Die zwölf Gebote
- Автор: Шелдон Сидни
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Die zwölf Gebote». Краткое содержание книги:
2. KAPITEL
DAS ERSTE UND ZWEITE GEBOT:
Du SOLLST KEINE ANDEREN GÖTTER NEBEN MIR HABEN.
DU SOLLST DEN NAMES GOTTES, DEINES HERRN, NICHT MISSBRAUCHEN.
Die erste Geschichte handelt von einem Mann, der gleich zwei Gebote auf einmal brach, nämlich das erste: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Und das zweite: Du sollst den Namen Gottes, deines Herrn, nicht mißbrauchen.
Was die Geschichte besonders interessant macht, ist, daß dieser Mann ausgerechnet ein Priester war.
Er hieß George.
Seit George ein kleiner Junge gewesen war, hatte er der katholischen Kirche angehören wollen. Er war sehr religiös. Er hätte nicht im Traum daran gedacht, eines der Zwölf Gebote zu brechen. Jeden Sonntag ging er zur Kirche, und er betete täglich.
Als er alt genug war, sagte er zu seinem Vater: „Ich möchte Priester werden."
Während die anderen Jungs alles mögliche anstellten, Fensterscheiben einschlugen, logen, schummelten und keinen Pfifferling auf die Gebote gaben, bemühte sich George eifrig, niemals Falsches oder Böses zu tun.
Als er achtzehn Jahre alt war, ging er, statt wie seine Schulfreunde aufs College, ins Priesterseminar und studierte Theologie.
Nun befanden sich dort natürlich alle Knaben zu dem Zweck, Priester zu werden, und waren ohnehin schon alle gut, sanft und edelmütig, weil dies nun einmal zu Priestern so gehört. George jedoch ging selbst da allen auf die Nerven. Keiner der anderen Priesterschüler konnte ihn ausstehen, und selbst die Lehrer mochten ihn nicht. Warum? Weil er derart penetrant gut war.
Waren die anderen sanftmütig und nett, so war George noch sanftmütiger und netter.
Waren die anderen rein, so war George noch reiner. Waren die anderen heilig, so war George noch heiliger. Nicht einer hielt. es in seiner Nähe aus. Beging irgendeiner auch nur den kleinsten Fehler, war George schon an seiner Seite und sagte: „Das hättest du nicht tun dürfen. Das gefällt Gott gar nicht."
Ihm konnte es keiner recht machen.
Gut, in einem Priesterseminar erwartet man nichts anderes, als daß alle mächtig heilig sind. Aber George war einfach zu heilig. Alle waren schon nervös, wenn er nur auftauchte. Jeder hatte Bammel davor, einen Fehler zu machen, wenn George nur in der Nähe war.
Als George mit seinem Studium fertig war, wurde er zum Priester geweiht. Es war der glücklichste Augenblick seines Lebens. Er reiste zu seinen Eltern zu Besuch. Sein Vater schmauchte gerade eine Zigarre.
„Du solltest nicht rauchen", sagte George. „Zigarren sind Teufelskraut."
Seine Mutter saß vor dem Fernseher.
„Es ist Sonntag", sagte George. „Statt fernzusehen, solltest du in der Kirche sein und beten."
Sein kleiner Bruder sagte: „O Gott, ich hasse dieses Schönanziehen am Sonntag."
George war entsetzt. „Du hast das Wort >Gott< in den Mund genommen! Niemals, nie sollst du den Namen Gottes, deines Herrn, fahrlässig aussprechen und mißbrauchen. Du wirst in der Hölle dafür bestraft werden!"
„Ich glaube nicht an die Hölle", sagte sein kleiner Bruder. „Kleiner Bruder, du bist ein Sünder! Ich werde für dich beten!" Er wandte sich an seine Eltern. „Ihr seid alle Sünder! Ich werde für euch beten!"
Sie konnten es alle gar nicht erwarten, bis George wieder wegfuhr.
Georges erste Pfarrei war in einer kleinen Stadt in Vermont. Dort gab es überhaupt nur diese einzige Kirche. Der vorige Priester war fortgegangen, und die Leute wollten rasch einen neuen haben. Der war George.
Sie freuten sich sehr darauf, ihren neuen Priester willkommen zu heißen. Aber schon nach einer Woche hätten sie ihn gern wieder losgehabt.
Zum katholischen Ritus gehört die Beichte. Die Leute knien sich in eine kleine Nische und reden mit dem Priester, der verborgen auf der anderen Seite sitzt. Sie beichten ihm ihre Sünden.
Nun war der vorige Priester ein sehr gütiger Mann gewesen. Beichtete ihm eines seiner Pfarrkinder seine Sünden, so sagte er: „Bete fünfzig Ave Maria, mein Sohn (oder meine Tochter), und deine Sünden sind dir vergeben."
Aber nicht so George. O nein. Die erste Beichte, die er hörte, war die eines jungen Mädchens, das in den Beichtstuhl kam und sagte: „Pater, ich habe gesündigt."
„Was hast du getan?" fragte George. „Mein Freund hat mich neulich zum Tanz ausgeführt, und wir haben Whisky getrunken, und dann habe ich mich von ihm anfassen lassen." George auf der anderen Seite des Beichtstuhlgitters schrie geradezu: „WAS HAST DU?" Dem Mädchen verschlug es buchstäblich die Sprache.
„Wie konntest du das nur tun?" ereiferte sich George. „Weißt du denn nicht, daß Whisky das Getränk des Teufels ist? Und du läßt dich von einem Mann berühren? Von einem Mann, mit dem du nicht verheiratet bist? Du bist niedrig und böse! Verlasse sofort meinen Beichtstuhl!"
Das arme Mädchen war völlig verwirrt und lief weinend zu seiner Mutter nach Hause.
Der nächste, der in den Beichtstuhl kam, war ein schon älterer Mann.
„Pater, ich habe gesündigt."
„Schande über dich!" sagte George. „Was hast du getan?" Der alte Mann war nicht daran gewöhnt, daß ein Priester so mit ihm sprach. Priester hatten mitfühlend und verständnisvoll zu sein.
„Ich bin arbeitslos", sagte der alte Mann. „Ich besitze keinen Pfennig, habe aber einen Enkel zu versorgen. Es war nichts Eßbares im Hause, und da habe ich auf dem Markt ein Brot gestohlen, damit ich meinem Enkelkind zu essen geben kann." „DU HAST BROT GESTOHLEN? DIEB!" „Aber mein Enkelkind..."
„Ich will keine Ausreden hören! Du hast das siebte Gebot gebrochen: Du sollst nicht stehlen! Ins Gefängnis muß man dich werfen!"
Der alte Mann traute seinen Ohren nicht.
Das nächste Beichtkind war eine Frau. Sie sagte: „Pater, ich habe gesündigt."
George war bereits zornig. „Was ist mit euch Leuten hier eigentlich los? Habt ihr denn alle gesündigt? Warum könnt ihr nicht sein wie ich?"
Dann zwang er sich jedoch, sich zu beruhigen und sagte: „Also, erzähle mir deine Sünde. Ich hoffe nur, es ist nichts zu Ernstes."
„Nein, Pater, Ernstes ist es nicht. Ich bin verheiratet. Neulich rief mich ein alter Freund von früher an. Aber ich wollte nicht mit ihm reden und legte auf. Als mein Ehemann fragte, wer das gewesen sei, sagte ich, falsch verbunden. Sie sehen, es war nur eine ganz kleine Sünde, aber... "