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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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»Es ist zu spät, um der Vergangenheit nachzuweinen«, sagte der Herrscher Urgons. »Lasst uns ein Vorbild sein, auf dass die anderen sich uns anschließen. Wer bei Verstand ist, wird es tun.«

Tilogorn nickte ihm zu. »Wohl gesprochen, König Lothaire. Dass wir Verstand bewiesen haben«, er nickte Mallen zu, »ist gewiss.«

VI

Das Geborgene Land, Gauragar

im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus,

Frühsommer

»Oink, oink, kleines Schwein«, rief jemand voller Begeisterung auf Zwergisch. »Komm her, damit ich dich schlachten kann!« Ein gedrungener Schatten rutschte zwischen den Beinen des Ungeheuers hindurch, dann zuckten zwei kurzstielige Beile nach oben und drangen tief in die ungeschützten Weichteile des Orks.

Der kleinwüchsige Mann riss die Waffen lachend aus dem Körper des Gegners, federte trotz seines Kettenhemds wie ein Akrobat in die Höhe und drosch erneut zu. Die Klingen trafen den Hals des sich nach vorn beugenden Orks von beiden Seiten. Zu zwei Dritteln enthauptet, sank das Ungeheuer zu Boden.

»Beim Barte Beroїns, wie kannst du dir nur die Waffe aus der Hand schlagen lassen?«, maßregelte er Tungdil.

»Du bist... ein Zwerg!?«, keuchte dieser verblüfft und rappelte sich auf.

»Was denn sonst? Sehe ich aus wie eine Elfe?« Er bückte sich, hob die Axt auf und warf sie Tungdil zu. »Nimm und halte sie dieses Mal gut fest. Für einen Schwatz ist später Zeit.« Mit grimmigem Gelächter stürzte er sich in die tobende Schlacht.

Tungdil sah, dass außer seinem Lebensretter ein zweiter Zwerg auf dem Weg stand, der dem Ersten abgesehen von dessen Haartracht in Gestalt und Rüstung bis in die kleinste Kleinigkeit glich. Er schlug beherzt mit einem eisernen Krähenschnabel um sich, einer Art Kriegshammer mit einem unterarmlangen Sporn.

»So, ihr wollt uns töten? Dafür seid ihr zu wenig!« Mit dröhnender Stimme verhöhnte sein Beschützer die Orks. »Eure hässliche Mutter muss sich mit einen Elben eingelassen haben, so scheußlich seht ihr aus«, reizte er die Horde. »Mit einem räudigen, einbeinigen, ohrlosen Elben! Und eure Mutter hatte auch noch Vergnügen dabei!« Sobald einer der Orks grunzend nach vorn sprang, blitzten die Beile des Zwergs auf und brachten den Tod. »Kommt her, ihr anderen dürft es noch einmal versuchen!«

Sein Bruder verzichtete auf lautes Gerufe, sondern wütete präzise unter den Angreifern, zerschmetterte Gliedmaßen und durchbohrte Leiber.

Die Zahl der kämpfenden Orks hatte sich unter ihren Schlägen auf vier reduziert, die übrigen lagen tot umher und tränkten die Erde des Hains mit ihrem Blut. Als sich die letzten Scheusale zu einem gleichzeitigen Angriff entschlossen, stellten sich die beiden Kriegerzwillinge Rücken an Rücken.

»Hussa, jetzt geht es rund!«, rief Tungdils Retter mit irrem Leuchten in den Augen.

Sie warteten nicht, bis die Orks heran waren, sondern schraubten sich in die Attacke der Unholde hinein, drehten sich dabei wie zwei Spieluhrfigürchen um ihre Achse und gaben sich in ihrer Sprache Anweisungen, auf was der Hintermann zu achten hatte.

Die ungewöhnliche Kampfweise sicherte dem Duo den raschen Sieg gegen die Übermacht. Der letzte Schlag wurde von einem schallenden Lachen und einem hämischen »Oink, oink« begleitet.

Tungdil empfand enorme Achtung. Die beiden schickten die ganze Horde Orks in den Tod, ohne auch nur eine Schramme davonzutragen. Er stand wie vom Donner gerührt auf dem Weg und bemerkte erst jetzt, dass er zum Zuschauer geworden war.

»Das Lebensfeuer von Vraccas’ Esse möge allzeit in dir lodern«, grüßte ihn der andere Zwerg. »Ich bin Boëndal Pinnhand aus dem Clan der Axtschwinger vom Stamme des Zweiten, und das ist mein Bruder Boїndil Zweiklinge oder auch Ingrimmsch genannt«, stellte er sich vor, und die braunen Augen musterten Tungdil freundlich.

»Ja. Er sieht nicht so aus, als würde er es mit mehreren Schweineschnauzen aufnehmen können«, lachte sein Bruder herzlich. »Er hatte ja schon mit einer seine liebe Not. Oder wolltest du die Viecher mit der bloßen Hand erwürgen? Hast du deine Axt deshalb weggeworfen?«

»Ihr seid wahrlich im rechten Augenblick erschienen«, erwiderte Tungdil und blinzelte. Etwas in Boїndils Augen irritierte ihn; es mochte das seltsame Flackern, das fanatische Leuchten sein, das ihm zuvor schon aufgefallen war. Er schob es auf die Aufregung des Kampfes.

»Lass das Ge-Ihre und Ge-Euche«, meinte der andere augenzwinkernd, »wir Zwerge bevorzugen das schlichte Du, denn wir sind alle von Vraccas aus dem gleichen Stein gemacht worden.«

»Gut, ich merke es mir. Ich verdanke euch mein Leben«, sagte Tungdil bewegt und freudig zugleich, weil er zum ersten Mal seit seiner Wanderung auf Angehörige seines Volkes stieß. Tausend Fragen und mehr bedrängten ihn.

Boëndal schüttelte den Kopf, und der lange Zopf bewegte sich wie eine fette schwarze Schlange auf seinem Rücken. »Du musst uns nicht danken, wir stehen allen Zwergen bei.«

»Und wenn es einer vom Stamm der Dritten ist, verprügeln wir ihn hinterher«, feixte Boїndil, während er seine Beile im hohen Gras vom Blut und weiteren Körperflüssigkeiten seiner Gegner reinigte.

»Es hat lange gedauert, bis wir dich fanden.« Boëndal zögerte. »Falls du Tungdil Bolofar bist...«

»Bolofar, welch ein Name«, grummelte sein Bruder. »Ist das so ein magischer Firlefanz? Soll er dich vor etwas schützen?«

Die Überraschung stand Tungdil ins Gesicht geschrieben. »Ja, ich bin Tungdil«, gestand er zögernd. »Woher...«

»Dann sage mir, wie dein Meister heißt und wohin du möchtest.«

»Er heißt Lot-Ionan der Geduldige, und mein Weg geht euch, so sehr ich euch Dankbarkeit schulde, nichts an«, kam es widerborstig aus seinem Mund. »Noch kenne ich euch nicht so gut, dass ich meine Geheimnisse mit euch teile.«

Boїndil lachte laut und schallend. »Ja, das nenne ich eine passende Antwort. Auch wenn er gelehrtenhaft daherredet.« Er legte ihm die Hand auf die Schulter. »Wir wissen, dass du zu Gorén gehen sollst, dein Meister hat es uns gesagt. Es war eine Prüfung, um sicher zu gehen, dass wir den richtigen Zwerg vor uns haben.«

»Den Richtigen?«, hakte er nach. »Ich verstehe nicht...« Dann erinnerte er sich an den Brief, den Lot-Ionan an den Stamm des Zweiten geschickt hatte. »Natürlich! Mein Stamm will mich sehen!«, freute er sich. »Aber wozu die Eskorte? Wegen der Orks?«

»Es ging uns eigentlich mehr darum, dich schnell in unser Reich zu bringen. Großkönig Gundrabur schickt uns, dich abzuholen und zu geleiten«, eröffnete ihm Boëndal, während er die lange Spitze des Krähenschnabels vorsichtig mit einem Fetzen Stoff abwusch, den er sich aus dem Wams eines Orks riss.

Sein Bruder zückte ein Öltuch und pflegte die blitzenden Klingen der Beile damit. »Eigentlich müsste man den Orks eine Eskorte schicken, um sie vor uns zu schützen«, gluckste er.

»Der Großkönig«, raunte Tungdil ehrfürchtig. »Wie komme ich zu dieser Ehre?«

»Wir bringen dich in die Feste Ogertod, wo du deinen Anspruch gegenüber dem anderen Thronanwärter verteidigen wirst.« Er sagte dies in einem Tonfall, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.

»Der... andere Thronanwärter?«, wiederholte Tungdil ungläubig und betrachtete die faltigen Gesichter der Zwillinge. »Welch ein Anwärter? Und auf welchen Thron? Was habe ich damit zu schaffen?«

»Wir könnten ihn Tungdil Ohneahnung nennen.« Boїndil lachte hustend. »Da brat mir einer einen Elben! Der Kleine weiß nichts, gar nichts«, dröhnte er. »Lass uns noch ein paar Schritte von den Schweineschnauzen weggehen, ihr Geruch bringt mich zum Kotzen. Wir schlagen eine Meile von hier ein Lager auf, wo wir ihm alles erklären, Bruderherz«, wandte er sich an sein Ebenbild.

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