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Das schwarze Buch der Geheimnisse

Электронная книга - «Das schwarze Buch der Geheimnisse». Краткое содержание книги:

Unwiderstehlich gruselig: das Buch von Licht und Schatten Auf der Flucht vor seiner Vergangenheit rast Ludlow durch die Nacht, als blinder Passagier an eine Kutsche geklammert. Schließlich wird der Junge Lehrling beim Pfandleiher Joe Zabbidou, der einen besonderen Handel treibt: Er kauft Geheimnisse und trägt sie in sein schwarzes Buch ein. Aber die Dorfbewohner wollen nicht nur ihr Gewissen erleichtern, sondern sehen in Joe den Retter, der sie von dem grausamen Grundbesitzer Ratchet befreit. Bald reicht es ihnen nicht mehr, ihre Schuld zu verkaufen, und sie erwarten mehr von Joe. Doch auch Ludlow verbirgt ein Geheimnis. Das Netz um die beiden zieht sich immer enger zusammen Rätsel, Krimi, Spannung! Ein außergewöhnlicher Roman, super spannend und literarisch zugleich.
Die englische Originalausgabe erschien bei Macmillan Children’s Books, London, unter dem Titel »The Black Book of Secrets«
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Joe nahm ihn am Arm und ließ ihn Platz nehmen.

»Was ist, Horatio? Was glaubt Ihr getan zu haben?«

»Ich habe Jeremiah Ratchet umgebracht. Ich habe seine Pastete vergiftet und Polly aufgetragen, sie ihm zu geben. Ich weiß, ich habe geschworen, dass ich nie wieder eine solche Mischung herstellen würde, aber ich musste einfach etwas tun. Dr. Mouldered hat gesagt, Ihr würdet uns nicht helfen, da konnte ich es nicht länger ertragen.«

»Hört zu«, sagte Joe, »Ihr dürft Euch keine Vorwürfe machen. Was geschehen ist, ist geschehen. Dr. Mouldered hat gesagt, es war ein Herzanfall, und dabei sollten wir es belassen. Sprecht nicht weiter darüber, aber sorgt dafür, dass die Pastetenreste verschwinden, bevor jemand sie essen kann. Es gibt genügend Leute, die Hunger haben.«

»Seid Ihr sicher, Mr Zabbidou?«

»Ganz sicher. Vernichtet nun schnell die Pastete, bevor ein Unschuldiger zu Schaden kommt.«

»Ich weiß nicht, wie ich Euch danken soll, Mr Zabbidou«, sagte Horatio. »Ich verdiene Eure Hilfe nicht.«

»Die Pastete!«, mahnte Joe. »Schafft die Pastete weg.«

Sobald Horatio gegangen war, legte mir Joe die Hände auf die Schultern und sah mir fest in die Augen. »So, Ludlow, kannst du mir jetzt vertrauen?«

Ich war sprachlos. Ich war so sicher gewesen. »Ihr-Ihr habt es also ga-gar nicht getan?«, stotterte ich. Ich konnte ihm kaum in die Augen schauen. »Könnt Ihr mir verzeihen?« Plötzlich kam mir ein schrecklicher Gedanke. »Wollt Ihr denn trotzdem noch, dass ich mit Euch komme?«

Joe lachte. »Ludlow, mein lieber Junge, natürlich will ich das. Wie kannst du nur etwas anderes denken? Komm jetzt, und ich verspreche dir, wenn dir nicht gefällt, was du siehst, und wenn du meinst, nicht leben zu können mit dem, was du weißt, dann können wir uns trennen, und unsere Wege brauchen sich nie wieder zu kreuzen.«

Mein Herz platzte fast vor Aufregung, und ich grinste so breit, dass ich spürte, wie sich meine Haut spannte. Nun verschwendete ich keine Minute mehr. Ich holte meine Geldbörse aus der Nische neben dem Kamin und zog mir den Umhang fest um die Schultern. Aber etwas gab es noch, was ich loswerden musste.

»Ich bin nicht immer ehrlich zu Euch gewesen«, fing ich an, aber Joe schüttelte den Kopf.

»Das hat Zeit«, sagte er. »Jetzt müssen wir gehen.«

Wir drückten uns durch die eingeschlagene Tür ins Freie und hatten nicht mehr dabei als das, was wir bei unserer Ankunft vor Wochen bei uns gehabt hatten. Ich warf einen letzten Blick über die Schulter, aber die Straße war leer und verlassen. Ein einziges Licht brannte in Jeremiahs Fenster, die anderen Häuser waren alle dunkel, und wir verließen Pagus Parvus, wie wir gekommen waren: unbemerkt.

Kapitel 40

Fragment aus den

Erinnerungen des Ludlow Fitch

Wir wanderten zwei Tage und zwei Nächte lang. Es ging ständig bergauf, und ununterbrochen schneite es. Eine Unterhaltung war unmöglich. Unsere ganze Anstrengung war darauf gerichtet, uns durch die hohen Schneeverwehungen zu arbeiten und gegen den Wind anzukämpfen. Es war überlebenswichtig, dass wir beisammenblieben. Wären wir getrennt worden, hätten wir uns zweifellos für immer aus den Augen verloren. Ich konnte nicht sagen, ob wir nach Norden oder Süden, nach Osten oder Westen gingen. Keine Sonne wies uns den Weg und nachts kein Mond.

Beim Gehen hatte ich Zeit zum Nachdenken und Grübeln über die jüngst vergangenen Ereignisse. Obwohl ich froh war, dass Joe Jeremiah nicht umgebracht hatte (und mich schämte, dass ich ihn dieser Tat je hatte beschuldigen können), hatte ich das Gefühl, Jeremiah würde noch leben, wenn Joe nicht nach Pagus Parvus gekommen wäre. Und dann war da die Sache mit Joes »Erbschaft«, wie er es nannte. Joe hatte gesagt – und ich glaubte ihm –, dass er für Geld nie jemanden umgebracht habe. Und doch schienen in seiner Nähe Geld und Tod untrennbar miteinander verbunden.

Es gab natürlich noch andere unbeantwortete Fragen, und im Lauf unserer Wanderung fielen mir auch manche Antworten ein, als aber die Temperaturen sanken und der Schnee immer dichter fiel, fragte ich mich allmählich, ob es so klug gewesen war, mitzugehen. Doch in Pagus Parvus hatte ich nichts mehr verloren, und so marschierte ich weiter und gab mir alle Mühe, optimistisch zu bleiben. Gegen Ende der Reise war ich so erschöpft, dass ich kaum mehr die Füße heben konnte. Die letzten paar Meilen trug mich Joe auf dem Rücken unter seinem Umhang. Ich konnte noch immer den Sturm heulen hören, aber allmählich wiegte mich der Rhythmus von Joes Schritten – trotz des Hinkens – in einen angenehmen Schlummer. Was danach geschah, habe ich nur noch undeutlich in Erinnerung, bis zu dem Moment, als ich aufwachte und merkte, dass ich ausgestreckt auf dem Boden lag.

Es war ein Lager aus belaubten Zweigen auf hartem Untergrund, und ich war mit meinem Umhang zugedeckt. Kein Schnee, kein Wind, keine Kälte. Ein paar Minuten blieb ich liegen, ohne mich zu bewegen, und genoss die Wärme und Behaglichkeit. Über mir sah ich eine Felsendecke, und als ich die Hand ausstreckte, spürte ich, dass der Boden sandig war. Ich setzte mich auf und blickte mich neugierig um. Ich befand mich in einer niedrigen Höhle, die von brennenden Fackeln an den Wänden erhellt war. Als ich das letzte Mal solche Fackeln gesehen hatte, in der Nacht, als Jeremiah gestorben war, hatten sie kein so angenehmes Licht verbreitet. Wenn ich mich konzentrierte, konnte ich draußen den Sturm heulen hören, aber es klang sehr weit weg. Zu meinen Füßen brannte ein Feuer, über dem ein geschwärzter Kessel hing. Was darin kochte, hatte einen vertrauten Geruch. Joe saß mit gekreuzten Beinen vor dem Feuer und hielt mir eine Tasse entgegen.

»Suppe?«

Nach dem Essen war Zeit zum Reden. Ausnahmsweise schien Joe meine Fragen diesmal gern zu beantworten. Er wirkte irgendwie anders als sonst, entspannt, als wäre er hier an einem vertrauten Ort.

»Es ist Zeit für die Wahrheit«, sagte er. »Wenn wir unsere Reise gemeinsam fortsetzen sollen, musst du mir vertrauen. Wenn du also etwas wissen möchtest, jetzt kannst du fragen.«

Wo anfangen? Ich war so nervös, dass ich zitterte, aber ich wusste, was ich sagen wollte. Diesen Moment hatte ich tagelang geprobt. »Erzählt mir von Euren Regeln.«

Joe nickte und fing an. »Es sind nur zwei, beide einfach, aber gerade ihre Einfachheit macht es schwer, sie einzuhalten. Ich denke, die erste kennst du.«

Ich kannte sie. »Man darf den Lauf der Dinge nicht ändern.«

»Genau. Das soll nicht heißen, dass ich keinen Einfluss habe. Schon die Tatsache, dass ich an einen Ort komme, wirkt sich in irgendeiner Weise auf die Zukunft aus, aber egal, wohin ich gehe: Jeder Mensch ist verantwortlich für sein eigenes Tun. Ich finde, von den beiden Regeln ist es diese, die schwerer zu befolgen ist. Ich habe schon schreckliche Dinge gesehen, Ludlow, und nicht einzugreifen ist manchmal qualvoll. In Pagus Parvus war ich fast jeden Tag versucht, mich über diese Regel hinwegzusetzen. Die Dorfleute brauchten meine Hilfe so dringend, aber ich musste ihren Bitten gegenüber taub sein. Ich weiß wirklich nicht, was ich ihrer Meinung nach tun sollte – vielleicht wollten sie, dass ich Jeremiah umbringe (das sagte er mit ironischem Unterton) –, aber ich konnte nur weitermachen wie immer und darauf hoffen, dass sie warten könnten. Jede andere Reaktion meinerseits hätte zu einer Katastrophe geführt. Dura lex sed lex. Das Gesetz ist hart, aber es ist das Gesetz.«

»Und die zweite Regel?«

»Auch die kennst du schon. Jedermann, egal wer es ist, verdient eine Chance zur Wiedergutmachung, eine Chance, etwas zu bedauern und um Gnade zu bitten. Selbst Leute wie Jeremiah Ratchet. Du wirst dich erinnern, dass ich ihm diese Gelegenheit gegeben habe, als er wegen des Buches kam.«

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