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Highway ins Dunkel. Stories

Электронная книга - «Highway ins Dunkel. Stories». Краткое содержание книги:

Ebenso wie seine Romane bürgen auch die Kurzgeschichten des Meisters hautnahen Horrors für Schreckensqualitäten vom Feinsten. Namenlose Kreaturen, mörderische Ratten, mysteriöse Erscheinungen halten Einzug in die geheimsten Winkel unseres Nervensystems ...
Das Buch
Dean Koontz gilt als Meister hautnahen Horrors, und er versäumt es auch in seinen schaudererregenden Kurzgeschichten nicht, den Leser in eine eiskalte Welt puren Entsetzens zu entführen.
Namenlose Kreaturen, die einem notorischen Dieb das Fürchten lehren, mörderische Ratten, entkommen aus einem Versuchslabor, und Wesen aus anderen Welten erschüttern unser Vertrauen in das Erdendasein nachhaltig ...
Der Autor
Dean Koontz, 1946 in Bedford/Pennsylvania geboren, besuchte das Shippensburg State College und nahm 1966 eine Lehrerstelle in Appalachia an. Wenig später heiratete er und veröffentlichte seinen ersten Roman und einige Kurzgeschichten. 1976 zog er mit seiner Familie nach Orange County/Kalifornien. In mehr als 20 Jahren schrieb Koontz 55 Bücher, die in einer Weltauflage von 60 Millionen Exemplaren in 18 Ländern verbreitet ist.
Titel der Originalausgabe STRANGE HIGHWAYS STORY COLLECTION
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Tommy holte tief Luft. Er wußte genau, welche Folgen Widerstand haben würde, und er versuchte, sich dagegen zu wappnen. »Die Sachen gehören mir.«

Frank tat erstaunt. »Ist mein kleiner Bruder etwa ein gieriger Vielfraß, der nicht weiß, daß man teilen muß?«

»Gib mir meine Coke und die Kekse zurück!«

Frank grinste bösartig. »Du lieber Himmel, Brüderchen, mir scheint, ich muß dir eine Lektion erteilen. Gierige kleine Vielfraße müssen auf den Weg der Erkenntnis geführt werden.«

Tommy hätte am liebsten nachgegeben und Frank widerstandslos gewinnen lassen. Er hätte sich in der Küche eine neue Dose Coke und neue Kekse holen können. Aber er wußte, daß sein ohnehin schon unerträgliches Leben noch schlimmer werden würde, wenn er nicht einen - wenngleich völlig vergeblichen - Versuch machte, sich gegen diesen Fremden zu wehren, der angeblich sein Bruder war. Totale freiwillige Kapitulation würde Frank nur reizen und dazu ermutigen, sich als noch schlimmerer Tyrann zu gebärden, als er ohnehin schon einer war.

»Ich will meine Sachen wiederhaben«, beharrte Tommy deshalb.

Frank stürzte sich auf ihn. Sie fielen auf den Boden, rollten umher, schlugen mit den Fäusten aufeinander ein und traten mit den Füßen, machten bei all dem aber sehr wenig Lärm, weil sie nicht wollten, daß ihre Eltern etwas von dem Kampf bemerkten. Tommy wußte nämlich, daß sie ihm unweigerlich die Schuld am Streit geben würden. Der sportliche, braungebrannte Frank war ihr Liebling, das Kind ihrer Träume, das nichts falsch machen konnte. Und Frank wollte die Rauferei geheimhalten, weil sein Vater notgedrungen eingreifen und sie beenden würde, Frank sich den Spaß aber nicht verderben lassen wollte.

Während des Kampfes konnte Tommy manchmal flüchtig die brennende Kürbislaterne sehen, die auf sie herabblickte, und er war ganz sicher, daß sie immer breiter grinste.

Schließlich waren Tommys Kräfte erschöpft, und er mußte sich, in eine Ecke gedrängt, geschlagen geben. Frank thronte rittlings auf ihm, versetzte ihm eine schallende Ohrfeige und begann ihm dann die Kleider vom Leibe zu zerren.

»Nein!« flüsterte Tommy, als er begriff, daß er nun auch noch gedemütigt werden sollte. »Nein, nein!«

Er wehrte sich mit den letzten Kraftreserven, aber sein Hemd wurde ihm entrissen, und seine Jeans und die Unterhose wurden bis zu den Turnschuhen heruntergezogen. Dann stellte Frank ihn auf die Beine, schleppte ihn durchs Zimmer, öffnete die Tür, stieß ihn auf den Flur hinaus und rief laut: »Maria! Maria, könntest du bitte schnell herkommen?«

Maria kam zweimal wöchentlich zum Putzen und Bügeln ins Haus, und dies war einer ihrer Tage.

»Maria!«

Entsetzt über die Vorstellung, daß die Putzfrau ihn nackt sehen könnte, daß ihm auch noch diese Demütigung nicht erspart bleiben würde, rappelte Tommy sich auf, versuchte, beim Wegrennen seine Hose hochzuziehen, stolperte, fiel hin und kam wieder auf die Beine.

»Maria, könntest du bitte herkommen?« rief Frank wieder. Er brachte die Wörter nur mühsam hervor, weil er sich vor Lachen schüttelte.

Keuchend und wimmernd erreichte Tommy irgendwie sein Zimmer, bevor Maria auftauchte. Eine Zeitlang lehnte er dann zitternd an der geschlossenen Tür und hielt seine Jeans mit beiden Händen fest.

Weil ihre Eltern bei einer Wahlveranstaltung waren, machten sich Tommy und Frank zum Abendessen eine Mahlzeit warm, die Maria vorbereitet und in den Kühlschrank gestellt hatte.

Normalerweise war es eine Qual, in Franks Gesellschaft zu essen, aber diesmal passierte nichts Unangenehmes, weil Frank in ein Magazin vertieft war, das über die neuesten Horrorfilme berichtete; besonders ausführlich über die brutalsten und grausigsten, veranschaulicht durch jede Menge Farbfotos von verstümmelten, blutüberströmten Leichen. Darüber schien Frank alles andere völlig vergessen zu haben.

Später, als Frank sich vor dem Zubettgehen im Bad aufhielt, schlich Tommy in das Zimmer seines älteren Bruders, näherte sich herzklopfend dem Schreibtisch und betrachtete die Laterne. Der bösartige grinsende Mund glühte. Die Augenschlitze leuchteten lebendig.

Rosenduft erfüllte den ganzen Raum, aber daneben war ein anderer schwacher Geruch wahrnehmbar, den Tommy nicht identifizieren konnte, der aber unangenehm war.

Er spürte deutlich die Präsenz von etwas Bösem - in noch viel stärkerem Ausmaß, als dies in Franks Zimmer immer der Fall war. Ihn überlief ein eisiger Schauder, und er hatte das Gefühl, als würde sein Blut in den Adern gefrieren.

Plötzlich war er davon überzeugt, daß die potentielle mörderische Kraft des schwarzen Kürbisses durch die Kerze im Innern verstärkt wurde. Dieses Licht war auf irgendeine Weise gefährlich, ein auslösender Faktor. Tommy hätte nicht sagen können, woher er das wußte, aber er war ganz sicher, daß er die Flamme löschen mußte, wenn er auch nur die geringste Überlebungschance haben wollte.

Er packte den knorrigen Stengel und hob die Schädeldecke des unheimlichen Kürbiskopfes ab.

Aus dem Innern schien das Licht ihm geradezu entgegengeschleudert zu werden; er spürte die Hitze auf seinem Gesicht, und seine Augen brannten.

Er blies die Flamme aus.

Die Laterne wurde dunkel.

Sofort fühlte Tommy sich besser.

Er legte den Deckel auf. Als er den Stengel losließ, entzündete sich die Kerzenflamme von allein.

Erschrocken sprang er zurück. Durch die Öffnungen von Augen, Mund und Nase fiel helles Licht.

»Nein!« flüsterte er.

Er trat wieder näher heran, öffnete die Laterne und blies die Kerze erneut aus.

Einen Moment lang blieb der Kürbis dunkel. Dann flackerte die Flamme vor seinen Augen wieder auf.

Es kostete Tommy große Überwindung, in die Laterne zu greifen, um die widerspenstige Flamme zwischen Daumen und Zeigefinger zu ersticken, und unwillkürlich entrang sich seiner Kehle ein leises Wimmern. Er war überzeugt davon, daß die Kürbisschale sich plötzlich um sein Handgelenk schließen und die Hand abtrennen könne, so daß aus dem Armstumpf das Blut hervorschösse. Oder aber ihm würde im Innern des Kürbisses das Fleisch von den Fingern gefressen, und wenn die Schale ihn dann wieder freiließe, würde eine skelettartige Hand an seinem Arm hängen. Durch solche Ängste an den Rand der Hysterie getrieben, packte er den Docht und löschte die Flamme. Dann zog er seine Hand blitzschnell zurück und atmete tief aus, grenzenlos erleichtert, der Verstümmelung entgangen zu sein.

Er legte hastig den Deckel auf und eilte aus dem Zimmer, weil er gehört hatte, daß im Bad die Toilettenspülung betätigt wurde. Frank durfte ihn hier nicht erwischen. Vom Flur aus warf er einen Blick zurück, und natürlich war die Laterne wieder von Kerzenlicht erhellt.

Geradewegs lief er in die Küche und holte ein Fleischermesser aus der Schublade, das er in sein Zimmer mitnahm und unter seinem Kopfkissen versteckte. Er war sicher, daß er es irgendwann in den totenstillen Stunden vor der Morgendämmerung benötigen würde.

Seine Eltern kamen kurz vor Mitternacht nach Hause.

Tommy saß im Bett. Sein Zimmer wurde von der Nachttischlampe nur schwach beleuchtet. Das Fleischermesser lag neben ihm unter der Decke, und seine Hand ruhte auf dem Griff.

Zwanzig Minuten lang hörte Tommy seine Eltern reden; Türen wurden geöffnet und geschlossen, Wasser rauschte, man betätigte die Toilettenspülung. Ihr Schlafzimmer und Bad befanden sich am anderen Ende das Hauses, und deshalb waren die Geräusche nur sehr gedämpft, aber sie wirkten trotzdem beruhigend auf Tommy. Es waren die normalen Geräusche des Alltagslebens, und solange das Haus von ihnen erfüllt war, konnte bestimmt kein übernatürliches, laternenäugiges Wesen auf Beutezug gehen. Bald trat jedoch Ruhe ein. In der mitternächtlichen Stille wartete Tommy auf den ersten Schrei.

Er hatte sich fest vorgenommen, nicht einzuschlafen. Aber er war erst zwölf Jahre alt und hatte einen langen, anstrengenden Tag hinter sich. Ausgelaugt hatte ihn vor allem die ständige Angst seit jenem Augenblick, da er den Kürbisschnitzer mit dem Mumiengesicht erblickt hatte. Mehrere Kissen im Rücken, döste er lange vor ein Uhr halb im Sitzen ein ...

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