händen. Zu ihrer Überraschung wurde seine große Gestalt von einem Schluchzen geschüttelt.
»Sie war keine gute Tochter. Doch sie war alles, was mir von ihrer Mutter geblieben war, und sie war ihr Ebenbild. Die arme Esyllt. Ich habe ihr furchtbar Unrecht getan. Sie starb, als Mair noch klein war. Ich wollte es wiedergutmachen ... an Mair.«
»Ich verstehe.« Fidelmas Stimme klang nun mitfühlender. »Du hast Esyllts Verlust wettgemacht, indem du Mair verwöhnt hast. In welcher Beziehung war sie keine gute Tochter?«
»Sie war eigensinnig, so wie ich auf gewisse Weise. Sie tat, was sie wollte. Sie war . eine Persönlichkeit mit einem starken Willen, wie ein Pferd, das man nicht bändigen kann. Sie wollte mir nicht gehorchen.«