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Nur der Tod bringt Vergebung

Электронная книга - «Nur der Tod bringt Vergebung». Краткое содержание книги:

Im Jahre 664 kämpfen im Königreich Northumbrien die Anhänger der Kirche Roms gegen die Vertreter der Lehren Columbans von Iona. Um den Kirchenstreit beizulegen, wird in der Abtei Streoneshalh eine Synode einberufen. Als die Äbtissin Etain ermordet in ihrer Zelle aufgefunden wird und wenig später noch zwei weitere Diener Gottes sterben, glaubt man zunächst an kirchenpolitische Motive. Die für ihren Scharfsinn berühmte Schwester Fidelma geht diesen Gerüchten nach und macht dabei eine grausame Entdeckung...
Unter dem Pseudonym Peter Tremayne schreibt ein anerkannter Historiker, der auf die versunkene Kultur der Kelten spezialisiert ist. Seine profunde Kenntnis des alten Rechtssystems und der irischen Gesellschaft im siebten Jahrhundert hat ihn dazu angeregt, Kriminalromane zu schreiben, die ihre Spannung und Originalität aus dem einmaligen und authentischen historischen Setting beziehen.
Die Originalausgabe erschien 1994 unter dem Titel Absolution by Murder.
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«Es ist ein schlechtes Omen, Wighard», bemerkte Hilda ängstlich.

«Nein», entgegnete der rundliche Geistliche. «Wir lassen es gar nicht erst so weit kommen. Ich werde die Sklaven anweisen, den Leichnam des Erzbischofs sofort hinauszuschaffen.»

Mit diesen Worten eilte er davon.

Eadulf wandte sich an die Äbtissin.

«Laßt niemanden in das cubiculum, bis es gründlich gereinigt wurde. Und sorgt dafür, daß jeder, der mit dem Erzbischof Umgang hatte, mindestens eine Woche lang dreimal täglich einen heißen Aufguß aus Borretsch, Sauerampfer und Rainfarn trinkt. Ich nehme an, Ihr habt die erforderlichen Kräuter in Eurer Abtei vorrätig?»

Hilda bestätigte es.

Eadulf nahm Fidelma am Arm und führte sie eilig den Flur hinunter.

«Leider», flüsterte er, «wachsen die Pflanzen, die diese schreckliche Krankheit am wirksamsten bekämpfen, nur in den Monaten Juni und Juli. Aber ich habe mir angewöhnt, auf meinen Reisen stets eine kleine Sammlung von Heilkräutern mit mir zu führen. Vor allem eine Mischung aus Goldrute und Leinkraut hilft, die Gelbe Pest in Schach zu halten, wenn sie mit heißem Wasser vermischt und später abgekühlt getrunken wird. Außerdem empfehle ich Euch dringend, soviel rohe Petersilie wie möglich zu essen.»

Fidelma lächelte. «Ihr scheint um meine Gesundheit sehr besorgt zu sein, Eadulf.»

Der Sachse blickte zu Boden.

«Natürlich. Wir haben eine wichtige Aufgabe zu erledigen», gab er knapp zurück. Vor dem dor-mitorium, das er sich mit anderen Glaubensbrüdern teilte, bat er Fidelma, auf ihn zu warten, verschwand einen Augenblick und kehrte kurz darauf mit seiner pera, einer kleinen Ledertasche, wieder.

Anschließend führte er sie in die große Küche, wo etwa dreißig Glaubensbrüder und Schwestern in dampfenden Kochtöpfen rührten und die Mahlzeiten für die Abtei und ihre vielen Besucher zubereiteten. Fidelma verzog das Gesicht, als ihnen die unbeschreibliche Mischung unterschiedlicher Dünste entgegenschlug. Der Gestank nach ranzigem Fett und fauligem Kohl verursachte ihr Brechreiz. Mit der Bitte um einen Kessel mit heißem Wasser wandte sich Eadulf an die mürrische Oberköchin, die sagte, sie würde ihnen eine Hilfskraft schicken.

Zu ihrem Erstaunen kam kurz darauf Schwester Gwid mit einem Kessel auf sie zu.

«Was macht Ihr denn hier, Gwid?» fragte Fidelma.

Die grobknochige piktische Schwester lächelte traurig.

«Da meine Griechischkenntnisse nicht mehr gefragt sind, habe ich meine Hilfe in der Küche angeboten, bis ich mir darüber klargeworden bin, wie es mit mir weitergeht. Wahrscheinlich schließe ich mich, wenn die Synode vorüber ist, der nächstbesten Gruppe an, die nach Dal Riada reist, und kehre nach Iona zurück.» Sie reichte Eadulf den Kessel. «Braucht Ihr sonst noch etwas?»

Eadulf verneinte.

Gwid verabschiedete sich und wandte sich wieder ihrer Arbeit am anderen Ende der Küche zu.

«Armes Mädchen», sagte Fidelma leise. «Sie tut mir leid. Etains Tod hat sie schrecklich mitgenommen.»

«Spart Euch Euer Mitgefühl für später auf», ent-gegnete Eadulf. «Im Augenblick müssen wir alles daran setzen, die Gefahr der Ansteckung so niedrig wie möglich zu halten.» Er machte sich am Feuer zu schaffen, um das Wasser zum Kochen zu bringen und seinen Kräutertrank zuzubereiten, während Fidelma ihm aufmerksam zusah.

«Und Ihr meint wirklich, daß Ihr uns mit diesen Kräutern vor der Gelben Pest schützen könnt?» fragte sie, als er seine Kräuterzubereitung mit dem kochenden Wasser mischte.

Ihre Frage verärgerte ihn.

«Diese Mixtur hat sich schon vielfach bewährt.»

Sie wartete schweigend, während Eadulf das Gebräu in einen großen irdenen Krug goß. Anschließend füllte er zwei Tonbecher, reichte einen davon Fidelma und erhob den anderen zu einem stummen Trinkspruch.

Fidelma lächelte und nahm den ersten Schluck. Es schmeckte abscheulich, und sie verzog angewidert das Gesicht.

«Das ist ein uraltes Heilmittel.» Eadulf grinste entwaffnend.

Fidelma lächelte schuldbewußt.

«Wenn es wirkt, soll es mir recht sein», sagte sie.

«Und jetzt laßt uns irgendwo hingehen, wo die Luft besser ist. Von den Küchendünsten bekomme ich Kopfschmerzen.»

«Gut. Aber als erstes bringen wir den Krug mit der Mischung in Euer cubiculum.»

Nickend erklärte Fidelma ihr Einverständnis.

«Ihr müßt jeden Abend vor dem Schlafengehen einen Becher trinken», erklärte ihr Eadulf ernst, nachdem sie den Tonkrug in ihrem cubiculum abgestellt und einen der stillen Kreuzgänge aufgesucht hatten. «Der Inhalt müßte mindestens für eine Woche reichen.»

«Gehört das zu den Dingen, die Ihr in Tuaim Brecain gelernt habt?» erkundigte sich Fidelma.

Eadulf neigte den Kopf.

«Ich habe in Eurem Land sehr vieles gelernt, Fidelma. In Tuaim Brecain sah ich Dinge, die ich bis dahin für unmöglich gehalten hätte. Ich sah Chirurgen, die kranken Männern und Frauen die Schädel aufschnitten und große Geschwülste entfernten, und die Kranken haben die Eingriffe überlebt.»

Fidelma nickte stolz.

«Die Schule von Tuaim Brecain kennt man auf der ganzen Welt, und von dem großen Bracan Mac Findloga, der sie vor zweihundert Jahren gegründet hat, wird noch heute mit großer Ehrfurcht gesprochen. Hattet Ihr nicht den Wunsch, selbst Medikus zu werden?»

«Nein.» Eadulf schüttelte den Kopf. «Ich wollte mein Wissen vermehren. In meinem Heimatland wäre ich durch Erbfolge gerefa geworden, ein örtlicher Verwalter des Gesetzes, aber die damit verbundenen Kenntnisse genügten mir nicht. Ich sehnte mich danach, alles zu begreifen, was es auf der Welt zu begreifen gibt. Ich versuchte, Wissen in mich aufzusaugen, wie eine Biene Nektar trinkt, indem sie von einer Blume zur nächsten flattert, ohne allzulange bei einer zu verweilen. Ich habe mich auf keinem Gebiet durch besondere Kenntnisse hervorgetan, aber ich weiß über viele Dinge Bescheid. Das kann gelegentlich sehr nützlich sein.»

«Da habt Ihr recht», stimmte Fidelma zu. «Auf der Suche nach der Wahrheit kann es eher hinderlich sein, sich nur in einem Wissensgebiet auszukennen.»

Eadulfs Gesicht verzog sich zu einem jungenhaften Grinsen. «Ihr besitzt hervorragende Kenntnisse in Gesetzesdingen, Schwester Fidelma. Das Gesetz Eures Heimatlandes ist Euer Wissensgebiet.»

«Aber in unseren Klerikerschulen wird von allen, die sich für ein Gebiet entscheiden wollen, zuvor ein breites Allgemeinwissen verlangt.»

«Ihr seid eine anruth. Soweit ich weiß, heißt das übersetzt <edler Strom> und entspricht dem zweithöchsten Rang, den Gelehrte in Eurem Land erringen können. Aber was bedeutet das genau?»

Fidelma lächelte. «Wer anruth werden will, muß mindestens acht oder neun Jahre studiert haben und ein Meister seines Faches sein, sich aber auch in der Dichtung und Literatur, in der Geschichte und vielen anderen Dingen auskennen.»

Eadulf seufzte.

«Leider hat die Gelehrsamkeit in unserem Land keinen so hohen Stellenwert. Erst seit der Ankunft des Christentums und der Gründung der Klöster haben wir überhaupt lesen und schreiben gelernt.»

«Besser spät als gar nicht.»

Eadulf lachte.

«Ein wahres Wort, Fidelma. Deshalb habe ich wohl auch diesen unersättlichen Wissensdurst.»

Er verstummte. Eine Weile lang saßen sie schweigend da. Aber für Fidelma war es eher freundschaftlich als unangenehm. Freundschaftlich! Plötzlich war ihr klar, was sie für Eadulf empfand: Sie waren Freunde in der Not. Sie lächelte und war mit ihrer Antwort auf das Wirrwarr ihrer Gedanken zufrieden.

«Wir sollten uns wieder an unsere Untersuchung machen», brach sie das Schweigen. «Deus-dedits Tod hat uns der Aufklärung des Mords an Etain nicht nähergebracht.»

Eadulf schlug sich so heftig an die Stirn, daß Fidelma erschrocken zusammenfohr.

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