Der Dagon-Zyklus, Band 2
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 1991
- Язык: немецкий
- Год: Weltbild Verlag
- ISBN: 3-86047-343-3
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «Der Dagon-Zyklus, Band 2». Краткое содержание книги:
»Sie verdammter Idiot!« brüllte ich. »Haben Sie in Ihrem Schädel auch noch für irgend etwas anderes Platz als für das Wort ›schießen‹, Sie Blödmann? Das war vielleicht unsere letzte Chance!«
McGillycaddy starrte mich an, gab ein glucksendes Geräusch von sich und preßte die Hände gegen das Gesicht. Zwischen seinen Fingern sickerte dunkles Blut hervor, aber der Anblick tat mir nicht im geringsten leid.
»Sind... sind Sie verrückt geworden, Craven?« wimmerte er. »Der Kerl hat Hunter umgebracht, und er wollte auch mich töten!« Er stemmte sich in die Höhe und kam torkelnd näher, die Hände immer noch gegen die Wangen gepreßt.
»Verdammt noch mal, Craven - auf welcher Seite stehen Sie eigentlich?« brüllte er.
Die wütende Antwort, die mir auf der Zunge lag, blieb mir im wahrsten Sinne des Wortes im Halse stecken. Plötzlich begriff ich, wie recht McGillycaddy hatte - von seiner Warte aus. Woher sollte er wissen, daß ich Shannon kannte - und daß ich ihn als Freund kennengelernt hattel Woher sollte er wissen, warum ich verhindern wollte, daß er Shannon tötete?
»Sie stehen auf ihrer Seite!« behauptete McGillycaddy. Seine Stimme schnappte fast über.
»Ich habe es gewußt«, behauptete er. »Sie sind ein Verräter. Sie... Sie arbeiten mit ihnen zusammen. Diese Mörderbande gehört zu Ihnen, Craven!«
Ich ohrfeigte ihn, aber diesmal blieb der Schlag ohne Wirkung. McGillycaddy krümmte sich wimmernd, aber nur, um ein paar Schritte zurückzutorkeln und mit hoch erhobener Stimme loszubrüllen: »Sie gehören dazu, Cravenl Diese Mörderbande und Sie stecken unter einer Decke!«
Plötzlich war es wieder still. Unheimlich still. Ich glaubte geradezu zu spüren, wie sich aller Aufmerksamkeit auf McGillycaddy und mich richtete, wie sich die Blicke von zweihundert Augenpaaren wie glühende Dolche in meinen Rücken bohrten.
»Das... das ist Unsinn«, sagte ich stockend. »Ich kenne diesen Mann, das stimmt, aber...«
»Sie geben es also zu!« kreischte McGillycaddy. »Sie wollen uns alle umbringen, Craven! Sie stecken mit ihnen unter einer Decke.«
Die Stille war einem drohenden, an- und abschwellenden Raunen und Wispern gewichen - und dem Schleifen von Hunderten von Füßen, die einen langsam enger werdenden Kreis um McGillycaddy und mich herum bildeten. Ich glaubte die Feindseligkeit, die plötzlich in der Luft lag, regelrecht zu riechen.
»Lassen Sie es mich erklären, McGillycaddy«, sagte ich beinahe verzweifelt. »Es ist nicht so, wie Sie glauben. Ich kenne diesen Mann von früher, aber ich habe nichts mit ihm zu schaffen. Ich...«
McGillycaddy stieß einen Schrei aus, packte mich warnungslos bei den Rockaufschlägen und wollte mich zu Boden schleudern, aber ich war zu schnell für ihn. Mit einem blitzschnellen Hieb sprengte ich seinen Griff und stieß ihn grob von mir. Aber seine Hand zerriß meine Rocktasche.
Etwas klirrte dicht neben mir auf den Boden, und McGillycaddys Augen wurden rund vor Erstaunen. Hastig senkte ich den Blick - und unterdrückte im letzten Moment ein entsetztes Stöhnen.
Das Klirren kam von den drei kleinen, fünfzackigen Wurfsternen, die aus meiner zerrissenen Tasche gefallen waren. Die Shuriken des toten Drachenkriegers, die Bannermann aufgehoben und mir gegeben hatte, weil ich besser damit umzugehen wußte als er.
Es konnte sein, daß diese drei Wurfsterne jetzt mein Schicksal besiegelten... McGillycaddy bückte sich nach einem der Sterne und hob ihn auf. Zwei, drei Sekunden lang starrte er den Wurfstern aus hervorquellenden Augen an, dann drehte er sich herum, ging zu dem Toten neben der Tür und beugte sich über ihn.
Als er zurückkam, hielt er einen zweiten Shuriken in der Hand. Einen, dessen scharfe Kanten rot vom Blut des Toten waren.
»Und was ist das, Craven?« fragte er lauernd. Obwohl er sehr leise sprach, war ich sicher, daß seine Worte bis in den hintersten Winkel des Raumes verstanden wurden. »Was ist das für eine Waffe? So etwas habe ich noch nie gesehen.« Plötzlich trat er auf mich zu, packte mich und fuchtelte so dicht vor meinem Gesicht mit dem blutigen Stern herum, als wolle er mir die Augen ausstechen. Ich machte nicht einmal den Versuch, mich zu wehren. Hätte ich auch nur die Hand gehoben, hätte mich die Menge hinter mir in Stücke gerissen, das wußte ich.
»Sie haben nichts mit ihnen zu tun, wie?« brüllte er. »Sie tragen nur ihre Waffen bei sich! Und wie war das vorhin, als ich einen von ihnen abgeknallt habe? Wieso leben Sie noch, so wie diese Männer kämpfen, Craven?«
»Ich... ich kann das erklären«, sagte ich verzweifelt. Gleichzeitig versuchte ich, McGillycaddy geistig zu beeinflussen, aber diesmal ließ mich mein magisches Erbe im Stich. Vielleicht war ich zu aufgeregt. Vielleicht gab der Zorn McGillycaddy auch zusätzliche Kraft und machte ihn unempfindlich gegen meinen lautlosen Angriff. »Erklären!« kreischte er. »Das glaube ich gerne. Sie werden uns so lange und so viel erklären, bis wir alle tot sind, wie? Ich pfeife auf Ihre Erklärungen, Craven!«
Er versetzte mir einen Stoß, der mich rücklings gegen den Tisch warf und halb zusammenbrechen ließ, packte mich abermals bei den Rockaufschlägen und zerrte mich grob in die Höhe. Sein Gesicht hatte sich hektisch gerötet, und in seinen Augen loderte ein triumphierender Ausdruck.
Und plötzlich begriff ich, daß er mich umbringen würde, ganz gleich, was ich sagte. Im Grunde war es McGillycaddy völlig egal, ob ich wirklich zu den maskierten Mördern gehörte oder nicht. Er haßte mich, weil er instinktiv spürte, daß ich seine Machtposition gefährdete. Und ich hatte ihm den besten Vorwand gegeben, sich meiner zu erledigen, den er sich nur wünschen konnte.
»Seien Sie vernünftig, McGillycaddy!« flehte ich. »In zwei Stunden wird dieses Schiff mit Mann und Maus untergehen, und ...«
McGillycaddy schlug mir auf den Mund. »Nun, dann werden wir wenigstens noch zwei Stunden länger leben als Sie, Craven!« sagte er. »Es wird mir ein persönliches Vergnügen sein, Ihren Henker zu spielen!«
Er schlug mich erneut, und diesmal so hart, daß meine Lippe aufplatzte und ich einen Schmerzlaut nicht mehr unterdrücken konnte.
»Alles war gut, bis Sie gekommen sind!« keuchte er. »Sie haben das Unglück über uns gebracht, Craven. Seit Sie aufgetaucht sind, verfolgen uns Tod und Chaos. Sie sind schuld, wenn dieses Schiff untergeht. Sie...«
»Das ist nicht wahr«, unterbrach ihn eine leise Stimme. McGillycaddy ließ meine Rockaufschläge los und fuhr mit einem wütenden Keuchen herum, und auch ich versuchte, die Nebel vor meinen Augen wegzublinzeln und an ihm vorbeizublicken. Der dichtgeschlossene Kreis aus Männern und Frauen, der McGillycaddy und mich umgab, hatte sich geteilt, um einer schlanken, in einem mit verwirrenden kabbalistischen Zeichen bestickten Umhang gehüllten Gestalt Platz zu machen.
»Du?« entfuhr es McGillycaddy. »Woher kommst du? Und wo ist Dagon?«
»Fort«, antwortete Jennifer. Ihre Stimme klang schleppend, flach und kraftlos, als müsse sie sich zu jedem einzelnen Wort zwingen, und als sich mein Blick klärte, sah ich, daß ihr Gesicht zu einer Maske aus Furcht und Verbitterung erstarrt war. Ihr Blick streifte mein Gesicht, aber ich bezweifelte, daß es wirklich ich war, was sie sah.
»Was soll das heißen, fort?« fauchte McGillycaddy. »Und was mischst du dich ein?«
Jennifer löste sich mit einer gezwungen wirkenden Bewegung von ihrem Platz und kam ein paar Schritte auf McGillycaddy und mich zu. »Er ist fort, McGillycaddy«, wiederholte sie, und plötzlich klang ihre Stimme bitter und voller Verzweiflung. Sie deutete auf mich, sah McGillycaddy aber weiter unverwandt an. »Ich weiß nicht, was dieser Mann getan hat, McGillycaddy - aber er trägt nicht die Schuld an dem, was hier geschieht.«