Nur der Tod bringt Vergebung
- Автор: Тримейн Питер
- Серия: Schwester Fidelma ermittelt #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические детективы
Электронная книга - «Nur der Tod bringt Vergebung». Краткое содержание книги:
Unter dem Pseudonym Peter Tremayne schreibt ein anerkannter Historiker, der auf die versunkene Kultur der Kelten spezialisiert ist. Seine profunde Kenntnis des alten Rechtssystems und der irischen Gesellschaft im siebten Jahrhundert hat ihn dazu angeregt, Kriminalromane zu schreiben, die ihre Spannung und Originalität aus dem einmaligen und authentischen historischen Setting beziehen.
Die Originalausgabe erschien 1994 unter dem Titel Absolution by Murder.
«Und doch wäre angesichts Eurer Worte von vorhin die Unterlegenheit der Kirche Columbans für Euch keine Nebensächlichkeit», beharrte Eadulf. «Die Vorherrschaft Ionas in Northumbrien ist Euch ein wichtiges, persönliches Anliegen. Und es waren Eure eigenen Worte, daß Ihr in Etain eine Verräterin an Eurer Sache saht.»
Einen kurzen Augenblick blickte die Äbtissin Eadulf haßerfüllt an. Ihre Gesichtszüge erstarrten zu einer bedrohlichen Maske. Doch schon im nächsten Augenblick war der Ausdruck verflogen, und die Äbtissin zwang sich zu einem kühlen Lächeln.
«Aber dafür hätte ich sie nicht getötet. Ihre Strafe wäre der Untergang ihrer Kirche gewesen.»
«Um welche Zeit seid Ihr gegangen?» wollte Fidelma wissen.
«Wie bitte?»
«Wann habt Ihr nach Eurem Streit Etains cubiculum verlassen?»
Äbtissin Abbe dachte nach.
«Ich kann mich nicht genau erinnern. Insgesamt muß ich wohl etwa zehn Minuten oder ein wenig länger bei ihr gewesen sein.»
«Hat jemand Euch herauskommen sehen? Schwester Athelswith vielleicht?»
«Nicht, daß ich wüßte.»
Mit einer stummen Frage wandte Fidelma sich an Eadulf. Er senkte den Blick und nickte.
«Nun gut, Mutter Oberin.» Fidelma stand auf, und Abbe folgte ihrem Beispiel. «Vielleicht werden wir später noch einige Fragen an Euch haben.»
Abbe lächelte.
«Keine Sorge, ich stehe Euch jederzeit zur Verfügung. Wirklich, Schwester, Ihr solltet mich einmal in meiner Abtei in Coldingham besuchen und Euch selbst ein Bild davon machen, wie schön es sein kann, das Leben zu genießen. Ihr seid viel zu jung und hübsch, um Euch der römischen Doktrin vom lebenslangen Zölibat zu unterwerfen. Hat nicht Augustinus von Hippo schon in seinen Confessiones gesagt: <Gebt mir Keuschheit und Enthaltsamkeit - aber jetzt noch nicht>?»
Mit einem kehligen Lachen verließ Äbtissin Abbe den Raum und ließ eine schamrote Fidelma zurück.
Als sie sich umwandte und Eadulf lächeln sah, verwandelte sich ihre Verlegenheit in Zorn.
«Nun?» fragte sie barsch.
Das Grinsen verschwand aus Eadulfs Gesicht.
«Ich glaube nicht, daß Äbtissin Abbe die Mörderin ist», sagte er rasch.
«Warum nicht?» gab Fidelma zurück.
«Erstens, weil sie eine Frau ist.»
«Und weil eine Frau unfähig ist, ein solches Verbrechen zu begehen?» fragte Fidelma wütend.
Eadulf schüttelte den Kopf.
«Nein. Aber wie ich schon sagte, als wir Etains Leichnam untersuchten: Ich glaube nicht, daß eine Frau stark genug gewesen wäre, den Kopf der Äbtissin zurückzuhalten und ihr die Kehle durchzuschneiden.»
Fidelma versuchte, sich zu beruhigen. Warum sollte sie verärgert sein, fragte sie sich. Schließlich hatte Abbe ihr nur Komplimente gemacht. Und hatten ihre Worte nicht den Tatsachen entsprochen? Es war nicht Abbes Haltung, die sie störte. Es war etwas anderes, etwas, das tief in ihr saß und das sie nicht beim Namen nennen konnte. Eine Weile sah sie Eadulf nachdenklich an.
Verwirrt erwiderte der sächsische Mönch ihren Blick.
Fidelma ertappte sich dabei, daß sie als erste die Augen senkte.
«Was würdet Ihr dazu sagen, daß ich Bruder Taran, einen Mönch mit der Tonsur Columbans, heute abend am Seitentor der Abtei bei einem Treffen mit Wulfric von Frihop beobachtet habe?»
Eadulf hob die Augenbrauen.
«Ist das wahr?»
Fidelma bestätigte es mit einem Nicken.
«Für ein solches Treffen kann es viele Erklärungen geben.»
«Richtig», stimmte Fidelma zu, «aber keine, die mich zufriedenstellt.»
«Bruder Taran gehörte doch zu denen, die Äbtissin Etain am Tage ihres Todes in ihrer Zelle aufsuchten.»
«Ja. Und zu denen, die wir noch nicht befragt haben.»
«Wir haben ihm bisher nicht viel Beachtung geschenkt», räumte Eadulf ein. «Schwester Athels-with meinte, Taran habe Etain am frühen Morgen in ihren cubiculum besucht, und wir wissen, daß sie nach seinem Besuch noch am Leben war. Agatho ist derjenige, der sie als letzter sah.»
Fidelma zögerte.
«Ich glaube, wir sollten als nächstes mit Taran sprechen», sagte sie.
«Und ich glaube, wir sollten zuerst Agatho befragen», widersprach er. «Der Verdacht gegen ihn scheint mir dringender zu sein.»
Eadulfs Verblüffung war groß, als Fidelma ohne jeden Einwand in seinen Vorschlag einwilligte.
XII
AGATHO WAR EIN SCHLANKER, DRAH-
tiger Mann mit einem schmalen Gesicht. Er hatte dunkle Haut und ein Kinn voller schwarzer Bartstoppeln. Auch seine Augen und sein dichtes Haar waren tiefschwarz. Das Rot seiner schmalen Lippen wirkte dagegen so auffällig, als ob er es durch das Auftragen von Beerensaft noch betont hätte. Am meisten beeindruckten Fidelma jedoch seine schweren, wie bei einem Raubvogel halb geschlossenen Augenlider.
Der Priester betrat den Raum mit finsterem Blick.
«Ich bin gegen meinen Willen hier», sagte er auf lateinisch, der allgemeinen lingua franca gelehrter Christen.
«Ich werde es zu Protokoll nehmen», erwiderte Fidelma ebenfalls auf lateinisch. «Mit wem soll ich die Angelegenheit erörtern? Mit dem König, mit Bischof Colman oder Äbtissin Hilda?»
Mit einer verächtlichen Geste, die wohl andeuten sollte, daß es unter seiner Würde sei, darauf zu antworten, ließ er sich auf dem angebotenen Stuhl nieder. «Ihr wollt mich befragen?»
«Es scheint, als wärt Ihr die letzte Person gewesen, die Äbtissin Etain lebend gesehen hat.»
Agatho lachte.
«Nicht ganz.»
«Ach, nein?» fragten Fidelma und Eadulf erwartungsvoll wie aus einem Munde.
«Die letzte Person, die sie lebend gesehen hat, muß wohl die Person gewesen sein, die sie getötet hat.»
Fidelma sah in seine schwarzen Augen. Sie waren kalt und ausdruckslos. Es war schwer zu sagen, ob er sie herausfordern wollte oder ob er sich über sie lustig machte.
«Richtig», sagte Eadulf. «Und wir sind hier, um herauszufinden, wer sie umgebracht hat. Um welche Uhrzeit wart Ihr in ihrer Zelle?»
«Genau um vier.»
«Ganz genau?»
Wieder erschien das überhebliche Lächeln auf den schmalen, roten Lippen.
«So jedenfalls verkündete es der Stand der von Schwester Athelswith wohlbehüteten Klepsydra.»
«Aha», erwiderte Eadulf. «Und warum seid Ihr in ihre Zelle gegangen?»
«Um sie zu sehen natürlich.»
«Natürlich. Aber aus welchem Grund wolltet Ihr sie sehen?»
«Ich werde es Euch ganz offen sagen. Ich bin ein Anhänger Roms. Und es war meine feste Überzeugung, daß Äbtissin Etain einen schweren Irrtum beging, als sie sich dazu verleiten ließ, für die Ketzereien Columbans einzutreten. Ich suchte sie auf, um ihr den rechten Weg zu weisen.»
Fidelma starrte den Mann ungläubig an.
«Das ist alles?»
«Das ist alles.»
«Und wie wolltet Ihr bei der Äbtissin einen so raschen Gesinnungswechsel erreichen?»
Agatho blickte sich verschwörerisch um und lächelte dann.
«Ich habe ihr das hier gezeigt ...» Er öffnete seinen crumena, einen Lederbrustbeutel, und schüttelte den Inhalt in seine Hand.
Stirnrunzelnd beugte sich Eadulf vor.
«Aber das ist doch nur ein Holzsplitter.»
Agatho sah ihn verächtlich an.
«Das ist das lignum Sanctae Crucis», sagte er mit ehrfürchtig gesenkter Stimme und richtete den Blick zur Decke.
«Holz vom Kreuz unseres Herrn?» flüsterte Eadulf verblüfft.
«Ich sagte es bereits», erwiderte Agatho kühl.
Fidelmas Augen leuchteten, und ihre Lippen zitterten leicht.
«Aber wie wolltet Ihr damit die Äbtissin davon überzeugen, Rom statt Iona zu unterstützen?» fragte sie ernst.