Die Gebrüder Kip
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Die Gebrüder Kip». Краткое содержание книги:
Die Quellen, die der Berg nach dem Meere entsendet, stürzen hier aus der Höhe von fünfzig Fuß herab. Sie entspringen der Seite der Bergkette und hüpfen schäumend zwischen grünen Steilwänden über fünf übereinander liegende Absätze hinunter. Die eine große Menge Salze enthaltenden Quellen verbrämen die Wände aus kohlensaurem Kalke, woneben sie vorbeieilen, mit schönen, kalkigen Steingebilden. Bei dem hier gebotenen Anblick kann man nur bestätigen, was Duperrey darüber sagt, »daß diese hüpfenden Gruppen bei ihrem fast regelmäßigen, gegenseitigen Abstande der lärmenden Kaskade einen unvergeßlichen Stempel aufprägen, ebenso wie das trotzige Gestein, das wohl hundert ungleich große Becken bildet, worin sich die kristallene Flut anstaut, die noch von riesigen Bäumen, deren Fuß zuweilen in die Becken selbst eintaucht, einen grünlichen Schimmer annimmt.« Der Ausflug hierher brachte Hawkins noch neue Photographien ein, die schönsten, die bisher von der »Bougainville-Kaskade« aufgenommen worden waren.
Die Entladung des »James-Cook« war am Nachmittage des 25. beendet. Die gesamte, an die Firma Zieger konsignierte Fracht fand sofortige Aufnahme, da sie aus immer verlangten Waren von deutscher und britischer Fabrikation bestand.
Die Brigg sollte nun ihre Rückfracht einnehmen, wie der Leser schon weiß, Fässer mit Koprah und Kisten mit Perlmutter, die für Hobart-Town bestimmt waren. Von dreihundert Tonnen Koprah sollten hundertfünfzig in Port-Praslin aus den Niederlagen des Hauses Zieger und hundertfünfzig in Kerawara angeliefert werden, einer der kleineren Inseln, die im Süden von der Insel York oder Neulauenburg liegen.
Der Kapitän beschloß in Übereinstimmung mit den Herren Hawkins und Zieger, daß das Frachtgut aus Kerawara zuerst an Bord genommen werden sollte. Der »James-Cook« sollte also nach dieser Insel absegeln, dann aber Port-Praslin nochmals anlaufen, um seine Ladung zu vervollständigen.
Hatte die Brigg auch keine Havarien auszubessern, so war es doch notwendig, ihren Rumpf einmal gründlich zu säubern und ihr Oberwerk an Bug und Heck frisch anzustreichen. Diese Arbeiten erforderten drei bis vier Tage. Die Mannschaft fing damit sofort an und wurde auch in der dafür vorgesehenen Zeit fertig, so daß die Abfahrt auf den Morgen des 29. festgesetzt werden konnte.
Flig Balt und Vin Mod hatten bekanntlich erwartet, daß die Passagiere während des Abstechers nach Kerawara in Port-Praslin zurückbleiben würden, daß der Kapitän sich also allein an Bord befände und sie diese Gelegenheit zur Ausführung ihrer schwarzen Pläne benutzen könnten. Einmal erst Herren des Fahrzeuges, gedachten sie nach Nordosten hinauszusteuern, und Hawkins würde dann vergeblich das Wiedererscheinen des »James-Cook« im Gewässer Neuirlands erwarten.
Der Bootsmann und seine Spießgesellen sollten aber enttäuscht werden. Nicht allein die Herren Hawkins, Nat Gibson und die Gebrüder Kip beschlossen, an der kurzen Fahrt teilzunehmen, Herr Zieger schlug noch obendrein vor, sie zu begleiten, was natürlich mit Vergnügen angenommen wurde.
Flig Balt und Vin Mod hatten einige Mühe, ihren Ingrimm zu verhehlen. Die Möglichkeit, sich des »James-Cook« zu bemächtigen, oder doch die günstige Gelegenheit dazu, worauf sie stark gerechnet hatten, ging ihnen wiederum verloren.
»Der leibhaftige Teufel schützt diesen Kapitän vor allem Unglück! rief Vin Mod, als er von jenen Entschlüssen hörte.
- Du wirst schon sehen, Mod, daß er auch noch nach Hobart-Town zurückkommt, antwortete Flig Balt.
- Nein, Bootsmann, erklärte Vin Mod; können wir uns seiner nicht auf dem Schiffe selbst entledigen. nun, dann gelingt's vielleicht.
- Was werden aber die anderen tun?« erwiderte Flig Balt.
Die anderen. das waren Len Cannon, Sexton, Kyle und
Bryce. Es fragte sich ja, ob diese nun vom Schiffe fortlaufen oder ob sie die Fahrt nach Kerawara noch mitmachen würden, ehe sie ihre Matrosensäcke packten, denn wenn sie im Laufe dieser Überfahrt auch noch nichts erreichten, beharrten sie wahrscheinlich auf ihrem Entschluß, den Dienst auf dem Schiffe zu verlassen.
Während des Aufenthaltes in Port-Praslin hatten sie freilich die Überzeugung gewinnen müssen, daß es ihnen hier schwer fallen werde, ihren Lebensunterhalt zu erwerben, und das mochte ihnen wohl zu denken gegeben haben. Vin Mod stellte ihnen die Schwierigkeiten ausdrücklich vor und erhielt auch die Zusage, daß sie noch bis Kerawara und zurück mitfahren, dann aber sich ausschiffen wollten.
Die Brigg segelte also am Morgen des 29. ab. Dauerte es vierundzwanzig Stunden, bis zur Insel York zu kommen, zwei Tage, die Koprahladung zu verstauen, und wieder vierundzwanzig Stunden, nach Port-Praslin zurückzukehren, so konnte die Reise nur vier, höchstens fünf Tage in Anspruch nehmen.
Der politische und kommerzielle Hauptort des BismarckArchipels war, wie gesagt, bisher die kleine Insel Mioko, südlich von der Insel York, gewesen, die ziemlich genau in der Mitte zwischen den zwei größeren Inseln der Gruppe lag. Aus Gesundheitsrücksichten wurde der Regierungssitz später nach der Insel Matupi verlegt, die ihre Entstehung nur vulkanischen Ausbrüchen eines Kraters in der Weißen Bai, am Westende von Birara, verdankt. Hier wurden aber wiederholte Erderschütterungen recht lästig, und deshalb siedelte man nach dem Eilande Kerawara, im Nordwesten von Kioko, über.
Die Reise ging durch den Sankt Georgskanal, doch nur ziemlich langsam zufolge widriger Winde auf dieser Wasserfläche, wo man Tiefen bis viertausend Fuß mit der Sonde nachgewiesen hat. Der Kanal oder die Straße wird von den Inseln Tombara und Birara gebildet, deren äußerste Vorsprünge sich im Südosten und Nordosten beträchtlich nähern.
Zu ihrem Bedauern konnte hier weder Hawkins noch Nat Gibson einmal ans Land gehen, und gerade Birara ist eines Besuches wohl wert. Umrahmt von einem Amphitheater vulkanischer Gipfel - wie der »Mutter«, der »Tochter des Nordens« und der »Tochter des Südens« - ist diese Insel die größte der Gruppe, daneben auch die bergigste und waldreichste mit einem ungeheueren Bestande an
Kokospalmen. Ethnologische Seltenheiten verleihen ihr noch ein besonderes Interesse. Wo in aller Welt fände man noch eine Insel, wo ein Schwiegersohn kein Wort an seine Schwiegermutter zu richten wagt und er sich sogar versteckt, wenn er dieser begegnet, wo die Zehen der Bewohner angeblich durch häutige Brücken verbunden sind, eine Insel, von der die Sage geht, daß die Menschen daselbst noch mit einem Schwanzanhängsel ausgestattet sein sollen!
Ging die Brigg hier aber auch nicht ans Land, so segelte sie doch im Sankt Georgskanal längs der Küste hin, um nach der Insel York oder Neulauenburg zu kommen.
Den Namen York hatte diese 1707 von Carteret an Stelle ihres melanesischen Namens Amakata erhalten. In späterer Zeit wurde die Insel mehrmals besucht, so 1791 von Hunter und 1792 von Entrecasteaux und ferner 1823 von Duperrey, die ihre geographische Lage zwischen 152 Grad 2 Minuten und 152 Grad 7 Minuten östlicher Länge (von Greenwich) und 4 Grad 5 Minuten bis 4 Grad 10 Minuten südlicher Breite bestimmten.