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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Natürlich hat sich Roger genau diesen Moment ausgesucht, um mit den neuen Pächtern aufzutauchen«, sagte ich und unterdrückte den Reiz, bei dieser Erinnerung unpassend aufzulachen. »Die armen Teufel. Es wurde schon dunkel, und da standen sie nun im Wald mit ihren Bündeln und ihren Kindern und haben dieser – verflixten Feuersbrunst zugesehen, und wir sind barfuß herumgetanzt, die Hemden hochgeknotet und voller Ruß, und haben gekreischt wie die Affen.«

Jamie hielt sich eine Hand vor die Augen und malte sich die Szene aus. Seine Brust schüttelte sich kurz, und unter der Hand breitete sich ein Grinsen aus.

»O Gott. Sie müssen ja geglaubt haben, dass Roger Mac sie geradewegs in die Hölle geführt hat. Oder zumindest zu einem Hexensabbat.«

Eine Blase aus schuldbewusstem Gelächter stieg krampfhaft unter meinen Rippen auf.

»So war es. O Jamie – der Ausdruck in ihren Gesichtern!« Ich konnte nicht mehr an mich halten und vergrub mein Gesicht an seiner Brust. Wir schüttelten uns beide und lachten einen Moment beinahe geräuschlos.

»Ich habe versucht, sie willkommen zu heißen«, sagte ich und prustete schwach. »Wir haben ihnen etwas zu essen gegeben und sie für die Nacht untergebracht – so viele wie möglich im Haus, und den Rest haben wir auf Briannas Hütte, den Stall und die Scheune aufgeteilt. Aber mitten in der Nacht bin ich noch einmal nach unten gegangen – nach der Aufregung konnte ich nicht schlafen – und habe ein Dutzend von ihnen betend in der Küche gefunden.«

Sie hatten am Herd im Kreis gestanden, Hand in Hand und die Köpfe ehrfürchtig gesenkt. Bei meinem Erscheinen waren sämtliche Köpfe in die Höhe gefahren, und ihre Augen hatten weiß in den schmalen, ausgemergelten Gesichtern geschimmert. Sie hatten mich totenstill angestarrt, und eine der Frauen hatte ihren Nebenmann losgelassen, um ihre Hand unter ihrer Schürze zu verstecken. In einer anderen Zeit, an einem anderen Ort hätte ich gedacht, dass sie nach einer Waffe griff – und vielleicht war es ja auch so; ich war mir sicher, dass sie im Schutz des zerschlissenen Stoffs das Hornzeichen machte.

Ich hatte bereits herausgefunden, dass nur wenige von ihnen Englisch sprachen. Ich fragte in meinem stockenden Gälisch, ob sie irgendetwas brauchten? Sie starrten mich an, als hätte ich zwei Köpfe, dann hatte einer der Männer, eine verschrumpelte Kreatur mit einem dünnen Mund, den Kopf einen knappen Zentimeter geschüttelt.

»Dann haben sie sich einfach wieder ihrem Gebet zugewandt, und ich konnte ins Bett zurückschleichen.«

»Du bist im Hemd nach unten gegangen?«

»Nun … ja. Ich hatte nicht erwartet, dass um diese Uhrzeit jemand auf war.«

»Mmpfm.« Seine Fingerknöchel streiften meine Brust, und ich wusste genau, was er dachte. Mein Sommernachthemd war aus dünnem Musselin, und ja, na schön, verdammt, wahrscheinlich war es bei Tageslicht etwas durchsichtig, aber die Küche war nur von der roten Glut des fast erloschenen Herdfeuers erhellt gewesen.

»Ich gehe nicht davon aus, dass du mit einer anständigen Nachthaube nach unten gegangen bist, Sassenach?«, fragte Jamie und fuhr nachdenklich mit der Hand durch mein Haar. Ich hatte es gelöst, um mit ihm zu Bett zu gehen, und es schlängelte sich munter in alle Richtungen, à la Medusa.

»Natürlich nicht. Aber ich hatte es geflochten«, protestierte ich. »Absolut respektabel!«

»Oh, absolut«, pflichtete er mir grinsend bei, schob seine Finger in die wilde Masse meines Haars, umschloss meinen Kopf mit den Händen und küsste mich. Seine Lippen waren rissig vom Wind und der Sonne, aber angenehm weich. Er hatte sich seit seinem Aufbruch nicht rasiert, und sein Bart war kurz und gelockt und gab unter meinen Fingern nach wie Sprungfedern.

»Na schön. Sie sind inzwischen untergebracht, nehme ich an? Die Pächter?« Seine Lippen hauchten über meine Wange und knabberten sanft an meinem Ohr. Ich holte tief Luft.

»Ah. Oh. Ja. Arch Bug hat sie heute Morgen mitgenommen; er hat sie bei verschiedenen Familien in ganz Fraser’s Ridge untergebracht, und sie haben sich gleich ans Werk gemacht und …« Mein Gedankengang geriet vorübergehend auf Abwege, und ich krallte meine Finger reflexiv in seinen Brustmuskel.

»Und du hast Murdo gesagt, dass ich das natürlich in Ordnung bringe. Das mit der Gerste?«

»Ja, natürlich.« Meine umherschweifende Aufmerksamkeit fasste kurz Fuß, und ich lachte. »Er hat mich lediglich angestarrt und dann völlig verdattert genickt und gesagt: ›Oh, natürlich, ganz wie es Ehrwürden wünscht.‹ Ich glaube, ihm war nicht einmal da klar, warum ich sein Feld niedergebrannt hatte; womöglich hat er einfach gedacht, ich hätte plötzlich Lust gehabt, seine Gerste in Brand zu stecken.«

Jamie lachte ebenfalls – ein höchst verunsicherndes Gefühl, weil er seine Zähne in mein Ohrläppchen gebohrt hatte.

»Um«, sagte ich schwach. Ich spürte, wie mich sein roter Bart am Hals kitzelte, und die Haut unter meiner Handfläche war warm und glatt. »Die Indianer. Wie bist du mit den Cherokee zurechtgekommen?«

»Gut.«

Er bewegte sich plötzlich und wälzte sich auf mich. Er war sehr kräftig und sehr warm, und er roch nach Verlangen, stark und scharf. Die Laubschatten wanderten über sein Gesicht und seine Schultern und sprenkelten das Bett und die weiße Haut meiner weit geöffneten Oberschenkel.

»Ich hab dich so gern, Sassenach«, murmelte er in mein Ohr. »Ich kann es mir genau vorstellen, du, halbnackt in deinem Hemd, und deine Locken fallen dir lose auf die Brust … ich liebe dich. Ich bete –«

»Wie war das mit der Ruhepause und dem Essen?«

Seine Hände schoben sich unter meinen Rücken, umfassten meine Pobacken und drückten zu, und ich spürte seinen Atem sanft und heiß auf meinem Hals.

»Ich muss meinen –«

»Aber –«

»Auf der Stelle, Sassenach.« Er richtete sich abrupt auf und kniete sich vor mir auf das Bett. Ein schwaches Lächeln überzog sein Gesicht, doch sein Blick war dunkelblau und gebannt. Er nahm seine Hoden in die Hand, und sein Daumen bewegte sich langsam und überlegt an seinem drängenden Glied auf und ab.

»Auf die Knie, a nighean«, sagte er leise. »Und zwar sofort.«

Kapitel 17

Die Grenzen der Macht

Von James Fraser, Esq., Fraser’s Ridge

An Lord John Grey auf der Mount Josiah Plantage

14. August 1773

Mylord,

ich schreibe, um Dich von meinem neuen Amt in Kenntnis zu setzen, nämlich dem des Königlichen Indianeragenten, benannt durch das Südliche Department unter John Stuart.

Ursprünglich war ich mir nicht im Klaren, ob ich dieses Amt annehmen sollte, doch wurden meine Ansichten eindeutiger, nachdem mir Mr. Richard Brown, ein entfernter Nachbar, und sein Bruder einen Besuch abstatteten. Ich nehme an, Mr. Higgins wird Dir bereits von ihrem sogenannten Komitee für die Sicherheit berichtet haben, das sofort zur Tat schritt und ihn festnehmen wollte.

Sind Dir in Virginia auch derartige Ad-hoc-Zusammenschlüsse bekannt? Die Situation ist dort vielleicht nicht ganz so unruhig wie hier oder in Boston, wo Mr. Higgins ebenfalls von ihrer Existenz berichtet. Jedenfalls hoffe ich, dass sie es nicht ist.

Ich bin der Meinung, dass jeder vernünftige Mensch diese Komitees aus Prinzip missbilligen muss. Ihre erklärte Absicht ist es, Schutz vor Vagabunden und Banditen zu gewähren und in Gegenden, wo kein Sheriff oder Constabler greifbar ist, Kriminelle zu verhaften. Doch da ihr Verhalten keinem Gesetz außer dem Eigennutz gehorcht, gibt es eindeutig nichts, was verhindern könnte, dass eine solche irreguläre Miliz zu einer größeren Bedrohung für die Bürger wird als die Gefahren, vor denen sie sie angeblich schützen will.

Doch ihr Reiz ist unübersehbar, vor allem in einem Fall, wie wir ihn hier durch unsere abgelegene Lage haben. Das nächste Gerichtshaus ist – oder war – drei Tagesritte entfernt, und in der ständigen Unruhe nach dem Regulatorenaufstand hat sich selbst dieser wenig zufriedenstellende Zustand noch verschlechtert. Der Gouverneur und sein Rat befinden sich in ständigem Konflikt mit der Versammlung, das Berufungsgericht existiert so gut wie nicht mehr, es werden keine Richter mehr eingesetzt, und es gibt gegenwärtig keinen Sheriff in Surry County, nachdem der letzte Inhaber dieses Amtes selbiges niederlegte, als man ihm drohte, sein Haus in Brand zu stecken.

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