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Электронная книга - «Der Findling». Краткое содержание книги:

Als ein umherziehender Schausteller in Irland seine beweglichen Puppen vorführt, kommt man schnell seinem Geheimnis auf die Spur: In einem winzigen Kasten muß ein Junge diese Figuren bedienen. Er kommt so zu einer wahren Hexe in die Obhut, in die Armenschule, dann zu einer reichen Schauspielerin, aber nirgends wird dem Findling eine echte Heimat geboten. So schlägt er sich wieder allein durchs Leben und beweist dabei bald seinen unternehmerischen Geist. Ein unaufhaltsamer Aufstieg aus dem Elend beginnt für ihn, bei dem ihm aber nichts geschenkt wird.
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Infolge dieses Gespräches sah man Findling wenige Tage darauf ein wohlvorgerichtetes Feld recht geschickt mit Hafer besäen, was ihm manchen Lobspruch Martin Mac Carthy's einbrachte.

Als dann die zarten Keime hervorsproßten, war er vom frühesten Morgen an zur Stelle, seine zukünftige Ernte gegen die diebischen Krähen zu vertheidigen, indem er diese mit Steinwürfen verjagte. Es sei auch nicht unerwähnt gelassen, daß er am Tage der Geburt Jennys mitten im Gutshofe eine kleine Tanne gepflanzt hatte, in der Hoffnung, beide, Bäumchen und Säugling, fröhlich aufwachsen zu sehen. Auch diese noch zarte Pflanze mußte er sorgsam gegen die Vögel schützen. Jedenfalls sollten Findling und die schädlichen Thiere nie gute Freunde werden.

Im Sommer 1880 gab es auf den Fluren Westirlands überall recht harte Arbeit. Die Witterungsverhältnisse erwiesen sich für den Ertrag des Bodens höchst ungünstig. In den meisten Grafschaften blieb die Ernte hinter der des Vorjahrs weit zurück. Eine Hungersnoth war aber vollkommen ausgeschlossen, denn wenigstens versprachen die Kartoffelfelder einen reichen, wenn auch etwas verspäteten Ertrag, und damit mußten sich die Leute wohl zufrieden geben, denn Korn, Weizen, Gerste und Hafer erntete man kaum zur Deckung des Bedarfs im eignen Lande. Das schnellte zwar die Getreidepreise in die Höhe, die Pächter zogen davon aber keinen Vortheil, da sie nichts zu verkaufen hatten und kaum den Samen für das nächste Jahr übrig behielten. Selbst die, die früher einen Sparpfennig zurücklegen konnten, sahen diesen für die Staatsabgaben allein hinschwinden, und dann blieb wieder nichts übrig, um den schwerlastenden Pachtzins zu decken.

Die nationale Bewegung erhielt hierdurch fast überall einen neuen Anstoß, wie das stets der Fall war und ist, wenn sich eine Wolke des Unglücks über das irische Land senkte. An vielen Orten erhob man schwere Klage und lebten die Hetzereien der agrarischen Liga wieder auf. Gegen die Besitzer des Bodens wurden maßlose Drohungen laut, ob diese nun Fremde waren oder nicht, denn bekanntlich werden in Irland die englischen und schottischen Landlords als Fremdlinge betrachtet.

Im Juni dieses Jahres riefen die schon Hungernden in Westpoint: »Laßt Euch nicht von Euern Farmen vertreiben!« und die durch das Land gehende Parole lautete: »Den Grund und Boden für die Bauern!«

In den Gebieten von Donegal, Sligo und Galway kam es zu wirklichen Unruhen. Auch Kerry blieb davon nicht frei. Voller Angst sahen die Großmutter. Martine und Kitty Murdock mit Einbruch der Nacht gar zu oft die Farm verlassen, wo er dann erst, abgespannt von den Strapazen des Wegs, am frühen Morgen wieder erschien. Düstrer und verbitterter als vorher kam er von den in den Hauptorten veranstalteten Meetings zurück, wo man den hellen Aufruhr predigte, eine Erhebung gegen die Landlords und den allgemeinen Boycott empfahl, der die Besitzer zwingen würde, ihr Land brach liegen zu lassen.

Am meisten steigerte die Furcht der Familie wegen Murdocks der Umstand, daß der zu den strengsten Maßregeln entschlossene Lordlieutenant der Insel die Nationalisten durch seine Polizeiorgane aufs schärfste überwachen ließ.

Stimmten Martin und Sim auch mit den Anschauungen Murdocks überein, so äußerten sie doch kein Wort, wenn dieser nach längerem Ausbleiben heimkehrte. Die Frauen dagegen flehten ihn an, vorsichtig zu sein und sich in Thaten und Worten in Acht zu nehmen. Sie versuchten ihm das Versprechen abzunöthigen, daß er sich einem Aufstand für Home rule, der doch nur Unheil bringen könne, nie anschließen werde.

Das reizte Murdock, der seinem Ingrimm nun laut Luft machte. Er sprach und gesticulierte, als ob er sich in einer Volksversammlung befände.

»Nichts als Elend, nach einem Leben voller Arbeit nichts als Elend!« wiederholte er.

Und während Martine und Kitty davor zitterten, daß er gehört werden könnte, wenn draußen gerade ein Polizist umherschlich, senkten die danebensitzenden Martin und Sim nur schweigend den Kopf auf die Brust.

Findling war tief ergriffen Zeuge dieser peinlichen Auftritte. Erschien es ihm dabei zuweilen doch, als sei er nach so vielen früheren Prüfungen auch in der Farm von Kerwan noch nicht ans Ende seiner Leiden gekommen und als sollte ihm die Zukunft noch schlimmere bringen.

Er zählte jetzt achteinhalb Jahre. Für sein Alter recht kräftig und den gewöhnlichen Kinderkrankheiten glücklich entgangen, hatten weder Trübsal und Leiden, noch schlechte Behandlung und mangelnde Pflege seinen Organismus zu erschüttern vermocht. Findling war »bis zum Maximum der

Widerstandsfähigkeit geprüft worden« und zeigte eine erstaunliche physische und moralische Festigkeit. Das erkannte man an den gut entwickelten Schultern, der schon recht breiten Brust und seinen zwar schlanken, doch nervigen und muskulösen Gliedern. Sein Haar färbte sich dunkler und er trug es schlicht, statt der Locken, die ihm Miß Anna Walston hatte brennen lassen. Seine tiefblauen, glänzenden Augen verriethen eine außerordentliche Lebhaftigkeit, der leichtgeschlossene Mund und das etwas kräftige Kinn die Energie und Entschiedenheit seines Charakters. Alles das hatte die Aufmerksamkeit der Farmerfamilie wachgerufen. Diese ernsten und nachdenklichen Landleute Irlands sind meist recht gute Beobachter. Auch den Bewohnern der Farm von Kerwan hatte es nicht entgehen können, wie dieser Knabe sich durch seinen Sinn für Ordnung und durch regen Fleiß auszeichnete und daß er sich bestimmt emporarbeiten würde, wenn er nur Gelegenheit fand, seine natürlichen Anlagen zu bethätigen.

Die Zeit der Heu- und Getreideernte war durch die Witterung weit weniger begünstigt, als im vorigen Jahre. Der Minderertrag an Körnerfrüchten erwies sich so bedeutend, wie man gefürchtet hatte, so daß heuer keine fremden Arbeitskräfte hinzugezogen zu werden brauchten. Dagegen war die Kartoffelernte gut und damit die Ernährung während der schlechten Jahreszeit gesichert. Woher freilich das Geld kommen sollte, um Pacht und Abgaben zu bezahlen, das wußte niemand.

Der Winter trat frühzeitig ein, schon im September gab es den ersten Frost, dem bald ergiebiger Schneefall folgte. Die Thiere mußten eher als sonst in den Ställen untergebracht werden, denn die weiße Decke war so tief und fest, daß weder Schafe noch Ziegen ein Hälmchen darunter hätten erlangen können. Das ließ einen Futtermangel für den Winter befürchten. Die Klugen, oder mindestens die, denen es an

Mitteln nicht ganz fehlte - und zu diesen gehörte Martin Mac Carthy - ergänzten ihre Vorräthe durch Zukauf. Bei der Seltenheit der Waare mußten sie freilich höhere Preise anlegen, und es wäre vielleicht besser gewesen, den Bestand an Vieh zu vermindern, das bei einer langen Ueberwinterung nur schwierig zu erhalten war.

Der Frost, der den Boden bis auf einige Fuß Tiefe zum gefrieren bringt, ist ja überall sehr beschwerlich, vorzüglich aber bei leichter, kieselreicher Decke, wie in Irland, die auch die wenige Düngung, die man darauf bringt, sehr mangelhaft zurückhält. Dauert ein strenger Winter dann aber gar noch lange an, so dringt der Frost ungemein tief in die Erde und die Pflugschar ist nicht im Stande, den steinharten Humus zu lockern. Kann dann die Saat nicht zeitig genug bestellt werden, so droht das schlimmste Ungemach! Leider vermag der Mensch die klimatischen Verhältnisse nicht zu beeinflussen. Er kann nur mit gekreuzten Armen zusehen, wie seine Vorräthe sich immer weiter erschöpfen.

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