Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:
»Seid still«, bat Josef.
»Tut sich was im Äther?«
»Eine Menge!«
»Laß uns mithören!«
Er ließ den Schalter nach rechts klicken, und alle horchten. Es knackste, heulte, summte.
»Sind unsere Geräte entstört?«
»Ja. Es kommt von draußen.«
Josef wies nach vorn. Noch war nichts zu sehen als Grus – eine Wüste, ohne Abwechslung, ohne Anhaltspunkte, künstlich eingeebnet, trostlos.
»Sonst nichts? Morsezeichen? Sprache? Geh auf andere Wellenlängen!«
»Tu ich die ganze Zeit. Nichts. Nur diese Geräusche. Es ist aber kein leeres Rauschen … Horcht!«
Es sang, hoch, tief, hoch, tief.
Sie hörten es den ganzen Tag – es änderte sich nicht, doch es wurde lauter.
Am Abend wurde das Zeichen zum Halten gegeben. Der Rover schlug einen Kreis, durchschnüffelte die umrundete Fläche. Kein Zeigerausschlag.
»Freigegeben!«
Der Troß rückte nach – fünfzehn Fahrzeuge, zehn Mannschaftswagen, fünf Transporter. Die Soldaten stiegen aus, plump in ihren Anzügen, aber bald standen die Zelte, waren die Luftschleusen bereit.
Die sterilisierende Flüssigkeit überrieselte sie. Das Aerosol hing in der Luft wie Nebel, und sie warteten auf den Niederschlag. Die automatische Uhr beseitigte die Sperre, sie stießen den Deckel auf, stiegen hinein, schälten sich aus ihren Rüstungen.
»Das tut gut!«
»Jetzt eine kalte Dusche!«
»Wir haben zwölf Liter Wasser pro Tag; also seid sparsam!«
»Regnet es hier nie?«
»Vielleicht kontrollieren sie das Wetter.«
Sie blickten durch die Fensterschlitze in der welligen Kunststoffolie, in Augenhöhe rings um das Zelt angeordnet.
»Warum lassen sie sich nicht sehen?«
»Wissen sie nicht, daß wir kommen?«
»Sie verlassen ihre Städte nie.«
»Und die automatische Verteidigung?«
»Ist außer Funktion – sonst wären wir nicht so weit gekommen.«
»Vielleicht sind sie wehrlos, haben Angst.«
»Vielleicht leben sie nicht mehr.«
»Und die Funksignale?«
»Erinnere Josef nicht an die Signale, sonst setzt er sich sofort wieder an seinen Kasten. Er soll lieber ein paar Konserven herausrücken.«
»Und ein paar Dosen Bier!«
Auf zwei Luftmatratzen saßen sie beisammen und fühlten sich wohl. Sie hatten gelernt zu essen, wenn Essen auf dem Programm stand, und zu schlafen, wenn Schlafen auf dem Programm stand, sie waren drei Jahre lang ausgebildet worden, nicht immer in dieser Besetzung, doch so hatte sich die Mannschaft schließlich ergeben – als die stabilste Kombination, die möglich war. Sie waren einander sympathisch, vertrugen sich, ohne sich anzuöden; sie wußten genau, daß Pavel ausgewählt worden war, weil er Ruhe ausstrahlte und Differenzen zu schlichten verstand. Tibor hatte gegensätzliche Charaktereigenschaften; er war lebhaft und erregte sich oft über Kleinigkeiten. So kam es nie zu jener lähmenden Erstarrung, wobei jeder nur vor sich hinbrütet. Aber niemand zweifelte daran, daß Tibor, wenn es hart auf hart ging, einer der Zähesten war. Und Sonja? Wahrscheinlich hatte man aus ähnlichen Gründen eine Frau eingeschaltet; so gab es immer Spannung – eine unterdrückte Spannung allerdings, denn die dunkelblonde Sonja strahlte Kälte aus wie Eis.
Sie sahen sich überraschend ähnlich, wie sie so dasaßen in ihren lehmbraunen Anzügen aus schmiegsamem Stoff, der im Innern der Schutzkombination weder knüllte noch rieb. Sie sahen aus wie Geschwister, obwohl sich Geschwister selten so ähnlich sehen, und sie waren sich einig wie die Angehörigen einer Sekte.
Pünktlich um 20 Uhr, wie vorgesehen, kam über Funk ein Lagebericht aus dem Hauptquartier, der nicht viel mehr besagte, als daß es keine Zwischenfälle gegeben habe. Danach gab der Offizier vom Dienst die Tagesinstruktionen durch – Ausgabe von Treibstoff und Proviant für morgen, Einteilung der Wachen.
Danach kam der Befehlshaber der Abteilung zu einem kurzen Besuch in ihr Zelt. Eigentlich war er ihr Vorgesetzter, aber er gab sich freundschaftlich. Er setzte sich auf die Gummimatratze – neben Sonja, worüber sie alle verstohlen lächelten.
»Kaffee oder Bier?«
»Habt ihr noch Mineralwasser?«
Er hatte den Rang eines Obersten, doch seine Machtbefugnisse reichten weit darüber hinaus. Es war ein offenes Geheimnis, daß er im IKD eine führende Rolle spielte. Seine Scherze waren plump, doch er schien es nicht zu merken, und so wirkten sie nie peinlich; seine Versuche, mit Sonja zu flirten, brachten ihm nur gelassene Antworten ein. Wieder registrierten sie es mit Genugtuung; keiner hatte bei Sonja Erfolg gehabt – jeder hatte es versucht –, und nun gaben sie sich damit zufrieden und empfanden es als eine Art Treue, daß sie den Offizier abblitzen ließ.
»Ihr habt einen Sonderauftrag«, sagte der Oberst, »und ihr seid sorgfältig darauf vorbereitet worden. Die Schwierigkeit liegt darin, daß niemand genau weiß, was ihr tun sollt. Wir wissen zu wenig über die Bewohner der Städte. Was wir wissen, ist Jahrhunderte alt, überholt. Das habt ihr alles gelernt: die gesellschaftliche Ordnung, die Verhaltensweisen, die ethischen Werte, die Sprache …
Ich fürchte nur, daß das meiste sinnlos ist, daß ihr damit nichts anfangen könnt. Wahrscheinlich hat sich alles verändert, ist die Entwicklung weitergegangen – auch bei uns hat sich einiges getan.
Aber in welcher Richtung ging die Entwicklung? Hat ihre Technik weiterhin so große Fortschritte gemacht? Wie sieht ihr politisches System heute aus? Wie läuft ihr Leben ab? Woran arbeiten sie? Welche Ziele haben sie? Wir wissen nicht einmal, wie sie aussehen. Sind sie durch Mutationen verändert? Sind sie degeneriert?«
»Vielleicht leben sie nicht mehr.«
»Aber es gibt doch Anzeichen – die Funksignale …«
»Automaten, die ihre Schöpfer überlebten?«
»Niemand kann sagen, ob die Signale Bedeutung haben.«
»Seit der Isolation gab es keine Nachricht mehr von drüben.«
»Wir waren es selbst, die abgeriegelt haben.«
»Ja, weil wir erkannt haben, daß die größte Gefahr für die Störung eines Systems in der Infiltration von fremdem Gedankengut liegt.«
»Fremdes Gedankengut ist nicht unbedingt schlecht.«
»Es ist destruktiv – für das eigene System, das nach anderen Prinzipien funktioniert.«
»Ob es richtig war oder falsch, was damals geschah … jetzt sind wir in die nächste Phase der Geschichte eingetreten.«
»Warum gerade jetzt?«
Der Oberst beachtete diese Frage nicht. Er veränderte seine Stellung auf der Luftmatratze und versuchte sich bequemer zu setzen.
»Was ich jetzt sagen werde, ist streng geheim. Es betrifft die Vorgeschichte und darf auf keinen Fall an die Öffentlichkeit dringen. Es könnte Unruhe stiften. Das ist auch der Grund dafür, daß es euch erst jetzt mitgeteilt wird.«
Tibor räusperte sich, aber er sagte nichts.
»Die Versuche, die Sperre zu durchbrechen, begannen schon sehr früh, eigentlich schon kurz nach der Isolation. Selbstverständlich wurde der Funkverkehr abgehört, aber wir sind sicher, daß die abgefangenen, Zeichen ohne semantischen Inhalt waren. Die Analyse deutete eher auf Steuersignale für Kontrollgeräte, und wir wissen ja, daß diese aktiv waren.
Wir haben das systematisch überprüft – zuerst mit Versuchstieren, später mit Automaten. Die Sperre war lückenlos. Ob am Boden, in der Luft oder unter der Erde, unsere Objekte wurden abgefangen. Sie wurden geortet – und sie wurden zerstört. Nicht immer auf die gleiche Art, aber stets wirkungsvoll. Manchmal waren es ferngesteuerte Flugkörper, manchmal Energiefelder, Licht, Schall oder Elektrizität, manchmal konnten wir nicht feststellen, was sie vernichtet hatte.«
»Und ein direkter Angriff? Wurden auch schnelle Raketen abgefangen?«
»Das ist ein weiteres Kapitel unserer Erfahrungen mit diesem Land. Wir bereiteten uns natürlich auf einen Angriff vor – aus vorsorglichen Gründen selbstverständlich. Plötzlich kam eine Warnung; es ist bis heute ungeklärt geblieben, wie sie von unseren Plänen Wind bekamen.«