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Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]

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Menschlicher Forschergeist sind keine Grenzen gesetzt. Kurz vor dem Jahre 2000 sind Mond und Mars bereits bezwungen.
Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse.
Deshalb startet die SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten.
Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden?
Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
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Solch ein Gewittermelder konnte gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er gab den Wissenschaftlern buchstäblich die Hand frei.

Belopolski ließ sofort mehrere solcher Barometer anfertigen.

Sie wurden auf dem zentralen Steuerpult, in der Funkkabine und in den Luftschleusen aufgestellt.

Von nun an wußten die Sternfahrer stets, wann ein Gewitter heraufzog. Sobald das Gerät erhöhte Ionisierung der Luft anzeigte, wurde vom Schiff aus ein Warnsignal abgegeben, und alle, die sich am Ufer aufhielten, eilten darauf schleunigst in die Luftschleusen.

Die entsetzlichen Regengüsse überraschten nicht ein einziges Mal ein Expeditionsmitglied außerhalb des Schiffes.

Die Temperatur der Außenluft stieg unaufhaltsam. Am fünften Tag zeigte das Thermometer siebzig Grad plus an. Der Dunst, der vom Wasser aufstieg, verwandelte sich allmählich in Nebel. Die Astronauten mußten ihre Kühlanzüge anziehen.

Bemerkenswert war, daß diese Anzüge sehr leicht und einlach waren. Die auf der Venus in großen Mengen anfallende Kohlensäure diente nämlich als Kühlmittel. Das Absinken der Temperatur innerhalb des Anzuges wurde mit Hilfe der Kompressionsmethode durch Verdunsten der Kohlensäure erreicht.

Natürlich waren Halbleiterbatterien, die bei kleinem Umfang in bedeutender Menge Elektroenergie erzeugen, für den Bau einer Kompressionsvorrichtung wie dieser, die sogar in einen kleinen Tornister paßte, Voraussetzung. Aber stets sind die Errungenschaften der Wissenschaft eng mit dem Niveau der Technik verknüpft.

Belopolski ließ beschleunigt eine Startbahn für Flugzeuge anlegen. Er wollte die Insel von oben betrachten und gleichzeitig versuchen, ein Festland ausfindig zu machen. Am Ufer der Insel hatte man Spuren entdeckt, die deutlich darauf hinwiesen, daß die Flut hier sehr hoch stieg. Das diente nach Balandins Meinung als Beweis für die Nähe eines Festlandes. Auf hoher See, fern von anderen Ufern, konnte die Flut nicht so hoch steigen.

Mit der Anlage einer Startbahn wurden Paitschadse, Wtorow, Romanow und Knjasew beauftragt. Saizew leitete die Arbeit.

Als Flugfeld konnte die Bucht dienen; die Düsenflugzeuge, die an Bord von „SSSR-KS 3“ mitgeführt wurden, waren alle Wasserflugzeuge. Es tauchte jedoch die Frage auf, wo sie montiert und vor allem wo sie untergestellt werden sollten. Auf dem Wasser würde das erste beste Gewitter ihre Tragflächen zerschmettern. Deshalb wurde beschlossen, einen geschützten Hangar zu bauen und ihn mit einer Vorrichtung zum Wassern der Flugzeuge vorm Start sowie zur Wiederaufnahme nach der Landung zu versehen.

Das war eine schwierige Aufgabe, wenn man die Höhe des Ufers und die unzähligen Schwammsträucher und Korallenbäume berücksichtigte. Aber Zähigkeit und Erfindergeist siegten.

Mit Flammenwerfern und mächtigen Ultraschallgeräten vernichteten sie auf einer Fläche von dreihundert Quadratmetern alles, was das Ufer bedeckte. Mit Stücken der Korallenbäume schütteten sie die zahlreichen Gruben zu. Über diesem Platz errichteten sie ein festes Dach, das an einigen Stammen befestigt wurde, die eigens zu diesem Zweck nicht gefallt worden waren.

Gezielte Sprengungen rissen einen Teil des Ufers ein, so daß ein schräger Hang entstand. Als sie dann noch eine Elektrowinde aufgestellt hatten, war der Flughafen fertig.

Zwar drückten Regengüsse das Dach noch mehrmals ein, und es mußte neu errichtet werden. Aber schließlich konnten selbst die schrecklichsten Gewitter dem Hangar nichts mehr anhaben.

Das Wasserflugzeug im Hangar unterzustellen war nun nicht mehr schwierig. Es wurde ans Ufer bugsiert und mit der Winde den Hang hinaufgezogen. An der Montage und Anbringung der Tragflächen beteiligten sich fast alle Besatzungsmitglieder.

Am sechsten Tag, dem 15. Juli, stand die Maschine startbereit.

Belopolski beauftragte Melnikow und Wtorow mit dem ersten Flug. Sie sollten die Insel aus der Luft fotografieren.

Balandin und Korzewski hatten während dieser Tage vergeblich versucht, Wassertiere zu fangen. Ihre Netze blieben leer.

Aber zweifellos gab es im Ozean der Venus schwimmende Lebewesen; denn sonst wäre das Verhalten der Aktinien und der anderen Organismen an Land schwerlich zu erklären gewesen.

Es blieb nur zu vermuten, daß alle diese Tiere mit der Ebbe auf die hohe See hinausschwammen.

Aber trotz des erfolglosen Fischfangversuches konnten die Sternfahrer mit den Ergebnissen ihrer Arbeit zufrieden sein. Sie hatten innerhalb von sechs Tagen Entdeckungen gemacht, die alle bisherigen Vorstellungen vom Leben auf diesem Planeten, zumindest was die Ozeane betraf, über den Haufen warfen. Die Korallen, die Schwämme und die vorerst noch rätselhaften „Bänder“ waren keine embryonalen Lebenskeime mehr, sondern voll ausgebildete Organismen mit einer komplizierten Struktur.

Und die unbekannten Fische, die ihnen als Nahrung dienten, mußten auf einer noch höheren Stufe der Evolution stehen.

Die Korallen und Schwämme auf der Venus glichen denen auf der Erde, aber über diesen auf den ersten Blick merkwürdig scheinenden Umstand wunderten sich weder Balandin noch Korzewski. Das Wasser im Ozean war gewöhnliches Wasser und unterschied sich nicht von dem Meerwasser der Erde. Auf Planeten, die einander nahe waren, mußte das Leben in annähernd gleicher Weise entstehen und konnte bei den niederen Formen sogar miteinander identisch sein. Der sehr schwache Formalingehalt in den Gewässern der Venus konnte die Entfaltung des Lebens nicht behindern.

Das größte Rätsel, für das sich vorläufig keine wissenschaftliche Erklärung fand, blieben die seltsamen Eigenschaften der grellroten Lianen. Sie gehörten zweifellos zur Pflanzenwelt, erinnerten aber dadurch, daß sie bewußt auf Berührung reagierten, an Tiere. Es gelang den Forschern, zwei dieser vermeintlichen Lianen vom Stamm zu lösen, ohne sie zu zerstückeln, und in einem Behälter mit Spiritus zu verschließen. Die rätselhaften Pflanzentiere sollten auf der Erde gründlich studiert werden.

Selbstverständlich beschäftigte auch das geheimnisvolle Lineal nach wie vor die Gedanken der Expeditionsmitglieder und verursachte hitzige Streitgespräche. Daß es künstlich entstanden war, konnte nicht bezweifelt werden. Folglich gab es entweder vernunftige Lebewesen auf der Venus, oder solche Wesen hatten vor der Landung von „SSSR-KS 3“ die Venus besucht. Die letztere Vermutung wurde von Melnikow und Korzewski unterstutzt. Professor Balandin dagegen behauptete, das Lineal sei von Bewohnern der Venus hergestellt und verloren worden.

„Wir werden ihnen auf dem Kontinent sicher begegnen“, sagte er.

Belopolski äußerte seine Zweifel nicht, und daher erfuhr niemand seine Gedanken.

Überall versuchten die Astronauten Spuren vernünftiger Lebewesen zu entdecken, aber sie fanden nichts. Anscheinend war die Insel nie bewohnt gewesen. Wenigstens nicht in der Gegend, in der das Schiff lag. Alle, die den Gedanken verfochten, daß die Venus bewohnt sei, setzten große Hoffnung auf die vorbereitete Luftaufklärung. Vielleicht würde es vom Flugzeug aus gelingen, Spuren vernunftgelenkten Schaffens zu entdecken, die sich auch über die letzte Überflutung der Insel durch den Ozean hinweg erhalten hatten. Das Lineal konnte nicht vom Himmel gefallen sein, jemand mußte es hergestellt und verloren haben, mochte das auch schon ein Jahr zurückliegen — es war geschehen und bezeugte unwiderleglich das Wirken von Vernunft.

„Auf der Insel kann es keine Bauwerke geben“, widersprach ihnen Korzewski, „und zwar deshalb nicht, weil sie zu bestimmten Zeiten regelmäßig im Wasser versinkt. Allem Anschein nach ist die Venus für die Herausbildung vernünftigen Lebens ungeeignet. Für mich steht jedenfalls fest, daß dieser Planet keine vernunftbegabten Bewohner besitzt. Das Lineal haben Kosmonauten verloren.“ „Dann müßten wir Spuren von der Landung eines Raumschiffes finden.“ „Es kann weit von hier gelandet sein.“ „Und wie ist dann das Lineal in die Bucht geraten?“ „Die Wellen der Flut und der Wind haben es hierhergetrieben.“ „Wenn tatsächlich von einem anderen Planetensystem aus ein Raumschiff hierhergeflogen ist“, sagte Balandin, „dann hätte es auch unsere Erde angesteuert.“ „Nicht unbedingt“, entgegnete Melnikow, „es ist nicht so einfach, einen Planeten zu finden, noch dazu solch einen kleinen.

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