Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ich versuche herauszufinden, ob das Schlangengift deine Nieren angegriffen hat«, erklärte ich geduldig und beschloss, seine letzte Bemerkung zu überhören. »Wenn du nicht pinkeln kannst –«
»Das kann ich wunderbar«, versicherte er mir und zog sich die Decke bis zur Brust hoch, bevor ich ihm am Ende den Beweis abverlangte. »Jetzt lass mich doch einfach frühstücken, und dann –«
»Woher weißt du das? Du hast doch noch gar nicht –«
»Doch.« Als er den skeptischen Blick sah, den ich dem Nachttopf zuwarf, sah er mich finster an und murmelte irgendetwas, das mit »… Fenster« endete. Ich fuhr zum Fenster herum, dessen Läden geöffnet und dessen untere Hälfte trotz der kalten Morgenluft hochgeschoben war.
»Du hast was getan?«
»Nun ja«, verteidigte er sich. »Ich habe da gestanden, und da habe ich mir gedacht, ich könnte es einfach tun, das ist alles.«
»Warum hast du da gestanden?«
»Oh, nur so.« Er blinzelte mich an, unschuldig wie ein neugeborenes Kind. Ich ließ die Frage im Raum stehen und wandte mich wichtigeren Dingen zu.
»Hattest du Blut im –«
»Was hast du mir zum Frühstück mitgebracht?« Ohne meine klinischen Fragen weiter zu beachten, drehte er sich auf die Seite und hob die Serviette an, die über dem Tablett lag. Er warf einen Blick auf die Schüssel mit Brot und Milch, die darunter zum Vorschein kam, dann wandte er mir den Kopf zu und sah mich zutiefst verletzt an.
Bevor er eine weitere Litanei von Beschimpfungen beginnen konnte, kam ich ihm zuvor, indem ich mich neben ihn auf einen Hocker setzte und unverblümt fragte: »Was stimmt eigentlich mit Tom Christie nicht?«
Er kniff überrascht die Augen zu.
»Stimmt mit dem Mann denn etwas nicht?«
»Ich habe keine Ahnung; ich habe ihn ja noch nie gesehen.«
»Nun, ich habe ihn auch seit über zwanzig Jahren nicht mehr gesehen«, sagte er und griff nach dem Löffel, um argwöhnisch in der Mischung aus Brot und Milch herumzustochern. »Wenn ihm in der Zwischenzeit ein zweiter Kopf gewachsen ist, ist mir das auch neu.«
»Langsam«, sagte ich geduldig. »Es ist möglich – und ich sage möglich –, dass du Roger getäuscht hast, aber ich kenne dich.«
Jetzt blickte er auf und lächelte mich von der Seite an.
»Oh, aye? So gut, dass du weißt, dass ich nicht besonders viel für Brot mit Milch übrighabe?«
Beim Anblick dieses Lächelns bekam ich Herzflattern, doch ich bewahrte mir meine Würde.
»Wenn du meinst, dass du mich dazu erpressen kannst, dass ich dir ein Steak bringe, kannst du es vergessen«, mahnte ich ihn. »Ich habe es nicht eilig damit, Tom Christies Geheimnis herauszufinden.« Ich erhob mich, schüttelte meine Röcke aus, als wollte ich gehen, und wandte mich zur Tür.
»Sagen wir Porridge mit Honig, und ich erzähle es dir.«
Als ich mich umdrehte, grinste er mich an.
»Abgemacht«, sagte ich und kehrte zu meinem Hocker zurück.
Er dachte einige Sekunden nach, doch ich konnte sehen, dass er nur überlegte, wie und wo er beginnen sollte.
»Roger hat mir von der Freimaurerloge in Ardsmuir erzählt«, sagte ich, um ihm zu helfen. »Gestern Abend.«
Jamie warf mir einen verblüfften Blick zu.
»Und wie hat unser Roger Mac das herausgefunden? Hat Christie es ihm erzählt?«
»Nein, Kenny Lindsay. Aber Christie hat Roger offensichtlich bei seiner Ankunft mit irgendeinem Freimaurerzeichen begrüßt. Eigentlich dachte ich, Katholiken dürften gar keine Freimaurer werden.«
Er zog eine Augenbraue hoch.
»Aye, nun ja. Der Papst war nicht in Ardsmuir, und ich war es. Obwohl mir auch nichts davon bekannt ist, dass es verboten ist. Dann ist unser Roger also auch ein Freimaurer, ja?«
»Offensichtlich. Und vielleicht ist es jetzt ja noch gar nicht so. Es wird aber später verboten.« Ich beendete das Thema mit einer Handbewegung. »Das ist aber nicht Christies einziges Geheimnis, oder?«
Er schüttelte den Kopf und wandte den Blick ab.
»Nein«, sagte er leise. »Erinnerst du dich noch an einen gewissen Sergeant Murchison, Sassenach?«
»Lebhaft.« Ich war dem Sergeant nur ein einziges Mal begegnet, und zwar vor zwei Jahren in Cross Creek. Allerdings kam mir der Name auch noch in einem anderen, aktuelleren Zusammenhang bekannt vor. Dann fiel mir wieder ein, wo ich ihn gehört hatte.
»Archie Hayes hat von ihm gesprochen – oder von ihnen. Das war es; es gab ja zwei davon, Zwillinge. Einer von ihnen ist der Mann gewesen, der in Culloden auf Archie geschossen hat, nicht wahr?«
Jamie nickte. Seine Augen waren verschleiert, und ich konnte sehen, dass er die Zeit in Ardsmuir vor Augen hatte.
»Aye. Und kaltblütig auf ein Kind zu schießen war genau die Art von Verhalten, auf die man bei ihnen gefasst sein musste. Ich hoffe, dass ich einem so grausamen Pärchen nie wieder begegnen werde.« Sein Mundwinkel zuckte, jedoch ohne Humor. »Das Einzige, was ich Stephen Bonnet zugutehalten muss, ist, dass er einen von diesen Schurken umgebracht hat.«
»Und der andere?«, fragte ich.
»Den anderen habe ich umgebracht.«
Das Zimmer kam mir plötzlich sehr still vor, so als wären wir beide weit fort von Fraser’s Ridge, gemeinsam allein mit dieser unverblümten Aussage. Er sah mir direkt in die Augen und wartete aufmerksam meine Antwort ab. Ich schluckte.
»Warum?«, fragte ich und war vage überrascht, wie ruhig meine Stimme klang.
Da wandte er den Blick ab und schüttelte den Kopf.
»Hundert Gründe«, sagte er leise, »oder keiner.« Er rieb sich geistesabwesend über das Handgelenk, als spürte er das Gewicht eiserner Fesseln.
»Ich könnte dir unzählige Geschichten über ihre Brutalität erzählen, Sassenach, und sie wären alle wahr. Sie haben sich an Schwächeren vergriffen, sie beraubt und misshandelt – und die Gewalt um ihrer selbst willen geliebt. Gegen solche Menschen hat man keine Chance, nicht im Gefängnis. Aber das sage ich nicht als Entschuldigung – denn es gibt keine.«
Die Sträflinge in Ardsmuir wurden als Arbeiter eingesetzt, sie stachen Torf und arbeiteten im Steinbruch. Sie arbeiteten in kleinen Gruppen, jeweils von einem englischen Soldaten bewacht, der mit Muskete und Knüppel bewaffnet war. Die Muskete, um die Männer an der Flucht zu hindern – der Knüppel, um ihren Befehlen Nachdruck zu verleihen und für Gehorsam zu sorgen.
»Es war Sommer. Du kennst doch den Sommer in den Highlands, Sassenach – das dämmrige Mittsommerlicht?«
Ich nickte. Das Mittsommerlicht war das Licht der Frühsommernächte in den Highlands. So weit im Norden ging die Sonne in der Mittsommernacht kaum unter; sie sank zwar unter den Horizont, doch selbst um Mitternacht war der Himmel fahl und milchig weiß, und die Luft war nicht dunkel, sondern schien von einem unirdischen Nebel erfüllt zu sein.
Der Gefängnisverwalter nutzte dieses Licht dann und wann, um die Sträflinge bis zum späten Abend arbeiten zu lassen.
»Es hat uns nicht viel ausgemacht«, sagte Jamie. Er hatte die Augen geöffnet, doch sie waren fest auf das gerichtet, was er im mittsommerlichen Dämmerlicht seiner Erinnerungen vor sich sah. »Es war besser, im Freien zu sein als innen. Und doch waren wir abends so müde, dass wir kaum noch einen Fuß vor den anderen setzen konnten. Es war wie Traumwandlerei.«
Nach getanem Tagewerk waren Wachen wie Männer taub vor Erschöpfung. Die Gefangenen hatten sich zu sammeln und für den Rückmarsch zum Gefängnis als Kolonne aufzustellen. Kurz vor dem Einnicken, schlurften sie stolpernd über das Moor, vom Schlafbedürfnis wie betrunken.
»Wir waren noch im Steinbruch, als sie sich in Bewegung gesetzt haben; wir sollten die Steinbrechwerkzeuge und die letzten Blöcke auf den Wagen laden und dann folgen. Ich erinnere mich noch, wie ich einen großen Steinblock auf den Wagen gehievt habe und dann keuchend einen Schritt zurück getreten bin. Hinter mir erklang ein Geräusch, und als ich mich umgedreht habe, habe ich Sergeant Murchison gesehen – es war Billy, obwohl ich das erst später erfahren habe.«