Die Pflicht zu schweigen
- Автор: Шелдон Сидни
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Die Pflicht zu schweigen». Краткое содержание книги:
Über den Autor
Sidney Sheldon, geboren 1917, war ein absolutes Phänomen in der internationalen Buchwelt. Erst mit fünfzig schrieb er seinen ersten Roman Das nackte Gesicht. Seither sind von zahlreiche Bücher erschienen, jedes ein Weltbestseller, jedes in viele Sprachen übersetzt und alle verfilmt. Sidney Sheldon lebte abwechselnd in Los Angeles, Palm Springs und London. 2007 verstarb der Autor.
Ungekürzte Ausgabe Titel der Originalausgabe: Nothing Lasts Forever Originalverlag: William Morrow and Company, Inc., New York
Er stürmte davon. Paige schaute ihm nach.
Als Paige zum Feldbett im Bereitschaftsraum taumelte, dachte sie: Diesen Lawrence Barker bring' ich um. Ganz, ganz langsam. Er liegt mit einem Dutzend Schläuchen im Körper im Krankenhaus und wird mich anflehen, daß ich seinem Elend ein Ende mache, aber ich werde es nicht tun. Ich werde ihn leiden lassen. Und dann, wenn er sich etwas besser fühlt... dann bring' ich ihn um!
15. Kapitel
Paige befand sich auf Morgenvisite mit dem >Biest<, wie sie Dr.
Barker insgeheim nannte. Sie hatte ihm bei drei Herzoperationen assistiert und konnte trotz ihrer persönlichen Verbitterung nicht umhin, ihn wegen seiner geradezu unglaublichen Fähigkeiten zu bewundern. Sie erlebte ehrfürchtig mit, wie er einen Patienten aufschnitt, das alte Herz gekonnt durch ein Spenderherz ersetzte und ihn wieder zunähte. Die Operation hatte keine fünf Stunden gedauert.
Binnen weniger Wochen, überlegte Paige, wird dieser Patient wieder in der Lage sein, ein normales Leben zu führen. Kein Wunder, daß Chirurgen sich wie Götter vorkommen. Sie bringen die Toten wieder zum Leben.
Paige erlebte es immer wieder mit, wie ein Herz aufhörte zu schlagen und zu einem trägen Stück Fleisch wurde, und dann geschah das Wunder, und ein lebloses Organ begann, von neuem zu pulsieren und Blut durch einen Körper zu schicken, der im Sterben gele-gen hatte.
Als eines Morgens ein Patient zu einer perkutanen Angioplastie im OP-Saal auf dem Tisch lag und Paige Dr. Barker wieder assistieren sollte, bellte er sie unmittelbar vor Operationsbeginn plötzlich an: »Machen Sie's!«
Paige hob den Kopf. »Wie bitte?«
»Es ist ein einfacher Vorgang. Glauben Sie, daß Sie damit zurechtkommen?« Es klang fast verächtlich.
»Ja«, erwiderte Paige mit zusammengepreßten Lippen.
»Na schön, dann an die Arbeit!«
Er war nicht zum Aushalten.
Barker sah zu, als Paige fachgerecht einen Schlauch in die Arterie des Patienten einführte und ihn bis zum Herzen hochschob. Alles verlief reibungslos, aber Dr. Barker stand bloß da und gab keinen Ton von sich.
Zum Teufel mit ihm, dachte Paige. Ich kann machen, was ich will - er wird doch nie mit mir zufrieden sein.
Paige injizierte durch das Röhrchen einen strahlenundurchlässigen Farbstoff. Sie beobachteten am Bildschirm, wie der Farbstoff in die Koronararterien floß. Auf einem fluoreszierenden Bildschirm wurden Grad und Ort der Verengung in den Arterien sichtbar; eine automatische Filmkamera hielt die Röntgenstrahlen für eine permanente Aufzeichnung fest.
Der Oberassistenzarzt nickte Paige beifällig zu. »Saubere Arbeit.«
»Danke.« Paige drehte sich zu Dr. Barker um.
»Zu verdammt langsam«, knurrte er.
Und marschierte davon.
Paige war dankbar für jeden Tag, an dem Dr. Barker nicht ins Krankenhaus kam, sondern in seiner Privatpraxis blieb. »Ein Tag ohne Barker ist wie eine Ferienwoche auf dem Land«, gestand sie Kat.
»Du haßt ihn wirklich, nicht wahr?«
»Er ist ein brillanter Arzt, aber ein Scheusal. Wenn Dr. Barker so weitermacht und alle anbellt, wird ihn noch der Schlag treffen.«
»Du solltest mal ein paar von den Herzchen kennenlernen, die ich aushalten muß.« Kat lachte verächtlich. »Die betrachten sich tatsächlich als Gottesgeschenk für jede Muschi. Wenn's doch bloß keine Männer auf der Welt gäbe!«
Paige musterte sie verstohlen, sagte aber nichts.
Paige und Kat gingen sich nach Jimmy Ford erkundigen. Er lag immer noch im Koma. Die beiden wußten nicht mehr, was für ihn noch getan werden könnte.
Kat seufzte. »Verdammt. Warum muß es ausgerechnet die netten Kerls treffen?«
»Wenn ich das wüßte!«
»Glaubst du, daß er durchkommt?«
Paige zögerte. »Wir haben getan, was wir konnten. Ihm kann jetzt nur noch Gott helfen.«
»Komisch - und ich hatte gemeint, daß wir hier die Götter wären.«
Am folgenden Tag war Paige für die Nachmittagsvisite verantwortlich. Auf dem Flur hielt der Oberassistenzarzt Kaplan sie an. »Heute ist Ihr Glückstag.« Er feixte. »Sie dürfen auf Ihrer Visite einen neuen, jungen Mediziner einweisen.«
»Wirklich?«
»Jawohl, den I. N.«
»Den I. N.?«
»Den idiotischen Neffen. Die Frau von Dr. Wallace hat einen Neffen, der unbedingt Arzt werden will. Zwei Universitäten haben ihn rausgeworfen. Der bleibt keinem von uns erspart. Heute sind Sie an der Reihe.«
Paige stöhnte auf. »Für so was habe ich wirklich keine Zeit. Ich stecke sowieso schon bis zum Hals.«
»Sie haben keine Wahl. Nun seien Sie ein liebes Mädchen, dann wird Dr. Wallace Ihnen auch bestimmt Zusatzpunkte für gutes Pfadfinderverhalten geben.« Kaplan ging weiter.
Seufzend machte Paige sich wieder auf den Weg zu den frischgebackenen jungen Assistenzärzten, die bereits auf sie warteten. Wo bleibt der I. N. ? Sie schaute auf die Uhr. Eine Minute noch, dann kann er sich zur Hölle scheren! Und da sah sie ihn auch schon kommen -ein hochgeschossener, ausgesprochen schlanker Mann.
Er war ganz außer Atem, als er Paige erreichte und stieß hervor: »Ich bitte um Verzeihung. Dr. Wallace hat mich gebeten.«
»Sie kommen zu spät«, erklärte Paige spitz.
»Ich weiß. Tut mir leid. Ich bin aufgehalten worden.«
»Macht nichts. Wie heißen Sie?«
»Jason. Jason Curtis.«
»Und wo ist Ihr weißer Kittel?«
»Mein weißer Kittel?«
»Hat Ihnen etwa niemand gesagt, daß Sie zur Visite einen weißen Kittel tragen müssen?«
Er wirkte ratlos. »Nein. Ich fürchte, Sie.«
Paige bemerkte gereizt: »Gehen Sie zum Dienstzimmer der Oberschwester und lassen Sie sich dort einen weißen Kittel geben. Aber Sie haben ja auch kein Notizbuch!«
»Nein.«
Idiotisch ist überhaupt kein Ausdruck. »Sie werden uns dann auf Station 1 finden.«
»Sind Sie sicher? Ich.«
»Tun Sie, was ich Ihnen sage!« Und damit ließ Paige Jason Curtis stehen, der ihr erstaunt nachblickte, als sie sich mit der übrigen