Highway ins Dunkel. Stories
- Автор: Кунц Дин Рэй
- Год: 1997
- Язык: немецкий
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «Highway ins Dunkel. Stories». Краткое содержание книги:
Das Buch
Dean Koontz gilt als Meister hautnahen Horrors, und er versäumt es auch in seinen schaudererregenden Kurzgeschichten nicht, den Leser in eine eiskalte Welt puren Entsetzens zu entführen.
Namenlose Kreaturen, die einem notorischen Dieb das Fürchten lehren, mörderische Ratten, entkommen aus einem Versuchslabor, und Wesen aus anderen Welten erschüttern unser Vertrauen in das Erdendasein nachhaltig ...
Der Autor
Dean Koontz, 1946 in Bedford/Pennsylvania geboren, besuchte das Shippensburg State College und nahm 1966 eine Lehrerstelle in Appalachia an. Wenig später heiratete er und veröffentlichte seinen ersten Roman und einige Kurzgeschichten. 1976 zog er mit seiner Familie nach Orange County/Kalifornien. In mehr als 20 Jahren schrieb Koontz 55 Bücher, die in einer Weltauflage von 60 Millionen Exemplaren in 18 Ländern verbreitet ist.
Titel der Originalausgabe STRANGE HIGHWAYS STORY COLLECTION
Franks Entscheidung für diesen Kürbis war nicht verwunderlich. Seine Lieblingsfilme waren Blutgericht in Texas und alle Folgen von Freitag, der 13. über den verrückten Massenmörder Jason. Wenn Tommy und Frank ein Video dieser Art anschauten, stand Tommy immer auf Seite der Opfer, während Frank sich für den Killer begeisterte. Bei Poltergeist war Frank maßlos enttäuscht gewesen, daß die ganze Familie überlebte; er hatte bis zuletzt gehofft, daß ein Monster den kleinen Jungen im Wandschrank verschlingen und die abgenagten Knochen wie Melonenkerne ausspucken würde. »Verdammt«, hatte Frank gemurrt, »sie hätten doch wenigstens dem blöden Köter den Bauch aufschlitzen und das Gedärm rausreißen können!«
Jetzt hielt Frank den schwarzen Kürbis hoch und betrachtete grinsend die bösartige Fratze. Er spähte in die Pupillenschlitze, so als wären es richtige Augen, so als könnte man in ihnen lesen - und einen Moment lang schien er von dem starren Blick des Kürbisses hypnotisiert zu sein.
Leg ihn hin, dachte Tommy eindringlich. Um Himmels willen, Frank, leg ihn hin und laß uns schnell von hier verschwinden.
Der Alte beobachtete Frank scharf, schweigend, wie ein Raubvogel, bevor er auf seine Beute herabschießt.
Die Wolken wanderten, verdeckten die Sonne.
Tommy schauderte.
Frank löste endlich seinen Blick von den Augen der Laterne, wandte sich dem Schnitzer zu und fragte: »Ich kann Ihnen geben, wieviel ich will?«
»Du bekommst, was du gibst.«
»Aber ich bekomme die Laterne, ganz egal, was ich Ihnen gebe?«
»Ja, aber du bekommst, was du gibst«, wiederholte der alte Mann rätselhaft.
Frank legte den schwarzen Kürbis beiseite und kramte einige Münzen aus seiner Tasche hervor. Grinsend hielt er dem Alten ein Fünfcentstück hin.
Der Schnitzer wollte nach der Münze greifen. »Nein!« rief Tommy. Frank und der Alte sahen ihn an.
»Nein, Frank«, sagte Tommy, »dieses Ding ist böse. Kauf es nicht. Bring es nicht ins Haus, Frank.«
Einen Augenblick lang starrte Frank ihn erstaunt an, dann lachte er los. »Du bist schon immer ein Feigling gewesen, aber soll das heißen, daß du jetzt sogar vor einem Kürbis Angst hast?«
»Dieses Ding ist böse!« beharrte Tommy.
»Angst vor der Dunkelheit, Angst vor nächtlichen Monstern in deinem Kleiderschrank, Höhenangst, Angst vor den meisten Kindern, die du kennenlernst - und jetzt auch noch Angst vor einem verdammten Kürbis!« Frank lachte wieder, und in diesem Lachen schwang neben Belustigung viel Verachtung und Widerwillen mit.
Der Schnitzer stimmte in Franks Gelächter ein, aber sein trockenes, meckerndes Lachen hörte sich nicht im geringsten belustigt an.
Tommy wurde von einer kalten Furcht erfaßt, die ihm selbst unerklärlich war, und er fragte sich, ob er wirklich nur ein armseliger Feigling sei, der Angst vor seinem eigenen Schatten hatte. Vielleicht war er sogar nicht ganz normal. Der Schulpsychologe sagte, er sei >viel zu sensibelc. Seine Mutter sagte, er habe >zuviel Fantasiec, und sein Vater sagte, er sei >unpraktisch<, ein Träumer, viel zu introvertiert. Vielleicht war er all das, und vielleicht würde er eines Tages in einer Anstalt landen, in einer Gummizelle, wo er sich mit imaginären Personen unterhalten und Fliegen essen würde. Aber, verdammt noch mal, er wußte, daß der schwarze Kürbis böse war.
»Hier, Opa«, sagte Frank. »Hier sind fünf Cent. Verkaufen Sie ihn mir wirklich dafür?«
»Meine Arbeit kannst du mit den fünf Cent abgelten, aber für den Kürbis mußt du vorne den üblichen Preis bezahlen.«
»Abgemacht.«
Der Alte nahm Frank die Münze aus der Hand.
Ein kalter Schauder überlief Tommy.
Frank wandte sich von dem alten Mann ab und hob seinen Kürbis wieder auf.
In diesem Augenblick brach die Sonne durch die Wolken, und ein breiter Lichtstrahl fiel auch in diese Ecke des Geländes. Doch nur Tommy sah, was nun geschah. Die Sonne brachte das Orange der Kürbisse zum Leuchten, verlieh dem staubigen Boden einen goldenen Schimmer, funkelte auf dem Metallgestell des Stuhles - aber ihr Schein traf nicht den Alten. Das Licht teilte sich um ihn herum wie ein Vorhang und beließ ihn im Schatten. Es war ein unglaublicher Anblick, so als miede ihn die Sonne, so als bestünde er aus einem unirdischen Stoff, der das Licht abstieß. Tommy schnappte entsetzt nach Luft, und der Alte durchbohrte ihn mit einem scharfen Blick, wobei die bernsteinfarbenen Augen düster und bedrohlich glommen und Schmerzen und Grauen verhießen. Darm verhüllten Wolken plötzlich wieder die Sonne.
Der alte Mann blinzelte.
Wir sind so gut wie tot, dachte Tommy angsterfüllt.
Frank sah den Schnitzer verschlagen an, so als rechnete er damit, daß dieser sich nur einen Scherz mit ihm erlaubt hatte. »Ich kann die Laterne wirklich mitnehmen?«
»Das habe ich doch schon gesagt«, erwiderte der Alte.
»Wie lange haben Sie an dem Ding gearbeitet?« wollte Frank wissen.
»Etwa eine Stunde.«
»Und Sie geben sich mit einem Stundenlohn von fünf Cent zufrieden?«
»Ich arbeite, weil es mir Freude macht.« Er zwinkerte Tommy erneut zu.
»Sind Sie vielleicht senil?« fragte Frank in seiner üblichen charmanten Art.
»Vielleicht, vielleicht.«
Frank starrte den alten Mann einen Moment lang an, und vielleicht wurde nun auch ihm etwas unheimlich zumute, aber schließlich wandte er sich achselzuckend ab und schlenderte mit seiner Laterne nach vorne, wo sein Vater gerade zwanzig Kürbisse für die große Party am nächsten Abend kaufte.
Tommy wollte seinem Bruder nachrennen, wollte Frank bitten, den schwarzen Kürbis zurückzubringen und sich die fünf Cent wieder geben zu lassen.
»Hör zu«, sagte der Schnitzer eindringlich und beugte sich erneut vor.
Der alte Mann war so mager und kantig, daß Tommy fast glaubte, die morschen Knochen unter der unzulänglichen Polsterung des ausgedörrten Körpers knirschen zu hören.
»Hör mir gut zu, Junge .«
Nein, dachte Tommy. Nein, ich werde nicht zuhören. Ich werde wegrennen. Wegrennen.
Doch der alte Mann übte eine solche Macht über ihn aus, daß er sich nicht von der Stelle rühren konnte, daß er das Gefühl hatte, hier angewurzelt zu sein.
Die bernsteinfarbenen Augen wurden dunkler. »Nachts wird sich die Laterne deines Bruders in etwas ganz anderes verwandeln. Ihre Kiefer werden mahlen. Ihre Zähne werden messerscharf sein. Wenn alle schlafen, wird diese Kreatur durch euer Haus schleichen . und jedem geben, was er verdient. Zuletzt wird sie auch zu dir kommen. Was glaubst du wohl, was du verdienst, Tommy? Du siehst, ich weiß, wie du heißt, obwohl dein Bruder deinen Namen nicht erwähnt hat. Was meinst du, was der schwarze Kürbis mit dir machen wird, Tommy? Hmmm? Was hast du verdient?«
»Was sind Sie?« stammelte Tommy.
Der Alte lächelte. »Gefährlich.«
Plötzlich rissen sich Tommys Füße von der Erde los, und er rannte davon.