In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
»Ich frage mich, was sie mit dem ... Kochen gemeint hat«, brach Alliandre schließlich das Schweigen. »Ich habe mal gehört, dass die Weißmäntel Gefangene am Spieß über einem Feuer rösten.« Maighdin wiegte sich mit den Armen und erschauderte, und Alliandre löste eine Hand lange genug aus dem Ärmel, um ihr auf die Schulter zu klopfen. »Macht Euch keine Sorgen. Wenn Sevanna hundert Diener hat, kommen wir vermutlich gar nicht in Hörweite heran. Und selbst wenn wir etwas aufschnappen, können wir uns immer noch überlegen, was wir weitererzählen, damit es nicht zu uns zurückverfolgt werden kann.«
Maighdin lachte bitter unter ihrer weißen Kapuze. »Ihr glaubt, wir hätten wenigstens in kleinen Dingen Entscheidungsfreiheit. Das haben wir aber nicht. Ihr müsst lernen, was es bedeutet, keine Wahl zu haben. Diese Frau hat uns nicht ausgesucht, weil wir Kampfesgeist haben.« Sie spuckte das Wort beinahe aus. »Ich wette, Therava hat jedem von Sevannas Dienern diesen Vortrag gehalten. Wenn wir ein Wort vergessen, das wir hätten hören müssen, wird sie es erfahren, da könnt Ihr sicher sein.«
»Vielleicht habt Ihr Recht«, sagte Alliandre nach einem Augenblick des Nachdenkens. »Aber Ihr werdet nie wieder in diesem Tonfall mit mir sprechen, Maighdin. Unsere Umstände sind schwierig, um es höflich auszudrücken, aber Ihr werdet nicht vergessen, wer ich bin.«
»Bis wir entkommen, seid Ihr Sevannas Dienerin«, erwiderte Maighdin. »Wenn Ihr Euch nicht jede Minute als Dienerin betrachtet, könnt Ihr genauso gut sofort auf diesen Spieß klettern. Und lasst noch etwas Platz für Faile und mich, weil sie uns dann ebenfalls dorthin befördern werden.«
Alliandres Kapuze verbarg ihr Gesicht, aber ihr Rücken versteifte sich mit jedem Wort mehr. Sie war intelligent und sie wusste, wie sie das, was sie zu tun hatte, erreichen konnte, aber sie hatte das Temperament einer Königin, wenn sie sich nicht zusammennahm.
Bevor sie explodieren konnte, ergriff Faile das Wort. »Bis es uns gelingt, hier wegzukommen, sind wir alle Dienerinnen«, sagte sie entschieden. Licht, das Letzte, was sie jetzt gebrauchen konnte, war ein Streit unter den beiden. »Aber Maighdin, Ihr werdet Euch entschuldigen. Sofort!« Ihre Dienerin murmelte mit abgewandtem Kopf etwas, das man als Entschuldigung durchgehen lassen konnte. Sie akzeptierte es. »Und was Euch angeht, Alliandre, ich erwarte von Euch, dass Ihr eine gute Dienerin seid.« Alliandre gab einen Laut von sich, den man als halben Protest interpretieren konnte, aber Faile ignorierte ihn. »Wenn wir überhaupt eine Gelegenheit zur Flucht erhalten wollen, müssen wir tun, was man uns sagt, hart arbeiten und so wenig Aufmerksamkeit wie nur möglich auf uns ziehen.« Als hätten sie nicht bereits alle Aufmerksamkeit der Welt erregt; zumindest hatte es den Anschein. »Und wir werden Therava über alles informieren, und sei es, wie oft Sevanna niest. Ich weiß nicht, was Sevanna tun wird, wenn sie es herausfindet, aber ich glaube, wir alle haben eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was Therava tun wird, wenn wir ihren Unmut erregen.«
Das reichte, damit alle wieder schwiegen. Sie hatten eine ziemlich genaue Vorstellung, wozu Therava fähig war, und der Tod würde womöglich nicht einmal das schlimmste sein.
Stunden später hatte sich der Schneefall bis auf ein paar verirrte Flocken fast vollständig gelegt. Dunkle, wogende Wolken verbargen noch immer die Sonne, aber Faile entschied, dass es gegen Mittag war, weil man ihnen zu essen gab. Keiner blieb stehen, aber Hunderte von Gai'schain bahnten sich mit Körben und Ranzen voller Brot und Trockenfleisch und Lederbeuteln —die diesmal Wasser statt Tee enthielten, das kalt genug war, um ihre Zähne schmerzen zu lassen — Wege durch die Marschreihe. Seltsamerweise fühlte sich Faile nicht so hungrig, wie sie nach dem stundenlangen Marsch durch den Schnee eigentlich hätte sein müssen. Perrin war einmal Geheilt worden und ihn hatte danach zwei volle Tage der Heißhunger geplagt. Vielleicht lag es ja daran, dass ihre Verletzungen so viel unbedeutender gewesen waren. Ihr fiel auf, dass Alliandre und Maighdin kaum mehr als sie aßen.
Die Heilung ließ sie an Galina denken; alle sich stellenden Fragen ließen sich auf ein ungläubiges Warum zusammenstreichen. Warum sollte eine Aes Sedai — sie musste eine Aes Sedai sein — für Sevanna und Therava im Staub kriechen? Oder für sonst jemanden? Eine Aes Sedai würde ihnen bei der Flucht helfen können. Oder auch nicht. Sie könnte sie auch verraten, falls es ihren Zwecken diente. Aes Sedai taten, was sie für richtig hielten, und das musste man akzeptieren, es sei denn, man hieß Rand al'Thor. Aber er war Ta'veren und darüber hinaus der Wiedergeborene Drache; sie war eine Frau mit derzeit sehr beschränkten Möglichkeiten, der eine ziemlich ernste Gefahr im Nacken saß. Ganz zu schweigen von den Hälsen derjenigen, für die sie verantwortlich war. Jede Hilfe würde willkommen sein, von jedem. Der kalte Wind glitt an ihr ab, während sie intensiv über Galina nachdachte, und der Schnee fing wieder an zu fallen, diesmal nur stärker, bis sie keine zehn Schritte weit sehen konnte. Sie konnte sich nicht entscheiden, ob sie dieser Frau vertrauen konnte.
Plötzlich wurde sie sich bewusst, dass eine andere in Weiß gekleidete Frau, die fast vom Schneefall verborgen wurde, sie ansah. Allerdings reichte der Schnee nicht aus, um diesen breiten juwelengeschmückten Gürtel zu verdecken. Falle berührte ihre Gefährtinnen und nickte in Galinas Richtung.
Als Galina bemerkte, dass man sie gesehen hatte, kam sie zu ihnen herüber und stapfte zwischen Faile und Alliandre weiter. Sie ließ noch immer jede Anmut vermissen, aber sie schien mehr an den Marsch im Schnee gewöhnt zu sein als sie. Jetzt war ihr nichts mehr von der Katzbuckelei anzumerken. Die Züge ihres runden, im Schatten der Kapuze liegenden Gesichts waren hart, ihre Augen blickten scharf. Ständig drehte sie den Kopf und sah misstrauisch in alle Richtungen, um zu sehen, wer sich in der Nähe befand. Sie sah aus wie ein Hauskätzchen, das vorgab, ein Leopard zu sein. »Ihr wisst, wer ich bin?«, verlangte sie zu wissen. Ihre Stimme war jedoch so leise, dass man sie in zehn Schritten Entfernung nicht mehr hören konnte. »Was ich bin?«
»Ihr scheint eine Aes Sedai zu sein«, sagte Faile vorsichtig. »Andererseits habt Ihr hier für eine Aes Sedai eine seltsame Stellung.« Weder Alliandre noch Maighdin schienen auch nur im mindesten überrascht zu sein. Offensichtlich hatten sie den Großen Schlangenring gesehen, an dem Galina nervös mit dem Daumen herumspielte.
Die Wangen der Aes Sedai röteten sich und sie versuchte, es wie Wut aussehen zu lassen. »Was ich hier tue, ist für die Burg von größter Wichtigkeit, Kind«, sagte sie kalt. Ihr Gesichtsausdruck besagte, dass sie Gründe hatte, die andere nicht einmal im Ansatz begreifen konnten. Ihre Blicke huschten umher, versuchten das Schneetreiben zu durchdringen. »Ich darf nicht versagen. Das ist alles, was ihr zu wissen braucht.«
»Wir müssen wissen, ob wir Euch vertrauen können«, sagte Alliandre beherrscht. »Ihr müsst in der Burg ausgebildet worden sein, sonst könnntet Ihr nicht Heilen, aber Frauen können sich den Ring verdienen, ohne die Stola zu erringen, und ich kann nicht glauben, dass Ihr eine Aes Sedai seid.« Anscheinend war Faile nicht die Einzige, welche die Frau vor Rätsel gestellt hatte.
Galinas volle Lippen verhärteten sich, und sie hielt Alliandre die Faust vors Gesicht, um ihr zu drohen oder den Ring zu zeigen. Oder beides. »Glaubt Ihr, sie würden Euch anders behandeln, weil Ihr eine Krone tragt? Weil Ihr eine getragen habt?« Jetzt gab es keinen Zweifel mehr an ihrer Wut. Sie vergaß, nach Lauschern Ausschau zu halten, und ihr Tonfall war ätzend. Speichel sprühte, als sie sich in ihre Tirade hineinsteigerte. »Ihr werdet Sevanna Wein bringen und ihr den Rücken waschen wie alle anderen auch. Ihre Diener sind alles Adlige oder reiche Kaufleute oder Männer und Frauen, die wissen, wie man Adlige bedient. Jeden Tag lässt sie fünf von ihnen auspeitschen, um den Rest zu motivieren, sodass sie ihr alle Informationen zutragen in der Hoffnung, ihre Gunst zu gewinnen. Beim ersten Fluchtversuch werden sie Eure Fußsohlen so lange mit Ruten schlagen, bis Ihr nicht mehr gehen könnt, und Euch danach so verdreht wie eine Schmiedearbeit an einem Wagen aufhängen, bis es wieder geht. Das zweite Mal wird schlimmer sein, und das dritte dann noch schlimmer. Es gibt da einen Burschen, der gehörte zu den Weißmänteln. Er hat neun Fluchtversuche unternommen. Ein harter Mann, aber als sie ihn das letzte Mal zurückholten, bettelte und schluchzte er, bevor sie überhaupt anfingen, ihn für die Bestrafung auszuziehen.«