Nur der Tod bringt Vergebung
- Автор: Тримейн Питер
- Серия: Schwester Fidelma ermittelt #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические детективы
Электронная книга - «Nur der Tod bringt Vergebung». Краткое содержание книги:
Unter dem Pseudonym Peter Tremayne schreibt ein anerkannter Historiker, der auf die versunkene Kultur der Kelten spezialisiert ist. Seine profunde Kenntnis des alten Rechtssystems und der irischen Gesellschaft im siebten Jahrhundert hat ihn dazu angeregt, Kriminalromane zu schreiben, die ihre Spannung und Originalität aus dem einmaligen und authentischen historischen Setting beziehen.
Die Originalausgabe erschien 1994 unter dem Titel Absolution by Murder.
Erschrocken drehte sie sich um.
Eadulf deutete auf die andere Seite des sacrarium.
Bruder Taran schlüpfte gerade durch eine Seitentür.
Noch einmal wandte sich Fidelma der Debatte zu, doch inzwischen hatte schon ein anderer Sprecher das Wort ergriffen.
Fidelma war klar, daß sie unmöglich das sacrarium durchqueren konnten, um Taran zu folgen. Sie mußten durch die Tür hinausgehen, durch die sie auch eingetreten waren, und dann versuchen, ihn draußen abzufangen.
Sie bedeutete Eadulf mitzukommen.
Doch als sie das sacrarium von außen umrundet hatten, war Taran nirgends zu sehen.
«Er kann noch nicht weit gekommen sein», sagte Eadulf.
«Laßt uns in diese Richtung gehen.» Fidelma deutete auf den Weg zum monasteriolum.
Sie eilten durch einen der Kreuzgänge und traten in den viereckigen Innenhof.
«Wartet!» zischte Fidelma und zog Eadulf zurück in die Schatten.
In der Mitte des Innenhofs standen Wulfric und Bruder Seaxwulf und sahen sich um, als würden sie auf Taran warten. Wenige Augenblicke später kam der piktische Mönch auch schon auf sie zugeeilt.
Seaxwulf sagte etwas, drehte sich um und hielt auf das monasteriolum zu. Zum erstenmal bemerkte Fidelma Seaxwulfs merkwürdigen Gang. Er hielt den Rücken gekrümmt, als litte er starke Schmerzen. Sie dachte daran, was Äbtissin Abbe über die Strafe für den diebischen Sekretär gesagt hatte: «Er wurde mit einer Rute geschlagen, bis seine Haut rot und blutig war». Sie erschauderte bei dem Gedanken an die Wunden, die Seaxwulf mit Sicherheit davongetragen hatte.
Wulfric und Taran sahen dem sächsischen Bruder nach, bis er im monasteriolum verschwunden war. Dann holte Taran etwas aus der Tasche seines Habits und reichte es Wulfric. Dieser betrachtete es und ließ es kichernd in sein Wams gleiten. Kurz darauf verabschiedete er sich von Taran und eilte durch das Seitentor davon.
Die Hände in die Hüfte gestemmt, blieb Bruder Taran noch eine Weile stehen. Plötzlich aber drehte er sich um und ging über den viereckigen Innenhof geradewegs auf Fidelma und Eadulf zu.
Fidelma schob Eadulf vorwärts.
Bei ihrem Anblick fuhr Taran zusammen und schaute sich rasch um. Nachdem er zu seiner Erleichterung festgestellt hatte, daß Wulfric bereits außer Sichtweite war, erschien ein leutseliges Lächeln auf seinem Gesicht.
«Ein herrlicher Tag heute, nicht wahr, Schwester Fidelma?» eröffnete er das Gespräch. «Und Ihr seid gewiß Bruder Eadulf. Ich habe von Euren Ermittlungen gehört. Ja, die ganze Abtei spricht davon. Über sie wird fast ebenso hitzig debattiert wie über die Themen der Synode.»
Fidelma ließ sich von seinem Plauderton nicht täuschen. «Wir wollten gerade ein wenig frische Luft schnappen. Wie Ihr schon sagtet, es ist ein herrlicher Tag. Aber es trifft sich gut, daß wir Euch begegnen.»
«Ach ja? Wieso denn?» fragte der piktische Mönch mit unüberhörbarem Argwohn in der Stimme.
«Ihr habt Äbtissin Etain am Tage ihres Todes in ihrem cubiculum besucht?»
Bruder Taran machte ein überraschtes Gesicht.
«Ich ... ja, das stimmt», räumte er ein. «Warum fragt Ihr danach?» Er lächelte. «Ach, natürlich. Ich bin aber auch zu dumm. Ja, ich war bei ihr, allerdings schon ganz früh am Morgen.»
«Und wieso habt Ihr sie aufgesucht?» fragte Eadulf.
«Das war eine rein persönliche Sache.»
«Ach, wirklich?» fragte Fidelma spöttisch.
«Ich kenne ... Ich kannte Äbtissin Etain und hielt es für ein Gebot der Höflichkeit, ihr meine Aufwartung zu machen und ihr für die Debatte alles Gute zu wünschen.»
«Woher kanntet Ihr sie?» fragte Fidelma. «Auf unserer gemeinsamen Reise von Iona nach Streo-neshalh habt Ihr nichts davon erwähnt.»
«Ihr habt ja auch nicht danach gefragt», erwiderte Taran gelassen. «Aber Ihr wißt sicherlich, daß ich in Irland studiert habe. Mein Philosophiestudium absolvierte ich in Emly, und Schwester Etain, wie sie damals noch hieß, war eine Zeitlang meine Tutorin.»
«Ihr habt auch in Emly studiert?» fragte Fidelma erstaunt. «Emly ist ja berühmt für seine Gelehrsamkeit, aber ich bin doch überrascht, wer alles schon dort gewesen ist. Habt Ihr in Emly auch Schwester Gwid getroffen?»
Taran blinzelte erstaunt und schüttelte den Kopf.
«Nein. Ich wußte nicht einmal, daß sie dort war. Warum hat sie es mir nicht gesagt?»
«Vielleicht, weil Ihr sie nicht gefragt habt.» Fidelma konnte ein Grinsen nicht unterdrücken.
«War Athelnoth in Emly, während Ihr dort studiert habt?» fragte Eadulf.
«Ja, ich habe ihn in Emly gesehen. Doch ich hatte meine Studien schon fast abgeschlossen, als Athelnoth eintraf. Etwa einen Monat verbrachten wir gemeinsam dort, dann bin ich nach Iona zurückgekehrt. Und Ihr seid Euch sicher, daß Schwester Gwid ebenfalls in Emly war?»
«Eine Weile», antwortete Fidelma. «Habt Ihr Etain nach Eurer Abreise aus Emly noch einmal wiedergesehen?»
«Nein. Aber ich hatte immer große Hochachtung vor ihr. Sie war eine ausgezeichnete Tutorin, und als ich von ihrer Anwesenheit in Streoneshalh hörte, nahm ich mir vor, sie aufzusuchen. Dabei wußte ich noch nicht einmal, daß sie inzwischen Äbtissin von Kildare geworden war. Deshalb habe ich sie auch gar nicht mit Euch in Verbindung gebracht, Schwester Fidelma.»
«Wie lange wart Ihr am Tage ihres Todes mit Etain zusammen?» fragte Eadulf.
Taran schürzte die Lippen und überlegte.
«Recht kurz, soweit ich mich erinnern kann. Wir beschlossen, uns später am Tag noch einmal zu treffen, weil sie mit der Vorbereitung ihrer Eröffnungsrede beschäftigt war und keine Zeit hatte, mit mir zu sprechen.»
«Verstehe», sagte Fidelma. Dann lächelte sie. «Dann wollen wir Euch jetzt nicht länger aufhalten.»
Taran verneigte sich höflich und wandte sich zum Gehen. Er hatte bereits ein paar Schritte getan, als Fidelma ihm nachrief:
«Übrigens, habt Ihr in letzter Zeit Wulfric von Frihop gesehen?»
Taran wirbelte herum, und einen Augenblick glaubte Fidelma, einen Anflug von Entsetzen in seinem Gesicht zu sehen. Dann beherrschte er sich, setzte eine undurchdringliche Miene auf und sah sie an, als habe er sie nicht verstanden.
«Ihr erinnert Euch nicht mehr an den unausstehlichen Than, dem wir auf unserer Reise nach Streoneshalh begegnet sind? Er hat sich auf die widerwärtigste Art und Weise mit der Hinrichtung eines Bruders aus Lindisfarne gebrüstet.»
Taran kniff die Augen zusammen, als versuche er, Fidelmas Absichten zu deuten.
«Ich . Ich glaube, ich bin ihm hin und wieder in der Abtei über den Weg gelaufen.»
«Er scheint wohl zu Alhfriths Wachen zu gehören», erklärte Eadulf, als wolle er ihm behilflich sein, Wulfric zuzuordnen.
«Ach, tatsächlich?» Taran versuchte, unbeteiligt zu klingen. «Aber in letzter Zeit habe ich ihn nicht gesehen.»
Schwester Fidelma wandte sich langsam zum monasteriolum um. «Er ist ein böser Mensch, Bruder Taran. Einer, vor dem man sich in acht nehmen muß», rief sie ihm noch im Gehen nach.
Eadulf folgte ihr eilig. Aus dem Augenwinkel bemerkte er, daß Taran ihnen mit finsterer Miene und leicht offenstehendem Mund besorgt nachblickte.
«Ob es klug war, ihn zu warnen?» flüsterte Eadulf, obwohl sie bereits außer Hörweite waren.
Fidelma seufzte. «Im Augenblick würde er uns ohnehin nicht die Wahrheit sagen. Geben wir ihm ruhig das Gefühl, daß wir mehr wissen, als dies der Fall ist. Manche Leute lassen sich davon verunsichern und zu unvorsichtigen Handlungen verleiten. Und jetzt laßt uns einmal nachsehen, was Seaxwulf vorhat.»
Sie fanden Seaxwulf im librarium, tief über ein Buch gebeugt. Als sie eintraten, schaute er erschrocken auf.